TSG Hoffenheim – SC Freiburg 1 : 3


1. Der SC Freiburg mit einer Serie (und die Aufstellung)

Sieht man sich die letzten 5 Spiele an, ist der Sportclub das formstärkste Team der Liga. Man hat die letzten sechs Spiele nicht verloren und die letzten vier sogar gewonnen. Das Grundsystem 3-4-3 blieb am Samstag also erwartungsgemäß mit leichten Anpassungen bestehen und der feste Kern des Personals ebenso. Im Prinzip werden seit dem Spiel gegen Mainz nur die beiden Positionen im Sturm neben Grifo rotiert.
Die TSG Hoffenheim hingegen hat in der Bundesliga noch einige Anlaufprobleme und konnte sich trotz häufig guter Leistungen erst 14 Punkte erspielen. In den letzten 5 Spielen gab es 3 Niederlagen und 2 Siege.

Dass eines der Teams gerade „einen Lauf hat“ und das andere nicht, passte wirklich gut zum Spielverlauf.

2. Die erste Halbzeit (Bewertung und Kurzzusammenfassung)

Die ersten 45 Minuten waren sehr kurios. Exemplarisch ist der Spielzug zum 0:1 in der siebten Minute. Es war der erste ausgespielte Angriff der Partie. Lienhart verlagerte auf Günter. Der Freiburger Linksverteidiger leitete weiter auf Grifo, der von Akpoguma (Rechtsverteidiger) angelaufen wurde. Günter sprintete sofort in die Tiefe und bekam den Ball von Grifo bereits hinter der Kette (klassische Grifo-Günter-Kombination). Vier Hoffenheimer mussten im Sprint mit zurückgehen, um Kwon und Demirovic zu verteidigen und Günters Hereingabe zu blockieren. Rudy schaffte es tatsächlich noch, den schnellsten Spieler auf dem Platz einzuholen und den Fuß an die Flanke zu bekommen. Er klärte den Ball aber nicht zur Ecke, sondern verlängerte ihn über seine Mitspieler zu Demirovic, von dessen Kopf der Ball zu Santamaria kam. Santamaria wiederum schoss den Ball per Dropkick aus kurzer Distanz an Baumanns Ohr vorbei ins Tor. Rudy verletzte sich bei seiner missglückten Rettungstat sogar und musste sofort ausgewechselt werden.

Weitere sieben Minuten später spielte Freiburg die nächste Grifo-Günter-Kombination. Akpoguma musste zu einem ziemlich klaren taktischen Foul greifen und sah dafür die gelbe Karte. Noch schlimmer war für die TSG allerdings, dass auch er sich dabei verletzte und ausgewechselt werden musste.

Die Partie blieb bis auf diese einzelnen Momente recht ereignisarm. Es gab mal einen laschen Kopfball von Bebou, mal einen sehr unplatzierten Kopfball von Demirovic, mal einen Freistoß aus 30 Metern nach eher unnötigem Foul von Schlotterbeck. Vieles spielte sich entweder im Hoffenheimer Aufbau gegen das Freiburger Pressing ab oder im Mittelfeld beim Kampf um lose Bälle. Die erste und einzige Ecke Freiburgs wurde auch nicht durch ein abgefangenes Dribbling nach sehenswerter Kombination herausgespielt, sondern von Kwon in einem sehr körperbetonten Zweikampf an der Torauslinie quasi errungen (und wer wirklich als letzter am Ball war, bleibt umstritten). Was man noch nicht wissen konnte, Kwon hatte damit das zweite Tor eingeleitet. Grifo trat die Ecke auf den kurzen Pfosten, Höfler verlängerte und Bogarde bekam den Ball aus kürzester Distanz an den Arm, den er eher vor dem Körper hatte. Im Vergleich zu Guldes Handspiel gegen die Hertha, war diese Situation noch unklarer. Grifo traf erneut aus 11 Metern.
(NACHTRAG: Während der Text entsteht, schreibt nun der Kicker, dass Bogarde gar nicht mit der Hand am Ball war. Das passt sehr gut zu dem gebrauchten Tag aus Perspektive der TSG, die schon gegen Leverkusen viel Pech mit Schiedsrichterentscheidungen hatte.)
NACHTRAG 2: Collinas Erben wiederum haben ein Video auf Twitter und sagen, man kann es nicht wirklich auflösen.)

Das dritte Tor war – ähnlich wie das erste – ganz gut in der Entstehung, aber recht glücklich im Abschluss. Lienhart, Schmid und Schlotterbeck kombinierten sich im Aufbau über die rechte Seite durch und bekamen Santamaria ins Spiel, der zu Kwon weiterleitete. Demirovic startete in die Schnittstelle zwischen den Innenverteidigern und wurde hinter der Kette angespielt. Demirovic drang in den Strafraum ein, zog an Vogt vorbei, passte in Richtung Rückraum und Adams fälschte die Hereingabe ins Tor ab. Ob der Ball im Rückraum zu Grifo gekommen wäre, ist in der Einstellung schwer zu erkennen.

Nach 45 Minuten gab es 5:5 Schüsse, 2:1 Ecken und beide Teams schossen zweimal auf das Tor. Dennoch führte Freiburg 0:3. Zudem hatte Hoffenheim schon zweimal verletzungsbedingt wechseln müssen. Abgesehen von den Toren, war es eher eine ausgeglichene und ereignisarme erste Halbzeit. Den Vorteil, den man vielleicht noch erwähnen könnte, war der sogenannte „linke Anker“ (Günter und Grifo) von Freiburg. Die Kombination führte dreimal zu einem Durchbruch , einmal zu einem Tor und einmal zu einer Verwarnung von Akpoguma und dem anschließenden Standard.

3. Die zweite Halbzeit (Bewertung und Kurzzusammenfassung)

Für den Spielplan ist es nicht so wichtig, ob ein 0:3 nun verdient ist oder nicht. Bei so einer Führung kann man sich als Pressingteam auf seine Stärken besinnen und riskante Aufbausituationen vermeiden. Das andere Team muss irgendwie versuchen den Rückstand aufzuholen. Hoffenheim machte weiter das Spiel und hatte in der zweiten Halbzeit sogar noch etwas mehr Ballbesitz als zuvor (71%).

Freiburg stand nach der Pause etwas tiefer, war dabei aber in den ersten 13 Minuten recht sicher. Das Tor in der 59. Minute hatte sich nur so halb angekündigt. Nach einem Einwurf und ein paar Kopfballduellen, spielte Baumgartner zu Belfodil, der den einlaufenden Bebou anspielte. Schlotterbeck versuchte noch den schnellen Gegenspieler aufzunehmen und seinen Schuss zu blocken, kam dafür aber zu spät. Der ehemalige Liebling der Hannoveraner Fans, die früher immer so schön „Bebou, Bebou, Bebou, Bebou, Bebou…“ gerufen haben, wenn er am Ball war, traf aus Sechzehn Metern.

Danach begann der Sportclub etwas zu „schwimmen“. Nur zwei Minuten später sprangen Müller und Gulde bei einer Ecke unter dem Ball durch und Kramaric kam sehr frei zum Kopfball, traf aber nur das Außennetz.

Streich reagierte und brachte Höler und Petersen für Demirovic und Kwon. Das zeigte Wirkung. Freiburg stand stabiler und hatte gerade über Höler ein paar entlastende Aktionen nach vorne. Freiburg musste nur noch wenige brenzlige Situationen überstehen (z. B. den Freistoß von Skov) und brachte somit den gebliebenen Zwei-Tore-Vorsprung über die Zeit.

4. Pressing

Mit dem Ball spielte Freiburg im 3-4-3/ 5-2-3. Gegen den Ball hatte die Formation aber oft etwas von einem 5-3-2. Das passte auch zum 4-2-3-1 ohne abkippenden Sechser, das Hoffenheim spielte. Es war aber nicht so, dass Demirovic das Mittelfeldzentrum abdeckte und Kwon und Grifo die Innenverteidiger anliefen, wie es Freiburg häufiger bei nur zwei aufbauenden Spielern macht. Der Sportclub spielte es eher etwas asymmetrisch. In den ersten 65 Minuten stand Kwon tiefer als Demirovic und Grifo und rückte nur situativ im Pressing heraus. Das führte dazu, dass Sessegnon (auf der Seite von Kwon) deutlich mehr Ballkontakte hatte als Akpoguma und später Skov. Er wurde dann aber immer wieder von herausrückenden Kwon zurückgedrängt.
Die Asymmetrie wirkte sich dann auch auf die Flügelverteidiger aus. Schmid blieb etwas tiefer als sonst, während Günter häufiger herausrückte. Santamaria und Höfler waren recht aggressiv im Mittelfeld unterwegs.

Nach den Wechseln in der 65. Minute blieb Grifo tiefer und Petersen und Höler rückten raus. Hier konnte man immer häufiger ein klares 5-3-2 erkennen, da die Flügelverteidiger defensiver waren und Grifo sich so richtig neben Höfler und Santamaria fallen ließ. Kwon hatte in der ersten Halbzeit eher so eine Zwischenrolle und stand weder ganz im Mittelfeld noch ganz im Angriff. Mit dem klareren 5-3-2 in der Schlussphase war der Sportclub noch mehr auf Stabilität aus und machte weniger Druck auf die Aufbauspieler.

Die Bewertung davon fällt ziemlich positiv aus. Die große Stärke Freiburgs war in diesem Spiel die vorderste Reihe im Pressing. Hoffenheim kam kaum kontrolliert aus dem eigenen Aufbau zu einem Abschluss. Und es ist keine Selbstverständlichkeit, dass das so gut funktionierte, obwohl Höler und Petersen auf der Bank saßen. Letzte Saison gab es ohne sie häufig Probleme mit dem offensiven Pressing und man musste tiefer stehen. Aber Grifo hat in dieser Saison nochmal deutlich an Präsenz bei der Arbeit gegen den Ball gewonnen und Demirovic ist echt ein guter Pressingstürmer. Man muss der Scoutingabteilung für diesen Transfer wirklich ein großes Kompliment aussprechen. Selten passte ein Stürmer mit seinen Anlagen so gut in das Gefüge wie Demirovic.

5. Mit dem Ball

Der Sportclub hatte eine frühe Führung, 30% Ballbesitz, eine Passquote von 69% (Müller nur 40%) und die Innenverteidiger hatte nicht so viel mehr Ballkontakte als einige Mittelfeld- und Offensivspieler. Man kann sich ganz gut vorstellen, wie das Spiel war, ohne es gesehen zu haben. Wenig kontrolliertes Aufbauspiel, viele lange Bälle, viele Zweikämpfe um die langen Bälle und einige vertikale Spielzüge.

Vieles entstand aus der Situation heraus. Man kann also eher einige Aspekte aufzählen und weniger ein System beschreiben:

  • Wie schon erwähnt, war die auffälligste Kombination „Grifo schickt Günter“. Allerdings kam der Linksverteidiger nur auf zwei Flanken. So häufig gab es die Durchbrüche also gar nicht.
  • Demirovic hat ein sehr gutes Auge für Spieler, die hinter die letzte Kette sprinten. Zusätzlich sah man ihn dieses Mal auch selbst in die Tiefe gehen. Die Kombination macht ihn zu einem ziemlich guten Konterstürmer.
  • Santamaria schaltet sich immer häufiger nach vorne ein. Bei seinem Tor rückte er gut nach. Er unterstützte aber auch immer häufiger die Flügel. Manchmal ist er dabei noch etwas isoliert und hat nicht das Zusammenspiel wie es Schmid mit Sallai und Jeong oder Günter mit Grifo und Höler hat, aber das wird mit der Zeit sicherlich noch besser.
  • Höler hatte noch drei ganz gute Szenen in den letzten 25 Minuten. Wenn es darum geht, alleine Bälle festzumachen und zu halten, ist er wahrscheinlich nicht der perfekte Spieler, aber eben der beste im Freiburger Kader.
  • Grifo war im letzten Drittel nicht ganz so dominant wie in letzter Zeit. Zwei Schüsse und nur eine Torschussvorlage sind weniger als sonst. Trotzdem war sein Zusammenspiel mit Günter gut, 87% Passquote kann sich in diesem Spiel auf dieser Position sehen lassen, die Ecke vor dem Strafstoß kam mal wieder auf den Punkt und der Elfmeter war sehr gut geschossen.

6. Fazit

Es war ein komisches Spiel. Freiburg machte mit dem ersten Angriff das Tor und konnte sich dann auf das Pressing- und Umschaltspiel fokussieren. Damit kamen sie auch manchmal nach vorne, aber jeder Versuch führte dann auch zu einem weiteren Tor. Die hohe Führung wurde dann recht souverän verwaltet. Insofern war der Spielverlauf sicherlich glücklich, aber man muss es dann schon auch noch gut ausspielen. Es war durchaus ein gutes Spiel vom SC Freiburg.

Zudem war es nun das sechste Spiel in Folge, in dem der Sportclub mehr expected Goals als der Gegner erspielen konnte. Die Gegner scheinen gerade auch nicht so gut mit dem Pressing von Freiburg klarzukommen. Es könnte gut sein, dass auch Köln Probleme haben wird, kontrolliert zu Chancen zu kommen.

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