SC Freiburg – RB Leipzig 2 : 1


1. Aufstellung und Herangehensweise

Es war das gewohnte 3-4-3/ 5-2-3 mit der Dreierkette Heintz, Koch und Lienhart. Günter und Schmid spielten auf den Außen, Höler, Waldschmidt und Haberer im Sturm. Im Zentrum durfte Tempelmann das erste Mal neben Höfler auflaufen.

Nagelsmann ließ mal wieder nicht mit seinem Hoffenheimer System spielen, sondern setzte auf das typische RB-System: 4-2-2-2, das mit ihm aber mehr auf Ballbesitz und eben nicht nur den Umschaltmoment ausgelegt ist.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte Streich, man wollte eigentlich nicht so tief verteidigen, wie es sich im Spiel dann darstellte. Höler, Waldschmidt und Haberer sollten die Aufbauspieler hoch anlaufen und gleichzeitig den Sechser (Demme) aus dem Spiel nehmen. Leipzig war allerdings sehr ballsicher und hatte selten größere Probleme, die erste Freiburger Pressinglinie zu umspielen. Gewohnt diszipliniert zog sich Freiburg dann schnell an den eigenen Strafraum zurück und verteidigte in einem tiefen 5-4-1. Das wiederum funktionierte recht gut. Die Rasenballsportler wurden eigentlich immer nur dann gefährlich, wenn sie im Gegenpressing den Ball eroberten und der Freiburger Abwehrblock nicht ganz so geordnet war. Von diesen Situationen gab es in der 5. bis zur 40. Minute aber einige. In dieser Phase hatte der Sportclub Glück, nicht in Rückstand zu geraten.

Das Spiel mit dem Ball muss wohl zweiteilig bewertet werden. Im Aufbaudrittel gab es durchaus konstruktive Ansätze. Lienhart, Koch, Heintz, Höfler und Flekken ließen den Ball recht schön laufen und zeigten keine Unsicherheiten gegen das Leipziger Pressing. In der ersten Halbzeit kam der SC Freiburg sogar auf eine Passquote von 84% (am Ende 80%). Der Übergang ins letzte Drittel gelang allerdings weniger gut. Der Weg durch das Zentrum wurde kaum gewählt. Sicher auch, weil Leipzig immer auf unsauberer Anspiele wartet, um dort den Ball zu gewinnen. So gab es entweder den Weg über Schmid oder einige lange Bälle, die nur selten in Freiburger Ballbesitz mündeten. Trotz angeblicher 7 Torschüsse in der 1. Halbzeit (laut Kicker) strahlte der Sportclub kaum Gefahr aus.
Die letzte Aktion in der ersten Halbzeit war allerdings sehr schön herausgespielt. Der Ball lief über die rechte Seite von Lienhart ins Zentrum und konnte dort auf Heintz verlagert werden, der den Angriff dann einleitete. Am linken Strafraumeck hinterlief Günter Grifo, wurde angespielt und brachte einen „Parallelball“ (Nagelsmann) in den Sechzehner. Höler konnte nicht frei abschließen, doch der Ball rutschte zum freien, in den Strafraum nachgerückten, Höfler durch. Dieser erzielte dann das 1:0 zum Pausenpfiff.

2. Die zweite Halbzeit

Schon in der ersten Halbzeit wechselte Streich zweifach. Der verletzte Waldschmidt wurde durch Petersen ersetzt und Tempelmann, der ein paar unglückliche Szenen hatte, wurde durch Grifo ersetzt. Haberer rückte ins Zentrum (und hatte dieses Mal keine Anpassungsschwierigkeiten beim Positionswechsel).
Nach der Pause änderte Freiburg wenig an der Spielweise: gewolltes 5-2-3, in der Praxis oft ein tiefes 5-4-1, gute Ballzirkulation in der ersten Reihe, Lauern auf Konter. Mit der Führung im Rücken funktionierte die Ausführung der Herangehensweise aber immer besser, während auf der anderen Seite Leipzig immer ungeduldiger wurde und immer seltener zu Abschlüssen kam. Auch die offensiven Einwechslungen Nkunku, Poulsen und Cunha brachten keine weitere Durchschlagskraft für den gegner. Freiburg kam häufiger ins 5-2-3, auch weil Petersen einen sehr engagierten Auftritt gegen den Ball zeigte, und Höler wichtige Zweikämpfe gewann. So hatte Freiburg mehr Balleroberungen und konnte den Platz neben und hinter einer weit aufgerückten Leipziger Mannschaft mit dem schnellen Günter nutzen. Diese Nadelstiche haben wahrscheinlich zu einer weiteren Verunsicherung des Gegners beigetragen, auch wenn man die Distanzschüsse und eine gute Chance von Werner nicht unterschlagen sollte. Wie immer gilt: Es hätte leicht auch anders Laufen können.

In der 90. Minute eroberte Höler dann einen Ball am Mittelkreis gegen Demme, Grifo spielte einen Steilpass auf Petersen und der erkannte gut, dass Gulasci ein bisschen zu weit im kurzen Eck stand. Das nutzte Petersen aus und erzielte das 2:0 ohne Probleme. Dass Leipzig nach einer Ecke kurz vor Schluss noch das 2:1 erzielen konnte, ist zum Glück nicht mehr wichtig geworden.

3. Spielfazit

Leipzig hatte sehr dominante 35 Minuten in der ersten Halbzeit, kam zu einigen Chancen, konnte allerdings nicht in Führung gehen. Durch die tiefe Verteidigung von Freiburg konnten auch einige aussichtsreiche Abschlüsse im Strafraum geblockt werden. Nach vorne kam der Sportclub aber kaum. Allerdings reichte ein sehr guter Angriff für das 1:0. In der zweiten Halbzeit hatte Leipzig weiterhin den Ball, wirkte dabei aber nicht mehr so souverän. Wie schon gegen Paderborn oder Hoffenheim konnte der Sportclub einen vorteilhaften Spielverlauf voll ausnutzen und zeigte eine hohe Qualität beim Verhindern von Gegentoren.

4. Lob für Einzelspieler

Es ist immer etwas willkürlich einzelne Spieler aus der Mannschaft herauszuheben, aber es macht auch Spaß.

Nils Petersen konnte endlich mal wieder ein Joker-Tor schießen. Als er etwas später einen Rückpass von Haidara abfing, hätte er sogar fast noch einen zweiten Treffer erzielen können, lief aber in einem ungünstigen Winkel auf das Tor zu. Im direkten Vergleich zu Waldschmidt machte er aber besonders durch seine Intensität im Pressing auf sich aufmerksam. Mit ihm kam der Sportclub deutlich häufiger aus dem tiefen 5-4-1 in etwas höhere Positionen.

Lucas Höler hatte sehr gute Balleroberungen, die eben die Grundlage für ein Konterspiel sind. Seine Entwicklung in dieser Saison ist wirklich erstaunlich. Sein Zweikampf gegen Demme war Spielentscheidend.

Flekken konnte einige Distanzschüsse parieren. Auffällig war besonders, dass man ihn ähnlich gut ins Aufbauspiel einbinden konnte wie Schwolow. Es scheint so, als ob die Nummer 2 im Tor durchaus Potenzial zu einem Nachfolger der Nummer 1 hat.

Lienhart spielte die meisten Pässe, wovon ein paar sehr schön durch die Ketten kamen. Auch defensiv wirkt sein Spiel immer solider.

Robin Koch sorgte in der 9. Minute mit einem unglaublich guten Block im Fünfmeterraum gegen Orban dafür, dass Leipzig nicht das schnelle Führungstor erzielen konnte. Insgesamt ist er für mich bisher der Spieler der Saison beim SC Freiburg. Koch ist wahrscheinlich jemand, den man einen kompletten Innenverteidiger nennt. Kopfball- und Zweikampfstark, schneller als man denkt, sicher bei einer ruhigen Ballzirkulation. Er hat eine gute Übersicht bei Spielverlagerungen und die Technik die Pässe auch zu spielen. Ich fürchte, er wird nächste Saison nicht mehr beim SC Freiburg sein.

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