Sieben Spiele ungeschlagen

Hier nur ein kurzer Text zum Stand der Dinge. Einerseits wollte ich nach dem Urlaub kurz etwas hochladen, andererseits habe ich nicht zu viel Zeit. Die ein oder andere Formulierung könnte holprig sein.


1. Die ersten Spiele

Der SC Freiburg ist nach sieben Spieltagen das einzige Bundesligateam ohne Niederlage und belegt aktuell den vierten Platz mit nur einem Punkt Rückstand auf den erstplatzierten Bayern München.
Das verdient vielleicht eine kurze Rückschau auf die Spiele:
(Im Mainzer Keller, der dem Sportclub 20 Minuten widmete, wurde so eine Rückschau etwas angedeutet. Hier geht es zur insgesamt sehr schönen Folge.)

Bielefeld – Freiburg 0 : 0
Ein Spiel, das durch die Torhüter dominiert wurde. Ortega war dabei noch dominanter als Flekken und zwar auf der Linie wie auch im Spielaufbau. Der Sportclub hatte ein leichtes Chancenplus und mehr Ballbesitz.

Freiburg – Dortmund 2 : 1
Ein wunderschönes Freistoßtor von Grifo brachte den Sportclub früh in Führung. Mit einer sehr engen und oft tiefen 4-4-2 Formation konnte man den Gegner vom eigenen Tor weghalten oder zumindest sehr viele Spieler zwischen Ball und Tor stellen. Nico Schlotterbeck zeigte sich als der bisher einzige Innenverteidiger, der Haaland die Grenzen aufzeigen konnte. Die eigenen Konter wurden gut ausgespielt und das Ergebnis ging somit schon in Ordnung. Es war ein Außenseitersieg auf hohem Niveau.

Freiburg – Stuttgart 3 : 2
Wie letzte Saison erwischte man eine sehr gute Anfangsphase, dominierte Stuttgart auch in den Zweikämpfen im Zentrum und kam dann über die Außen zu Abschlusschancen, die man effizient nutzte. Kurz vor der Pause kassierte man schnell zwei Gegentreffer. In der Halbzeit stellte Streich auf eine defensivere und mannorientiertere Formation um und provozierte eine zähe Partie ohne weiteres Tor.

Freiburg – Köln 1 : 1
Es war die erste Partie, in der der Gegner sein Spiel auf den Rasen bekam. Die Raute mit den nach innen ziehenden Achtern und den schnellen Verlagerungen auf Außen stellte das Freiburger Verschieben vor Probleme. Immer wieder waren die Kölner Außenverteidiger frei und konnten Flanken. Eine dieser Flanken führte dann auch zum Tor. Freiburg blieb aber ruhig, erhöhte langsam den Druck und konnte nach einem Platzverweis Kölns in der Schlussphase immerhin noch ausgleichen.

Mainz – Freiburg 0 : 0
Streich stellte die physisch stärkste Mannschaft auf den Platz, die der Kader hergab. Man versuchte die Intensität der Mainzer mitzugehen und das Umschaltspiel von Svennsons Team zu verhindern und schaffte das auch. Eine unansehnliche Partie mit wenig Chancen ging 0:0 aus, weil Grifo den „Lucky Punch“ in der Nachspielzeit verpasste.

Freiburg – Augsburg 3 : 0
Das letzte Spiel im Dreisamstadion war nicht nur das bisher emotionale, sondern auch sportliche Highlight (vielleicht gemeinsam mit dem Dortmundspiel). Augsburg wartete ab und blieb passiv. Der Sportclub spielte das auseinander. Immer wieder kam man über außen und sogar im Zentrum hinter die letzte Kette.

Hertha – Freiburg 1 : 2
Das Spiel hatte nicht das Niveau der anderen. Hertha spielte schlecht, der SC ging über einen Standard in Führung und verwaltete das Ergebnis. Eine kurze gute Phase des Heimteams und sehr ungewohnt schlechte Verteidigung des Sportclubs in ein paar Szenen hätten das Spiel fast kippen lassen. Ein zweiter Standard und der Fallrückzieher von Petersen brachte dann aber gerade noch die drei Punkte.

2. Hohes Grundniveau

Wie bei solchen Serien üblich waren auch bei dieser günstige Spielverläufe nicht ganz unwichtig. Der SC lag nur in einem Spiel zurück und hatte genau in diesem eine etwa zwanzigminütige Überzahl.
Darüber hinaus ist allerdings das hohe Grundniveau des Teams einer der wesentlichen Faktoren des Erfolgs. Der Sportclub ist eingespielt und verzichtet – im Gegensatz zum Saisonstart vor einem Jahr – auf kleine persönliche Auszeiten im Spiel gegen den Ball. Die Systeme 3-4-3 und 4-4-2 sind eingespielt und werden nur in Details angepasst (z. B. gibt es aktuell seltener den sehr vertikalen Aufbau über den rechten Flügel (Sallai kommt entgegen, legt ab und geht steil) und es geht mehr durch das Zentrum und halblinks). Gegen den Ball ist Freiburg wieder dahin zurückgekehrt, in der defensiven Umschaltsituation oder beim Überspielt werden der ersten Pressinglinie, passiver zu verteidigen. Das bedeutet, man läuft zunächst mit dem Gegner mit, schließt die Passwege und geht erst in den Zweikampf, wenn alle in Position sind und ein verlorenes Duell abgesichert werden kann. Auch das sieht man in den Szenen, die im Mainzer Keller mit der Beteiligung von Serdar gezeigt wurden, sehr gut.
All das sind aber nur die gewohnten Details der Arbeit unter Christian Streich, die man jedes Jahr beobachten kann. Und wenn es keine großen Abgänge gibt, kann man eben noch besser an diesen Details feilen. Für den aktuellen Saisonstart würde ich aber noch eine weitere Komponente hinzuzählen.

3. Individuelle Klasse

Es gab nur wenig Veränderungen beim Sportclub und Spieler wie Demirovic und Sallai, die letzte Saison das Offensivspiel geprägt haben, sind noch ganz in Form. Der bisherige Saisonstart ist aber auch nicht von der tollen Offensiven geprägt, sondern von der besten Verteidigung der Liga (gemeinsam mit Mainz 05). Kübler hat sich sehr gut eingefunden, Flekken gehört aktuell zu den besten Torhütern und Lienhart hat erneut einen Entwicklungsschritt gemacht. Höfler und zumindest in den Defensivzweikämpfen auch Keitel sind gut in Form. Hinzu kommt ein sichereres Aufbauspiel praktisch ohne „blöde“ Ballverluste.

Und dennoch ragt momentan ein Spieler über alle anderen hinaus und ist für das Team aktuell einfach nicht zu überschätzen. Nico Schlotterbeck ist meiner Meinung nach der entscheidende Spieler des Saisonstarts. Von seinen Statistiken ist er herausragend, lässt Lienhart aber gar nicht so weit hinter sich. Dennoch ist der Unterschied größer als auf dem Papier. Lienhart spielt vorausschauend und vorsichtig. Nico Schlotterbeck rückt heraus, hilft aus und geht in Duelle. Er kann seine Position weiträumiger verlassen, weil er durch seine Schnelligkeit sofort wieder zurück ist. Damit zeigt er noch einmal deutlich mehr Präsenz auf dem ganzen Spielfeld.

Fußball ist, so würde ich die These wagen, dann ein summarisches Spiel, auch wenn man es nicht darauf reduzieren kann. Damit meine ich, dass fünf gewonnene Zweikämpfe mehr pro Spiel alles Weitere beeinflussen. Man hat mehr Ballbesitz, kann mehr Angriffe starten und mehr Angriffe des Gegners verteidigen. Und genau das brachte vor zwei Saisons Robin Koch in das Freiburger Spiel ein und das kommt nun von Nico Schlotterbeck. Wenn man den Unterschied zwischen einem guten Grundniveau mit guten Entwicklungen von ein paar Einzelspielern, die selbstverständlich die Basis für den Saisonstart legen, und 15 Punkten sucht, findet man ihn aktuell beim linken Innenverteidiger.

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