SC Freiburg – RB Leipzig 1 : 1

1. Die Aufstellung

Wie bereits in den letzten drei Spielen startete der SC Freiburg im 5-2-3/ 3-4-3-System. Im Vergleich zum eher durchschnittlichen Spiel gegen die Hertha vor zwei Wochen gab es nur einen personellen Wechsel: Kübler fiel aufgrund eines Infekts aus und Sildillia kam zu seinem Startelfdebüt.
Kurz zum Debütanten: Er kam 2020 vom FC Metz B aus Frankreich und spielte dann in der Regionalliga für die zweite Mannschaft des Sportclubs. Dort wurde er als rechter Innenverteidiger in einer Dreikette eingesetzt, hatte aber – ähnlich wie Ezekwem auf links – sehr viele Vorstöße. Er ist schnell und führt ziemlich kompromisslose Zweikämpfe. Besonders auffällig wurde er auch durch seine 7 Tore in 36 Spielen, weil er im Offensivkopfball nach Standards enorm gefährlich ist. Die Anpassung an die dritte Liga läuft, nach dem was ich teilweise gesehen habe, ganz okay. Er ist nicht ganz so dominant in den Zweikämpfen wie in der Regionalliga, macht aber dennoch einen guten Eindruck und hat physisch überhaupt keine Probleme. Aufgrund seiner Schnelligkeit kam Streich wahrscheinlich auch auf die Idee, ihn als defensive Variante des rechten Schienenspielers einzusetzen.

  Grifo Höler Jeong  
Günter Höfler   Eggestein Sildillia
  N. Schlotterbeck Lienhart Gulde  
    Flekken    

 

2. Die erste Halbzeit

Leipzig spielte im 4-2-3-1 und presste meisten mit drei Spielern in der ersten Reihe. Dabei gingen sie aber nicht sofort auf den ballführenden Innenverteidiger, sondern stellten die Passwege durch die Mitte zu. Erst wenn Freiburg nach Außen spielte, liefen sie vom Zentrum weg an. Da der Weg durch das Zentrum versperrt wurde und Leipzig auf der rechten Seite Sildillia doch sehr schnell unter Druck setzte, ging vieles beim Sportclub über links. Das funktionierte recht gut. Günter und Grifo hatten einige Kombinationen, kamen zwar nicht jedes Mal durch, aber sie waren präsent. In der 12. Minute hatten Jeong und Grifo ihre Positionen getauscht. Nach einem Einwurf kombinierten sich Günter, Höler und Jeong über links in den Strafraum, wo letzterer dann eine große Chance aus etwa sieben Metern knapp neben das Tor schoss.
Eine weitere Chance wurde nach einer Ecke herausgespielt. Jeong schnappte sich den zweiten Ball, dribbelte Haidara aus, legte auf Höler ab und traf aus nicht allzu spitzem Winkel den Pfosten.

Gegen den Ball spielte Freiburg etwas zurückhaltender als sonst. Sildillia rückte nicht häufig hoch raus. Somit sah es schon nach einem recht klaren 5-2-3 aus. Jeong, Höler und Grifo schafften es aber tatsächlich recht gut, mit ihrem Deckungsschatten und ihrem Rückzugsverhalten gleichzeitig Kampl und Haidara halbwegs unter Kontrolle zu halten und den Innenverteidigern nicht ganz so viel Raum zu geben. Dadurch mussten Höfler und Eggestein auch nicht mannorientiert bei den zentralen Mittelfeldspielern stehen bleiben, sondern konnten die Innenverteidiger dabei unterstützen Nkunku und Forsberg aus dem Spiel zu nehmen. Leipzig kam in der ersten Halbzeit zwar zu gefährlichen Aktionen, aber auch nicht besonders häufig (und man kann ja nicht alles verhindern). Orban spielte mal einen genialen Steckpass durch die gesamte Formation auf Forsberg hinter die letzte Kette. Und einmal klärte Lienhart in letzter Sekunde bei einer Umschaltaktion, als N. Schlotterbeck den Ball an Nkunku verlor. Und es gab ein paar Verlagerungen auf die Freiburger rechte Seite, wo sie sich gegen Sildillia und Gulde durchkombinieren wollten. Der Treffer kam dann nach einem eher fragwürdigen Elfmeter zustande.

In den ersten 45 Minuten hatte Leipzig leichte Vorteile, wurde aber schon dort der Favoritenrolle nicht gerecht. Freiburg hatte eigene Chancen und konnte den Gegner größtenteils vom eigenen Tor fernhalten. Leipziger Druckphasen gab es praktisch nicht.

3. Die zweite Halbzeit

Trotz einer recht guten ersten Halbzeit stellte Streich um. Sallai kam für Gulde und man spielte nun im 4-4-2. Waren die beiden Außenverteidiger für eine Fünferkette in der ersten Halbzeit verhältnismäßig zurückhalten, waren sie nun für eine Viererkette ziemlich offensiv. Zusätzlich änderte sich die Aufteilung im Mittelfeld bei eigenem Spielaufbau. In der Dreierkette war Höfler alleine im Zentrum, weil Eggestein rechts offensiv aufrückte, damit es genug Präsenz im offensiven Mittelfeld gab. Im 4-4-2 besetzte der Sportclub das Zentrum doppelt. Direkt im Spielaufbau war das nicht immer bemerkbar. Aber man bekam deutlich mehr Kontrolle über zweite Bälle und lange Pässe von Leipzig durch die erhöhte Präsenz im Mittelfeld. Nun hatten beide das Spiel vor sich.

Die Umstellung wirkte sofort. In den ersten fünf Minuten kam Freiburg zu zwei Ecken und einer potenziellen Strafstoßsituation von Höler. Die Szene war nichts für den VAR, weil er nur bei ganz klaren Fehlentscheidungen eingesetzt werden soll und, wie Collinas Erben zu Recht betonen, nicht dafür da ist, eine einheitliche Linie herzustellen. Die Beurteilungen gehen also nicht auf das Konto der neuen Technik, sondern ganz altmodisch auf das von Daniel Siebert, Feldschiedsrichter. Inwiefern es einen Kontakt von Klostermann gegen Günter im Strafraum gab (55. Minute), konnte man auf den Bildern nicht so gut erkennen.

Freiburg machte allerdings weiter Druck und kam dann auch zum Ausgleich. Dieser war exemplarisch für die offensivere Herangehensweise der zweiten Halbzeit. Bei der Flanke von Grifo (nach Rückpass von Höler) waren fünf Freiburger Spieler im Strafraum und am langen Pfosten, wohin die Flanke geschlagen wurde, standen mit Jeong, Sallai, Höfler und Sildillia vier Freiburger gegen vier Leipziger. Wäre die Flanke am ersten Pfosten hängen geblieben, hätte es eine gefährliche Umschaltsituation geben können. Jeong bekam den Ball aber ziemlich frei stehend „butterweich serviert“ und köpfte zum 1:1 ins Tor.

In der 78. Minute stellte Marsch auf eine Dreierkette um, woraufhin Streich ebenfalls wieder auf drei Innenverteidiger setzte. Schade, der für den angeschlagenen Sallai eingewechselt worden war, besetzte die Position des rechten Flügelverteidigers und Sildillia wurde zum Innenverteidiger. Weil diese Umstellungen nur wenig daran änderten, dass Freiburg auch nach dem Ausgleich das bessere Team war, würde ich sagen, die Umstellung von Streich wirkte erneut. Man muss besonders hervorheben, dass trotz des erhöhten Risikos von Freiburg Leipzig nur selten zu Kontergelegenheiten kam und kaum zu guten Abschlüssen. In der zweiten Halbzeit hatte Leipzig nur zwei Schüsse neben das Tor und zwei geblockte Schüsse. Flekken musste nichts mehr parieren. Freiburg hingegen erspielte sich noch einige Ecken und Standards, von denen einer durch Höler gefährlich auf das Tor geköpft wurde. Gulasci parierte aus kürzester Distanz. Und nur ein paar Minuten später kam Höfler an eine abgewehrte Flanke, schoss aus der Distanz und scheiterte auch an Gulasci, der den Ball gerade noch an den Pfosten lenkte.

4. Fazit

Der Sportclub hat mit diesem Spiel bestätigt, dass die aktuelle Serie einiges mit der Qualität des Teams zu tun hat. Man konnte trotz eines sehr unglücklichen Spielverlaufs, strittigen Schiedsrichterentscheidungen und einer nicht optimalen Chancenverwertung/ guten Torhüterleistung des Gegners einen Punkt gegen einen Championsleagueteilnehmer auf das eigene Konto packen. Ein erhöhtes Risiko führte nicht dazu, dass man hinten offen stand, weil viele einzelne Duelle gewonnen wurden. Und die leichteren Probleme auf der rechten Seite wurden durch eine sehr gute Form von Günter und Grifo ausgeglichen. Das war insgesamt ein wirklich überzeugender Auftritt.

5. Einzelspieler

Man muss mal wieder Nico Schlottebeck erwähnen: Er hat 5 von 5 Zweikämpfen gewonnen, 2 von 2 Kopfballduelle für sich entschieden, 2 Schüsse geblockt und 5 Tacklings ausgeführt. Das sind wirklich herausragende statistische Werte. Sein Ballverlust gegen Nkunku und die Rückzugsbewegung danach war aber nicht gerade vorbildhaft ausgeführt.

Ein besonderes Augenmerk lag auf Sildillia, der insgesamt einen guten Eindruck machte. Anfänglich wirkte er noch etwas wackelig in engen Situationen und hatte auch etwas Glück bei der Zweikampfbeurteilung von Daniel Siebert. Mit der Zeit stabilisierte er sich allerdings. Die Umstellung nach der Pause kam ihm entgegen, da er in der Viererkette etwas zurückhaltender agieren konnte und nicht ganz so sehr von der Außenlinie begrenzt wurde. Mit der späten Umstellung, die ihn in die Innenverteidigung spülte, fühlte er sich wahrscheinlich noch wohler. Seine Defensivstatistiken sind übrigens auch sehr gut.

Jeong hatte echt eine breite Streuung in seinen Aktionen mit dem Ball. Im Pressing ist er wirklich sehr gut. Sein Anlauf- und Rückzugsverhalten ist fast tadellos. Zusätzlich bereitete er den Pfostentreffer von Höler vor und schoss das einzige Freiburger Tor. Gleichzeitig vergab er aber auch die größte Chance der ersten Halbzeit und hatte auch einige andere unsaubere Aktionen mit dem Ball, die er eigentlich technisch lösen kann. Hier fehlt es noch an Konstanz.

Man könnte noch weitere Spieler wie Höfler, Höler, Günter und Grifo hervorheben, die alle einen recht guten Tag hatten. Der einzige, der etwas von seiner aktuellen Form abfiel, war Manuel Gulde.

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