SC Freiburg – Bayer Leverkusen 0 : 1


1. Die Ausgangslage

Allzu optimistisch ging man als Fan des SC Freiburg wahrscheinlich nicht in diese Partie. Zwar hatte man im letzten Spiel gegen Frankfurt drei recht schöne Tore erzielt und einen Punkt geholt, konnte sich aber glücklich schätzen, dass man nicht deutlich mehr Gegentore kassieren musste, weil man ungewöhnlich viel gute Abschlüsse zugelassen hatte. Und nun kam Bayer Leverkusen unter Peter Bosz mit Arranguiz, Bailey, Amiri und Havertz auf diese Abwehr zu. Neben der individuellen Klasse ist Leverkusens Spielstil besonders für nicht so ballsichere Teams zermürbend. Sie haben nach Bayern den meisten Ballbesitz der Liga und durchschnittlich über 85 % Passquote. Interessanterweise erzielen sie aber häufig Tore nach Ballgewinn im Gegenpressing und nicht so sehr aus der eigenen Ballzirkulation. Leverkusens Ballbesitz bringt Struktur und Sicherheit in ihr Spiel, die Umschaltaktionen aber die Torabschlüsse.

2. System und Aufstellung

Streich brachte gegen diesen unangenehmen Gegner sein klassisches 4-4-2 auf das Feld. Kübler ersetzte Schmid auf der Position des Rechtsverteidigers, Koch rückte vor ins Mittelfeld, das gegen Frankfurt die Schwachstelle war und die neue Innenverteidigung bestand aus Heintz und Lienhart.
Die Herangehensweise wurde sehr schnell deutlich. Die Abstände zwischen den Spielern sollten gegen den Ball möglichst gering bleiben und Freiburg gelang es auch sehr kompakt zu verteidigen. So konnte man Leverkusen meist recht gut vom eigenen Sechzehner fernhalten. Stand man gut zum Ball und spielte Leverkusen seine Außenverteidiger an, wurde aus der kompakten Formation auch ganz gut nach vorne geschoben. So entstanden immerhin ein paar provozierte lange Bälle von Hradecky.
Bei eigenem Ballbesitz entschied man sich häufig für den langen Ball auf Petersen, der ablegen oder verlängern sollte, da Bayer häufig mit vielen Spielern Freiburg anlief.

3. Die erste Halbzeit

In den ersten 45 Minute passierte nicht viel. Keiner der beiden Teams hatte einen Abschluss auf das Tor. Freiburg hielt sein laufintensives Spiel problemlos durch und Leverkusen kam kaum in gute Abschlusspositionen, auch wenn sie im Laufe der ersten Halbzeit sich immer länger in der Angriffshälfte festsetzen konnten. Wenn das Gastteam mal im Freiburger Strafraum auftauchte, waren genug Spieler hinter dem Ball und Bailey, Havertz, Wirtz und Co. zögerten manchmal etwas zu lange beim Abschluss.

Auf der anderen Seite wartete der Sportclub eben auf den einen Konter, den man dann mal setzen kann und der kam dann auch in der 43. Minute. Durch das gut organisierte Pressing zwang man Leverkusen zu einem ungenauen Abspiel und der Ball ging über die Seitenauslinie. Beim Einwurf von Günter wurde der Ballempfänger Grifo gleich von zwei Gegenspielern unter Druck gesetzt. Er schlug den Ball in Richtung anderen Flügel, wo Sallai dem Ball gut entgegenkam und am ausrutschenden Sinkraven vorbei in die Mitte zog. Sein Abspiel auf Höler kam genau in dem Moment als Bender diesen ins Abseits laufen lassen wollte, abbremste, Höler aber noch nicht im Abseits stand. Der Freiburger Stürmer lief alleine auf Hradecky zu, schaute noch kurz zum Schiedsrichterassistenten und schoss dann am Tor vorbei. Es blieb die beste Chance der Partie – und zwar von beiden Teams.

4. Die zweite Hälfte

Freiburg kam ganz gut aus der Kabine. Schon in der 48. Minute hatte man eine ganz hübsche Angriffsszene und in der 51. Minute schon die nächste. Höler setzte Havertz unter Druck, der dann einen Pass per Hackentrick versuchte. Grifo konnte den Ball einsammeln und kurz gegen zwei Spieler behaupten. Währenddessen war Günter schon losgelaufen, bekam den Ball zugespielt und sprintete bis zu seiner Flankenposition am Strafraum. Bei seiner Hereingabe waren drei Mitspieler gegen vier Verteidiger im Strafraum, aber Sallais Kopfball hatte zu wenig Druck und ging auch daneben.

Nur ein paar Minuten später kam dann Leverkusen zum ersten Schuss auf das Tor in diesem Spiel und erzielte damit auch das 0:1 – übrigens nicht durch eine Balleroberung, sondern aus der Formation heraus. Arranguiz spielte einen Ball auf den zurückfallenden Havertz, der Lienhart mit sich zog, den Ball aber an diesem vorbei zu Bailey lenken konnte. Bailey drang in den Strafraum ein und hielt den Ball gegen drei Verteidiger lange genug, dass Havertz nachstoßen konnte. Dann wurde der Ball zum jungen Stürmer durchgesteckt und der konnte ihn trotz Gegnerdruck von hinten und der Seite durch Schwolows Beine ins Tor „spitzeln“.

Danach wurde das Spiel etwas offener. Wirtz hatte einen Distanzschuss in der 56. Minute und zwei Minuten später wurde Sallai nur Zentimeter vor der Strafraumlinie gefoult. Streich reichte das nicht und er stellte um. Es kamen Schmid und Gulde für Sallai und Kübler. Die Dreierkette wurde so offensiv interpretiert, dass die Kommentatoren bei DAZN Gulde für einen Rechtsverteidiger und die Dreier- für eine Viererkette hielten. Höfler ließ sich häufig in die Dreierkette zurückfallen, damit die Halbverteidiger noch weiter aufrücken konnten. Freiburg bekam immer mehr Zugriff auf das Spiel und konnte in der Schlussphase sogar mal länger Druck im letzten Drittel aufbauen. Die beste Chance resultierte aber auch aus einem Ballgewinn. Der eingewechselte Waldschmidt verfolgte Diaby bis in die eigene Hälfte und grätschte erfolgreich. Heintz spielte in die Lücke zwischen Außen- und Innenverteidiger, Günter konnte den Ball erlaufen und auf Petersen querlegen. Dieser traf den Ball aber nicht richtig und Hradecky konnte parieren. Der Pass auf Günter sah aber auch sehr nach Abseits aus. Das war die letzte Situation, die Leverkusen für die drei Punkte überstehen musste.

5. Fazit

Mit einer defensiven Herangehensweise schaffte es der SC Freiburg, bei einem chancenarmen Spiel mehr und insgesamt auch bessere Abschlüsse herauszuspielen. Das Spiel reduziert sich eigentlich auf zwei Szenen und zwei Phasen. Zum einen das aktive 4-4-2-Pressing mit Konterfokus und das Spiel im 3-4-3 in der Schlussphase. Zum anderen die Konterchance von Höler und das Tor von Havertz.

Es gab also keine Punkte, aber immerhin die Erkenntnis, dass Freiburg zur defensiven Stabilität zurückfinden kann. Das ist gerade bei den nächsten vier Gegnern nicht unwichtig. Es folgen nun Spiele gegen Gladbach, Wolfsburg, Hertha und Bayern.

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