SC Paderborn 07 – SC Freiburg 1 : 3


1. Die Aufgabe

Der SC Paderborn unter Steffen Baumgart gehörte schon letztes Jahr zu den spannendsten Mannschaften in Deutschland. Der Kader wurde zumeist mit sehr unbekannten Spielern aus der dritten und vierten Liga zusammengestellt und dennoch ist der Ansatz auf dem Platz mutig und offensiv. Gegen den Ball verbreitet Paderborn wahnsinnigen Stress durch aggressive Zweikämpfe gegen den Ballführenden Spieler. Wird der Ball erobert, kommt direkt ein Steilpass auf sehr schnelle Stürmer hinter die Kette. Der Spielstil erinnert an RB Leipzig, wird aber weniger sauber ausgeführt, sondern ist vor allem auf Aktivität aus. Pressing, Steilpass, Gegenpressing bei Ballverlust, Steilpass, immer schnell den Abschluss suchen usw. Für den Gegner bedeutet das andauernden Druck, gerade wenn man den Ball hat.
Das sprach Streich auch auf der Pressekonferenz vor dem Spiel an und ließ durchblicken, dass man sich etwas überlegt hätte. Was man sich als Antwort auf die für einen Aufsteiger ungewöhnliche Spielweise überlegt hatte, blieb aber im Dunkeln.

2. Der Plan

Spielsystem und Personal blieben im Vergleich zur Partie gegen Mainz unverändert.

    Waldschmidt Petersen Borrello    
             
Günter   Höfler   Gondorf   Schmid
  Schlotterbeck   Koch   Lienhart  
      Schwolow      

Die drei Stürmer spielten etwas breiter und zu Beginn schob Gondorf etwas höher raus, aber das Pressing funktionierte nach den gleichen Mustern: Zwei Stürmer liefen die Innenverteidiger an, der dritte Stürmer blieb etwas tiefer beim Sechser. Wurden die Außenverteidiger angespielt, rückten jeweils Günter oder Schmid bis zu ihnen vor. Der Unterschied zum ersten Bundesligaspiel war die Ausführung dieser Muster. Die erste Pressinglinie stand deutlich höher und lief energischer an, nach Ballverlust ging man sofort ins Gegenpressing und bei eigenem Spielaufbau versuchte man zunächst auch unter Druck den Ball etwas zu halten. Der SC Freiburg ließ sich also auf die Paderborner Spielweise ein. Weniger Absicherung, um nicht in Passivität zu verfallen, sondern ebenso aktiv wie der Gegner das Spiel annehmen. Leider funktionierte das nicht wirklich, wie das erste Tor nach zwei Minuten zeigte.
Schmid spielte einen Fehlpass, man ging sofort ins Gegenpressing, Paderborn befreite sich und spielte hinter die hoch stehende Dreierkette auf Mamba. Der war deutlich schneller als Schmid und Lienhart und traf in dieser Szene auch das Tor.

Der Sportclub versuchte sich davon nicht entmutigen zu lassen und spielte weiter offensiv, doch leider ohne großen Erfolg. Es gab eine gezielte Halbfeldflanke von Schmid auf Petersen, aber ansonsten kam man nicht vor das Tor. Ganz im Gegensatz zu SCP07. Einen Fehlpass von Borrello konnte Schlotterbeck in letzter Sekunde ausbügeln und Antwi-Adjei überlief noch häufiger in der ersten Halbzeit Lienhart und Schmid.

Der Ausgleich kam also etwas überraschend, wenn auch recht schön herausgespielt war. Waldschmidt hielt den Ball lang genug, damit Günter hinterlaufen konnte, dessen Flanke wurde dann mit der Hand abgewehrt. Den fälligen Strafstoß verwandelte Waldschmidt.

3. Leichte Anpassungen

Schon in der ersten Halbzeit merkten die Spieler, dass man vielleicht etwas vorsichtiger agieren sollte. Statt Gegenpressing gab es nun häufiger den Rückzug und der Weg durchs Zentrum wurde größtenteils gemieden. Zwischen der 35. und 45. Minute kam Paderborn nur noch mit einem Freistoß gefährlich vor das Tor. In eigenem Ballbesitz wählte man unter Druck auch schneller den langen Ball, was dann auch zum 1:2 führte. Petersen konnte einen Befreiungsschlag von Lienhart gegen Strohdiek behaupten, umkurvte gedankenschnell den Torhüter und netzte ein.

Mit der Führung im Rücken konnte der Sportclub in der zweiten Halbzeit noch mehr Risikovermeidung betreiben. Es war, wie beschrieben, keine taktische Umstellung der Muster im Pressing oder dem Spielaufbau. Die Formation stand einfach etwas tiefer, man zog sich schneller zurück, man spielte seltener Pässe in gefährliche Räume.
Und je tiefer man stand, desto weniger konnte Paderborn die Schnelligkeit ihrer Spieler ausnutzen. Aus statischen Situationen entstand kaum Torgefahr. Allerdings kann man auch keine 45 Minuten am eigenen Sechzehner stehen. Es gab weiterhin vereinzelt gefährliche Situationen nach Ballverlusten, aber deutlich seltener als zu Beginn des Spiels. Die zweite Komponente, die das Spiel mehr und mehr ruhig stellte, hatte mit dem Schiedsrichter zu tun. Freiburg verstand es immer besser die intensive Zweikampfführung Paderborns auszunutzen. Die eher kleinliche Linie von Tobias Welz spielte dem SC in die Karten. Die vielen Unterbrechungen brachten Freiburg immer wieder Entlastung. Man bekam mehr und mehr das Gefühl, dass es beim 1:2 bleiben könnte. Ein langer Abschlag von Schwolow, ein gewonnener Zweikampf von Höler gegen Strohdiek und das erste Bundesligator von Kwon beendete dann das Spiel.

4. Fazit

Als Fan des SC Freiburg kennt man folgende Geschichte eigentlich nur zu gut: Der Außenseiter hat einen guten Spielplan und setzt diesen auch zu großen Teilen um. Es kommt sehr oft zu Situationen im Spiel, in denen man nur ein bisschen anders hätte reagieren müssen, um das Tor zu schießen. Der Gegner hat im Prinzip kaum Chancen und trotzdem steht es nur Unentschieden. Durch einen unglücklichen Fehler gerät der Außenseiter in Rückstand und hat daraufhin Probleme weiterhin so oft zu Chancen zu kreieren wie zuvor, obwohl man sogar mehr Ballbesitz hat. Ein weiterer Fehler beendet dann das Spiel und man weiß nicht, ob man nun die positive Seite beleuchten soll, da sehr viel richtig gemacht wurde oder die negative, dass das Team in den entscheidenden Situationen einfache Fehler gemacht hat, die gut vom Gegner ausgenutzt wurden. Normalerweise spielt in dieser Geschichte der Sportclub Freiburg die Rolle des Außenseiters. Letzte Rückrunde zum Beispiel gegen Mainz, Hoffenheim oder Frankfurt. Gegen Paderborn schlüpfte man mal in die andere Rolle, was aber ebenso schwer zu bewerten ist. Man kann nicht sagen, dass der Spielplan aufgegangen wäre, da die Führung schon sehr glücklich zustande kam. Nach der Führung allerdings schaffte man es größtenteils, das Spiel zu beruhigen.

Der SC Freiburg hat nun in zwei Partien sechs Tore geschossen. Zwei durch unstrittige Strafstöße, drei durch lange Bälle auf Stürmer, die sich individuell dann sehr gut durchsetzen konnten und ein Tor durch den Distanzschuss von Schmid mit seinem schwachen Fuß. Bei allen Toren sah der Gegner nicht so richtig gut aus. Aber schießt man durch Zufall sechs Tore in 180 Minuten? All das wird sich wahrscheinlich erst in ein paar Spieltagen zeigen. Der Saisonauftakt ist von den Ergebnissen her betrachtet, so schön wie lange nicht mehr.

5. Spieler

  • Schlotterbeck hatte zwei sehr schöne Aktionen, in denen er im letzten Moment klären konnte. In der 67. Minute spielte er übrigens den einzigen flachen Pass durch die gegnerischen Ketten auf Waldschmidt. Seine Leistungen sind schon ziemlich überzeugend
  • .Schmid, Lienhart und Gondorf hatten die größten Probleme mit dem Paderborner Tempo. Immerhin hatten die ersten beiden ganz gute Momente im Spiel mit dem Ball.
  • Waldschmidt, Höfler und Günter waren nicht so auffällig wie sonst.
  • Höler scheint Jokerqualitäten zu entwickeln.
  • Kwon hatte neben seinem Tor auch eine sehr gute Balleroberung vor dem gegnerischen Strafraum. Frantz hatte leider Probleme bei der Ballannahme, sonst hätte es dort schon 1:3 stehen können.

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