Würzburger Kickers – SC Freiburg 0 : 1

1. Erste Runde DFB-Pokal

Die 3. Liga hat bereits vor zwei Wochen begonnen und das hat man in dieser ersten Runde des Pokals auch gemerkt. Die Erst- und Zweitligisten taten sich schwer mit der untersten Liga des nationalen Profifußballs. 1860, Osnabrück und Waldhof Mannheim sind weitergekommen und Kaiserslautern, Viktoria Köln, Türkgücü München, Meppen und Magdeburg haben jeweils nur mit einem Tor unterschied verloren. Nur dem BVB ist es gelungen, einen Drittligisten deutlich mit 0:3 zu schlagen. Das enge Spiel des SC Freiburg in Würzburg reiht sich also wunderbar ein.

2. Die Aufstellung

Freiburg spielte im 3-4-3, was nach der Vorbereitung nicht wirklich überraschte. Und auch personell sah die Aufstellung zwar auf ein, zwei Positionen etwas ungewohnt aus, doch bei näherer Betrachtung war alles sehr nachvollziehbar.

  Grifo Höler Jeong  
Günter Höfler   Keitel Schmid
  N. Schlotterbeck Lienhart Gulde  
    Flekken    


Jeong hat sich laut Streich in der Trainingswoche sehr angeboten. Darüber hinaus konnte man bereits in der Vorbereitung sehen, dass Sallai und Demirovic noch nicht ganz an ihre Leistungen der letzten Saison anknüpfen konnten. Somit erklärt sich auch, dass Höler als Stürmer eingesetzt wurde. Keitel spielte auch schon gegen Straßbourg und hat aktuell wohl einen kleinen Vorsprung vor Santamaria, der erst spät eingewechselt wurde. Blieb noch Gulde, der ohnehin viel häufiger spielt, als allgemein vorhergesagt wird und wenn K. Schlotterbeck noch nicht ganz fit ist, Lienhart ins Zentrum rückt, ist er praktisch ohne Konkurrenz auf der rechten Seite.

3. Das Spiel

Taktisch ließ sich wenig Neues beobachten. Die Pressingphasen waren kurz, da Würzburg früh den langen Ball schlug. In diesen Phasen sah die Sturmreihe aber sehr aktiv aus. Man scheint in der Vorbereitung einen Fokus auf defensive Abläufe gelegt zu haben. Das zeigte sich besonders im Gegenpressing und in der Verteidigung bei langen Bällen. N. Schlotterbeck und Gulde gingen sehr robust in die Zweikämpfe und scheuten sich nicht davor, ein Foul gepfiffen zu bekommen oder den Ball ins Seitenaus zu klären. Das verlieh dem Sportclub eine gewisse Stabilität – gerade in der ersten Halbzeit. Zusätzlich ermöglichte diese Absicherung ein riskantes Gegenpressing. Gegen Würzburg entscheiden sich die Offensivspieler eher dazu, bei Ballverlust direkt nachzusetzen, als sich zurückzuziehen. Auch das funktionierte häufig sehr gut.

Mit dem Ball hatte man eine recht gute Struktur. Gegen das 4-4-2 des Drittligisten baute man mit drei Innenverteidigern auf und ließ den Ball schnell genug laufen, um die erste Pressinglinie auseinanderzuziehen und regelmäßig zu überspielen. Schwierig wurde es zu Beginn erst im Mittelfeld. Hier verhedderte man sich oft auf der linken Seite. Daraufhin streute man immer häufiger Verlagerungen ein und machte das Feld im Angriff breiter. Jeong und Schmid kombinierten einige Male recht hübsch und Jeong traf auch nach einer dieser Kombination den Pfosten. Im Laufe der ersten Halbzeit kam dann auch die linke Seite besser ins Spiel. Günter flankte nicht mehr einfach rein, sondern dribbelte auch mal seinen Gegenspieler aus. Das führte zu einigen Chancen und schlussendlich zum Tor kurz vor dem Halbzeitpfiff.

Die Aufbauformation, die zu den häufigsten Durchbrüchen führte, war recht interessant. Bei Ballbesitz Innenverteidiger standen Günter und Schmid bereits mit Höler an der Abseitslinie, um bei einem Steilpass hinter die letzte Kette zu starten, während Grifo und Jeong sich etwas eingerückt dahinter anboten. Der Innenverteidiger hatte damit einige Optionen. In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit funktionierte das sehr gut.

Nach der Führung wurde das Spiel aus Freiburger Perspektive etwas schlechter. Gerade Offensiv brachte man kaum noch etwas zustande. Zu oft verlor man den Ball recht einfach, obwohl man teilweise mehr Platz hatte als in den ersten 45 Minuten. Positiv war weiterhin die Arbeit gegen den Ball. Zwar gab es ein, zwei Szenen, in denen Würzburg mal durchkam, aber über 90 Minuten betrachtet, hat man wirklich kaum etwas zugelassen. Das 0:1 ist somit auch ein recht passendes Ergebnis.

4. Fazit

Nachdem man letzte Saison defensiv etwas wackeliger in die Saison gestartet war, scheint man in dieser Saison besonders auf Stabilität zu achten. Darüber hinaus gab es auf der Ebene der allgemeinen Herangehensweise wenig zu beobachten.

Ein paar Spieler hatten interessante Auftritte:

Jeong machte in den ersten 60 Minuten ein hervorragendes Spiel. Seine Kombinationsfähigkeiten und Dribblings sind manchmal nicht ganz so effektiv wie die von Grifo, wirken aber enorm geschmeidig. Auffällig ist auch seine Arbeit gegen den Ball. Laufwege im Pressing aber auch der direkte Zweikampf sind auf keinen Fall Schwächen von ihm. Seine Leistung wurde durch Streichs Wechsel gewürdigt. Während Grifo und Höler nach 74 Minuten vom Feld mussten, blieb Jeong bis in die Nachspielzeit.

Keitel machte sich gut in den Zweikämpfen im defensiven Mittelfeld. Zusätzlich stieß er immer wieder bei Angriffen in den Strafraum nach, um als Anspielstation zu dienen. Das führte zu zwei Abschlüssen in sehr guter Position, die bei etwas besserer Schusstechnik/ Entscheidungsfindung/ etc. zu Toren hätten führen können.

Nico Schlotterbeck hat noch die ein oder andere Leichtsinnigkeit in seinem Spiel, bestätigte aber sein Potenzial in allen Bereichen. Seine Diagonalbälle kamen präzise, der flache Aufbau war gut und sein Dribbling an den Strafraum, mit dem Pass auf Keitel führte zu einer sehr guten Chance. Defensiv waren seine Zweikämpfe und Kopfballduelle meistens sehr dominant und mit seiner Schnelligkeit bekam er auch in dynamischen Aktionen genug Druck auf den Gegenspieler. Wie sooft bei jüngeren Verteidigern wird es bei ihm darum gehen, Konstanz in sein Spiel zu bringen – und zwar über die Saison und über 90 Minuten.

Als Letztes ist Schmid zu nennen. Er konnte mit der Spielweise von Jeong wirklich etwas anfangen und brachte sich offensiv sehr gut ein. Bei seinem Tor stand er zentral im Strafraum und verarbeitete die Weiterleitung von Höler sehenswert.

5. Die Bundesliga

Die defensive Stabilität mit Konterabsicherung, Gegenpressing und viel Intensität im Zweikampf ist eine gute Grundlage für den Saisonstart. Gegen Bielefeld könnte es dennoch zäh werden, da viele Offensivspieler noch nicht in Form/ verletzt sind. Gemeint sind Grifo, Sallai, Demirovic und Petersen und zwar gemessen an der letzten Saison. Das kann sich aber auch von Spiel zu Spiel ändern. Der Pokal und die Testspiele sind vielleicht auch nicht die beste Grundlage, um ihre aktuelle Form zu bestimmen. Und wie gesagt, insgesamt stimmte das Pokalspiel aufgrund der sehr seriösen Spielweise positiv für den Saisonstart gegen Bielefeld.

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