SC Freiburg – SV Werder Bremen 0 : 1


1. System und Aufstellung

Streich wechselte im Vergleich zum Spiel gegen Leipzig das System und brachte einen Stürmer mehr auf das Spielfeld. Auch personell war es wohl die offensivst mögliche Aufstellung, die man sich realistisch hätte vorstellen können. Ein 4-4-2 mit Koch in der Innenverteidigung und Haberer im zentralen Mittelfeld.

  Petersen   Höler  
Grifo Höfler   Haberer Sallai
Günter Gulde   Koch Schmid
    Schwolow    

 

2. Die Anfangsphase

Entsprechend der Aufstellung startete der Sportclub sehr offensiv ins Spiel. Vom Anpfiff weg jagten die vier Offensiven dem Ball hinterher, bis die Bremer zu einem Rückpass zu Pavlenka gezwungen wurden. Höler oder Petersen liefen dann auch bis zum Bremer Torhüter durch und erzwangen lange Bälle. Das war häufig mit einem Ballgewinn verbunden, denn so gut Pavlenka auch die Primärfähigkeiten des Torhüterspiels ausübt, im Spiel mit dem Ball am Fuß hat er durchaus Probleme.
Nach Ballgewinn spielte Freiburg meist schnell den vertikalen Ball, um die in den letzten Spielen häufig unsichere Bremer Abwehr unter Druck zu setzen.

Diese sehr aggressive Herangehensweise funktionierte in den ersten Minuten halbwegs gut. Werder hatte Probleme sein Passspiel aufzuziehen, kam mit der Zeit aber besser ins Spiel. Freiburg schaffte es durch das vertikale Spiel ins letzte Drittel zu kommen und positionierte sich dann meist sehr offensiv. Günter und Schmid rückten weit auf und die Offensivspieler starteten früh in den Strafraum, um dort Flanken zu empfangen. In der 17. Minute führte das zur ersten größeren Chance. Günter flankte, Petersen legte im Strafraum mit der Brust ab und Sallai schoss leider daneben.
Kurze Zeit später sah man allerdings auch den Schwachpunkt dieser offensiven Herangehensweise: die Konterabsicherung. In der 19. Minute kam Bremen am eigenen Strafraum in Ballbesitz und konnte das Gegenpressing auf der Freiburger rechten Seite umspielen. Koch und Höfler rückten vor, um das Gegenpressing zu unterstützen, kamen dafür aber zu spät. Als Klaassen den Ball von Friedl erhielt, stand Gulde allein gegen zwei breit positionierte Werderaner. Der Bremer passte diagonal auf Bittencourt, der den Ball gut mitnahm, wodurch die zurückeilenden Günter, Koch und Höfler praktisch aus dem Spiel genommen wurden. Gulde schaffte es noch, ein wenig Druck auf den Ballführenden auszuüben, aber Bittencourt ließ sich davon nicht beeindrucken und traf zum 0:1.
Bremen hatte davor schon Ansätze bei Schnellangriffen (umspieltes hohes Pressing oder Konter) gezeigt. Der Treffer kam also nicht ganz überraschend, obwohl er auch auf der anderen Seite hätte fallen können.

3. SC Freiburg im Rückstand

Von der 19. bis zur 96. Minute nahm der Freiburger Druck stetig zu. Bremen stellte irgendwann auf ein 5-3-2 um und hatte kaum noch Entlastungsangriffe. Die riskante Konterabsicherung, die durch den Rückstand nicht besser abgesichert wurde, stellte ein immer geringeres Problem dar. Am Ende reichte es aber dennoch nicht für den Ausgleich.

Dabei sah der Freiburger Spielaufbau sogar sehr gut aus. Pressingsituationen konnten gemeinsam mit Schwolow gut aufgelöst werden und die diagonalen Spielverlagerungen über 50 Meter sind in dieser Saison zwar nicht mehr ganz neu, aber immer noch ziemlich beeindruckend, da man sie in den letzten drei Jahren kaum gesehen hat. Der Sportclub hatte Spielkontrolle und Präsenz im letzten Drittel. Ab dort wurde es allerdings schwieriger. Von der 19. bis zur 60. Minute kam man nur sporadisch zu Abschlüssen. Danach wurde es besser, aber immer noch wurde viel über außen gespielt und geflankt. Bremen verteidigte die Flanken besser als gegen Leverkusen (und im Prinzip alle anderen Gegner). 14 der 36 Flanken kamen immerhin an, aber die wenigsten führten zu guten Abschlüssen. Dieses Problem, nur wenige klare Chancen gegen einen mauernden Gegner zu erspielen, erinnerte an das Spiel gegen Paderborn. Hier fehlen dem Sportclub dann doch die spielerischen Mittel.

Andererseits ist es auch nicht so, dass es überhaupt keine Abschlüsse gab. 17 Schüsse, davon 7 auf das Tor sind ein recht guter Wert. Die expected Goals von 0,72 zeigen zwar an, dass viele Schüsse aus eher ungefährlicheren Positionen kamen, aber Bremen hatte sogar nur 0,46 xG. Freiburg hatte genug Chancen und Standards, um 1-2 Tore zu schießen, konnte die Effizienz aus dem Spiel gegen Leipzig aber nicht ins heimische Stadion transportieren – ganz im Gegensatz zur knappen Abseitsstellung bei einem Standardtor in der Schlussphase.

4. Fazit

Negativ:

1. Die Konterabsicherung war teilweise zu riskant. Bremen hat Probleme in der Zweikampfführung, ist aber schon sehr sauber im Positionsspiel, läuft gute Wege und hat ein gutes Passspiel. Das wurde dem Sportclub dann zum Verhängnis.

2. Im letzten Drittel gab es Probleme, gezielt in den Strafraum einzudringen. Eine Szene, wie der Steckpass auf Höler in der 26. Minute, gab es nur selten. Dieses Problem trat schon häufiger gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte auf.

3. Die Chancenverwertung war sehr ausbaufähig. Das hat dann aber auch manchmal etwas mit Glück oder dem gegnerischen Torhüter zu tun. Irgendeiner hätte da schon mal durchrutschen können.

4. Auf Twitter erinnerte @Nokraut daran, dass man Kleindienst vor der Saison abgegeben hat. Dieser Spielertyp hätte bei der Herangehensweise mit den vielen Flanken schon sehr geholfen. Der taktische Kniff, Koch zur Schlussphase in den Sturm zu ziehen, hat bisher noch nicht funktioniert. Aber auch insgesamt sind drei Stürmer im Kader etwas wenig. Durch den kurzfristigen Ausfall von Waldschmidt konnte man auf dieser Position nicht durch einen Wechsel „nachlegen“.

5. Stichwort Wechsel: Wenn man so offensiv ins Spiel startet, beraubt man sich auch offensiver Wechseloptionen. Kwon und Borrello saßen zwar auf der Bank, aber Grifo und Sallai waren ja eher die positiven Erscheinungen des Angriffsspiels.

6. Die Standards waren in diesem Spiel nicht ganz so gut wie in den vergangenen Spielen, obwohl das eine klare Schwachstelle der Bremer ist.

Positiv:

1. Wenn man dem Sportclub etwas Zeit und Raum im Aufbauspiel gibt, sieht das schon sehr gut aus. Kochs Ballsicherheit und Spieleröffnung haben eine besondere Qualität, aber auch Haberer und Höfler spielen schöne Diagonalbälle, die von Günter und Schmid „heruntergepflückt“ werden können.

2. Phasenweise gab es eine gute Präsenz im Mittelfeld und einige Duelle um die „zweiten Bälle“ wurden gewonnen.

3. Bis auf das letzte Drittel und anfänglich die Konterabsicherung sah die Spielstruktur insgesamt sehr gut aus.

4. Sallai hatte einen guten Tag. Er konnte mit seinen Einzelaktionen teilweise kleinere Lücken reißen, brachte sich aber auch häufig in Abschlusspositionen. 5 der 17 Freiburger Schüsse kamen von ihm.

5. Gulde hat sich spielerisch verbessert. Die Spieleröffnung ist zwar weiterhin nicht seine Paradedisziplin, aber im Vergleich zur letzten und vorletzten Saison ist das schon deutlich besser.

 

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