SC Freiburg – VfL Wolfsburg 1 : 1

1. Das Spiel (Kurzzusammenfassung)

Trotz eines EL-Spiels unter der Woche und acht Wechseln kam Wolfsburg etwas besser in die Partie und hatte die ersten Abschlüsse, allerdings ohne einen wirklichen Durchbruch vor das Tor von Müller. Parallel zum letzten Spiel in Stuttgart erzielte der SC Freiburg dann aber mit dem ersten vernünftigen Angriff das erste Tor. Man lockte die Wolfsburger in eine Pressingsituation auf der linken Seite. Günter kam Heintz entgegen, wurde zwar dicht verfolgt, konnte aber direkt den Ball in die Mitte zu Höfler bringen. Der verlagerte das Spiel weiter auf Sallai, welcher bis an den Sechzehner laufen konnte und dann von Brooks am Durchbruch in den Strafraum gehindert wurde. Die anschließende Ecke von Grifo auf den kurzen Pfosten wurde von Petersen verwandelt.
Daraufhin kam der Sportclub besser ins Spiel, konnte sich häufiger vorne festsetzen, einige Standards herausholen und ein paar Schüsse in Richtung Tor abgeben. Insbesondere eine Flanke von Sallai, die von Pervan (Wolfsburger Ersatztorhüter) nicht ganz geklärt werden konnte, sorgte für Gefahr. Günters Abschluss wurde allerdings geblockt.

Der nächste Treffer fiel wieder gegen den Spielverlauf. Arnold hatte den Ball zentral vor dem Tor, wurde von vier defensiven Freiburgern gestellt und dann unnötigerweise gefoult. Brekalo schoss den Ball knapp an der Mauer vorbei, Sallai bekam den Fuß noch dran und fälschte den Ball unglücklich unter die Latte ab.

Nach der Pause gehörte die erste Chance den Gästen. Grifo verlor erst den Ball im Mittelfeld und dann den Zweikampf im eigenen Drittel gegen Joao Victor auf der rechten Seite. Victor legte den Ball in den Rückraum zu Gerhardt, dessen Aufsetzer dann aber schön von Müller pariert wurde.
Nach dieser Szene übernahm Freiburg immer mehr die Spielkontrolle. In der 57′ parierte Pervan einen Distanzschuss von Sallai und Hölers „Abstauber“ zählte nicht, da er aus dem Abseits kam. In den nächsten Minuten folgten mehrere Flanken, Standards und Ecken. Die gefährlichen Chancen waren meist Schüsse nach verteidigten Hereingaben aus der Distanz. Pervan hatte aber einen guten Tag erwischt und lies keinen davon ins Tor.

In der 77. Minute kamen Weghorst und Rousillion ins Spiel. Mit diesen beiden eigentlichen Stammspielern kam Wolfsburg besser in die Partie und hatte noch zwei vielversprechende Angriffe. Die letzte Szene gehörte allerdings dem Sportclub. Ein katastrophaler Rückpass von Weghorst brachte Höler in die Position, alleine – und zwar wirklich mit viel Abstand zum nächsten Gegenspieler – vor Pervan zu stehen. Der Freiburger Stürmer wartete allerdings zu lange und brachte den Ball nicht ins Tor. Nach 90 Minuten steht ein Unentschieden gegen Wolfsburg und das Gefühl, dass da etwas mehr drin gewesen wäre.

Die Statistik bestätigt diesen Eindruck: 19:8 Schüsse, 7:2 davon auf das Tor, 0,92:0,41 xG nach understat.com und 9:1 Ecken.

2. Wieder das 4-4-2

Nachdem Streich in der letzten Partie überraschend im 4-1-4-1-System aufgestellt hatte, ließ er gegen Wolfsburg wieder das typische 4-4-2 spielen. Personell gab es nur den Wechsel Santamaria (zu ihm später mehr) für Jeong:

  Petersen   Höler  
Grifo Höfler   Santamaria Sallai
Günter Heintz   Lienhart Schmid
    Müller    

 

Die Umstellung hatte wahrscheinlich auch etwas mit dem Gegner zu tun. Wolfsburg baut häufig mit der Viererkette auf und ihr Herzstück ist ein physisch starkes zentrales Mittelfeld, wenn auch dieses Mal nicht Schlager, sondern Gerhardt neben Arnold spielte.

Mit dem direkten Vergleich zu letztem Spiel konnte man sehr gut die Unterschiede der beiden Formationen erkennen. Der offensichtlichste ist die stärkere Präsenz im Zentrum gegen den Ball und eine viel klarere Gliederung in drei Ketten. Doch auch beim Spiel mit dem Ball wurden Unterschiede deutlich. Im 4-1-4-1 kippt der alleinige Sechser kaum zwischen oder neben die Innenverteidiger ab. Im 4-4-2 wurde aber häufiger mit der Dreierkette aufgebaut, wodurch die Außenverteidiger Günter und Schmid weiter nach vorne rücken konnten und Lienhart oder Heintz auch mal den Platz hatten, den Ball in die gegnerische Hälfte zu tragen.
Im Ergebnis hatte man also zwei höhere Außenverteidiger, aber einen Spieler weniger im offensiven Mittelfeld. Dadurch wurde viel häufiger über eine Seite aufgebaut und dort waren Flügelspieler und Außenverteidiger alleine, vielleicht noch mit einem Stürmer der leicht entgegenkam. Es war schwieriger sich so in den Strafraum zu kombinieren, da man nicht viele Spieler ballnah versammeln und Dreiecke bilden konnte. So wurde eher versucht zu zweit auf Außen an die Grundlinie zu kommen und von dort aus zu flanken.

Während man gegen Stuttgart nur zehn Flanken schlug und zwölf Dribblings versuchte, waren es gegen Wolfsburg 29 Flanken und 19 Dribblings (Daten von sofascore.com). Gegen Stuttgart versuchte man es mehr über die Kombination in den Strafraum, gegen Wolfsburg eher über Dribblings auf Außen und die Flanken in den Strafraum. Diese Spielweise hat nicht nur etwas mit den Formationen zu tun, aber tendenziell passt das schon zusammen.

3. Druckphase in der zweiten Halbzeit

Mitte der zweiten Halbzeit merkte man Wolfsburg an, dass sie nicht mehr besonders fit waren. Freiburg übernahm in beeindruckender Weise die Spielkontrolle. Gerade die Positionierungen im Mittelfeld und die der Innenverteidiger in der Konterabsicherung passten optimal. Die langen Bälle des Gegners wurden oft rückwärts verlängert und dann hinten gesichert. Ginczek gewann nur selten seine Duelle gegen Lienhart und Heintz. Auch der Übergang vom Aufbau- ins Angriffsdrittel klappte recht reibungslos. Nachdem in der ersten Halbzeit viel über Schmid und Sallai aufgebaut wurde, kamen nun auch Heintz und Günter immer besser in die Partie.

Bei allem Gutem, was man in dieser Phase sehen konnte, muss man allerdings auch festhalten, dass der Sportclub im Vergleich zum optischen Übergewicht gar nicht so viele klare Abschlüsse herausspielen konnte. Das Abseitstor von Höler entstand aus einem Distanzschuss, die hervorragenden Paraden gegen Santamaria und Heintz waren Distanzschüsse nach Standards, der Kopfball von Santamaria resultierte aus einer Ecke. Es erinnerte alles ein wenig an die letzte Saison, in der man auch häufiger bei Spielen in Rückstand (bspw. Rückrunde gegen Paderborn) sehr gut bis an den Strafraum kam, dort aber keine klaren Abschlüsse zustande brachte. Gerade die Flanken waren zwischen der 50. und 80. Minute häufig nicht so gefährlich, weil die Wolfsburger Verteidiger schon im Strafraum standen und die Hereingaben dann leicht verteidigen konnten. Hier wäre ein kombinativer Ansatz vielleicht die bessere Variante gewesen. Andererseits hätte das die Konterabsicherung wieder etwas erschwert. Ohnehin ist das Kritik auf hohem Niveau. Freiburg hatte die besseren Abschlüsse und mit etwas Glück wäre auch einer „durchgerutscht“.

4. Baptiste Santamaria

Als „spektakulär unspektakulär“ bezeichnete Hartenbach den Neuzugang und lag damit nach den ersten 90 Minuten ziemlich daneben, was ihn wahrscheinlich aber nicht stören wird. Gemeinsam mit Sallai und Höler war Santamaria der auffälligste Spieler des Teams, gab zwei sehr scharfe Schüsse ab, von denen einer den Pfosten der andere einen Wolfsburger Spieler am Kopf traf. (Glasner nahm ihn danach auch vom Feld, was, wenn das eine Reaktion auf den Treffer war, als vorbildlicher Umgang bei Kopfverletzungen im Fußball gelten dürfte.) Zusätzlich hatte Santamaria noch eine Möglichkeit nach Ecke, zielte aus etwa 7 Metern unter Gegnerdruck aber zu zentral auf das Tor.
Er zeigte auch, dass er genaue Diagonalpässe über 50-70 Meter spielen kann. In diesem Fall war es auf Günter (20. Minute). Und auch das schon im Vorhinein gelobte schnelle Umschalten im Kopf bei wechselndem Ballbesitz, konnte man beobachten. Es gab zwei Szenen, in denen das Abfangen des Passes und der eigene Pass nach vorne in einer einzigen Aktion verbunden wurden. Seine schönste Szene im Spiel war kurz vor dem Abseitstor von Höler. Santamaria lief kurz hinter der Mittellinie in Richtung Seitenlinie, täuschte an, in die eigene Hälfte abzudrehen, ging dann aber doch am Gegenspieler vorbei und hatte plötzlich ziemlich viel Platz. Er passte Sallai den Ball, der dann genug Zeit hatte, einen gezielten Distanzschuss aus circa 20 Metern abzugeben.

Dass noch nicht alles beim Neuzugang passte, konnte man in den ersten 45 Minuten sehen. Die Abstimmung mit Höfler ist sicherlich noch ausbaufähig. Mit der Zeit wird es sicherlich deutlicher zu erkennen sein, wer wann welchen Spieler übernimmt. Auch das Abkippen in die Innenverteidigung wirkte nicht immer so, wie es wahrscheinlich abgesprochen war. Das war allerdings auch nicht anders zu erwarten, da es sich auch um die komplizierteste Position auf dem Feld handelt. Das Debut war auf jeden Fall sehr vielversprechend.

5. Gefundene Aufstellung?

Was die anderen Spieler angeht, wäre noch Florian Müller zu nennen, der beim Tor keine Chance hatte, ansonsten aber einen souveränen Eindruck auf der Linie machte. Zusätzlich war er auch gut in den Spielaufbau eingebunden. Hier zeichnen sich also keine größeren Probleme ab.

Es scheint sich aktuell tatsächlich eine Stammelf herauszubilden. Sallai ist sehr gut drauf. Petersen und Höler haben auch zwei gute Spiele gemacht. Vielleicht hatten Günter und Grifo schon mal bessere Phasen, aber sie sind ihrer Konkurrenz viel zu weit voraus, um sie draußen zu lassen. Sollte es beim 4-4-2 bleiben, kann man fast davon ausgehen, dass Jeong, Kwon, Demirovic, Kübler und Schlotterbeck eher nur eingewechselt werden. Stellt Streich wieder auf ein 4-1-4-1 um, wäre es spannend zu sehen, ob er vielleicht sogar mal Höfler auf die Bank setzt oder aber doch ins offensive Mittelfeld schiebt. Ein Bankplatz für Santamaria ist dann selbstverständlich auch möglich. Schlotterbeck muss eher auf eine Umstellung auf Dreierkette hoffen, für die er der optimale zentrale Innenverteidiger wäre.

Zunächst kann man davon ausgehen, dass es gegen Dortmund wieder das 4-4-2 wird, da an diesem Wochenende Augsburg damit den Vizemeister recht erfolgreich vom eigenen Tor fernhalten konnte. Andererseits spielt Dortmund mit Dreierkette und das 4-1-4-1 oder das 3-4-3/ 5-4-1 würde das mannorientierte Anlaufen vereinfachen. Streich hat also alle Möglichkeiten.

 
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