Aktueller Stand der Konkurrenten des SC Freiburg für die Saison 2020/21

Auch wenn der SC Freiburg in der Saison 2019/20 den 8. Platz der Bundesligatabelle belegen konnte, nicht nur in der Spitze, sondern auch der Breite einen ungewohnt guten Kader hat und zusätzlich ein erfolgreiches und eingespieltes Trainerteam hat, bleiben die Konkurrenten weiterhin eher die Teams aus der unteren Tabellenhälfte. In diesem Text wird ein kurzer Blick auf die Entwicklungen dieser Teams geworfen und damit schon eine vorsichtige erste Prognose für die kommende Saison gewagt.

1. VfB Stuttgart

Die Schwaben haben eine turbulente Zweitligasaison hinter sich, konnten schlussendlich aber dennoch direkt aufsteigen. Das Experiment, die zweite Liga mit dem ambitionierten Konzepttrainer Tim Walter zu dominieren, ist gescheitert. Zur Winterpause wurde er entlassen und durch Matarazzo (ehemals Co-Trainer bei Hoffenheim) ersetzt. Aber auch in der Rückrunde holte der VfB Stuttgart nur 2 Punkte mehr als in der Hinrunde. Die Aufgabe für den Trainer wird in der ersten Liga eine andere sein und es ist wirklich schwer abzuschätzen, wie gut der VfB Stuttgart hier aufgestellt ist.
Der Kader hat sich seit dem Abstieg stark verändert. Von der überdurchschnittlich guten Dreierkette der Abstiegsmannschaft Pavard, Kabak und Kempf ist nur Kempf geblieben. Gomez hört auf, Nicolás González möchte gehen, Ascacibar ging schon im Winter. Immerhin wird der talentierte Torhüter Kobel weiterhin zwischen den Pfosten stehen.
Aktuell muss man den Kader wohl qualitativ zwischen der ersten und zweiten Liga einordnen. Exemplarisch dafür ist Pascal Stenzel, der auch schon in Freiburg eine gute Zweitligasaison spielte. Seine Übersicht deutet größeres Potenzial an, in der ersten Liga hatte er dann aber größere Probleme in den direkten Zweikämpfen. Nachdem er in der abgelaufenen Saison in allen 34 Spielen auf dem Platz gestanden hat, plant der VfB Stuttgart ihn wahrscheinlich weiterhin als Schlüsselspieler ein. Mal sehen, ob er es dieses Mal schafft.

Es wird spannend, ob sich der VfB Stuttgart im Sommer noch verstärken kann und ob es dann für die 1. Bundesliga reicht. Die Rückkehr von Thommy ist wahrscheinlich ein ganz gutes Zeichen. Im Vergleich zum letzten Aufstieg sieht es aktuell aber eher schlechter aus.

2. Arminia Bielefeld

Bielefeld war die große Überraschung der 2. Bundesliga. Die Meisterschaft zeichnete sich schon früh ab und war sehr verdient. Trainer Neuhaus formte ein Team, das alle Spielphasen beherrschte. Der Spielaufbau ist ruhig und sicher, das Pressing recht kompakt und der Sturm effizient. Es gab eigentlich keine spielerische Problemstellung, auf die man nicht reagieren konnte. Führungen wurden verwaltet, bei engen Spielen blieb man geduldig und in Rückstand konnte man Druck aufbauen. Neben den spielerischen Fähigkeiten von Hartel, dem guten Zusammenspiel von Vogelsammer und Klos (später auch Clauss), stach besonders der Torhüter Ortega heraus. Er wurde oft in die tiefe Ballzirkulation mit eingebunden, spielte aber vor allem sehr präzise lange Bälle auf Klos, die einem fast noch besser gefallen konnten als die von Gikiewicz auf Andersson.

Auch für die Arminia gilt, dass es nicht wirklich abzusehen ist, ob der Schritt in die erste Liga nicht doch zu groß ist. Nach der souveränen und stabilen Zweitligasaison würde es einen aber nicht allzu sehr wundern, wenn sie ähnlich gut zurechtkommen wie Union Berlin.

3. Werder Bremen

Bremen wiederum war eindeutig die Enttäuschung der Saison. Mit hohen Ambitionen gestartet, konnten sie sich nur mit zwei Unentschieden in der Relegation gegen Heidenheim gerade noch vor dem Abstieg retten. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Nach eigener Aussage gab es Fehler in der Trainingssteuerung. Die zu intensiven Einheiten führten dazu, dass Bremen mit Abstand den ersten Platz der Verletzungstabelle (Ausfalltage pro Spieler) belegte. Dies hatte dann wahrscheinlich auch weitere Formschwächen von Spielern, denen man aufgrund der Verletzungsprobleme keine Pause geben konnte, zur Folge. M. Eggestein, Friedl, Rashica in der Rückrunde wären da exemplarisch zu nennen.
Hinzu kam eine sehr schlechte Strafraumverteidigung – gerade bei Standards –, die man erst zu Saisonende etwas verbessern konnte.

Doch auch abgesehen von den besonderen Problemen, die man vielleicht beheben können wird, muss man wohl festhalten, dass das Ziel EL-Qualifikation mit diesem Kader zu ambitioniert war. Gerade im physischen Bereich fehlt es einigen Spielern an Schnelligkeit und Kraft. Nur selten konnte Werder dieses Problem durch ihr gutes Pass- und Positionsspiel kaschieren. Nach der „Corona-Pause“ sah es allerdings insgesamt etwas besser aus und man machte ein paar gute Spiele auf Bundesliganiveau.

Werder ist durch diese Saison wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Wie sooft in den letzten 5 Jahren wird es in der nächsten Spielzeit nur um den Klassenerhalt gehen. Der Kader ist etwas komisch zusammengestellt, aber auch ohne Rashica, der wohl gehen wird, hat man mit Klaassen, Eggestein und Füllkrug ein paar interessante Spieler und ist somit den beiden Aufsteigern schon einen Schritt voraus. Es bleibt noch die Frage, welche Lehren Kohfeldt aus dieser Saison ziehen wird, ob er defensiver aufstellt, einen höheren Fokus auf die Standards legen oder doch weiter größtenteils einen spielerischen Ansatz verfolgen wird.

4. FC Augsburg

Augsburg hat von den Teams im Abstiegskampf trotz des Trainerwechsels die stabilste Saison gespielt. Heiko Herrlich führte die klare Spielweise mit einem Pressing- und Umschaltfokus von Schmidt weiter. Ob das auch weiterhin seine präferierte Herangehensweise sein wird, muss man noch abwarten. Zumindest hätte er den Kader dazu. Niederlechner, Vargas, Max, Khedira, Caligiuri (Neuzugang) usw. passen zu der Ausrichtung, zunächst den Gegner zu ärgern und dann auf seine Chance zu lauern. Sollte Herrlich dies beibehalten kann man von Augsburg nur wenig Glanzmomente, aber dafür erneut eine stabile Saison erwarten.

5. 1. FC Köln

Die Einordnung ist hier besonders schwierig. Kölns Kader hat mit Hector, Skhiri und Cordoba drei richtige Highlights, mit Katterbach und Bornauw vielversprechende junge Spieler und dann auch Bundesligadurchschnittsspieler wie Kainz.
Der „Effzeh“ hatte ein schwieriges Auftaktprogramm, bei dem man sich aber auch kaum „Überraschungspunkte ergaunern“ konnte. Gisdol übernahm das Traineramt und es folgte eine Erfolgsserie, die keiner hat kommen sehen. Nach der Corona-Pause konnte Köln allerdings kein Spiel mehr gewinnen. Ohnehin kamen acht der zehn Saisonsiege zwischen dem 15. und dem 25. Spieltag zustande.
Der Spielstil unter Gisdol ist nicht mehr ganz so extrem wie bei seinen Stationen in Hoffenheim oder Hamburg, bei denen er das Chaos zum System machte (krasses Pressing, lange und hohe Bälle, Kampf um zweite Bälle). Man kann irgendwie weder absehen, wie nächste Saison der Fußball unter Gisdol aussehen, noch ob das dann erfolgreich sein wird.

6. 1. FSV Mainz 05

Mit guten Ergebnissen in den letzten Spielen konnte Mainz sogar noch auf den 13. Platz klettern und eine schwierige Saison positiv beenden. Es ist eine sehr dynamische Mannschaft, der es aber auch nach dem Trainerwechsel daran mangelte, die richtigen Spieler systematisch in die richtigen Situationen zu bringen. Kunde, Onisiwo, Quaison, Mateta oder Boetius hatten öfters sehr schöne Durchbrüche in gefährliche Räume. Wenn ein Gegner allerdings den Aufbau intelligent zustellte, fiel den Mainzern nur wenig ein. Zusätzlich kassierte Main, wie auch die anderen bisherigen besprochenen Bundesligisten deutlich über 60 Gegentore. Es bleiben also ein paar langfristigere Probleme, die Beierlorzer beheben müsste. Grundsätzlich hat das Team aber Potenzial.

7. FC Schalke 04

16 Spiele ohne Sieg sprechen für eine wirklich erstaunlich schlechte Rückrunde und lenkte man den Blick weg von den Ergebnissen zu den Leistungen, sah es auch nicht unbedingt besser aus. Das konnte man dann selbst mit den Verletzungen von einigen Schlüsselspielern nicht mehr ganz erklären.
Dennoch kommen diese in der nächsten Saison zurück und dann hat der aktuell so krisengebeutelte Verein auch wieder einen besseren Kader zur Verfügung. McKennie scheint auf dem Absprung zu sein und Kenny war nur geliehen. Trotzdem spielen dort Kabak, Sané, Harit, Serdar und Stambouli. Bozdogan und Kutucu sind sehr talentiert. Mit Schwolow wäre das Torhüterproblem seriös gelöst. Bleiben noch die Problemstellen Außenverteidiger und Sturm. Sollten die gelöst werden, kann man Schalke eine bessere Saison prognostizieren als es aktuell von vielen gemacht wird. Das Missverhältnis von aktueller Kaderstärke und Gehaltskosten ist zwar sehr auffällig, bedeutet aber nicht, dass der Kader schlechter wäre als der anderen Bundesligisten, die sich um die Plätze 10-15 „streiten“.
Der Trainer David Wagner lässt ein eher unspektakuläres aber gut organisiertes Pressing spielen. Das Ziel, sich zunächst im Tabellenmittelfeld zu stabilisieren, scheint mit dieser Herangehensweise sehr gut möglich, wenn kein größeres Verletzungspech dazukommt.

8. 1. FC Union Berlin

Die gute Saison des Aufsteigers hat alle überrascht. Urs Fischer hat dem Team eine klare Spielidee und ein festes System (häufig Dreierkette) an die Hand gegeben. Union arbeitet gegen den Ball mit vielen Mannorientierungen und verwickelte den Gegner so in viele unangenehme Zweikämpfe. Mit langen Bällen auf Andersson und guten Standards konnte man oft in Führung gehen und diese dann verteidigen. In einer guten Phase kamen dann auch ein paar spielerische Momente mit dazu – gerade der ausgeliehene Schlotterbeck setzte hier Akzente. Andererseits konnte Union bei 19 Rückständen nur zwei Punkte holen, was dann doch recht deutlich aufzeigt, dass sie Probleme haben, gegen Gegner, die sich auf die Defensive konzentrieren können, noch zu Toren zu kommen und gleichzeitig keine zu kassieren.

Das zweite Jahr wird nicht leicht. Mit dem angesprochenen Schlotterbeck, Gikiewicz, Malli und wahrscheinlich auch Andersson werden Schlüsselspieler den Verein verlassen. Zusätzlich gibt es ältere Spieler im Kader, bei denen man nicht absehen kann, ob sie ihre Form lange halten können (Trimmel und Gentner). Es droht eine Saison wie die von Düsseldorf. Mit Urs Fischers intensivem Defensivplan wird es wahrscheinlich stabile Leistungen geben, durch die Union die meisten Gegner auf ihr Niveau herunterziehen kann, aber ohne die besonderen Momente der Schlüsselspieler, könnte es dann doch häufig eben nicht zu Punkten reichen. Vielleicht bleibt Andersson aber auch doch noch oder die Unioner machen den ein oder anderen Glücksgriff auf dem Transfermarkt.

9. Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, Wolfsburg und Hoffenheim

Sollte der SC Freiburg nicht doch noch alle seine Stammspieler halten, dazu noch eine sehr gute Saison spielen oder einer der unter 9. aufgelisteten Teams eine sehr schlechte Saison spielen, kommen wir nun in einen Bereich, in dem man nicht mehr von direkten Konkurrenten sprechen kann. Die Hertha stellt sich gerade einen Kader zusammen, der für ein Mittelfeldteam qualitativ so hoch ist, dass er auch nicht unbedingt perfekt ausgewogen sein muss. Wer so viel mehr Geld zur Verfügung hat, kann sich auch ein paar Fehlgriffe erlauben.
Bei Wolfsburg sieht es ähnlich aus. Der Fußball unter Glasner war bisher selten schön anzusehen, er ist aber sehr effektiv. Der Kader ist ausgewogen und auch für die Dreifachbelastung breit genug.
Die Eintracht geht nun ins dritte Jahr unter Hütter. Sein Spielstil ist einstudiert und zum ersten Mal hat er eine normale Vorbereitung mit dem Team und nicht 50 Spiele plus X in der Saison. Das ist auch der Vorteil gegenüber Hoffenheim.
Die TSG hat aktuell keinen Trainer und muss in die unbeliebten Qualifikationsrunden der Europa-League. Man hat wohl eher Außenseiterchancen auf Platz 6 und 7 gegen die anderen drei. Wenn es schlecht läuft, rutscht man in die untere Tabellenhälfte ab.

10. Bayern, Dortmund, Leipzig. Gladbach, Leverkusen

Die ersten fünf Plätze scheinen schon vor der nächsten Saison vergeben zu sein. Zu groß ist der Abstand zum Rest der Liga. In den direkten Duellen sah Freiburg aber gar nicht so schlecht aus. Mit immerhin acht Punkten und einigen knappen Spielen braucht man sich nächste Saison auch nicht zu verstecken.

11. Fazit

Wie immer wird es beim SC Freiburg auch nächste Saison um den Klassenerhalt gehen. Wie der Kader genau aussieht, ist noch nicht so richtig abzuschätzen, doch das Grundgerüst steht bereits, wenn es nicht noch überdurchschnittlich viele Überraschungen geben wird. Schon letztes Jahr konnte man durch die eigene Kaderstärke und die Konkurrenzsituation in der Liga etwas entspannter sein als sonst. Das gilt auch jetzt. Mit Stuttgart, Bielefeld und Union gibt es drei Teams, bei denen man sogar erwarten kann, dass sie es schwerer haben werden als der Sportclub. Mit Bremen, Köln, Mainz und Augsburg ist man eher auf Augenhöhe. Bei Schalke ist der potenzielle Chaos-Faktor hoch und es gibt einige Baustellen im Kader. Ausgehend von dieser Gesamtsituation gibt es dann meistens noch Team X, das positiv überraschen wird, wie Freiburg und Union in der letzten Saison und vielleicht auch eines, das negativ auf sich aufmerksam machen könnte, wie Bremen oder Schalke in der Rückrunde. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht der Sportclub sein wird, der durch Verletzungen und andere Unglücksfälle in eine „Negativspirale“ kommt.

 

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