SC Freiburg – VfB Stuttgart 2 : 1

 

1. Aufstellung

Es bestätigt sich ein Trend aus der letzten Saison, der wohl mit dem neuen medizinischen Personal zusammenhängt: Im Verlauf der Hinrunde ist der Sportclub von Verletzungen größtenteils verschont geblieben. Bis auf die Langzeitverletzten Kübler, Haberer und Flekken konnte Streich fast durchgehend auf alle Spieler zurückgreifen. Aktuell kommen aber doch ein paar Ausfälle und angeschlagene Spieler hinzu, während sich Kübler und Haberer zum Glück erholen. Die Ausfälle betreffen besonders die rechte Seite. Schmid und Kübler scheinen beide nicht für 90 Minuten gerüstet zu sein und Sallai und Kwon haben es gegen Stuttgart nicht in den Kader geschafft. Auch Haberer kam für diese Position nicht infrage, da er den verletzten Santamaria im Zentrum vertreten musste. So kam Jeong nach dem Spiel gegen Stuttgart in der Hinrunde und dem Pokalspiel gegen Stuttgart zu seinem dritten Startelfeinsatz in der Saison – alle gegen denselben Gegner.

Höfler kehrte nach Gelbsperre zurück. Dadurch rückte Lienhart wieder in die Abwehrkette zurück und Streich konnte wieder das 3-4-3 aufstellen.

  Grifo Demirovic Jeong  
Günter Höfler   Haberer Schmid
  Gulde Schlotterbeck Lienhart  
    Müller    

2. Die erste Halbzeit

Im Pressing gab es keine großen Besonderheiten. Freiburg lief zu Beginn wirklich hoch an, die Innenverteidiger verfolgten immer wieder ihre Gegenspieler, Günter und Schmid rückten situativ weit in die gegnerische Hälfte vor und die drei Stürmer verschoben sehr stark. Man konnte im Vergleich zum letzten Spiel gut sehen, dass es mit der Dreierkette leichter ist, die Breite abzudecken und herausrückende Bewegungen abzusichern. Freiburg konnte Stuttgart viel häufiger geordnet empfangen, während die Formation gegen Frankfurt oft instabil (weil in Bewegung) wirkte.

Eine Ausnahme in der ersten Halbzeit bildete das 1:0 für Stuttgart: (Ich glaube) Kempf spielte einen langen Diagonalball auf Silas. Schmid lief unter dem Pass durch, kam dann nicht mehr gut in den Zweikampf und konnte seinen Gegenspieler auch nicht stellen. Silas kam dadurch im Strafraum hinter der Abwehr, legte den Ball zurück auf Didavi, Müller parierte noch, aber Silas verwandelte den Nachschuss. Erneut lag Freiburg mit dem ersten Abschluss im Spiel 0:1 zurück.

Daraufhin folgte die beste Phase des Freiburger Spiels zwischen der 10. und der 43. Minute. Wie beschrieben war dort das Pressing recht hoch und dennoch stand man defensiv recht gut. Besonders stark war aber das Spiel mit dem Ball. Ähnlich wie gegen Frankfurt spielte es der Sportclub sehr vertikal, aber dieses Mal kam noch eine höhere Präzision zu dieser Spielanlage hinzu: Die langen Pässe erreichten Demirovic so, dass er den Ball festmachen und weiterverteilen konnte. Günter und Grifo schickten sich mit Doppelpässen hinter die Kette. Schmid kam mal kurz, um den Ball aufzunehmen, ging mal tief für den langen Ball von Lienhart. Die Quote der gelungenen Angriffe war ziemlich hoch.
Das sieht man auch an anderen Statistiken. Gegen Frankfurt spielte man vertikal und hatte eine Passquote von 62%, in der ersten Halbzeit gegen Stuttgart waren es 78% trotz der ziemlich vertikalen Anlage. Die Schlüsselspieler dieser Phase waren auch an den Toren beteiligt: Günter, Jeong und vor allem Demirovic.

Schon in der 12. Minute gab es eine Kombination von der rechten rüber auf die linke Seite, bis Günter wieder von links auf Jeong durchstecken konnte. Der Schuss wurde zur Ecke abgefälscht.

Beim Ausgleich kam der lange Ball von Höfler in den Lauf von Günter. Günter legte zurück auf den nachlaufenden Jeong. Mangala konnte ihm den Ball „weggespitzeln“, legte so aber unfreiwillig für Demirovic auf. Kempf kam bei Demirovic‘ Schuss zu spät und konnte nur noch ins Tor ablenken. (14. Minute)

In der 22. Minute gab es eine Kombination zwischen Jeong und Demirovic. Jeong nahm den letzten Ball nicht optimal an und wurde so noch vom Tor abgedrängt.

24. Minute: Demirovic hielt den Ball gegen vier Stuttgarter und leitete dann per Hackentrick auf Schmid weiter.

In der 28. Minute gab es einen Doppelpass von Günter mit Demirovic, dann die Ablage auf Jeong und einen abgefälschten Schuss. Die anschließende Ecke an den langen Pfosten wurde wieder von Demirovic auf das Tor gebracht, aber Kobel ließ den Fuß stehen.

Das Führungstor war etwas kurios. Ein langer Ball von Müller wurde von Haberer unterlaufen, setzte auf und flog über Mangala drüber. Demirovic leitete dann unter Bedrängnis per Hacke weiter und Stenzel lief am Ball vorbei. So war Jeong durch, schoss, und Kempf fälschte erneut ins Tor ab. (37. Minute)

Es folgten noch zwei weitere gute Szenen des Sportclubs. Einmal gab es einen 4-auf-3-Konter, den Günter leider „verschluderte“ bzw. der gut von Stenzel aufgehalten wurde. Und in der 43. Minute schickte Günter mal Grifo hinter die Kette. Der zog nach innen und legte auf Haberer ab, dessen Schuss leider zu zentral und zu schwach am Tor ankam.

Freiburg hatte in den ersten 45 Minuten 8 Schüsse. Alle wurden innerhalb des Strafraums abgegeben. Es wird in letzter Zeit immer deutlicher, dass man auf Distanzschüsse wohl bewusst verzichtet.

Die erste Halbzeit hätte aber auch noch unentschieden ausgehen können. Silas ließ in der 45. Minute Schmid erneut stehen und Haberer eilte zu Hilfe. Bei seiner Rettungsaktion traf er aber nicht den Ball, sondern den Gegenspieler – und das im Strafraum. Gonzales trat an, verzögerte den Anlauf, Müller wackelte ein bisschen nach links, sprang dann nach rechts und Gonzales schoss ihm sanft in die Arme. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, ich habe ein leichtes Schmunzeln des Freiburger Torhüters erkennen können.

3. Die zweite Halbzeit

Das Spiel veränderte sich nach der Pause. Schon in den ersten fünf Minuten kam der VfB zu drei Schüssen. Freiburg schaffte es dann zwischen der 50. und 60. Minute den Ball halbwegs vom eigenen Strafraum wegzuhalten, kam aber kaum noch zu eigenen Angriffen. Ab der 60. Minute stand der Sportclub fast durchgehend sehr tief, ließ einige Abschlüsse zu und konnte den Ball kaum über zwei Stationen halten. Im Durchschnitt war es tatsächlich nur ein Pass vor dem Fehlpass – 50% Passquote in Halbzeit 2.

Auch die frischen eingewechselten Spieler brachten keine Entlastung. Schlotterbeck, Gulde, Müller und der Pfosten sind wohl die auffälligsten Akteure in dieser Phase auf Seiten des Sportclubs gewesen. Immerhin schaffte man es durch die tiefen Positionierungen, dass von den 14 Schüssen 4 geblockt wurden und neben den beiden Pfostentreffern (87. und 90. Minute) nur drei auf das Tor kamen. Stuttgart bekam keine freien Abschlüsse – außer „das Ding“ von Mavropanos aus zwei Metern.

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte Streich, dass das 2:1 nach dieser zweiten Halbzeit glücklich zustande gekommen ist. Man wollte auch gegen Ende des Spiels weiter hoch verteidigen, aber Stuttgart war zu gut und Freiburg nach der englischen Woche nicht mehr fit genug, um das Pressing bis zum Ende durchzuziehen. Das fast es ganz gut zusammen.

4. Einzelspieler

Höfler fiel bis auf seinen einleitenden Pass zum Ausgleich nicht besonders auf, aber es ist wohl kein Zufall, dass das Spiel mit dem Ball so viel strukturierter war als gegen Frankfurt.
Sein Nebenspieler Haberer war viel unterwegs, agierte in manchen Situationen aber noch etwas unglücklich – exemplarisch das Foul zum Strafstoß. Das lässt sich wahrscheinlich durch seine lange Verletzungszeit erklären. Mit einem fitten Sanatamria hätte man Haberer langsamer aufbauen und integrieren können.

Nach dem Spiel gegen die Bayern machte Müller nun sein zweites herausragendes Spiel im Freiburger Trikot. Und dieses Mal führte das auch zu Punkten. Es waren ein gehaltener Elfmeter, eine vereitelte Großchance (Mavropanos), fünf gehaltene Schüsse innerhalb des Strafraums und insgesamt 8 Paraden. Auf Sofascore.com wird ihm auch noch ein erfolgreiches Dribbling angerechnet.

Günter und Grifo fehlt es aktuell an direkten Torbeteiligungen, aber sie leiten sehr viele Angriffe ein. Gerade in diesem Spiel gab es einige Durchbrüche über die linke Seite.

Lienhart war in den letzten Spielen der auffälligste der drei Innenverteidiger. Nun machte er kein so gutes Spiel. Das wurde aber durch einen unglaublich stabilen Schlotterbeck kompensiert (8 klärende Aktionen, 2 geblockte Schüsse, 4 von 4 Zweikämpfe am Boden gewonnen, 3 von 4 Kopfballduelle gewonnen).

Kommen wir zu den beiden auffälligsten Akteuren des Spiels.

Jeongs Spiel kann man ganz schwer mit anderen Freiburger Offensivspielern vergleichen. Sallai ist ein sehr geradliniger Spieler, der sich seltener im Aufbau einschaltet. Grifo dagegen lässt sich oft fallen, startet kaum hinter die Kette. Jeong macht beides. Er steht in Aufbausituationen deutlich zentraler als Sallai. Dadurch sieht das Spiel des Sportclubs mit ihm symmetrischer aus. Demirovic steht alleine vorne, Jeong und Grifo richten ihren Blick auf die Aufbauspieler und bieten sich für flache Pässe an. Wie man beim 2:1 sehen konnte, startet er aber auch hinter die Kette, wenn die Situation passt. Was bei ihm vielleicht noch etwas fehlt, ist die Konstanz in den Aktionen. Die wird mit der Spielzeit aber wahrscheinlich zunehmen. Die Joker-Einsätze sollten ihm aktuell sicher sein. Mal sehen, wie häufig er noch von Beginn an spielen wird.

Zu guter Letzt eine kleine Lobeshymne auf Ermedin Demirovic. Er kreiert 0,56 Großchancen pro Spiel und liegt damit auf Platz 9. Mit seinen 5 Vorlagen liegt er bereits auf Platz 10 in der Bundesliga. Dabei gilt sein Pass auf Jeong vor dem 2:1 gar nicht als Vorlage, weil Stenzel ihn noch unterwegs touchiert hat.
Freiburg hatte unter Streich noch nie einen richtigen Wandspieler – einen Stürmer, der angespielt wird, den Ball hält und dann dem Mitspieler in den Lauf hinter die Kette passt. Mit seinem doch recht „bulligem Körper“ kann Demirovic genau das leisten – zumindest gegen Spieler wie Anton oder Bornauw, gegen Hinteregger war das schon schwieriger. Diese Fähigkeit ermöglicht ganz neue Spielzüge für den Sportclub. Aktuell kommen nun aber auch noch technischen Fähigkeit zum Vorschein, die man ihm vor drei Wochen noch nicht zugetraut hätte. Seine Pässe in die Tiefe habe immer genau die richtige Länge und er kann einen Ball eben auch mit einem Kontakt weiterleiten.
Gegen den Ball hat er noch nicht so viele hohe Balleroberungen, aber er „wirkt äußerst präsent“ im Anlaufen. Auch hier kommt ihm seine körperliche Stärke entgegen. Der Sportclub hatte nun einige hoch veranlagte Innenverteidiger und auch hängende Spitzen. Nun scheint sich auch mal ein richtiges junges Stürmertalent ins Schwarzwaldstadion verirrt zu haben. Es macht richtig Spaß ihm bei seiner rasanten Entwicklung zuzusehen.

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