SV Werder Bremen – SC Freiburg 2 : 2

Kurz Vorneweg: Ich bin erkältet. Das Gehirn fühlt sich an, wie von einer Schleimschicht umgeben und funktioniert noch schlechter als gewohnt. Genauer gesagt, leidet darunter erstens die Konzentration und zweitens – damit verbunden – die Fähigkeit aufeinander aufbauende Gedankengänge konsistent zu verfolgen. Genau das wäre aber für eine Taktikanalyse des Spiels Werder Bremen gegen den SC Freiburg nötig gewesen. Kohfeldt wechselte häufig die Formation, wodurch sich der Sportclub zumindest beim Anlaufverhalten der ersten Reihe anpassen musste. Eben diese Wechselwirkungen habe ich gerade nicht ganz auf dem Schirm. Das macht aber nichts, denn bei Spielen gegen Bremen gibt es ja immer die Analyse von Tobias Escher bei der Deichstube. Ich konzentriere mich bei diesem Text auf den Sportclub und hoffe, dass dadurch keine groben Lücken entstehen.

1. 4-4-2 und 3-4-3

Streich entschied sich im Spiel gegen Bremen für ein 4-4-2. Das typische Freiburger System wurde in dieser Saison nur selten eingesetzt und war auch nicht ganz so erfolgreich wie das 3-4-3. Die erste Hälfte gegen Köln, die zweite Halbzeit gegen Augsburg und die zweite Halbzeit des Ligaspiels gegen Union Berlin wurden damit bestritten. Das Problem war immer, dass der Sportclub nicht so gut vom Aufbau- ins Angriffsdrittel kam. Im 3-4-3 läuft das meist über die Außen, die dann wieder ins Zentrum – entweder zu entgegenkommenden Stürmern oder zum zweifach besetzten Mittelfeld – spielen. Im 4-4-2 ließ sich dieses Mal zwar Koch oder Haberer meist zwischen die Innenverteidiger fallen, wodurch eine Dreierkette im Aufbauspiel entstand, aber es gab eben dennoch Unterschiede. Die Innen- und Außenverteidiger agierten bei weitem nicht so offensiv, da sie bei Ballverlust schnell in ihre tiefere Defensivrolle umschalten müssen. Und wenn sich Koch zurückfallen ließ, war das Zentrum eben meistens nur einfach besetzt, auch wenn Grifo einen großen Radius hatte, sich tief anbot und versuchte den Ball nach vorne zu tragen. So gab es auch in der ersten Halbzeit gegen Bremen nur selten Angriffe, die flach aus dem eigenen Aufbau initiiert wurden. Die tiefe Ballzirkualtion hatte aber immerhin den Effekt das Spiel zu beruhigen, Bremen laufen zu lassen und sich ein paar Ballkontakte zu sichern.

Das 4-4-2 hat aber selbstverständlich auch Vorteile. Einmal ist bei Freiburg in diesem System der Strafraum besser besetzt und man versuchte es mal wieder häufiger mit Flanken aus dem Halbfeld. Von 18 Flanken kamen immerhin 6 an und ich erinnere mich mindesten an eine sehr gute Möglichkeit von Sallai aus dem Spiel heraus. Zusätzlich ist das 4-4-2 etwas besser für ein sehr kompaktes, systematisches Pressing, das auf den Ballgewinn aus ist und nicht nur darauf Tore zu verhindern.

Im Spiel gegen Werder schob Freiburg von Beginn an hoch heraus und versuchte durch Ballgewinne im Mittelfeld selbst nach vorne zu kommen. Das funktionierte circa acht Minuten ganz gut. Zwar hatte man noch keinen Abschluss, Werder Bremen aber eben auch noch nicht. In der neunten Minute umspielte Bremen das hohe Pressing durch einen Pass auf den zurückfallenden Stürmer Osako, der dann von Schmid im Mittelfeld unter Druck gesetzt, aber nicht aufgehalten wurde. Osako passte zu Rashica, Lienhart verschätzte sich ein wenig und der Bremer Topscorer erzielte das 1:0. Daraufhin bekam der Sportclub Probleme. Stand man tief am eigenen Strafraum, fiel Bremen nur wenig ein, aber es gab einige Situationen, in denen das Team von Kohfeldt mit schönem Flachpassspiel das Freiburger Anlaufen umspielen konnte und dann mit Tempo auf die restliche Verteidigung zulief.

Dass das hohe Pressing allerdings nicht nur unnötiges Risiko war, zeigte die 28. Minute, in der Petersen Pavlenka den Ball abluchsen konnte und zum Ausgleich traf. Um den Bremer Torhüter in Schutz zu nehmen: er war nicht der erste, der einen Ballverlust mit Torfolge gegen Petersen hatte. Man erinnert sich gut an das Traumtor von Petersen gegen Dortmund, bei dem er einen Pass von Sahin abfängt, zwei abgefangene Rückpässe gegen Latza in einem Spiel gegen Mainz vor zwei oder drei Saisons, die Pressingeroberung gegen Badstuber mit anschließend misslungenem Heber gegen Zieler usw. Petersen ist einfach ein guter Pressingspieler, hat aber dafür auch das passende Spielsystem um sich herum. Denn er hat den Ball nicht alleine gewonnen. Höler lief Toprak an, Sallai war beim Außenverteidiger und Koch in der Nähe von Sahin in zentraler Position. Petersen lief seitlich an, sodass Pavlenka nur die Möglichkeit blieb einen langen Ball zu schlagen oder zurück zu Toprak zu spielen. (Dieser hätte sich dann auch nicht in der besten Situation befunden.) Petersen erkannte das gut lief den Pass zu Toprak ab und traf aus ungünstigem Winkel sehr ruhig zum 1:1.

Daraufhin hatte der Sportclub seine zweitbeste Phase im Spiel, gewann mehr Bälle im Zentrum und kam besser ins letzte Drittel. Bis auf einen gefährlichen Standard in der 45+2. Minute resultierten aus dieser Phase aber leider nur wenig Abschlüsse.

2. Unkonventionelle Umstellung bei Rückstand

Bremen kam deutlich besser aus der Kabine. Zunächst konnte Flekken aus etwa fünf Metern gegen Bittencourt parieren, danach rettete der zweite Torhüter des SC Freiburg gegen Rashica, der frei im Strafraum aufs Tor schoss. Beim dritten Mal ging es aber nicht mehr so glücklich für den Sportclub aus. Rashica konnte relativ unbedrängt Flanken, Gebre Selassie sprang deutlich höher als Günter und köpfte Bremen zur erneuten Führung.

Das war eine schwierige Situation. Freiburgs Pressing wurde häufig umspielt, selbst kam man in der zweiten Halbzeit kaum nach vorne und musste nun auch noch einen Rückstand aufholen. Viele hatten wohl darauf gewartet, dass Streich noch mehr offensives Personal einwechseln würde und waren dann wahrscheinlich überrascht, dass stattdessen Mike Frantz für Grifo das Spielfeld betrat. Doch so komisch es klingt, die Einwechslung eines Mittelfeldspielers für einen Flügelspieler war ein offensiver Wechsel. Denn Freiburg stellte auf ein 3-4-3 um. Koch rückte dauerhaft (nicht nur im Spielaufbau) zwischen Heintz und Lienhart und Frantz ging dafür ins Mittelfeld. Das ermöglichte insbesondere Günter und Schmid eine deutlich offensivere Positionierung. Freiburg schaffte es immer häufiger aus dem eigenen Aufbau heraus, Chancen zu kreieren und sich teilweise in der Bremer Hälfte festzusetzen. Werder versteifte sich immer mehr aufs Kontern, was im Prinzip auch funktionierte – also zu guten Chancen führte – durch den sehr guten Auftritt von Flekken aber nicht zum 3:1 führte.

Letztendlich führte dann eine Bremer Schwäche zum Ausgleich. In der Nachspielzeit kassierten sie ihren siebten (!) Gegentreffer nach einem Standard durch Petersen. Dass Freiburg allerdings in Unterzahl noch in gefährliche Räume kam, um solche Standards herauszuholen, hatte mit der Umstellung Freiburgs und Bremens tieferer Herangehensweise zu tun. Man kann aber auch noch die Frage stellen, warum ein Team, dass so große Probleme damit hat, Standards zu verteidigen, so häufig Fouls als Mittel zur Torverhinderung wählt (18 Fouls).

3. Fazit

Bremen war in diesem Spiel die bessere Mannschaft. Man merkte dem Sportclub an, dass Höfler fehlte. Gerade Haberer, der eine gute Saison spielt, hatte (mit Ausnahme des Spiels gegen Leipzig) seine besseren Auftritte nicht im Mittelfeld, sondern als Halbstürmer. Auch Grifo kann noch nicht ganz an seine Leistungen von der letzten Rückrunde anknüpfen. Dafür kam Sallai gut rein, was Streich wohl ähnlich gesehen hatte, da er Grifo und eben nicht Sallai in der 64. Minute für Frantz herausnahm. Wenn man das 3-4-3 gewohnt ist, wirken Günter und Schmid im 4-4-2 vergleichsweise harmlos, da sie sich eben deutlich defensiver orientieren müssen. Zusätzlich zeigte Werder Bremen auch einen sehr starken Auftritt. Sie waren weitestgehend sehr ballsicher. Der zurückfallende Osako war nur schwer unter Kontrolle zu bekommen und Rashica ist ein toller Offensivspieler mit dem Ball. Dass Bremen „nur“ zwei Tore schoss, lag größtenteils an Flekken, den man für dieses Spiel nicht oft genug erwähnen kann. Dass Freiburg auch zwei Tore schoss, lag an Petersen und vielleicht ein bisschen an verbesserten Standards, die man auch schon im Pokal gegen Union beobachten konnte.

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