SC Freiburg – Borussia Mönchengladbach 1 : 0


1. System und Herangehensweise

Nach einem ansprechendem Spiel gegen das starke Bayer Leverkusen änderte Streich nicht viel an der allgemeinen Herangehensweise. Es blieb beim 4-4-2. Nur Waldschmidt rückte für Petersen in die Startelf. Auch das Pressing sah insgesamt recht ähnlich aus. Es ging in erster Linie um Kompaktheit und weniger um hohe Ballgewinne. Der Sportclub versuchte hin und wieder höher zuzustellen, zog sich aber schnell zurück, wenn sie überspielt wurden. Dass das Spiel dennoch einen anderen Charakter hatte als das vorherige, lag eher an einem sehr starken Gegner.

2. Die erste Halbzeit

Man merkte von Beginn an, dass Gladbach einen guten Tag erwischt hatte, auch wenn der Sportclub in der Anfangsphase gar nicht so schlecht in die Partie fand. In der 4. Minute hatte Grifo einen Distanzschuss und in der 8. Minute brach Günter über links durch und fand Waldschmidt mit einem flachen Pass im Rückraum. Leider schoss Waldschmidt dann aus 11 Metern mit seinem starken linken Fuß über das Tor.
Mit der Zeit wurde Gladbachs Qualität aber sehr deutlich. Insbesondere der vertikale Aufbau war beeindruckend gut. Stindl hatte als hängende Spitze einen sehr großen Aktionsradius, ließ sich immer wieder fallen und rückte im Laufe des Angriffs dynamisch in den Strafraum nach. Neuhaus bot sich hervorragend an und die Spieleröffnung von Sommer Elvedi und Ginter war sehr sauber. Gladbachs vertikales Spiel durch die kompakte Freiburger Formation erinnerte an das oft zitierte Messer, das durch die warme Butter geführt wird. Grundlage dafür waren die Laufwege ohne Ball und die Besetzung der Räume zwischen den Freiburger Ketten. Dem Aufbauspiel hatte der Sportclub kaum etwas entgegenzusetzen. Selbst die mutigen Pressingmomente, in denen Koch mit aufrückte und fünf Spieler die Gladbacher Spieleröffnung störten, wurden vom Gästeteam flach umspielt oder liefen durch gezielte lange Bälle auf Thuram ins Leere. Dem Sportclub mangelte es an Zugriff auf das Gladbacher Passspiel und eigenem Ballbesitz für kurze Momente der Entlastung. Denn Gladbachs Pressing war ebenfalls gut organisiert. Wenn Freiburg versuchte über die Außenverteidiger aufzubauen, wurde man sofort intensiv angelaufen. Inwiefern man dem Team in der ersten Halbzeit die Unterlegenheit zum Vorwurf machen kann, ist bei der hohen Qualität des Gegners schwer zu sagen.
Um die positiven Punkte zu nennen: immerhin schaffte es der SC Freiburg teilweise in der Verteidigung am eigenen Strafraum die ganz großen Chancen zu verhindern. Gerade Lienhart klärte einige sehr vielversprechende flache Hereingaben Gladbachs in letzter Sekunde. Zusätzlich war man offensiv in der ersten Halbzeit sogar recht effektiv. Obwohl der SC kaum im letzten Drittel präsent war, gab es immerhin den guten Schuss von Waldschmidt in der 8. Minute, einen Distanzschuss von Kübler nach einer Ecke in der 28. Minute und einen Abschluss von Höler aus 16 Meter nach einem schönen Zuspiel von Waldschmidt kurz vor der Pause.

3. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause ging es zunächst recht ähnlich weiter wie in der ersten Halbzeit. Koch hatte nach einer Ablage von Sallai einen Distanzschuss, aber Gladbach blieb die dominante Mannschaft mit den schönen Angriffen. Das änderte sich allerdings nach etwa 15 Minuten. Streich wechselte doppelt: Petersen und Schmid kamen für Kübler und Sallai. Höler ging auf die rechte Flügelposition. Schon in der nächsten Aktion machte sich dieser Wechsel bezahlt. Freiburg presste recht hoch und Höler konnte ein Foul im Mittelfeld ziehen (Wie genau der Ball erobert wurde, ist leider nicht mehr nachzuvollziehen, da die Bildregie währenddessen statt des Spiels lieber den ausgewechselten Kübler zeigte). Der Freistoß war weit entfernt vom Strafraum, aber Grifo brachte den Ball mit Schnitt vor das Tor, Petersen löste sich von Stindl, der scheinbar mit der Abseitslinie spielte, obwohl Bensebaini weit vor ihm stand und der Spieler mit den meisten Jokertoren in der Bundesliga traf zum 1:0 (59. Minute).
Der Doppelwechsel und die Führung verbesserten das Freiburger Spiel. Mit Petersen im Zentrum und Höler auf dem Flügel wurde das Pressing griffiger und man konnte höher anlaufen. Auch in Ballbesitz sah das Spiel etwas besser aus.
In der 65. Minute kam Höler über außen durch, passte Waldschmidt, der bis in den Strafraum dribbeln konnte, dessen Schuss aber geblockt wurde. Nur eine Minute später dribbelte Höler an Bensebaini vorbei, Grifo und Waldschmidt spielten im Sechzehner herum, Höler kam wieder an den Ball und traf diesen beim Abschluss nicht richtig. Zwei weitere Minuten später kippte das Spiel dann vollständig. Bensebaini nahm eine Spielverlagerung an und wurde von Höler gestellt. Der Gladbacher spielte einen unsauberen Pass, Koch konnte diesen abfangen und Pléa trat Koch auf den Fuß. Der Schiedsrichter zeigte die gelb-rote Karte, da Pléa in der ersten Halbzeit schon verwarnt wurde, als er den Ball weggeschlagen hatte. An dieser Stelle konnte man wieder etwas unglücklich mit der Regie sein. Ein Bild, das gezeigt hätte, ob Kochs Ballgewinn zu einem aussichtsreichen Angriff geführt hätte und es sich somit um ein taktisches Foul handelte, wurde nicht gezeigt. Insgesamt schien die Verwarnung gerade noch vertretbar zu sein. Dennoch wirkte der Platzverweis eher wie eine sehr harte Entscheidung. Die Gladbacher werden sich vielleicht auch eher über die Undiszipliniertheit Pléas in der ersten Halbzeit ärgern. Eberl wird ihm allerdings diesen Vorwurf allerdings nicht machen können, da er in dieser Situation wahrscheinlich aufgrund von Beleidigungen ebenfalls die rote Karte gezeigt bekam.

Freiburg spielte die Überzahl zumindest defensiv recht gut aus. Gladbach kam nicht mehr zu größeren Chancen. Auf der anderen Seite ging der Sportclub höchst fahrlässig mit den eigenen Angriffen um. Es gab einige gute Kontersituationen, die schlecht ausgespielt wurden. So kam man nur noch zu zwei guten Abschlüssen. Einmal schloss Koch im Strafraum ab, während er allerdings den frei stehenden Petersen übersah. Ein anderes Mal drang Petersen in den Strafraum ein, bemerkte Höler am langen Pfosten, der aber an Sommer scheiterte. Am Ende reichte es aber auch ohne ein zweites Tor zum ersten „Dreier“ nach der Corona-Pause.

4. Fazit

Die Phase nach dem Restart der Bundesliga bleibt etwas verwirrend für Freiburg-Fans. Eine dominante zweite Leipziger Halbzeit wurde mit nur einem Gegentor überstanden, ein gutes Spiel gegen Bremen wurde verloren, eine defensiv sehr instabile Leistung mit deutlichem Chancenplus für Frankfurt führte zu einem Unentschieden, ein leichtes Chancenplus gegen Leverkusen verhinderte keine Niederlage und nun konnte man ein Spiel gewinnen, in dem der Gegner 60 Minuten deutlich dominierte, aber kein Tor erzielen konnte. Leistung und Ergebnis stimmen in der Bundesliga nicht immer überein, aber momentan gehen sie beim Sportclub doch sehr deutlich auseinander. Man kann das auch an den xG-Werten von understat.com ablesen:

Freiburg – Leipzig 0,33 : 1,92 (1:1)
Freiburg – Bremen 0,72 : 0,46 (0:1)
Freiburg – Frankfurt 0,76 : 4,33 (3:3)
Freiburg – Leverkusen 0,69 : 0,39 (0:1)
Freiburg – Gladbach 1,56 : 2,15 (1:0)

Der Eindruck ist aber insgesamt wie auch schon in der ganzen Saison positiv. In der Offensive fehlt es zwar manchmal an Mechanismen, um zu Abschlüssen zu kommen, gerade das Zusammenspiel von Sallai, Höler, Petersen und Grifo ist noch ausbaufähig, aber die Standards funktionieren und defensiv sieht alles schon wieder sehr organisiert aus. Dass das Pressing über längere Phasen nicht griff, war eigentlich auch nur in der zweiten Halbzeit gegen Leipzig und gegen Frankfurt zu beobachten. In diesem Spiel kam die Freiburger Formation gegen Gladbach zwar auch manchmal ins Straucheln, aber das kann man dann schon auch auf die sehr guten Angriffe des Gegners schieben, der die Räume zwischen den Verteidigern perfekt anspielte. Wenn man sich die Situationen noch einmal ansieht, die zu Gladbacher Chancen führen, findet man wenig grobe Stellungsfehler oder ähnliches.

Bleibt am Ende nur noch einmal die beiden positivsten Punkte des Spiels herauszuheben.
Lienhart hatte eben einen maßgeblichen Anteil daran, dass das Spiel ohne Gegentor absolviert wurde. Mehrfach unterband er den letzten Pass im Strafraum.
Der Doppelwechsel war wirklich sehr passend. Petersen ist wohl immer noch sehr wichtig für das Freiburger Pressing (und für die Jokertore) und Höler war auf der Seite an diesem Tag die bessere Option.

 

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