SC Freiburg – FSV Mainz 05 1 : 1


1. Aufstellung und System

Unter taktisch geprägten Trainern ist es nicht ungewöhnlich, dass man Formationen im Ligabetrieb häufig verändert. Klopp stellte beispielsweise alle sieben Spiele um, damit sich die Gegner nicht darauf einstellen konnten. (Ich hoffe, ich erinnere mich richtig, aber ich glaube, es waren 7) Mir scheint, dass die aktuelle Mischung aus 4-2-3-1 mit und 3-4-3 gegen den Ball aktuell auch so eine Phase darstellt, die die Gegner mit einer neuen Aufgabe konfrontieren soll. Die Mischung passte zumindest gegen Köln, wie auch nun gegen Mainz 05 nur so halb auf den Gegner. Dennoch behielt Streich das System bei und rotierte nur personell. Jeong und Sallai kamen für Demirovic und Schade, was man nach dem letzten Spiel nachvollziehen kann.

    Höler    
  Grifo Jeong Sallai  
  Höfler   Eggestein  
Günter N. Schlotterbeck   Lienhart Kübler
    Flekken    

2. Die erste Halbzeit

Die ersten 45 Minute gingen ganz klar an die Gäste. Quantitativ hatte der SC immerhin 7 Torschüsse (Mainz hatte 13), aber die Chancenqualität war beim Team von Svensson deutlich höher. Burkardt war zweimal frei vor Flekken und dem Tor aus Abseitsposition ging ein sehr freier Kopfball von Kohr voraus, der den Ball nur nicht gut traf. Freiburg hingegen konnte sich nur einmal gut in den Strafraum kombinieren, wobei dann ein geblockter Schuss von Höler herauskam. Das war recht wenig.

Dieses Übergewicht hatte viel mit der Mainzer Stärke zu tun. Sie sind einer der Teams mit der höchsten Intensität auf dem Platz. Gegen den Ball sind die Abläufe klar und werden in recht hohem Tempo ausgeführt. Dabei stehen die Spieler oft am Beginn der Szene noch recht tief und kommen dann wellenartig an den Ort des Geschehens. Häufig konnte Freiburg im Zentrum durchaus ein, zwei Zweikämpfe für sich entscheiden, aber bevor der Ball wirklich gesichert wurde, kam schon der dritte Mainzer und holte sich den Ball. Streich sagte auf der PK nach dem Spiel, dass man wieder mehr „Basics“ trainieren müsse und das war wahrscheinlich eben dadurch begründet, dass Freiburg in den Zweikämpfen gerade bei losen Bällen/ zweiten Bällen nicht auf Augenhöhe mit Mainz agierte.
Dadurch kamen auch einige Chancen für die Mainzer zustande. N. Schlotterbeck hatte so seine Probleme mit Burkardt.

Das galt dann auch für die Offensive. Höler, der gegen viele Innenverteidiger häufig gut aussieht, wenn er versucht, lange Pässe von Flekken zu kontrollieren, gewann „nur“ 3 von 6 Kopfballduellen.
Zusätzlich unterband Mainz recht viele Angriffe durch Fouls. Das ist eine Methode, die dem Sportclub als bestes Standardteam der Liga eigentlich entgegenkommt. Aber aktuell sind die Freistöße und Ecken von Günter und Grifo nicht so platziert wie zuvor. (Das Eckballtor in der zweiten Halbzeit spricht da etwas dagegen, aber man kreierte über 90 Minuten wirklich recht wenig Chancen nach Standards im Vergleich zur hohen Anzahl.

Die Führung war nach den 45 Minuten verdient, das Tor stellt in Zeiten des VARs allerdings ein Kuriosum dar. Tore aus Abseitspositionen entgehen dem erweiterten Schiedsrichtergespann normalerweise nicht. Beim Kopfball von Kohr stand Hack aber im Abseits, das durch eine Torabwehraktion von Flekken auch nicht als neue Spielsituation aufgehoben wird. Die Fehlentscheidung ist eindeutig und Aytekin gab sie auch schon recht offen zu. Er sagte, dass man sich bei der Überprüfung zu sehr auf ein potenzielles Handspiel von Kohr konzentriert hätte. Damit ist dann aber auch alles gesagt. Es ist aus Freiburger Sicht schon einfach „blöd gelaufen“.

Dass man nach dieser Halbzeit nur so ein Gegentor kassieren konnte, spricht für eine starke Leistung von Flekken und auch Lienhart, die beide viel klärte.

3. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause kam Freiburg besser ins Spiel. Mainz zog sich etwas weiter zurück. Der Sportclub hingegen erhöhte die Geschwindigkeit bei der Spielverlagerung über die Innenverteidiger. Häufig verlagerte man von links nach rechts und zurück nach links, wo dann Grifo oder N. Schlotterbeck etwas mehr Platz hatten und Angriffe initiierten. Freiburg kam auf 64% Ballbesitz in der zweiten Halbzeit und kontrollierte das Spiel. Und in diesen 45 Minuten waren schon einige sehr hübsche Angriffe dabei, die man aus vorigen Saisons in dieser Fülle nicht beobachten konnte. Man vergisst manchmal, dass so ein Angriff vom eigenen Aufbau bis zum Abschluss über 10-15 Stationen gar nicht so häufig ist und Teams wie Bielefeld, aber eben auch Mainz und Union gar nicht so häufig gelingt.
Freiburg erspielte sich also ganz gute Chancen in der 47., 52., 54. und 60. Minute und war gut im Spiel. In der 67. Minute wechselte Streich dann aber doch dreifach und kurz darauf schoss Petersen sein Jokertor.
Nach dem Ausgleich war Freiburg weiterhin spielbestimmend, aber es gab auf beiden Seiten keine klaren Chancen mehr.

4. Fazit

Das war ein sehr interessantes Spiel gegen einen speziellen Gegner. Intensität ist eine sportliche Tugend, die Freiburg gerne selber stark ausbilden möchte, aber gegen Kohr, Stach, Niakathé und Onisiwo mussten sich Höfler, Grifo und selbst N. Schlotterbeck mindestens 45 Minuten lang regelmäßig geschlagen geben. Dennoch sah die zweite Hälfte besser aus. Man konnte ausnutzen, dass Mainz selbst dem Gegner das Spiel überlässt und agierte trotz Rückstand sogar etwas geduldiger. Diese Reaktion war schön zu beobachten.
Tabellarisch konnte man, im Gegensatz zur letzten Woche, einen direkten Konkurrenten auf Abstand halten. Und spielerisch war es ein kleiner Fortschritt gegenüber der durchschnittlichen Leistung auswärts bei Köln.

5. Einzelspieler

Schade hatte nun zwei etwas schwierige Spiele hintereinander. Das sollte man in seiner Debütsaison aber nicht überbewerten. Seine Stärken wurden dabei auch nicht immer optimal eingesetzt.

Flekken hatte ein sehr gutes Spiel. Im Spielaufbau war er diesmal seltener eingebunden, aber er hatte schon sehr wichtige Paraden in der ersten Halbzeit.

N. Schlotterbeck hatte gerade im Vergleich zu Lienhart und Kübler keinen so guten Tag.

Wäre ich im Stadion, würde ich wahrscheinlich nicht Petersen fordern, wenn gerade Höler und Jeong spielen, aber man sollte ihn wirklich nicht unterschätzen – und schon gar nicht abschreiben. Wenn Freiburg einen Gegner kontrolliert und oft im letzten Drittel ist, passt der Strafraumstürmer wahrscheinlich schon auch immer noch am besten ins Team. Petersen war lange verletzt und stand dann erst mal hinter Demirovic, Jeong, Sallai etc.

Höfler war über 90 Minuten gesehen wahrscheinlich der beste Feldspieler. Ohnehin hat er sich nach dem eher schlechten Spiel gegen Dortmund wieder gefangen.

Exkurs:
Noah Weißhaupt spielt gerade in der dritten Liga und macht dort richtig Spaß. Bei seinem Dribbling war er deutlich zu schnell für seinen Gegenspieler, der ihn dann plump im Strafraum gegen das Schienbein trat. Weißhaupt trat selbst an und brauchte aber den Nachschuss für den Treffer. Insgesamt hat er ein gutes Stellungsspiel, sammelt Bälle ein und hat viele wichtigen Aktionen.

Siquet war nicht so auffällig wie bei seinem Debüt, aber man kann erahnen, dass er der ersten Mannschaft mal weiterhelfen können wird. Er denkt sehr offensiv und dabei auch sehr vertikal und riskant. Da kommen gute Flanken und Pässe heraus. Dabei erinnert er etwas an Sallai.

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