SC Freiburg – Hertha BSC 2 : 1

 

1. Aufstellung/ Spielanlage

Aufstellung und System blieben unverändert (4-4-2/ 4-2-3-1).

Seitdem der SC Freiburg mit dem 1:0 gegen Gladbach die 40-Punkte-Marke überschritten hat, ist er deutlich mutiger in der Spielanlage geworden. Das hat man auch in diesem Spiel gegen Hertha BSC gesehen. Der Spielaufbau mit langen Bällen (diagonal oder auf den Stürmer) und flach über die Außenbahn (Schmid) wurde nun um scharfe Pässe durch das Zentrum ergänzt, die man in dieser Saison eher selten gesehen hat. Am Dienstagabend machte Höler als Abnehmer dieser Bälle eine überraschen gute Figur.

Das Pressing war nicht ganz so offensiv wie gegen Wolfsburg. Labbadias Hertha hat wieder ein Dardaisches Mittel eingeführt: der lockenden Spielaufbau. Dabei stehen die Innenverteidiger sehr tief und schieben sich den Ball hin und her, bis der Gegner hoch anläuft, um dann die sich öffnenden Räume anzuspielen und schnell nach vorne zu kommen. Der Sportclub blieb halbwegs geduldig beim Pressing, stellte oft nur die Mitte zu und rückte nur situativ heraus. Abschläge wurde allerdings meistens zugestellt, was auch zum 2:1 führte.

Auf Herthaner Seite war die Rolle des Ex-Freiburgers Darida interessant. Nominell war er auf dem linken Flügel aufgestellt. In Ballbesitz interpretierte er seine Rolle aber sehr frei und tauchte fast überall auf, was für einen Flügelspieler doch recht untypisch ist. Läuferisch steckt Darida das locker weg, doch dass Labbadia dieses Mittel auch nutzte, offenbart seine gute Vorbereitung auf den SC. Normalerweise wäre es riskant einen Flügel so offenzulassen, da die Außenverteidiger häufig Konter nach vorne treiben. Bei Freiburg ist die Rollenverteilung aber sehr klar: Günter rennt bei Ballgewinn nach vorne, während Schmid erst absichert und dann nachrückt. Daridas Ausflüge vom linken Flügel waren somit recht ungefährlich für die Berliner.
Der Sportclub konnte die offensive Freirolle von Darida aber meist recht gut verteidigen, indem Schmid weiter einrückte, wenn er keinen Gegenspieler hatte.

2. Das Spiel

Freiburg hatte insgesamt die bessere erste Halbzeit. In den ersten 15 Minuten war das etwas ambitioniertere Aufbauspiel noch nicht ganz fehlerfrei. Lienhart spielte mal einen komischen Rückpass ins Toraus und Höfler hatte einen Ballverlust im Zentrum. Beides blieb aber ohne größere Wirkung.
Richtig gefährlich wurde es in der Anfangsphase nur bei einem Konter der Hertha über Lukebakio, der Ibisevic anspielte und dessen Schuss dann sensationell im Fünfmeterraum von Lienhart geblockt wurde. Danach (ab der 20. Minute) begann Freiburgs beste Phase mit guten Abschlüssen aus dem Spiel heraus (Sallai) und gefährlichen Standards. Die Großchance von Sallai wurde auch schon durch einen Ballgewinn im Pressing vorbereitet.

Die zweite Halbzeit verlief dann etwas unstrukturierter. Der Sportclub hatte ein paar Abschlüsse, ließ aber auch mehr Konter zu. Das vermeintliche 0:1 war nicht der einzige gegnerische Schnellangriff nach eigener Ecke.

Die Tore auf beiden Seiten waren in ihrer Art der Entstehung aber nicht so wirklich abzusehen. Freiburg hatte gute Abschlüsse nach Ecken, aber die sonst so gefährlichen Standards aus dem Halbfeld (Tor gegen Frankfurt und Gladbach) wirkten in diesem Spiel weniger gut abgestimmt. Deswegen war die direkte Variante von Grifo auch eine recht gute Entscheidung und so kam es doh noch zum Treffer nach einem Freistoß.
Der Strafstoß auf der anderen Seite war ärgerlich. Der Herthaner war in dieser Szene auf dem Weg aus dem Strafraum heraus, Koch rutschte aus und holte ihn von den Beinen.
Nur das 2:1 hatte System. Freiburg hatte schon häufiger im Spiel Abstöße (in diesem Fall Standard im eigenen Strafraum) zugestellt und Petersen nutzt solche unsauberen Ballannahmen wie die von Darida gerne mal aus.

Nach der Führung hatte der Sportclub das Spiel wieder recht gut im Griff und musste nur noch einen weiteren Konter nach Ecke und einen guten Kopfball von Cunha überstehen.

3. Fazit

Das Spiel war recht ausgeglichen. Deswegen wurde im Nachhinein wahrscheinlich auch mehr als sonst über den Schiedsrichter diskutiert. Neben dem Freistoß vor dem Tor, zu dessen zugehörigem Foul keine Zeitlupe gezeigt wurde, und dem recht klaren Vergehen von Darida an Schmid vor dem vermeintlichen 0:1 gab es auch noch eine Szene, in der sich Heintz beim Kopfball auf Ibisevic aufstützte. Der Einsatz war tatsächlich grenzwertig und wäre im Mittelfeld ziemlich sicher gepfiffen worden, wenn es der Schiedsrichter wahrnimmt.
Die Diskussionen zeigen aber auch, dass es eben kein Team gab, das klar überlegen war und es an einzelnen Szenen lag, welches davon dieses Spiel gewinnt. Dennoch zeigt Freiburgs Leistungskurve nach dem schwierigen Start in der Rückrunde wieder nach oben.

4. Ausblick

Momentan steht der SC Freiburg auf dem 7. Platz und nur einen Punkt hinter Wolfsburg (TSG Hoffenheim spielt heute Abend gegen Augsburg).
Die Qualifikation zur Europa-League ist also durchaus möglich. Nach ein paar komischen Ergebnissen nach der „Corona-Pause“ ist Freiburg gerade in einer erfolgreichen Phase und konnte sieben Punkte aus den letzten drei Spielen gegen Gladbach, Wolfsburg und Hertha BSC holen. Lienhart, Schwolow und Grifo sind gerade sehr gut in Form, Petersen hat seine Joker-Qualitäten nicht verloren und auch Sallai findet immer besser ins Spiel. Die Voraussetzungen für Streichs dritte EL-Qualifikation könnten also schlechter sein, auch wenn er im nächsten Spiel sein Team auf den Meister einstellen muss.

 

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