SC Freiburg – FC Augsburg 1 : 1

Ich fasse mich etwas kürzer, da ich an diesem Wochenende noch mit einem anderen Projekt zum Fußball beschäftigt bin.

1. Aufstellung und Spielanlage

Etwas überraschend gab es in der Startaufstellung keine personellen Veränderungen im Vergleich zum letzten Spiel. Das bedeutete auch, dass Borrello auf der Tribüne und Sallai, Kwon, Grifo und Waldschmidt auf der Bank Platz nehmen mussten. Auch das System blieb mit dem 3-4-3 zunächst unverändert, wurde aber in Details an den Gegner angepasst.

Gegen den Ball verhielten sich die Außenverteidiger Günter und Schmid etwas zurückhaltender als in den letzten Spielen. Augsburg ist eine klassische Pressing- und Kontermannschaft und die Durchbrüche über die schnellen Flügelspieler Hahn und Vargas mussten verhindert werden. In der ersten Pressinglinie gab es die typische Verteilung im 3-4-3 gegen eine Viererkette. Der zentrale Stürmer (Petersen) blieb im Sechserraum, während die beiden äußeren Stürmer die Innenverteidiger anliefen. Da Augsburg aber ohnehin selten lange den Ball hielt, war die Pressingformation nicht so im Vordergrund wie sonst.

Mit neun Punkten aus vier Spielen und dem Heimvorteil nahm der SC Freiburg seine Favoritenrolle gegen dem FC Augsburg an. Das war etwas ungewohnt, da man es hier mit einem Team zu tun hatte, das nicht unbedingt schlechter aufgestellt ist als man selbst. Mit Vargas, Finnbogason, Niederlechner, Max und Khedira gibt es genug Spieler, die etwas mit dem Ball anfangen können. Trotzdem funktionierte die konstruktive Herangehensweise des Sportclubs gerade in den ersten 25 Minuten sehr gut. Augsburg stand recht tief im 4-4-2. Der Sportclub versuchte nicht durch das Zentrum in diese Formation hineinzuspielen, sondern um diese herum. Mit einer tiefen Ballzirkulation wurden die Augsburger zum Verschieben gezwungen, bis genug Platz auf einer Außenbahn war. Dann kam häufig ein diagonaler Ball von Koch, bevorzugt auf Günter. Die Aufbauspieler waren dabei nicht ganz fehlerfrei, aber insgesamt doch recht zuverlässig. Niederlechner konnte Heintz in der 8. Minute überraschen, in der 19. Minute hatte Lienhart einen Fehlpass und Niederlechner kam zu einem Abschluss aus schlechtem Winkel und in der 23. Minute kam Augsburg das erste Mal durch den eigenen Aufbau zu einem nennenswerten Angriff. Freiburg hingegen fand in dieser Zeit regelmäßig den Weg ins letzte Drittel, kam zu Durchbrüchen über Günter, hatte ein paar Chancen und machte nach 24. Minuten sehr verdient das 1:0.
Das Zustandekommen des Tores war exemplarisch. Koch spielte einen Diagonalpass auf Günter, der kam durch eine Kombination mit Höler in den Strafraum und wurde fast am Fünfmeterraum geblockt. Dahinter hatte allerdings Höler gelauert und konnte den Ball ins kurze Eck hämmern.

2. Nach der Führung

Die Führung veränderte das Spiel. Augsburg wurde aktiver und die Flügelspieler schalteten sich intensiver ins Pressing ein. Freiburg hatte keine Ruhe im Aufbauspiel mehr und musste früher lange Bälle spielen. Der FCA kam dann eher zu gefährlichen Szenen. Kurze Zeit später musste Frantz ausgewechselt werden, was zu größeren Verschiebungen in der Aufstellung führte. Grifo spielte links vorne, Höler musste auf die rechte Seite und Haberer von der rechten Seite ins Mittelfeld. Noch in dieser Findungsphase kam es in der 36. Minute zu einem gefährlichen Durchbruch von Vargas, den Haberer im eigenen Strafraum klären konnte und nur drei Minuten später zum Ausgleich nach einem Ballverlust im Mittelfeld. Nach einer Hereingabe an die Strafraumkante, kombinierten die Augsburger kurz, Niederlechner setzte sich ab, bekam den Ball und verwandelte souverän. Hier sah die Abstimmung zwischen Lienhart, Koch und Schmid nicht ganz optimal aus.

Zwischen dem eigenen Tor und der 60. Minute hatte der Sportclub keinen eigenen Abschluss. Das intensivere Augsburger Pressing zeigte Wirkung. Die Stärken im Aufbau mit der Dreierekette konnten nicht ausgespielt werden und in der letzten Reihe waren nicht genug Spieler, um mit den langen Bällen viel anzufangen. Streich stellte auf ein 4-4-2 um, Koch rückte ins Mittelfeld vor und Haberer ging auf den Flügel. Aber auch diese Umstellung blieb 15 Minuten fast wirkungslos. Immerhin konnte man in der Phase von der Halbzeit bis zur 85. Minute Augsburger Chancen größtenteils verhindern.
Erst in der Schlussphase kam der SC wieder gefährlich vor das Tor, ohne dass es dafür einen taktischen Grund gegeben hätte. Haberer spielte in der 86. nach Ballgewinn einen schönen Pass auf Höfler, der aus 14 Metern den Pfosten traf, Petersen köpfte eine Ecke an eben jenen Pfosten, Uduokhai köpfte in der 90. Minute fast ein Eigentor und ganz zum Schluss versuchte sich Grifo noch mit einem direkten Freistoß aus circa 35 Meter. Es hat am Ende dann nicht ganz gereicht.

3. Fazit

Augsburg steht für die typische Bundesligamannschaft. Aus dem eigenen Aufbau heraus haben sie nur beschränkte Mittel, gegen den Ball sind sie allerdings sehr gut organisiert und durch Konter oder lange Bälle können sie aus dem Nichts einen Angriff starten.
Die Anfangsphase des Sportclubs war da wirklich beeindruckend gut. Es ist keine Selbstverständlichkeit für Freiburg das Spiel so zu übernehmen und am Ende sogar auf 62% Ballbesitz zu kommen. Die Fehler waren überschaubar – auch im Gegensatz zum Spiel gegen Köln oder Paderborn – und man konnte auch ohne spektakuläre Ballgewinne aus dem eigenen Aufbau zu Abschlüssen kommen. Mit dem intensiveren Pressing der Augsburger kam man allerdings nicht klar. Die Lücken, die dort entstanden, hätte man besser nutzen können. Aber hier fehlte manchmal die Genauigkeit. Dass fast gleichzeitig mit der Augsburger Anpassung die Verletzung von Frantz kam und die Mannschaft sich umstellen musste, war etwas unglücklich.
In der Phase zwischen der 30. und 80 Minute hatte der Sportclub Probleme eigene Chancen herauszuarbeiten, ließ im Gegenzug aber auch wenig zu. Die Schlussphase wiederum war sehr überzeugend. Mit ihr hätte man sich die drei Punkte verdient gehabt, aber ein leicht unglückliches Unentschieden gegen Augsburg ist wirklich keine Schande.

Randnotiz: Die etwas zu einfache Vorstellung spielerisch starke Spieler würden automatisch zu einem dominanten Spiel führen, wurde in dieser Partie anschaulich widerlegt. Mit Frantz hatte man eine sehr gute Balance zwischen Offensive und Defensive, konnte lange Bälle durchs Pressing provozieren und diese häufig erobern. Der Aufbau mit der Dreierkette funktionierte sehr gut. Später im 4-4-2 mit Grifo und Waldschmidt fehlte insgesamt die Struktur und man konnte sich Chancen nur durch Wucht erspielen, weniger durch einen gezielten Aufbau. Kleine Ungenauigkeiten unterbrachen meist die Angriffe. Das Potenzial, das auf der Bank saß, muss wohl noch etwas besser ins Freiburger Spiel integriert werden, wenn man so viel Ballbesitz hat. Es ist also durchaus noch Luft nach oben in dieser Saison. Anderersiets kommen bald ohnehin vermehrt Spiele, in denen der Sportclub nicht ganz so viel Ballbesitz haben wird.

Ein Gedanke zu „SC Freiburg – FC Augsburg 1 : 1

  1. Ich freu mich immer deine Zusammenfassung lesen zu können, wenn ich das Spiel nicht gesehen hab. Die ist einfach viel besser als die vom roten Fußballmagazin =)
    Danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.