SC Freiburg – 1. FC Union Berlin 3 : 1

1. Die Aufgabe

Die Pressekonferenz von Streich vor dem Spiel gegen Union Berlin war sehr interessant. Der Freiburger Trainer sprach viel über den Gegner und stellte dessen spezifischen Stärken heraus. Er lobte die Kadertiefe, die es Urs Fischer ermöglichte, im Pokalspiel unter der Woche viele Wechsel vorzunehmen, ohne dadurch größere Qualitätsschwankungen auszulösen. Die Spielweise der Hauptstädter folgt einem klaren Konzept. Sie haben wenig Ballbesitz und spielen sehr vertikal, gerne auch mit langen Bällen von Gikiewicz auf Andersson. Gegen den Ball pressen sie intensiv, Mannorientiert und greifen gerne mal zu taktischen Fouls, die allerdings so früh den Angriff unterbinden, dass man keine Verwarnung provoziert. (In diesem Spiel 5:20 Fouls)
Der Kader ist insbesondere physisch sehr stark, was sich in Zweikämpfen am Boden, aber gerade auch in der Luft zeigt. Aufbauend auf diesen „Basics“ und den daraus resultierenden guten Ergebnissen zeigt Fischers Team aber auch immer mehr spielerische Elemente, gerade nach tieferen Ballgewinnen.

2. Die Aufstellung

Um den großen Gegenspielern etwas in der Luft entgegensetzen zu können, bot Streich vier gelernte Innenverteidiger auf. Zusätzlich blieb Petersen in der Startelf und Waldschmidt somit auf der Bank.
Die Formation war identisch zu der des Gegners. Ein 3-4-3/ 5-4-1:

      Petersen      
  Grifo       Sallai  
Günter   Höfler   Koch   Schmid
  Heintz   Lienhart   Gulde  
      Schwolow      

 

3. Aufbau und Pressing

Schon in den ersten Minuten offenbarte sich der Charakter des Spiels. Es gab viele Luftzweikämpfe, Grätschen und Einwürfe, dafür aber kaum Abschlüsse. Der Sportclub versuchte in diesen Duellen körperlich dagegenzuhalten und sah dabei auch ganz gut aus.

Das Pressing war sehr Situationsabhängig. Stand man gut zum Ball, lief Freiburg sehr hoch an und versuchte am Ende der Aktion auch Gikiewicz von einem gezielten langen Ball abzuhalten. War es allerdings absehbar, dass dies nicht gelingen würde, zog man sich zurück, wartete auf den langen Ball und versuchte diesen zu erobern. Mit dieser Herangehensweise konnte man Union grundsätzlich sehr erfolgreich vom eigenen Strafraum weghalten.

Im eigenen Aufbau konnte man die Mechanismen aus dem letzten Spiel gegen Dortmund wiedererkennen. Ein Sechser ließ sich meistens in die Dreierkette fallen, Gulde und Heintz standen dann sehr breit und Günter und Schmid rückten weit auf.

Günter     Petersen     Schmid
    Grifo   Sallai    
             
             
      Höfler      
             
Heintz           Gulde
    Lienhart   Koch    

 

(Manchmal ließ sich auch Höfler auf die rechte Seite fallen und Gulde und Lienhart waren im Zentrum, Koch dann im Sechserraum)
Durch das 5-4-1-Pressing von Union hatten Koch und Lienhart nicht so viel Druck. Auch Heintz konnte nach schnelleren Verlagerungen manchmal durch das Mittelfeld dribbeln. Sehr häufig machte sich allerdings das Problem bemerkbar, dass es nur einen Verbindungsspieler, umringt von Unionern, gab und dieser nur mit sehr viel Risiko angespielt werden konnte. Auch flache Pässe durch zwei Ketten hindurch auf Grifo oder Sallai wären mit einer enormen Kontergefahr bei Ballverlust verbunden gewesen. Der Aufbau war also ebenfalls auf lange, hohe Bälle ausgelegt. Durch die breite vorderste Linie sollte der Gegner auseinandergezogen oder dazu gezwungen werden, den ballfernen Flügel freizulassen. Koch kann dann im Prinzip diagonal verlagern. Durch die Fünferkette des Gegners hatte man in dieser Partie aber nicht so viel Platz, wie es teilweise in der Hinrunde der Fall war.

4. Das Spiel

Freiburg kam ganz gut in die Partie, hatte aber zunächst kaum Abschlüsse. Auf der anderen Seite musste Günter einmal zu einem taktischen Foul greifen. Den darauffolgenden Freistoß „schlenzte“ Lenz über das Tor. Nach einer halben Stunde hatte Union eine weiter, dieses Mal aber wirklich große Chance. Ein riskantes Abspiel von Höfler landete beim Gegner, der einen Konter initiieren konnte. Heintz grätschte am eigenen Sechzehner den Ball eigentlich gut ab, doch irgendwie rutschte dieser doch noch durch die Beine des Abwehrspielers. Andersson kam recht frei zum Schuss, traf den Ball aber überhaupt nicht, wodurch dieser zufällig zum nachrückenden Gentner gelangte, dessen Abschluss aber von Schwolow pariert werden konnte.

In dieser Phase war der Sportclub aber schon recht gut im Spiel. Freiburg kam ins letzte Drittel, dort dann zwar nur selten zum Abschluss, aber man konnte sich immerhin einige Ecken und Freistöße erspielen. Die fünfte Ecke führte dann zum 1:0. Grifo schlug den Ball an den kurzen Pfosten, Sallai zog und „rangelte“ an und mit seinen Gegenspielern (unter anderem Gikiewicz) und kam so zum Kopfball, der von der Latte ins Tor sprang.

Danach – insbesondere in der zweiten Halbzeit – erlebte Union Berlin das, was Freiburg in den zwei Spielen zuvor gegen Union erlebt hatte. Es war sehr schwer für die Gäste, sich gegen ein gut organisiertes 5-4-1 Chancen zu erspielen. Im Gegenzug musste Union etwas höher pressen, damit sich die Freiburger Innenverteidigung nicht die ganze Zeit den Ball hin und herschieben konnte. Gentner rückte häufiger mit in die erste Pressinglinie auf. So entstanden ein paar Lücken im Mittelfeld und Freiburg kam auch mal mit flachen Bällen ins letzte Drittel. Das wirkte in dieser Phase recht abgeklärt und ballsicher.
In der 55. Minute fiel das zweite Tor. Freiburg eroberte nach einer Ecke den Ball wieder. Günter, der die Ecke von der rechten Seite geschlagen hatte, war wohl gerade wieder auf dem Weg auf seine Seite und konnte im Strafraum angespielt werden. (Günter versucht es gerne mal mit Distanzschüssen, die meistens auch recht viel Wucht haben. Das Problem dabei ist, dass er von links mit seinem linken Fuß einen ungünstigen Schusswinkel hat, dann oft geblockt wird oder der Torhüter keine großen Probleme bei der Parade hat. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass er mal recht frei von rechts den Ball auf seinem linken Fuß liegen hatte.) Diese Gelegenheit ließ er sich nicht entgehen und schloss mit einem strammen Schuss ins linke Toreck ab.

Die Partie schien damit entschieden zu sein. Union hatte weiterhin Probleme, Chancen herauszuspielen und setzte dann sogar vermehrt auf Flanken. Am Ende waren es 17, von denen nur eine ankam. Allerdings erzielten sie dann ziemlich aus dem Nichts das Anschlusstor. Lienhart rutschte bei einem Eckball weg, wodurch Andersson vollkommen frei zum Kopfball kam. (61. Minute).

Kurz danach schoss Sallai ein Tor aus Abseitsposition nach einer Kopfballverlängerung von Petersen. Wiederum nur eine Minute später kam Union nach einem Fehler bei der Ballannahme von Höfler zu einem gefährlichen Konter. Das Spiel schien in dieser Phase noch einmal etwas mehr Spannung zu erhalten, auch weil Freiburg kurzfristig etwas verunsichert wirkte.

Diese Phase wurde dann aber spätestens mit dem 3:1 beendet. Grifo brachte einen Freistoß aus dem Halbfeld in den Strafraum, Koch kam zum Kopfball, der am Ende im Tor landete, wobei Gikiewicz eine etwas unglückliche Figur machte.

5. Fazit

Streichs Plan – selbst mehr zweikampfstarke Spieler aufzubieten und auch auf lange Bälle zu setzen, sich also auf Fischers Spielweise einzulassen – ging auf. Allerdings war es dafür sehr wichtig, nicht in Rückstand zu geraten, wie in den beiden Duellen gegen Union zuvor. Ansonsten hätte es ein drittes Mal ein sehr zähes und unbefriedigendes Spiel geben können. Nun waren die Gäste aus der Hauptstadt die Frustrierten und der Sportclub konnte sich immerhin ein wenig für Pokal und Liga-Hinspiel revanchieren.

Man sollte betonen, dass man im Vergleich zu den letzten Spielen auch wieder effizienter war. Gegen Düsseldorf, Paderborn und Augsburg konnte sich der SC Freiburg mehr Chancen erspielen als in dieser Partie und hatte da auch genug Standards, die allerdings schlechter ausgeführt wurden. Es ist wirklich erfreulich, dass sich dieses Problem im Torabschluss nicht weiter festgesetzt hat.

Notiz: Das Kopfballspiel war ausgeglichener, als man es erwartet hatte. Zwar ist der SC Freiburg das Team mit den zweitmeisten gewonnenen Kopfballduellen (614), aber Union Berlin ist hier eine Klasse für sich (833): Der FC Bayern der Lüfte.

6. Einzelspieler

Sallai und Grifo, die bisher nicht ihre einfachste Saison haben, sind eindeutig positiv hervorzuheben.
Petersen wurde häufig in Kopfballduelle verwickelt und machte dabei auch keine schlechte Figur.
Höfler war defensiv sehr gut in der Partie, hatte mit dem Ball am Fuß aber ein paar „Wackler“.
Heintz hatte gute Momente im Aufbau. Seine Dribblings ins Mittelfeld waren zielstrebig und gerade deswegen etwas weniger riskant als sonst.
Günter und Gulde mussten verletzt ausgewechselt werden. Ein Ausfall des Linksverteidigers hätte einen großen negativen Einfluss auf das Freiburger Spiel.

7. Sonstiges

Spiele von Union Berlin werden meist sehr sympathisch und kompetent vom „Textilvergehen“ aufgearbeitet, in schriftlicher und verbaler Form:

 


Mit den drei Punkten ist der SC Freiburg 2019/20 wieder einen Punkt vor dem SC Freiburg 2016/17.

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