SC Freiburg – FSV Mainz 05 3 : 0

1. Aufstellung

Nach einer gefühlt sehr langen Sommerpause ging es an diesem Wochenende also wieder los. Der SC Freiburg konnte schon früh seinen Kader punktuell mit Kwon, Jeong, Itter und Schmid verstärken. Qualität in der Spitze ging durch den Abgang von Grifo verloren. In der Breite sind die Leihen von Keven Schlotterbeck und Stenzel zu Union Berlin und Stuttgart zu nennen. Der Verlauf der Vorbereitung brachte einerseits einige Verletzte (Haberer, Kwon, Jeong, Flekken, Itter, Terrazzino, Kleindienst und Kübler (letzten beiden schon letzte Saison)) mit sich, andererseits konnten sich manche in den Fokus spielen, von denen man es nicht unbedingt erwartet hatte. Höler knüpfte an seine kontinuierliche Entwicklung an und Borrello – der Gewinner der Vorbereitung – zeigte seine Dynamik. Neben der Systemfrage gab es im Spiel gegen Mainz also nur eine personelle Entscheidung, die sich nicht wirklich angedeutet hatte. Der als gesetzt erwartete Heintz musste auf der Bank Platz nehmen und für ihn spielte Nico Schlotterbeck. Der verletzte Haberer wurde wie schon beim Pokalspiel im Zentrum arbeitsteilig von Gondorf und Frantz ersetzt.
Streich wählte gegen Mainz ein 3-4-3:

Streich wählte gegen Mainz die Dreierkette:

    Borrello Petersen Waldschmidt    
             
Günter   Höfler   Gondorf   Schmid
  Schlotterbeck   Koch   Lienhart  
      Schwolow      

 

2. Gegen den Ball

In den Testspielen der Vorbereitung sah es kurzfristig so aus, als ob der Sportclub ein deutlich intensiveres und wilderes Pressing einüben wollte. Dies hat sich in den Spielen gegen Magdeburg und Mainz nicht bewahrheitet. Es wird wohl eher an die Flexibilität der Vorsaison angeknüpft. Gegen Schwarz‘ Mainzer, die mit ihrer Raute im Mittelfeld Freiburg in den letzten beiden Spielen große Probleme bereiten konnten, stand man hoch, versuchte aber eher die Mitte zuzustellen und lange Bälle zu provozieren, als wirklich den Ball zu erobern. Zwei der drei Stürmer liefen dabei die Innenverteidiger an, während sich einer der Stürmer etwas tiefer positionierte, um den Mainzer Sechser Fernandes zu decken. Gondorf und Höfler deckten den Raum der Mainzer Achter ab und Koch rückte manchmal vor, um den Zehner Boetius zuzustellen. Wurden die Mainzer Außenverteidiger angespielt, rückten Schmid und Günter tatsächlich sehr weit auf, um diese unter Druck zu setzen. Wurde diese erste, recht hohe Pressingformation überspielt, konnten die Mainzer häufiger auf die Freiburger Kette zulaufen, was aber mit einer disziplinierten Rückwärtsbewegung halbwegs kompensiert wurde. Mainz 05 kam so zu ein paar Chancen, hatte dabei aber meistens Druck von einem Gegenspieler. Nur Anfang der zweiten Halbzeit bis zur 60. Minute – die beste Mainzer Phase – kam der Sportclub teilweise nicht schnell genug an den eigenen Sechzehner zurück. Borrello und Gondorf schienen kräftemäßig etwas nachzulassen. Mit ihren Auswechslungen für Höler und Frantz wurde es wieder besser.
Mainz hatte am Ende 19 Abschlüsse, davon kamen 5 auf das Tor, die expected Goal Rate betrug 0,81. Ein Mainzer Tor wäre durchaus möglich gewesen, war aber auch nicht zwangsläufig. Insgesamt kann man da schon von einer sehr soliden Abwehrleistung sprechen.

3. Mit dem Ball

Im Spielaufbau stand die Dreierkette etwas enger als in der letzten Saison. Dies erleichtert zwar das Pressing des Gegners, dessen Spieler nicht so weit auseinandergezogen werden, hat aber den Vorteil, dass der diagonale Ball auf die Außenverteidiger, die sich oft für den kurzen Pass anboten, etwas leichter ist. In der Pressekonferenz nach dem Spiel offenbarte Streich seinen Plan, um die Mainzer Raute herum das Spiel aufzubauen. Die Besetzung der Flügel ist bei einer Mittelfeldraute eine typische Schwachstelle. Dies klappte manchmal, aber nicht immer. Pressten die Mainzer die Dreierkette mit drei Spielern (zwei Stürmer, ein Zehner) wurde der Sportclub häufiger zu langen Bällen gezwungen. Diese wurden eher von Lienhart, Schlotterbeck und Koch als von Schwolow gespielt. Die langen Bälle konnten leider nur selten gehalten werden. In vereinzelten Situationen konnte Lienhart flach ins Zentrum zu Höfler oder auf den zurückfallenden Waldschmidt spielen. Dann wurde es meist gefährlich, allerdings drohte dabei auch ein gefährlicher Ballverlust, weshalb dieser Weg nur selten gewählt wurde.

Meist kam man über Außen ins letzte Drittel. Dort blieben die drei Stürmer oft eng beisammen, orientierten sich entweder nah am ballführenden Spieler, um sich direkt für Kombinationen anzubieten oder es ging direkt an den Strafraum, um eine potenzielle Flanke verwerten zu können. Der zweite Weg war in diesem Spiel nicht sehr erfolgreich. Von 15 Flanken kamen nur 3 an. Die Strafraumpräsenz für Hereingaben ist ohnehin ein größeres Problem der Dreierkette.
Dribblings, Distanzschüsse oder flache Kombinationen hatten da schon mehr Erfolg. Ohnehin sind 13 gewonnene Dribblings für Freiburg ein recht hoher Wert.

Ähnlich wie Mainz kam der Sportclub zu recht vielen Abschlüssen, aber bis zur 80 Minute kaum zu den sogenannten hundertprozentigen Chancen.

4. Spielverlauf

Es war ein ausgeglichenes Spiel. Mainz erwischte den besseren Start gegen nervöse Freiburger, konnte aber ein großes Missverständnis zwischen Gondorf und Lienhart im Spielaufbau nicht ausnutzen. Der Sportclub kam mit der Zeit besser ins Spiel, Waldschmidt hatte einen wunderschönen Distanzschuss und die Standards waren nicht ungefährlich. Gegen Ende der ersten Halbzeit hatte Mainz wieder leichte Vorteile und konnte die Freiburger Pressingformation häufiger umspielen.
Nach der Halbzeit deutete sich eigentlich das Tor für die Gastmannschaft an. Boetius kam einmal an Lienhart im 1-gegen-1 vorbei, auch weil Gondorf nicht schnell genug zurücklief, beim zweiten Mal zog der blonde zweifache Champions-League-Sieger das taktische Foul und sah Gelb. Streich wechselte und Freiburg konnte wieder die Oberhand gewinnen. Gerade Schlotterbeck und Lienhart bekamen mehr Selbstvertrauen, liefen mit dem Ball nach vorne und hatten sogar selbst ganz gute Abschlüsse. Dennoch hatte sich die Schlussphase in diesem Ausmaß nicht angekündigt.

In der 80. Minute lagen drei Mainzer Spieler angeschlagen am Boden und Schwarz musste teilweise sogar wechseln. Aus seiner Sicht war die anschließende Unordnung, die dann von Freiburg gut ausgenutzt wurde, für die Gegentore verantwortlich. Das erste Tor resultierte aus einem hohen Ball, der von Petersen per Kopf verlängert wurde. Höler tunnelte den kurz zuvor eingewechselten Hack, lief frei auf den Torhüter Müller zu und schob auch ihm den Ball durch die Beine. Das war nicht unbedingt die Aktion, die man im Kopf hat, wenn man an Höler denkt. Er arbeitet damit weiter an seiner Sammlung wichtiger Tore.
Beim zweiten Tor schienen die Mainzer Abwehrspieler Schmid nicht zuzutrauen, dass er auch mit seinem schwachen linken Fuß den Ball im langen Eck versenken kann. Er hatte dabei nicht besonders viel Gegenwehr.
Über den Strafstoß zum dritten Tor wird sich der eingewechselte Debütant Awoniyi auch noch länger ärgern. Er klärte den Ball nicht direkt, sondern spielte ihn mit der Brust, dann mit dem Oberschenkel und als er ihn wegschießen wollte, traf er das Bein von Waldschmidt. Dieser verwandelte dann auch gewohnt souverän.

5. Was kann man mitnehmen?

Es war über 80 Minuten ein ausgeglichenes Spiel, das in der Schlussphase eine erstaunliche Wendung nahm, die aber auch mit dem Gegner zu tun hatte. Mit und gegen den Ball konnte man in diesem Spiel zwar noch keine Wunderdinge vom SC Freiburg sehen, aber die Bundesligafähigkeit wurde durchaus unter Beweis gestellt. Zusätzlich zeigte sich die Kaderqualität auf einem recht ausgeglichenen Niveau.

  • Die Dreierkette aus Lienhart, Koch und Schlotterbeck weist offensiv wie defensiv sehr ausgeglichene Statistiken auf, was sich auch mit dem Spieleindruck deckt. Das ist gerade beim jungen Schlotterbeck ein sehr gutes Zeichen. Man hat nun mindestens vier Innenverteidiger, die sowohl das Spiel gut eröffnen, als auch in allen Facetten (Kopfballduelle, Laufduelle und Strafraumverteidigung) verteidigen können.
  • Mit Schmid hat man das perfekte Gegenüber für Günter als Flügelverteidiger in einer Dreierkette gefunden. Mit Kübler und Stenzel gab es da letzte Saison noch Probleme, da sie dafür nicht unbedingt die passenden Spielertypen sind.
    Waldschmidts Zurückfallen ist nun wahrscheinlich ein bleibendes Element im Spielaufbau. Seine Bewegungen zwischen den Ketten, um sich anzubieten, sind hervorragend. In diesem Spiel traf er manchmal noch die falsche Entscheidung bei der Frage, ob man passen oder schießen sollte.
  • Borrello und Höler sind bei guter Form durchaus Alternativen. So haben Sallai, Kwon und Jeong noch Zeit, um zurückzukommen. Sind alle fit, hat Streich eine riesige Auswahl.
  • Gondorf und Frantz scheinen nicht mehr ganz fit für 90 Minuten Streich-Fußball zu sein. Haberer wird also vermisst.

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