SC Freiburg – SV Werder Bremen 1 : 1

1. Das Spiel (Kurzzusammenfassung)

Nach kurzer „Abtastphase“ kam der SC Freiburg besser ins Spiel, hatte einen guten Abschluss durch Petersen und provozierte fast ein Eigentor von Gebre Selassie. Die anschließende Ecke führte zum 1:0. Schon das dritte Mal im vierten Spiel reichte ein Lauf von Petersen auf den kurzen Pfosten für ein Tor. Er verlängerte den Ball durch die „Spielertraube“ hindurch auf Höler, dessen Schuss dann von Lienhart ins Tor abgelenkt wurde. Nur fünf Minuten später schoss Freiburg das vermeintliche 2:0. Ein Schuss von Günter wurde abgeblockt. Sallai kam an den pflückte den Ball aus der Luft, dribbelte und passte auf Schmid, der ins lange Eck traf. Nach Überprüfung durch die Videoassistentin wurde das Tor allerdings zurückgenommen, da Sallai beim Schuss von Günter im Abseits stand. Es war das vierte Abseitstor im vierten Spiel.
In der 24. Minute spielte Lienhart einen Fehlpass im Aufbau. Höfler versuchte im Strafraum Bittencourt, den Ball abzunehmen, traf dabei aber den Gegenspieler. Füllkrug verwandelte den Elfmeter. Danach kam Bremen etwas besser ins Spiel und hatte durch Konter und Standards ein paar Chancen.
Auch nach dem Seitenwechsel kam eher der Gast zu Abschlüssen. Insbesondere eine Flanke von links auf Bittencourt brachte Gefahr. Auf der anderen Seite wurde Petersen nach einem Kopfball von Höler aus fünf Metern geblockt. Spätestens ab der 65. Minute dominierte der Sportclub das Spiel, war sehr oft im letzten Drittel und kam von dort aus auch in den Strafraum. Nur resultierten daraus kaum Abschlüsse. So endete das Spiel ohne großen Aufreger 1:1.

2. Aufstellung und Pressing

Es war schwer abzusehen, wie Streich aufstellen würde. Am Ende war es dann einfach das 4-4-2 mit Grifo und Sallai auf den Flügeln:

  Petersen   Höler  
Grifo Höfler   Santamaria Sallai
Günter Heintz   Lienhart Schmid
    Müller    

Bremen hingegen wechselte häufiger die Formation. Ihr Spielaufbau lief aber fast durchgehen über eine Dreierkette. Freiburg presste recht hoch. Meistens war es Grifo, der zu Petersen und Höler aufrückte, die dann seitlich drei gegen drei anliefen. Bremen musste den Ball auf Freiburgs rechte Seite spielen. Von dort aus blieb dann häufig nur der Rückpass auf Pavlenka und der lange Ball nach vorne. Werder hatte nur selten im Spiel ruhigen und kontrollierten Ballbesitz. Sie gingen allerdings auch kein großes Risiko ein, wodurch der Sportclub kaum hohe Ballgewinne hatte.

3. Aufbauspiel

Der Übergang vom Aufbau- ins Angriffsdrittel war die größte Freiburger Stärke in diesem Spiel. Wenn Bremen hoch anlief, suchte man spielerische Lösungen, was durchaus zu riskanten Aktionen führte, die aber nur zu einem nennenswerten Ballverlust im Aufbau führten. Da dieser aber gleich zu einem Strafstoß führte, bleibt er im Gedächtnis. Was Lienhart dabei übersah, war ein Richtungswechsel von Bittencort. Der Bremer lief eigentlich gerade auf Schmid an der Seitenauslinie zu, während Santamaria zentral entgegenkam. Als Lienhart für den Pass den Blick auf den Ball richtete, las Bittencort dessen Körperstellung richtig, orientierte sich doch wieder in die Mitte und konnte den Pass abfangen. Die Rettungsaktion von Höfler war unglücklich.

Die Risikobereitschaft im Aufbaudrittel hatte aber auch seine positiven Aspekte. Freiburg konnte sich häufig flach aus dem Pressing herauskombinieren und so dynamisch ins letzte Drittel vorstoßen. In dieser Dynamik sind auch Halbfeldflanken etwas gefährlicher, da die Verteidigung etwas in Bewegung ist. So kamen die ersten Freiburger Torchancen zustande.

Die Wege nach vorne waren etwas zu vielfältig, um alle genauer zu beschreiben. Zunächst kippte Höfler manchmal (nicht immer) ab, später auch Santamaria, es gab das typische Zusammenspiel von Schmid und Sallai, Grifo ließ sich teilweise ins Mittelfeld fallen, aber man sah auch den klassischen Aufbau durch das Zentrum. Hier spielt Santamaria eine Schlüsselrolle, da er auch mit Gegnerdruck relativ risikofrei angespielt werden kann. Seine Ballsicherheit durch das mit dem Körper abschirmen, sich dann aber doch noch „rausdrehen“ ist bemerkenswert.
Einzig Höler fiel in den ersten 70 Minuten etwas ab. Er kam zwar auch häufiger mal dem Ball entgegen und hatte dabei auch ein recht gutes Gespür für die Räume zwischen den Ketten, verlor allerdings häufiger den Ball – entweder durch technische Fehler oder weil er sich mit dem Ball nicht in die richtigen Räume drehte. Waldschmidt wäre hier die optimale Besetzung als zurückfallender Stürmer. Mal sehen, ob Til oder Jeong das im Laufe der Saison übernehmen können. Wie Streich auch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel erwähnte, wurde Hölers Spiel besser, nachdem er für Grifo auf die linke Seite gewechselt hatte.

Kurz gesagt: Freiburg kam durch eine gute Struktur im Aufbau leicht ins letzte Drittel und war bis auf wenige Ausnahmen recht ballsicher, obwohl man risikoreich spielte. 63% Ballbesitz und eine Passquote von 84% sind bisheriger Bestwert in der Saison. Wichtiger als diese statistischen Werte war aber, dass man viele Angriffe einleiten konnte.

4. Das letzte Drittel

Nachdem hier das Pressing und Aufbauspiel so sehr gelobt wurde, könnte man meinen, Freiburg hätte einfach nur Pech im Abschluss gehabt. Dem war aber nicht so. Schaut man sich die größten Chancen des Spiels an, hat der Sportclub keine größeren Vorteile gegenüber Werder Bremen.

Um das Problem zu verdeutlichen, kann man die ersten und letzten 25 Minuten des Spiels gegenüberstellen. Zu Beginn stand Bremen insgesamt höher, Freiburg konnte das häufiger umspielen und kam gerade über die Kombination von Sallai und Schmid ins letzte Drittel. Das war kein „Chancenfestival“, aber immerhin gab es zwei Abschlüsse aus dem Spiel heraus, die Ecke, die zum Tor führte und das Abseitstor nach sehenswerter Kombination. Insgesamt waren die Vorstöße seltener, aber gefährlicher.

In den letzten 25 Minuten stand Bremen tiefer und der Sportclub kam sehr häufig ins letzte Drittel, wodurch sich der Gegner in diesen Angriffsphasen noch weiter zurückzog. Freiburg schlug 27 Flanken, von denen nur fünf ankamen. Allerdings sah es besser aus als gegen Wolfsburg, gegen die man während der überlegenen zweiten Halbzeit fast nur die Flanke als Weg in den Strafraum hatte. Gegen Bremen kamen Kombinationen und Dribblings dazu. Hatte man in den vergangenen drei Spielen nur 17 erfolgreiche Dribblings insgesamt, kam man gegen Bremen schon auf 13 in nur einem Spiel. Man schaffte es erstaunlich häufig über Außen in den Sechzehner durchzubrechen. Was für eine Großchance fehlte, war der erfolgreiche Pass auf einen Stürmer oder einen nachrückenden Mittelfeldspieler. Immerhin gab es 20 Schüsse und 15 der 20 Schüsse wurden innerhalb des Strafraums abgegeben, aber nur 4 kamen auf das Tor. Bei den expected Goals lag Bremen sogar vorne (ich gehe immer auf understat.com, die Zahlen von Sky unterscheiden sich erheblich). Die Weiterentwicklung zu Spiel gegen Wolfsburg brachte also auch keine größere Torgefahr.

Es ist schwer zu bestimmen, woran es hauptsächlich lag, dass der letzte Pass nur selten ankam. Ein großer Teil hat mit dem Gegner zu tun. Bremen stand häufig mit sehr vielen Spielern im eigenen Strafraum. 35 klärende Aktionen sind ein sehr hoher Wert. Besonders beeindruckend war dann die Fehlerfreiheit in der Strafraumverteidigung. Kaum einmal wurde ein Ball unglücklich verlängert oder wie in der ersten Halbzeit gefährlich auf das eigene Tor gebracht. Bremen spielte einfach aber sicher.
Dass Freiburg Probleme gegen tief stehende Gegner hat, konnte man vor zwei Spieltagen gegen Wolfsburg sehen, aber auch schon letzte Saison. Insbesondere das Rückspiel gegen Paderborn bleibt im Gedächtnis. Es gab unzählige Durchbrüche, aber kaum Abschlüsse. Hier kann man dann verteidigend einwenden, dass es einer der schwierigsten Aufgaben im Fußball ist, gegen tief stehende Abwehrreihen Torchancen zu erspielen. Gerade beim Spielstand von 1:1 gab es auch immer die Gefahr, in einen Konter zu laufen, gerade wenn Günter und Schmid so weit mit aufrücken. Das verhindert, dass Santamaria und Höfler oft in den Strafraum nachschieben können und Lienhart und Heintz müssen ohnehin schon absichern. Die Dribblings von Günter, Sallai oder Grifo sind ein guter Ansatz. In solchen Situationen ist man dann sehr auf die Qualität von Einzelspielern angewiesen.

Man sollte das Problem aber auch nicht größer machen, als es ist. Es gibt vielleicht drei bis vier Spiele in der Saison, in denen Freiburg phasenweise einen tief stehenden Gegner bespielen muss. Und wenn man so häufig im Strafraum ist, wie gegen Bremen steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Strafstoß oder irgendeinen abgefälschten Ball gibt, der dann doch noch zum Tor führt. Das Frustrierende an diesem Spiel war eben genau das: Man wartete ständig darauf, dass nun endlich mal ein Ball durchrutscht, aber es kam nicht dazu.

5. Einzelspieler

Santamarias Abstimmung mit Höfler wird immer besser. Aber auch jetzt schon ist er ein zentraler Bestandteil des Teams. Man muss sich erst noch daran gewöhnen, dass sich ein Spieler im Zentrum so gut in engen Räumen verhält und auch gegen mehrere Gegenspieler den Ball halten kann. Das ist eine neue Qualität im Freiburger Team.

Als Zweites ist Roland Sallai zu nennen. Nachdem er gegen Stuttgart schon ein Tor, ein Assist und einen Preassist sammelte, hat er sich gegen Bremen wieder auf den Titel „Spieler des Spiels“ beworben. Er wird immer unberechenbarer, zieht teilweise nach innen, geht mal auf die Grundlinie, schickt mal Schmid oder schlägt eine frühe Flanke. Zusätzlich macht er auch weniger unnötige Fouls gegen den Ball. Die Seite mit Lienhart, Schmid und Sallai wirkt aktuell gefährlicher als die mit Heintz, Günter und Grifo.

Günter hatte keinen so auffälligen Saisonstart und auch gestern kam er nur langsam ins Spiel. Seine Leistung besserte sich aber und er hatte einige schöne Dribblings. Nur seine Flanken kommen in dieser Saison noch nicht richtig an.

Lienhart schoss sein erstes Bundesligator, war dann aber auch leider am Gegentor beteiligt. Solche Fehler werden bei einem riskanten Aufbauspiel durch die gewollte Herangehensweise in Kauf genommen. Interessanterweise übernimmt er auch immer größere Teile des Aufbauspiels. Während Heintz meistens den sicheren Ball auf Günter schlägt, begeben sich Lienhart und Schmid in Situationen, in denen der Gegner größeren Druck aufbauen kann, hinter denen dann aber auch mehr Platz ist.

Müller mal wieder ein gutes Spiel gemacht, wird ins Aufbauspiel eingebunden und hatte immerhin drei Paraden im Spiel. Mit ihm hat man ein recht sicheres Gefühl.

 

 

Wer diesen Blog mit einer kleinen Spende unterstützen möchte, kann das hier tun. Ziel ist zunächst die Finanzierung der Serverkosten. Zusätzlich wünsche ich mir ein richtiges Sky-Abo, womit ich nicht immer auf Angebote von Sky-Ticket lauern muss. Damit läuft ein Spiel ohnehin nur selten 90 Minuten flüssig durch.

Eine direkte Überweisung ist für mich selbstverständlich noch besser:

Empfänger: Michael Tschirwa
IBAN: DE 39 6609 0800 0017 4666 17
BIC: GENODE61BBB
Bank: BBBank
Stichwort: Zerstreuung Fussball

 

Wer Genaueres zu den Bremer Umstellungen lesen möchte, kann wahrscheinlich demnächst bei der Internetseite Deichstube nachschauen. Hier veröffentlicht Tobias Escher Analysen zu den Bremer spielen.