SC Freiburg – SpVgg Greuther Fürth 3 : 1

Nach einem ausführlicheren Text zum Spiel gegen Wolfsburg folgt nun eher ein kürzerer zum Spiel gegen Greuther Fürth. Nächste Woche geht es dann ja auch schon gegen den FC Bayern und da wird es eher wieder ausführlicher.

1. Aufstellung

Es war unsicher, welche Spieler nach der Partie gegen Osnabrück, die bis ins Elfmeterschießen ging, für dieses Spiel fit werden würden. Lienhart, Nico Schlotterbeck, Höfler und Kübler waren allesamt fraglich, standen aber alle von Beginn an auf dem Platz. Das war auch gut so, denn mit den Ausfällen von Sallai und Petersen war die Bank nicht mehr ganz so gut besetzt, wie man es in dieser Saison gewöhnt ist.

Streich stellte im 4-4-2 auf und Schade durfte zum zweiten Mal von Beginn an bei den Profis spielen.

2. Herangehensweise mit und gegen den Ball

Freiburg wurde von Beginn an der Favoritenrolle gerecht. Gegen den Ball ging Freiburg lief man sehr hoch an und hatte einige Ballgewinne auf der eigenen offensiven linken Seite. Fürth kam kaum in eine Ballzirkulation.
Mit dem Ball dominierte der Sportclub in der ersten Halbzeit das Spiel mit 60% Ballbesitz und einer Passquote von 83%. Lienhart und N. Schlotterbeck bauten flach auf und mussten dabei nur selten Flekken einbinden. Das lag auch am Gegner. Fürth attackierte den Freiburger Aufbau erst ab der Mittellinie und stand in einem sehr engen Block. Die Freiburger Innenverteidiger spielten einige Verlagerungen, um die Fürther Defensivformation in Bewegung zu bringen, was halbwegs gut funktionierte. Nach einer kontrollierten Anfangsphase mit ein paar Durchbrüchen in den Strafraum und Distanzschüssen von Grifo, kam Höler auf der rechten Seite hinter die Fürther Kette, schlug eine Flanke und Asta köpfte den Ball ins eigene Tor. Hinter ihm wäre Grifo bereit gesatnden.
Auch nach dem Rückstand kam Fürth nicht in die Partie. Am Ende der ersten Halbzeit stand es 2:0 (Eckentor von Höfler). Fürth hatte in den ersten 45 Minuten nur einen Schuss in Richtung des Tors von Flekken abgegeben. Das war defensiv mal wieder sehr überzeugend.

In dieser Halbzeit konnte man ein wichtiges Element beobachten, was Freiburg (neben anderen Eigenschaften) in dieser Saison so stark macht: Das Team von Streich macht einfach kaum Fehler im eigenen Aufbauspiel. Wenn man sich an andere Phasen unter Streich erinnert, ist diese Entwicklung besonders hervorzuheben. In den letzten Jahren versuchte man häufiger mal einen etwas ballbesitzorientierteren Ansatz. Das sah häufig gut aus, war aber teilweise anfällig für einzelne Fehler, die über 90 Minuten eben einfach passieren. Einige Spiele gegen Mainz 05 kommen einem dabei in den Sinn. Aktuell funktioniert aber genau das: man kontrolliert das Spiel auch mal mit dem Ball und streut praktisch keine Fehler ein. Das hat eben viel mit der Qualität von N. Schlotterbeck, Lienhart, Flekken, Höfler, Kübler und Grifo zu tun, die das Aufbauspiel in unterschiedlichen Phasen übernehmen.

3. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause bekam der Sportclub allerdings leichte Probleme. Streich erklärte das auch mit den vielen angeschlagenen Spielern und den 120 Minuten gegen Osnabrück. Man trat nicht mehr so dominant auf und ließ einige Angriffe zu. So kam Fürth zu Abschlüssen und tatsächlich durch Leweling auch zum Anschlusstreffer. Hier agierte Freiburg ungewohnt „schlafmützig“. Es wirkte so, als ob Günter damit gerechnet hatte, dass N. Schlotterbeck & Co die Situation ohnehin klären würden und er sich nicht mehr um seinen Gegenspieler kümmern muss. Wie schon gegen Hertha stand Günter einen Meter hinter dem Spieler, der nach einer Flanke frei zum Abschluss kam. Das ist dann der Preis für seine offensive gedankliche Ausrichtung, aber es passt nicht ganz zur soliden Abwehrleistung in dieser Saison – auch wenn solche Situationen extrem selten sind.
Es wurde aber nur kurz spannend, denn nach einem langen Ball und zwei Kopfbällen von Freiburg und Fürth kam Höler im gegnerischen Strafraum vor dem Fürther Torhüter an den Ball und wurde von diesem gefoult. Grifo traf dann aus elf Metern sehr sicher ins rechte obere Eck zum 3:1- Endstand.

4. Alle Augen auf den Sportclub

Freiburg bekommt ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit zurzeit. Die meisten großen Zeitungen haben nun auch irgendeinen Artikel zu Saisonverlauf geschrieben und so langsam haben alle mitbekommen, dass man ganz gut dasteht und es nun gegen den FC Bayern geht.

Die vermehrte Berichterstattung hat in letzter Zeit aber wirklich auch ein paar schöne und interessante Auseinandersetzungen mit dem Sportclub hervorgebracht, die ich an dieser Stelle verlinken wollte.

a) Hier eine schon etwas ältere Taktikanalyse im Video (mit dem Ball im 3-4-3, das zum 3-1-5-1 wird) vom Spiel gegen Augsburg von Tobias Hahn (thefalsefullback).

b) Ebenso schon etwas länger her: Die Folge des Mainzer Kellers, in der der Sportclub genauer beleuchtet wird. (Analyse von real gezeigten Spielszenen gegen den Ball und im Aufbau).

c) In der aktuellen Folge von Bohndesliga macht Tobias Escher seine Taktikanalyse (mit sehr nerviger Werbung) zum SC Freiburg. Hier wird das klassische Einrücken von Grifo im 3-4-3 und 4-2-3-1 deutlich. 

d) Patrick vom Spodcast war beim Rasenfunk zu Gast mit dem Schwerpunkt SC Freiburg. Der kommt ohnehin zwei Mal pro Saison, aber es ist sicher auch kein Zufall, dass er jetzt kam. Gemeinsam mit Max-Jacob Ost und David Thies spannt er den etwas größeren Bogen und muss unter anderem die gute Frage beantworten, warum der SC Freiburg in den letzten Jahren so viele gute Einzelspieler herausgebracht hat, wenn das Spielsystem doch eher auf mannschaftlicher Geschlossenheit beruht.


Bei den vielen weiteren Artikeln, die aktuell erscheinen, ist interessant, dass gerade die Rollen von N. Schlotterbeck und auch von Flekken, Lienhart und Höfler nicht ganz so hoch eingeschätzt werden wie innerhalb der Freiburger Internetblase. Von Außen thematisiert man eher Streich, die taktische Disziplin, Günter, Grifo oder Höler, der eben sinnbildlich für eine gute Arbeit gegen den Ball steht. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sich die Internetblase auf die neueren Entwicklungen konzentriert. Streichs Defensivpläne und die linke Seite haben auch letztes und vorletztes Jahr schon sehr gut funktioniert. Zusammen ergeben die beiden Sichtweisen ein ganz gutes Bild.

5. Nachtrag: Ein Einzelspieler

Nachdem ich die Zusammenfassung gesehen habe, muss ich doch noch auf zwei Szenen von meinem Lieblingsspieler Jeong aufmerksam machen. Die zweite Szene war eine hübsche Kombination mit Schade, die er noch zu einem recht guten Abschluss bringt. Die erste Szene war eine fantastische, ja wirklich überragend schöne und elegante eingedrehte Ballmithnahme im Strafraum nach einem Pass von Höler. Leider war der anschließende Abschluss nicht stark genug.

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