SC Freiburg – Hertha BSC 4 : 1


1. Aufstellung

Wie in den letzten Spielen trat der SC Freiburg auch diesmal im 3-4-3 an. Das defensivere Personal mit Schlotterbeck, Gulde, Lienhart, Günter, Schmid, Santamaria und Höfler scheint dabei gesetzt zu sein. In der Sturmreihe hat Grifo einen Stammplatz. Auf den anderen beiden Stürmerpositionen wurde in letzter Zeit rotiert und auch immer am frühesten im Spiel gewechselt. Sallai, Höler, Petersen, Demirovic und Jeong scheinen hier in einem recht engen Konkurrenzkampf zu sein. Kwon und Til müssen anscheinend noch etwas aufholen. Gegen die Hertha spielten Demirovic und Sallai von Beginn an.

2. Das Spiel

Die Partie gegen Hertha lässt sich in drei Phasen einteilen: a) die erste Halbzeit, b) nach der Pause bis zum 2:1 und c) der Rest des Spiels.

a)
In der ersten Halbzeit war der SC Freiburg das bessere Team. Zwar gewann Hertha prozentual mehr Zweikämpfe, aber die sooft zitierten „wichtigen Duelle“ im Mittelfeld gingen an Freiburg. So auch das Duell vor dem 1:0: Cunha ließ sich zurückfallen, bekam den Ball an der Mittellinie und verlor ihn an Schmid. Cunha blieb am Freiburger Flügelverteidiger dran, konnte seine Flanke aber nicht verhindern. Grifo kam aus dem Rückraum, wurde nicht verfolgt, und konnte vollkommen frei (und mit merkwürdiger Technik) aus etwa acht bis zehn Metern „einköpfen“.

Freiburg überzeugte in der ersten Halbzeit insbesondere Defensiv. Der Gast aus der Hauptstadt kam nur selten ins letzte Drittel und blieb dann spätestens am Strafraum hängen. Es dauerte bis zur 36. Minute bis die Hertha den ersten Schuss abgab und der wurde geblockt. Der zweite Schuss in der ersten Halbzeit kam von Darida aus fast 30 Metern, erreichte aber immerhin das Tor von Müller.
Man muss allerdings auch festhalten, dass Freiburg aus der optischen Überlegenheit recht wenig eigene Chancen kreierte. In der 10. Minute kam Sallai mal an eine Flanke von Schmid, drei Minuten später dribbelte er nach einem Einwurf in den Strafraum und schoss neben das Tor.
Die drei Ecken in den ersten 45 Minuten brachten wenig ein. Nur ganz zum Schluss gab es eine sehr klare Chance: Durch einen Zweikampf von Santamaria kam der Ball zu Demirovic, der sofort den Ball hinter die letzte Kette Herthas in den Lauf von Grifo spielte. Der überlegte etwas zu lange und „lupfte“ den Ball in die Hände des stehen gebliebenen Schwolow.

Es blieb dann beim Stand von 1:0, 3:0 Ecken, 6:2 Schüssen und jeweils 50% Ballbesitz nach 45 Minuten.

b)
Nach der Pause drehte sich das Spiel komplett. Die Hertha stand insgesamt etwas breiter und schon verlor der Sportclub den Zugriff auf die Gegenspieler. Dadurch musste man häufiger etwas tiefer stehen, wodurch Hertha wiederum sicherer im Aufbauspiel wurde. Gewann der SC Freiburg den Ball, versuchte man sofort vertikal zu spielen, um den Platz hinter den hoch aufgerückten Herthanern zu nutzen, verlor dadurch aber viel zu schnell den Ball. In dieser Phase schoss Lukebakio das Tor nach abgefälschter Flanke von Dilrosun, Stark traf nach einer Ecke (und potenziellem Handspiel von Gulde) die Latte und Dilrosun traf aus spitzem Winkel den Pfosten. Abgeschlossenen wurde diese Phase mit einer wunderschönen Kombination in den Strafraum, wo dann quer auf Piatek gelegt wurde, der den Ball irgendwie falsch traf und aus sieben Metern neben das Tor bolzte. Dies geschah in der 57. Minute.
Wie sehr sich diese Phase vom Rest des Spiel abhob, veranschaulicht die Zeitleiste des Expected-Goal-Modells von „understat“. Vor dem Halbzeitpfiff hatte Hertha 0,08 xG. Das erhöht sich dann Schrittweise bis zur 57. Minute auf 0,99 xG und steigt bis zur 90. Minute nur noch auf 1,04 xG. Im Spiel selbst fühlte es sich aber so an, als ob die Hertha nun den Druck hoch halten und die Partie ziemlich deutlich drehen würde. Erst im Nachhinein kann beruhigt sagen, dass sie auch nur eine gute Phase von 15 Minuten hatten und der Rest doch klar an Freiburg ging.

c)
Stand man in der ersten Halbzeit stabil und kreierte dafür nicht so viele klare Chancen, kamen in der letzten Phase des Spiels eine Vielzahl von Abschlüssen hinzu. Der Auftakt dieser Phase war allerdings etwas glücklich.
Es gab seit längerem wieder einen kleinen Angriff über die rechte Seite und Schmid holte einen Einwurf heraus, den er zurück zu Lienhart brachte. Der Innenverteidiger dribbelte nach vorne und wollte Sallai anspielen. Sein Pass wurde abgefälscht, fand so Demirovic, der den Ball dann mit dem Schienbein ins Eck traf.

Danach wurden Jeong und Höler für Demirovic und Sallai eingewechselt. Jeong hatte ein gutes Zusammenspiel mit Schmid und bereitete auch den Eckball zum 3:1 vor. Nach ein paar Pässen auf der rechten Seite drehte er sich und schoss auf das Tor. Schwolow konnte den Ball nur neben den „Kasten“ lenken – das aber mit seiner gewohnt sauberen Technik. Die Ecke brachte noch eine Ecke und diese dann das Tor. Eine simple, aber punktgenaue Hereingabe auf den kurzen Pfosten von Grifo wurde durch Gulde ins lange Eck weitergeleitet.
Zwei Minuten später drang Günter seitlich in den Strafraum ein, spielte eine scharfe, flache Hereingabe und Höler verfehlte nur knapp. Weitere vier Minuten später gab es eine sehr schöne Umschaltaktion über Höler und Jeong, der dann auf Grifo ablegte, dessen Schuss von Schwolow ebenso nur zur Ecke abgelegt werden konnte.

Und so wie es gerade lief, tendierte man dazu, auch die nächste Szene positiv für den SC Freiburg auszulegen. Hertha schickte mit einem einfachen Pass Lukebakio hinter die letzte Kette. Günter verfolgte ihn, setzte als letzter Spieler im Sechzehner zur Grätsche an und klärte den Ball sauber ins Seitenaus.

In der Schlussphase gab es noch Santamarias Versuch, einen Ball aus über 40 Metern über den hoch stehenden Schwolow zu schießen, der den Ball auch nur noch per Hechtsprung zur Ecke klären konnte. Und es gab eine Kombination über Jeong der dann flach in Richtung Höler spielte (86.). Die Situation wurde aber nicht so gefährlich wie der Kopfball von Piatek nach einer Ecke, der dann von Müller pariert wurde.

Der Elfmeter für das Foulspiel an Höler war keine klare Fehlentscheidung, aber aus meiner Sicht dann doch eher zu wenig für einen Pfiff. Höler streckt eher seinen Fuß in den Laufweg von Zeefuik und der Einsatz am Oberkörper war wohl eher nicht ursächlich für das Fallen. In der Nachspielzeit ist das dann aber auch egal. Petersen verwandelte souverän zum 4:1.

3. Taktische Auffälligkeiten

Das Pressing- und Aufbauspiel im 3-4-3 wurde nun schon häufiger beschrieben. Um mich nicht ständig zu wiederholen, würde ich nur kleine Besonderheiten in diesem Spiel hervorheben.

a)
Hertha hat wohl Freiburgs Pressingfalle beim Pass auf die Außenverteidiger analysiert, denn sie ließen Mittelstädt und Pekarik größtenteils aus dem Aufbauspiel heraus. Die beiden positionierten sich hoch und wurden erst spät in dasBallbesitzspiel eingebunden. Stattdessen kippten Guendouzi zwischen die Innenverteidiger ab und die Mittelfeldspieler boten sich hinter der ersten Pressingkette an. Die Pässe dorthin funktionierten nicht so oft, aber wenn sie funktionierten, sah das gar nicht so schlecht aus. Es ist nicht ungefährlich, wenn man im Aufbauspiel durch das Zentrum kommt und dann erst in der gegnerischen Hälfte auf die Flügel oder direkt an den Strafraum spielen kann.
(In der 28. Minute gab es dann die ersten Pässe im Aufbau über die Außenverteidiger, sie blieben aber gerade in der ersten Halbzeit selten.)

Das hieß auch für den Sportclub, dass man anders zu Balleroberungen kommen musste. Das Pressingsignal waren dann oft die Anspiele hinter die Pressinglinie ins Mittelfeld. Hier musste man situativ entscheiden, ob es klug ist, „voll draufzugehen“ oder nur mit einem Spieler den Gegenspieler zu verfolgen. Die Muster waren nicht so klar wie beim typischen Pressingauslöser „Pass auf den Außenverteidiger“.

b)
Es gab wenig tiefe Ballzirkulation. Lienhart und Gulde hatten weniger Ballbesitz als Grifo, Günter, Santamaria oder Schmid. Das hatte verschiedene Gründe:
Hertha presste situativ doch hoch und Freiburg lag früh in Führung. Es gab keinen Grund ein hohes Risiko einzugehen. Der Ball wurde meist auf Müller zurückgespielt und der schlug den Ball nach vorne.
Man kam recht gut ins vertikale Spiel, weil der Gegner auch recht viele vertikale Passwege offen ließ.
Es gab recht viel Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte, der oft wieder in Einwürfen mündete, der Ball also vorne blieb.
Hertha deckte die ballferne Seite oft schlecht ab. Normalerweise muss man eine Spielverlagerung vorbereiten, indem man den Gegner zwei-, dreimal von links nach rechts und von rechts nach links schickt. In diesem Spiel konnte man auch ziemlich direkt verlagern. (Die gelungenen Verlagerungen blieben ziemlich gut im Kopf, weil sie so hübsch anzusehen waren und den Außenspielern viel Platz gabenn. Allerdings war die Erfolgsquote bei langen Bällen sogar ziemlich gering).
Grifos Rolle wird immer dominanter. Whoscored gibt an, dass er insgesamt 4,5% Ballbesitz hatte. Damit liegt er nur hinter Müller (4,7) und Schmid (4,8) – und das, obwohl er in der 80. Minute ausgewechselt wurde.

c)
Interessanterweise waren die Standardsituationen fast immer ziemlich ungefährlich. Trotzdem kam dann die eine Ecke von Grifo punktgenau auf den Kopf von Gulde, der sehr dynamisch einlief.

4. Einzelspieler

Grifo ist aktuell in der besten Form seiner Karriere. Schon vor dem Spiel gegen Mainz hatte er zwei Tore und zwei Assists gesammelt. Ab der Partie gegen Augsburg war er aber immer mindestens an einem Tor beteiligt. Er hat die meisten Schüsse pro Spiel, die meisten Torschussvorlagen pro Spiel und die meisten Dribblings pro Spiel, von den offensiven Spielern die höchste Passquote, die meisten Assists und die meisten Tore aller Spieler beim SC Freiburg.

Santamaria findet immer besser ins Spiel und entlastet damit Höfler. Gegen die Hertha stachen seine Vorstöße auf dem recht Flügel heraus. Das waren Wege, die er sich am Anfang so noch nicht zugetraut hatte. Seine Zweikampfführung und Präsenz im Mittelfeld geben dem Freiburger Spiel recht viel. Es ist der zweite Sechser, wie er schon lange gefordert wurde. Wie der Kommentator am Sonntag angedeutet hatte, ist es wirklich etwas Besonderes, dass der Sportclub einen sogenannten fertigen Spieler verpflichten konnte, der sich recht schnell einfindet.

Demirovic hat sein erstes Tor gemacht. Das hatte sich noch nicht wirklich angedeutet, da er insgesamt eher seltener in Abschlusssituationen kommt. Auffällig waren bisher seine weiterleitenden Pässe hinter die letzte Kette im Umschaltspiel, wie z. B. auf Grifo oder Höler.

Ich gehe mal kurz in die eher persönliche Form, weil ich Jeong hervorheben möchte. Der Typ zeigt meiner Meinung nach ein unglaublich hohes Potenzial. Er ist gerade in engen Räumen sehr Ballsicher und verfügt über eine tolle Mischung aus Verspieltheit und Zug zum Tor. Sein Zusammenspiel mit Schmid sah schon sehr gut aus. Es könnte sein, dass er das im Training noch nicht so konstant abruft und Streich ihn deshalb bisher nicht so oft eingesetzt hat. Es könnte schon sein, dass es noch nicht über 60-90 Minuten gegen einen konzentrierten und fitten Gegner reicht. Denn sein Spiel gegen den Ball kann nicht der Grund dafür sein, dass er erst einmal in der Startelf stand. Jeong ist ziemlich intensiv im Pressing, macht die notwendigen Wege, kann aber auch ähnlich wie Demirovic mal individuell richtig Druck auf den Aufbauspieler ausüben. In seinen 30 Minuten gewann er alle seine drei Zweikämpfe, sein einziges Dribbling war erfolgreich, sein einziger Schuss kam sehr gut aufs Tor und seine beiden Flanke kamen an. Ich stelle nun die gewagte These in den Raum, dass Jeong die Nachfolge von Philipp und Waldschmidt antreten wird. Und es gibt die Parallele mit Waldschmidt, der zu Beginn auch erst kurze und dann langsam immer längere Einsatzzeiten erhielt. Vielleicht ist es aber für so eine Prognose auch noch zu früh.

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