Vorbericht: 1. FC Union Berlin – SC Freiburg (mit Daniel Roßbach)


Damit man sich als Freiburgfan ein bisschen auf das Spiel am Samstag gegen Union Berlin einstellen kann, habe ich Daniel Roßbach gebeten, drei Fragen zu beantworten:

1. Wie wird Union spielen (Herangehensweise und System)?
2. Was sind aktuellen Probleme/ Stärken?
3. Auf welche drei Spieler sollte man als Fan der gegnerischen Mannschaft ein Auge werfen?


Als Service für Fans des 1. FC Union Berlin beantworte ich im Folgenden ebenfalls die Fragen. Zunächst aber die Antworten von Unioner Seite:


1. Wie wird Union spielen (Herangehensweise und System)?

„Nicht anders als sonst auch, ist die Antwort in groben Zügen, und das heißt: Mit einem Fokus auf defensive Stabilität, einem direktes Spiel nach vorne mit hohen Bällen auf Sebastian Andersson und klaren, auf wenig systematisches Risiko ausgerichteten Abläufen in Ballbesitz.

Weniger vorhersehbar ist dagegen, in welcher Formation sich das abspielen wird. Zu Beginn der Saison spielte Union weiter im System der letzten Saison, das aber etwas tiefer interpretiert wurde und nun wirklich eher ein 4-2-3-1 als ein 4-3-3 war. Gegen Wolfsburg gab es nun zum ersten Mal eine Dreierkette und ein 3-4-3/3-6-1 zu sehen. Das könnte durchaus auch gegen Freiburg und seine drei Angreifer wieder eine Option sein. Dagegen sprächen aber eventuell zu weite Wege für die Halbverteidiger im Herausrücken und Verteidigen der inside forwards (also der Angreifer auf den Halbpositionen) des Sportclubs.“

2. Was sind aktuellen Probleme/ Stärken?

„Die Schwäche von Union in der Bundesliga ist klar die offensive Produktivität, und auch die Anfälligkeit für individuelle Fehler am Ball, die dem Gegner gefährlichen Ballbesitz spendieren können.

Unions Offensivspiel hängt von eher weniger erfolgsstabilen Mitteln und Momenten ab. Und das wird sich wohl auch nicht schnell ändern, denn für jeden anderen Ansatz fehlt die spielerische Qualität im zentralen Mittelfeld (erst recht, weil Grischa Prömel) verletzt ist.

Die Stärken Unions sind, dass es einige Spieler hat, die zu den rudimentären Mitteln des Spiels passen, insbesondere Andersson, mit dem Union allerdings einen Weg finden sollte, noch nützlicher für Anthony Ujah und/oder den offensiven Außen zu sein.“

3. Auf welche drei Spieler kann man als Fan der gegnerischen Mannschaft mal achten?

„a) Rafał Gikiewicz ist in Freiburg ja von partikularem Interesse und war der Schlüsselspieler im Aufstiegsjahr. Sowohl seine torwartliche Qualität als auch seine anspruchsvolle Mentalität waren dabei sehr wichtig. In der Bundesliga war Gikiewicz in dieser Saison zwar oft sehr gut, hatte als Torwart mit viel Arbeit aber auch ein paar etwas unglückliche Momente.

b) Sebastian Andersson, der aus den genannten Gründen wichtig für Union und der Spieler in der ganzen Liga mit den meisten gewonnen Zweikämpfen und Kopfballduellen ist.

c) Es ist sehr unterhaltsam und spannend zu sehen, wie lange Marius Bülter ohne endlosen Variantenreichtum gute Szenen in der Bundesliga hat und haben wird.“

 

Daniel Roßbach ist Teil des Blogs und Podcasts „Textilvergehen“. Dort gibt es auch schon einen Artikel zum Spiel.


Autorenwechsel:


1. Wie wird Union Freiburg spielen (Herangehensweise und System)?

In den letzten Spielen wurde ein 3-4-3 mit sehr hohen Außenverteidigern und engen Stürmern bevorzugt. Die Herangehensweise war jedoch recht unterschiedlich, da Christian Streich prinzipiell starke Anpassungen an den Gegner vornimmt. So wäre möglich, dass Freiburg gegen Union früh ins Pressing geht, um gerade auf den Außen hohe Ballgewinne zu erzielen. Angesichts der gefährlichen hohen Bälle auf Andersson und (verzeiht mir) der bisherigen Schwächen im Aufbauspiel, könnte es aber auch sein, dass der Sportclub etwas tiefer steht, um die zweiten Bälle zu erobern.
Bei eigenem Ballbesitz war die Freiburger Mannschaft bisher pragmatisch. Gibt man der Dreierkette etwas Ruhe am Ball, wird durch tiefe Ballzirkulation der Gegner zum Verschieben gezwungen und wenn genug Platz ist, ein Pass auf einen der beiden schnellen Außenverteidiger/ Flügelläufer gespielt. Kommt Union gut in ein aggressives Pressing, wird Freiburg auch mal häufiger einen langen Ball spielen.

Es gibt die Möglichkeit, dass Streich wieder auf ein 4-4-2 umstellt, aber ich sehe dafür keinen zwingenden Grund.

2. Was sind aktuellen Probleme/ Stärken?

Platz 4 mit 14 Punkten und 15:7 Toren nach acht Spieltagen sprechen gerade weniger für größere Probleme. Doch man kann Unionfans auch etwas beruhigen. Ganz so souverän waren die einzelnen Spiele dann auch nicht. Sie waren meisten lange Zeit ausgeglichen und entschieden sich erst in den letzten Minuten. Auch gegen ein gut organisiertes Augsburger Pressing (zwischen der 30. und 80. Minute), hatte Freiburg Probleme, viele Torchancen herauszuspielen. Dass die Spiele am Ende aber dennoch häufig positiv für den SC ausgingen, lag zu einem großen Teil an dem ungewohnt guten und großen Kader. Im letzten Spiel saßen Grifo, Petersen, Sallai und Kwon auf der Bank. Gegen Düsseldorf stand es zur 60. Minute 1:1 und Streich konnte Grifo und Waldschmidt einwechseln. Dennoch sehe ich für Freiburg am Samstag nur leichte Vorteile.

3. Auf welche drei Spieler sollte man als Fan der gegnerischen Mannschaft ein Auge werfen?

a) Luca Waldschmidt: Gewinnt mal ein Dribbling und hat einen sehr guten Distanzschuss mit dem linken Fuß. In dieser Saison konnte er schon drei Mal von außerhalb des Strafraums ein Tor erzielen. Seine größte Stärke ist allerdings, das „Schwimmen“ in den Halbräumen. Hier lässt er sich in Aufbausituationen gut fallen, wird von den äußeren Innenverteidigern angespielt und kann von dort aus Angriffe einleiten.
Streich hat allerdings schon häufiger Spieler zunächst auf der Bank gelassen, wenn sie vorher bei einer Nationalmannschaft eingesetzt wurden.

b) Christian Günter: Ihm kam die Umstellung auf das 3-4-3 sehr entgegen. Als Außenverteidiger kann er dort seine Schnelligkeit einsetzen. Über ihn laufen einige Angriffe. Im letzten Drittel spielt der dann entweder mit viel Risiko an die Strafraumgrenze oder zieht selbst nach innen. Ist Trimmel schnell?

c) Robin Koch: Die Dreierkette aus Koch, Lienhart und Heintz/ Schlotterbeck ist für Freiburger Verhältnisse ohnehin sehr stark im Aufbauspiel. Koch sticht dabei sogar noch heraus. Seine Ballzirkulation ist sicher und seine Verlagerungen auf Außen recht präzise. Aber auch bei den typischen Fähigkeiten des Innenverteidigers (Kopfball (offensiv /defensiv), Zweikampf und Schnelligkeit im 1 gg 1) hat er gegenüber seinen beiden Nebenspielern leichte Vorteile. Wird er im zentralen Mittelfeld eingesetzt, hat er allerdings manchmal ein paar Probleme mit dem gegnerischen Druck.



Ein Gedanke zu „Vorbericht: 1. FC Union Berlin – SC Freiburg (mit Daniel Roßbach)

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