SC Freiburg – FC Schalke 04 4 : 0


1. Aufstellung

Freiburg kehrte zum bewehrten 3-4-3 zurück. Wenn man davon ausgeht, dass Grifo nach seiner Corona-Infektion noch nicht ganz fit war, gab es personell nur eine kleine Überraschung. In der Dreierkette spielte mal wieder Heintz von Beginn an und Gulde blieb auf der Bank – eine Rollenaufteilung, die für die meisten Fans ohnehin intuitiver ist.

  Höler Demirovic Sallai  
Günter Höfler   Santamaria Schmid
  Heintz Schlotterbeck Lienhart  
    Müller    


2. Spielaufbau

Auf diesem Blog wurde schon häufig die Variabilität des Freiburger Spielaufbaus gelobt. Man muss allerdings zugeben, dass diese Variabilität selten zu einer klaren Überlegenheit über längere Zeiträume führte. Denn normalerweise bereiten sich Gegner auf die Varianten vor und wissen schon halbwegs, wie man darauf reagieren kann. Ein positives Beispiel für Freiburg war das 3:0 gegen Hoffenheim in der letzten Saison, als man zum ersten Mal den Viereraufbau praktizierte, bei dem Höfler in einer Dreierkette zurückfällt und der Rest des Teams weit aufrückt, um die Pressingformation auseinanderzuziehen. Ein weiteres positives Beispiel war die erste Halbzeit gegen Gladbach vor zwei Wochen. Hier bekam Roses Team die Breite nicht abgedeckt und Freiburg konnte immer wieder über die Außen hinter die letzte Kette spielen. Roses Gladbach brauchte ganze 45 Minute, um zu reagieren, Schalke schaffte auch nach 90 Minuten nicht ganz. Insgesamt schienen sie auf mehrere Varianten nicht vorbereitet zu sein – und es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass sich Schalke im Training aktuell eher mit sich selbst beschäftigen muss.

Zu Spielbeginn rückte meisten Schlotterbeck aus der Dreierkette nach vorne und Schmid und Günter (vor allem Schmid) blieben enger an der Aufbaukette. Mit einer tiefen Ballzirkulation zwischen nur zwei Innenverteidigern lockte man Schalke in ein Angriffspressing. Durch den aufrückenden Schlotterbeck, der die Mittelfeldposition neben Höfler einnahm, wurde Santamaria zum „freien“ Spieler. Das nutzte er meistens dazu, weit auf die rechte Seite zu schieben und ein Dreieck mit Schmid und Sallai zu bilden. Oder er erkannte, dass Thiaw beim zurückgefallenen Sallai blieb und startete dann selbst hinter die letzte Kette, wie beim 1:0.
Bei diesem ersten Tor funktionierte das Locken perfekt. Schalke presste mit drei Spielern Lienhart, Heintz und den tiefen Schmid. Zwei Spieler deckten die im Zentrum stehenden Schlotterbeck und Höfler. So richtig Druck war aber nie auf dem Ball. Dafür gab es aber die vier-gegen-fünf-Situation hinter der sehr hohen ersten und zweiten Pressinglinie Schalkes (Eigentlich kann man noch Günter und Aydin rausnehmen, weil die so weit entfernt standen. Also eine drei-gegen-vier-Situation). Schmid spielte den langen Ball, Stambouli grätschte unglücklich daneben, Santamaria ging die Linie runter, passte flach an den „Fünfer“, Demirovic zog Becker mit einem Lauf an den kurzen Pfosten mit und Höler konnte am langen Pfosten frei einschieben.

Der Sportclub kam häufiger gerade über die rechte Seite durch. Das Schalker Team begann langsam zu verstehen, dass sie da ein ähnliches Problem wie Gladbach hatten –, nur dass Schalkes Defensivformation (3-3-2-2) die Breite eigentlich schon ganz gut hätte abdecken sollen. Nicht so gut wie im 3-4-3, aber besser als im 4-4-2. Die beiden Achter Bozdogan und Serdar blieben daraufhin etwas tiefer, damit sie mehr Zeit hatten, zu verschieben.

Nun fiel bei Schalke allerdings die erste und die zweite Pressingkette auseinander. Harit und Huntelaar liefen hoch an, wurde teilweise auch von den Außenverteidigern unterstützt, aber dahinter war Platz im Mittelfeld. Freiburg begann daraufhin häufiger den Viereraufbau zu nutzen und mit Doppelpässen oder Dribblings die erste Pressinglinie auszuspielen. In der 18. Minute lief Höfler aus der Viereraufbaukette durch eine Pressinglücke ins Mittelfeld und „chippte“ den Ball auf Demirovic. (Ich glaube, daraus resultierte dann die Ecke, die zum Strafstoß und somit zum 2:0 führte)
In der 24. Minute ließ sich Höler ins Mittelfeld fallen und konnte Heintz mit einem Doppelpass frei spielen. Dessen Flanke fand Sallai, der fast das 3:0 erzielte.

Um am Ende doch noch etwas Wasser in den Wein zu gießen, kann man festhalten, dass diese guten Aufbausequenzen nicht ganz über 90 Minuten ausgespielt wurden. Es gab Phasen später in der ersten Halbzeit und eine Phase zwischen der 60. und 70. Minute, in denen der SC zu häufig und zu überhastet den langen Ball wählte und nicht ganz die Sicherheit hatte wie zuvor. Aber über weite Strecken war das Aufbauspiel schon sehr schön anzusehen.

3. Das Spiel gegen den Ball

Freiburg wirkte durch das Aufbauspiel schon recht präsent, die Dominanz in der Partie kam aber durch das Pressing. Schalke 04 brauchte 61 Minuten, um den ersten Schuss in Richtung Tor abzugeben. Zu diesem Zeitpunkt lagen sie schon 3:0 hinten. Zusätzlich schafften sie es kaum, den Ball länger zu halten. So kam der Sportclub in der ersten Halbzeit auf 65% Ballbesitz.

Dabei hat Schalke ein recht spielstarkes Mittelfeld. Harit, Serdar, Bozdogan und Mascarel können alle etwas mit dem Ball anfangen. Gegen Augsburg hatte Harit 10 (!) erfolgreiche Dribblings – ein Wert, den ich bei noch keinem Freiburger Spieler gesehen habe. Demirovic, Höler und Sallai schafften es aber sehr gut Thiaw, Stambouli und Becker so anzulaufen, dass sie Mascarel nicht ins Spiel bringen konnten. Santamaria und Höfler mussten sich also nur um Serdar und Bozdogan kümmern, während meistens ein Innenverteidiger Harit verfolgte, wenn dieser sich anbot.

Freiburg gewann die Bälle in der ersten Halbzeit wirklich sehr schnell zurück. Das wurde in der zweiten Halbzeit etwas anders. Der Sportclub überließ Schalke mehr den Spielaufbau und war nicht mehr ganz so sauber im Zulaufen von allen Passoptionen. Dadurch musste man sich teilweise auch in die eigene Hälfte zurückziehen. Andererseits kam man nun auch mal zu hohen Ballgewinnen wie Günter vor seinem 3:0.
Serdar stand recht frei als einzige Anspielstation im Mittelfeld. Günter erkannte die Situation und lief frühzeitig zum Schalker Achter, nahm ihm gemeinsam mit dem rückwärts pressenden Sallai den Ball ab und schoss mit links ins rechte Eck. Demirovic zog mit einem Lauf nach rechts noch einen Gegenspieler mit.

4. Der Rest des Spiels

Nach diesem Tor war die Luft etwas raus. Schalke bekam mehr Spielanteile. Dennoch erzielte Freiburg das vierte Tor. Sallai setzte sich nach einem Einwurf schön durch und sah, dass Günter recht frei eingerückt im Mittelfeld stand. Der Freiburger Linksverteidiger ging erneut Richtung Sechzehner, schoss nun von etwa 20 Metern erneut mit links erneut in das rechte Eck an Fährmann vorbei. Der Schalker Torhüter trug durch seinen Sprung einiges zur Ästhetik des Treffers bei.

In der 85. Minute hatte Schalke noch einen sehr hübschen Angriff, bei dem Huntelaar mit einer flachen Hereingabe recht frei etwa sieben Meter vor dem Tor gefunden wurde, doch Müller konnte parieren.

5. Einzelspieler

Die interessanteste Einzelspielerleistung hatte sicherlich Santamaria. Es wird immer deutlicher, dass er im 3-4-3 eine sehr freie Rolle mit verschiedensten Aufgaben erhält, die nicht leicht auszufüllen ist. Man findet ihn im zentralen Mittelfeld, auf dem Flügel und im offensiven Mittelfeld. Er soll also schießen, flanken, Zweikämpfe führen, vertikale Pässe spielen und dribbeln. Dabei gelingt ihm viel aber eben nicht alles. Es ist sehr schwer ihn an einzelnen Szenen zu beurteilen, weil er so viele – und so viele verschiedene – davon hat. Deswegen nur der kurze Eindruck: Ich fand ihn überwiegend gut. Keitel wird ihn nächste Woche aufgrund einer Gelbsperre ersetzen müssen und seine Rolle sicherlich anders interpretieren.

Wie schon gegen Bielefeld gab es auch gegen Schalke nur wenige Kombinationen über links. Höler und Günter sind da anders als Grifo und Günter. Normalerweise kommen die Vorlagen bei Freiburg von links. Diesmal war die linke Seite für die Abschlüsse und eben drei Tore zuständig.

Roland Sallai ist nun bester Torschütze beim Sportclub und hat die zweitmeisten Vorlagen gegeben. Dazu ist er auch sehr effizient in seinen Aktionen geworden und ist dadurch gefühlt präsenter als es dann die Statistiken hergeben. Sallai hat nur 13 erfolgreiche Pässe gespielt und ein Dribbling gewonnen. Dennoch wirkte die rechte Seite mit ihm, Schmid und Santamaria unglaublich dominant.

Als Letztes ist vielleicht noch Schlotterbeck zu nennen. Wieder sei hier die interessante Rolle erwähnt. Wenn normal in der Dreierkette aufgebaut wird, hat er einen sehr aktiven Part. Er verteilt den Ball schnell nach links und rechts, spielt aber auch häufig den Pass nach vorne. Wenn er dann für die andere Aufbauformation ins Mittelfeld vorrückt, macht er das nur, um Gegenspieler zu binden. Er wird dort praktisch nie angespielt, sondern geht bewusst in den Raum, der am besten vom Gegner abgedeckt wird. So wechselt er immer zwischen dem Modus, sich den Gegenspielern zu entziehen und die Lücke für den Pass zu finden und die Gegenspieler zu binden, damit andere frei sind. Gerade die zweite Rolle ist auch etwas undankbar, weil sie eher unauffällig ist. Andererseits ist es vielleicht auch nicht schlecht, wenn er seltener dort angespielt wird. Innenverteidiger sind häufig nicht so gut darin, im Zentrum aufzudrehen, ohne den Ball zu verlieren.

6. Fazit

Schalke 04 ist in dieser Saison sicherlich eines der schlechtesten Teams, das man in den letzten 20 Jahren der Bundesliga gesehen hat. Dennoch hatten sie unter Grammozis einen deutlichen Aufwärtstrend. Das Spiel gegen Leverkusen war halbwegs ausgeglichen (Schalke mit mehr expected Goals) und der Sieg gegen Augsburg war absolut verdient. Es war also nicht selbstverständlich, dass der Sportclub in diesem Spiel so dominieren würde. Gerade wenn man Spielszenen im Detail ansieht, kann man gut erkennen, dass das Freiburger Team auch immer wieder sehr gute Entscheidungen getroffen hat und die Umsetzung auch sehr dynamisch war. Freiburg hat Schalke dort gehalten, wo sie Probleme haben – im eigenen Aufbauspiel. Denn wenn der Ball dann mal im Mittelfeld ist, können Harit und Co. Schon etwas damit anfangen. Und man muss auch zugeben, dass die Häme, die der Huntelaartransfer nach sich zog, nicht ganz verdient erscheint. Er hatte noch in jedem seiner letzten drei Spiele eine Chance und hat davon auch schon zwei genutzt. All diese Schalker Stärken kamen nicht zur Geltung. Das haben Augsburg und Leverkusen nicht geschafft.

Zusammenfassen kann man sagen, dass der Sportclub einen schlechten Gegner einfach sehr gut bespielt hat und ihn erst in die Partie kommen ließ als es schon 3:0 stand.


Ganz am Ende sei noch kurz der Vergleich zur Hinrunde festgehalten, weil es manchmal so aussieht, als ob viele Fans denken, man sein aktuell so viel schlechter als vor einem halben Jahr. Der SC Freiburg hat in der Rückrunde nach 12 Spieltagen mit 16 Punkten 2 Punkte mehr als in der Hinrunde nach 12 Spieltagen.

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