SC Freiburg – FC Bayern München 1 : 3

Entgegen meiner Ankündigung habe ich dann doch noch einen Text geschrieben.

 


1. Aufstellung

Schmid und Sallai fehlten verletzt. Da sich auch Kübler noch auf dem Weg der Genesung befand, musste Mike Frantz als Rechtsverteidiger aushelfen. Im letzten Spiel der Hinrunde gegen Schalke wird das wohl noch ähnlich aussehen, wenn Frantz nicht auch verletzt ausfällt.
Streich entschied sich für ein recht offensives 4-4-2 gegen die Bayern.

Flick wählte eine noch offensivere Aufstellung. Ein 4-1-4-1 mit der Doppelzehn Müller und Coutinho. Thiago sicherte alleine vor den Innenverteidigern Alaba und Pavard ab. Kimmich und Davies rückten immer sehr weit auf.

2. Schwere Anfangsphase für Freiburg

Freiburg presste sehr hoch. Grifo, Höler, Petersen und Haberer liefen in vorderster Reihe an. Allerdings meist ohne Erfolg. Sie schafften es nicht die Aufbauspieler zu verunsichern, die einerseits selber sehr ballsicher waren und zur Not immer auch Neuer einbinden konnten. Zusätzlich gab es im Mittelfeld eine Unterzahl, wenn Coutinho und Müller sich zurückfallen ließen. Bayern kam also sehr gut vom Aufbau ins Angriffsdrittel, wo dann Freiburg durch das hohe Pressing einige Lücken hatte.
Kam der Sportclub in dieser Phase selber an den Ball, konnten sie ihn nicht lange halten, da Bayern (seitdem Flick Trainer ist) sofort ins Gegenpressing ging.

In dieser Anfangsphase gab es von Freiburg nur einmal einen ungefährlichen Abschluss von Höler, der den Ball volley aus über 20 Metern deutlich neben das Tor schoss. Bayern hingegen hatte einige gute Torchancen. Kurz nach Anpfiff überlupfte Coutinho Flekken und Gulde konnte gerade noch klären. Nach einer Ecke parierte Flekken aus kurzer Distanz und Müller setzte den Nachschuss an den Pfosten. Dann zeigte Davies einen beeindruckenden Sprint über das halbe Feld, flankte scharf zu Lewandowski, der dann zum 0:1 traf.
Auch danach kam Bayern noch zu zwei guten Abschlüssen durch Ballgewinne am Freiburger Strafraum durch ihr Gegenpressing. Dass es nach 20 Minuten nur 0:1 stand, war glücklich.

3. Freiburger Umstellung ändert das Spiel

Streich reagierte und stellte auf das 3-4-3 um. Haberer ging ins Mittelfeld und Koch in die Innenverteidigung.
(Einschub: Hier habe ich wieder das Problem mit dem eingeschränkten Fernseherblid. Koch rückte auch defensiv manchmal heraus, um bestimmte Spieler aufzunehmen. In ein paar Spielsituationen in eigenem Ballbesitz pendelte leicht ins Mittelfeld. Ob das nun situativ war oder nicht, kann ich leider nicht beurteilen.)

Nach der Umstellung veränderte sich der Spielcharakter. Der Sportclub schaffte es teilweise das Gegenpressing zu umspielen und hatte dann sehr viel Platz für eigene Angriffe. In der ersten Halbzeit gab es zwei sehr ähnliche Situationen. Frantz konnte auf rechts freigespielt werden und gefühlvoll (ohne Gegnerdruck) in den Sechzehner flanken. Einmal traf Höler den Ball aus circa elf Metern nicht optimal, danach schoss Grifo über das Tor.

Nach der Pause ging es ähnlich weiter. In der 54. Minute musste Frantz angeschlagen runter und Kwon übernahm die Position des rechten Flügelverteidigers. Man darf nicht vergessen, dass der FC Bayern durchgehend eigene Chancen und auch teilweise Ballgewinne in der Freiburger Hälfte hatte. Aber sie wurden eben auch sehr oft umspielt. Es war ein offener Schlagabtausch, bei dem Freiburg sogar phasenweise die Oberhand hatte. Bayern reagierte nicht und so war der Ausgleich auch nicht ganz unüberraschend.
Kwon gewann den Ball in der eigenen Hälfte und kombinierte sich mit Höler nach vorne. Er fand den nachgerückten Haberer, dieser sah, dass Grifo durch die sehr eingerückte Stellung von Kimmich frei stand und flankte zu ihm. Grifo nahm den Ball direkt und traf ins kurze Ecke.

Trotz des Ausgleichs reagierte Flick noch nicht und der Sportclub kam zu seiner besten Phase im Spiel. In der 61. Minute kam der SC aus dem eigenen Aufbau heraus ins letzte Drittel und Petersen verpasste knapp eine Flanke von Grifo. In der 62. Minute stand der Sportclub schon wieder am bayrischen Sechzehner. Die Bayern wehrten zu kurz ab und Höfler hatte eine schönen Szene. Er nahm den Ball mit einem Hackentrick mit und schloss in einer flüssigen Bewegung ab. Leider verfehlte er das Tor. Das war schon sehr schön anzusehen. Eine Minute später kam Höler aus ungünstigem Winkel (aber wieder im Strafraum) zum Abschluss.

Dann reagierte Flick doch noch und brachte Martinez für Müller, um mit der Doppelsechs etwas besser abzusichern. Da die Außenverteidiger aber weiterhin sehr hoch standen, kam der Sportclub immer noch zu Abschlüssen. Gerade der für Grifo eingewechselte Borrello hätte die Führung erzielen können.

Das Spiel neigte sich dem Ende zu und dann traf Bayern doch noch zum 1:2. Nach einer Flanke von Perisic legte Lewandowski auf Gnabry ab, der in diesem Moment keinen Gegenspieler hatte, obwohl einige Verteidiger in der Nähe standen. Heintz rückte raus, Gnabry lupfte zum nun frei stehenden Zirkzee und der tunnelte Flekken.
Der Sportclub schob danach noch einmal alles nach vorne, musste hinten Lücken lassen und kassierte so noch das 1:3 in dieser so ärgerlichen Schlussphase.

4. Einordnung

Spiele gegen den FC Bayern sind wohl am schwersten einzuordnen, da die individuelle Überlegenheit so groß ist. Dass sich das Starensemble viele Chancen herausspielt und man als SC Freiburg etwas Glück haben muss, um überhaupt im Spiel zu bleiben, setzt man schon voraus und verliert dann den Blick für die guten Szenen des Gegners. Die waren aber zweifellos da. Nach den ersten 20 Minuten kann es auch schon 0:3 stehen. Aber auch danach hatten die Bayern durchgehend gute Chancen (Abschluss Persisic sehr gut von Flekken pariert, Gnabry im 1-gegen-1 mit Heintz, Kopfball Lewandowski am Fünfmeterraum, Schüsse von Coutinho usw.).
Andererseits hatte der SC Freiburg so viele Abschlüsse wie lange nicht mehr. Selbst wenn man alle guten Szenen von den Spielen gegen Wolfsburg und Hertha zusammennimmt, kommt man nicht auf die Hälfte der Chancen von dem Spiel gegen Bayern. Wenn der Rekordmeister in dem Spiel drei Tore schießt, wäre das wohl okay gewesen, aber zwei Tore hätte der Sportclub schon erzielen können. Mit etwas Glück, kann man das Spiel gewinnen. Und zwar mit deutlich weniger Glück als man für die letzten beiden Unentschieden brauchte. Es war das Spiel gegen den FC Bayern unter Christian Streich. (Auch im Vergleich zum 2:1 gegen Guardiola in der Abstiegssaison.)

5. Einzelleistungen

Die Wende des Spiels fiel mit der Umstellung zusammen, aber es waren dann doch insbesondere die individuellen Leistungen, die die Partie so schön machten.
Höfler scheiterte zwar manchmal daran, sich aus dem Gegenpressing zu befreien und verlor den Ball in gefährlichen Räumen. Er hatte aber dadurch auch sehr viele Szenen, in denen er sich durchsetzte und einen Angriff einleitete – teilweise sogar mit Beinschüssen. Wie die meisten steigerte er sich während des Spiels.
Die diagonalen Spielverlagerungen (meist von rechts auf links) kamen überwiegend an. Gerade Koch kann diese sehr gut spielen und Grifo problemlos annehmen.
Haberer rückte sehr gut aus dem Mittelfeld nach. So hatte Kwon in der zweiten Halbzeit immer einen Anspielpartner, wenn er sich im letzten Drittel befand.
Die Läufe und die Flanken von Frantz in der ersten Halbzeit passten optimal.
Grifo machte nicht nur aufgrund seines Tores ein gutes Spiel. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten in dieser Saison, könnte das ein Wendepunkt gewesen sein.
Borrello ersetzte den müden Grifo gut und hatte ja auch seine Chancen.
Und Kwon machte ein sehr gutes Spiel als rechter Flügelverteidiger. Man sieht, dass er sich in der Verteidigung noch etwas entwickeln muss, aber es macht wirklich Spaß ihm zuzuschauen. Seine Bewegungen mit dem Ball am Fuß wirken sehr „wuselig“, aber dennoch dynamisch. Seine Pässe sind druckvoll und sauber. Diesen Spielertyp gab es Freiburg dann doch noch nicht so richtig. Wahrscheinlich wird man ihn auch am Samstag gegen Schalke 04 sehen.

6. Fazit

Die Niederlage zum Schluss ist schon enttäuschend. Man hatte viele Chancen zu Führung und das 1:2 hätte verteidigt werden können.
Andererseits war es sehr schön zu sehen, dass sich die Freiburger auch gegen Spieler wie Kimmich, Alaba oder Thiago durchsetzen können, wenn sie nur etwas Platz haben. Durch die vielen kleinen Verletzungen im Kader wird diese Leistung noch etwas beeindruckender. Es zeigt die eigene individuelle Klasse im Kader und lässt die Gewissheit wachsen, dass es auch eine sehr schöne Rückrunde werden kann. Allerdings wird man nicht mehr in vielen Spielen so viel Platz haben, wie gegen den FC Bayern.

 

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