SC Freiburg – FC Schalke 04 4 : 0

Freiburg hat zum Ende der Saison noch einmal ordentlich gepunktet und war bis zum vorletzten Spieltag im Rennen um die Plätze 6 und 7 dabei. Da Lienhart allerdings beim Stand von 2:2 gegen Wolfsburg den Ball aus kurzer Distanz nicht im Tor unterbringen konnte und es gegen die Bayern einfach insgesamt nicht reichte, ging es in diesem letzten Saisonspiel gegen Schalke 04 nur noch darum, den achten Platz gegen Frankfurt zu verteidigen.

1. Aufstellungen

Dass Streich dies allerdings nicht als „lauen Sommerkick“ betrachtete, zeigte auch die fast unveränderte Aufstellung. Flekken durfte für Schwolow ins Tor (nicht das gewagteste Experiment nach seinen Leistungen in der Hinrunde) und Yannik Keitel, der schon gegen den FC Bayern spielte, blieb in der Startaufstellung. Auch die späten Wechsel bei schon deutlichem Spielstand waren recht normal.

2. Das Spiel

Der SC Freiburg kam hervorragend in dieses Spiel. Das Pressing war hoch, aber dennoch recht kompakt, die Ballzirkulation in der letzten Linie war trotz des gegnerischen Pressings sicher, Höfler kippte gerne mal ab und Waldschmidt oder Grifo ließen sich oft ins Zentrum fallen, um sich für flache Bälle durch die Ketten anzubieten. Zusätzlich gab es ein paar schöne und gezielte Diagonalbälle. Auch die Ballsicherheit im letzten Drittel war überdurchschnittlich gut. In diesen ersten sieben Minuten konnte man wohl das Resultat der Saisonentwicklung begutachten. Nur die Abschlüsse fehlten, was für den Spielbeginn allerdings nicht untypisch ist.

Mit der Zeit kam der FC Schalke 04 dann allerdings zu Balleroberungen und überholte den Sportclub kurzfristig sogar, was Chancenanzahl und -qualität anging. Der Gast kam über das ganze Spiel hinweg sogar zu 22 Abschlüssen, allerdings wurden diese fast alle von außerhalb des Strafraums abgegeben, ausgenommen der schöne Kopfball von McKenny in der 12. Minute. (22 Schüsse, 0,65 xG)

Das 1:0 hatte sich also nicht durch viele ungenutzte Chancen angekündigt, passte in der Entstehung aber sehr gut zum bisher gesehenen Spiel. Lienhart verlagerte direkt auf Günter, der volley auf Grifo ablegte und in die Tiefe startete. Grifo spielte den Ball ebenfalls mit dem ersten Kontakt in Günters Lauf. Der Linksverteidiger passte durch die Beine von Kabak zu Waldschmidt, der den doch noch sehr springenden Ball – ebenfalls technisch sehenswert – direkt als Schuss ins Tor beförderte. Das war eine sehr schöne Kombination.

Nach dem Treffer presste Freiburg nicht mehr ganz so hoch, blieb aber dabei, eigenen Ballbesitz kontrolliert auszuspielen.

Das 2:0 war dann eine flache Standardvariante. Schmid kam so am Strafraumeck zum Abschluss, wobei der Ball durch eine große „Spielertraube“ hindurch im langen Eck landete.

Direkt nach der Pause kam der Sportclub recht motiviert aus der Kabine und das 3:0 fiel schon nach 40 Sekunden. Freiburg presste hoch und zwang Nübel zu einem langen Ball unter Druck. Heintz köpfte hoch an den Mittelkreis, Keitel gewann sein Kopfballduell, ebenso wie Sallai, der den Ball dann etwas gezielter zu Waldschmidt legen konnte. Waldschmidt kam dem fallenden Ball entgegen und brachte ihn per Hackentrick flach (nicht hüpfend) zu Grifo. Dieser lief zwei Schritte, steckte gegen drei Verteidiger zu Höler durch, der den Ball dann an Nübel „vorbeispitzeln“ konnte. Englische Kommentatoren haben für diesen Ballkontakt den schönen Ausdruck „lovely touch“.

Mit diesem Tor war das Spiel praktisch vorbei. Das 4:0 fiel ziemlich einfach. Heintz spielte nur einen langen Ball auf Waldschmidt und der traf.
Der SC Freiburg hatte noch ein paar Chancen, war aber entweder zu unkonzentriert oder zu eigensinnig (Grifo/ Sallai), um das Ergebnis noch deutlicher zu gestalten.

3. Keitel und Flekken

Flekken machte ein gutes Spiel. Das konnte man nach den Leistungen aus dieser Saison aber auch erwarten. Beruhigend ist insbesondere, dass er auch mit dem Ball am Fuß mit ins Spiel einbezogen werden kann. Seine Aktionen sind dabei manchmal etwas unnötig spektakulär. Vielleicht liegt das aber an der mangelnden Spielpraxis.

Das zweite Spiel von Yannik Keitel war sehr erfreulich. Gerade defensiv kam er gut in die Partie. Nach nur 30 Sekunden unterband er einen Schalker Konter mit einer sauberen Balleroberung. Weitere Balleroberung gab es von ihm in der 8., der 18., und der 54. Minute. (Ich wurde nach dem 3:0 aber etwas nachlässig mit meinen Notizen)
Gerade bei der letzten Balleroberung konnte man aber auch beobachten, dass er noch nicht so viel Erfahrung auf Bundesliga-Niveau sammeln konnte. Er hielt den Ball zu lange und dribbelte sich im Mittelfeld fest.
In der 15. Minute hatte er ein Duell mit Kabak im Strafraum, wobei er sich recht leicht abdrängen ließ.
Insgesamt war das aber ein sehr ordentlicher Auftritt und durch seine defensive Stabilität, müsste man sich auch keine Sorgen machen, wenn er nächste Saison vielleicht häufiger auf dem Platz stehen würde.

4. Weitere Spieler

Waldschmidt kam die ambitioniertere Spielweise im Aufbau sehr entgegen. Lange Abschläge und wilde Zweikämpfe um zweite Bälle sind nicht gerade seine Paradedisziplin. Nach seiner Verletzung in der Nationalmannschaft hatte er eine recht schwierige Rückrunde, konnte sich nun im letzten Spiel aber vor dem Tor, wie auch im Kombinationsspiel, noch einmal zeigen.

Grifo hat sich in dieser Rückrunde stabilisiert und spielt in etwa die Rolle, die man sich von ihm erwartet hatte. Diese Qualität ist beim SC Freiburg keine Selbstverständlichkeit.

Höler ist wahrscheinlich die Überraschung der Saison. Das 3:0 war sein schönstes Tor bisher.

Günter mit zwei Assists. Neben Koch und Schwolow ist er wohl ein Kandidat für den Spieler der Saison beim Sportclub.

Lienhart ist in der Corona-Zeit ziemlich aufgeblüht, machte kaum Fehler und seine spektakulären Klärungen häuften sich in den letzten Spielen.


(es wird wahrscheinlich noch ein Saisonfazit geben, bei dem die Spielerbewertung weiter ausgeführt wird)

5. Berichterstattung

Der SC Freiburg hat die Erwartungen zu Saisonbeginn weit übertroffen. Einzelne Spieler, wie Koch, Sallai, Höler, Lienhart oder zu Beginn N. Schlotterbeck haben sich individuell gesteigert. Mannschaftstaktisch gab es gerade im defensiven Bereich einen enormen Sprung. Mit nur 47 Gegentreffern stellt der Sportclub die sechstbeste Defensive in der Liga dar und hatte am Ende sogar eine positive Tordifferenz. Ab Platz 9 gibt es keinen Klub, der weniger als eine Summe von -10 bei Toren und Gegentoren hat und abgesehen von der Top-5, die ohnehin in ihrer eigenen Liga spielen, gibt es nur noch den VfL Wolfsburg mit einer positiven Tordifferenz (Hoffenheim mit +-0).

Zusätzlich konnte man vier Punkte gegen Leipzig, sechs gegen Hoffenheim, vier gegen Wolfsburg, drei gegen Gladbach und einen (sehr glücklichen) gegen Leverkusen holen. Nur Zirkzee verhinderte in der Nachspielzeit, dass Freiburg gegen die komplette Top-7 der Liga punktete.

Dennoch blieb der Sportclub in der Berichterstattung weitestgehend unter dem Radar. Genauere Analysen zur erfolgreichen Saison gab und gibt es kaum. Es lässt sich wohl festhalten, dass, wenn es nicht um den Abstieg oder sehr deutlich um die Europa-League geht, sich nur wenige außerhalb des direkten Umfelds für diesen Verein interessieren, auch wenn es in der Tabellenmitte kaum Überraschungen gibt.

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