SC Freiburg – Arminia Bielefeld 2 : 0


1. Aufstellung

Arminia Bielefeld spielte ein 4-4-2 mit Raute. Die Viererkette blieb im Pressing auf einer Linie, aber die äußeren Mittelfeldspieler schoben gerade ab der zweiten Halbzeit etwas weiter heraus, um die beiden Stürmer zu unterstützen. Hier war Doan deutlich offensiver als Soukou.

Der SC Freiburg blieb beim 3-4-3 und tauschte nur auf der Stürmerposition. Petersen kam für Demirovic, um noch etwas mehr Abschlussstärke in das Spiel zu bringen. Höler und Grifo wechselten während des Spiels häufig die Seiten.

  Grifo Petersen Höler  
Günter Höfler   Santamaria Schmid
  Gulde Schlotterbeck Lienhart  
    Müller    

2. Das Spiel gegen den Ball

Bielefeld baute meistens nur mit zwei Innenverteidigern und dem technisch sehr gut geschulten Torhüter Ortega auf. Freiburgs Anlaufen war gerade in den ersten 25 Minuten sehr aggressiv. Mit drei Spielern setzte man die Torhüter-Dreierkette unter Druck. Da nun drei Spieler nur zwei Feldspieler anliefen, hatte die Arminia im Prinzip einen Feldspieler mehr als Anspielstation hinter der ersten Pressingkette. Durch das sehr druckvolle Anlaufen in den ersten 25 Minuten von Grifo, Petersen und Höler kam das Gastteam aber nur selten gezielt in das letzte Drittel und konnte seinen Vorteil nicht ausspielen. In diesen 25 Minuten dominierte man das Spiel gerade durch das Laufverhalten gegen den Ball, da die Arminia keine ruhige Ballzirkulation im Aufbaudrittel hatte und viele Bälle unter Druck nach vorne schlagen musste. Diese landeten häufig beim SC Freiburg.

Der Sportclub hielt dieses hohe Pressing aber nicht 90 Minuten durch. Schon nach etwa einem Viertel des Spiels wurde Ortega nur noch dosiert angelaufen und ab der zweiten Halbzeit ließ man Bielefeld zeitweise auch die tiefe Ballzirkulation und stellte eher die Passwege nach vorne zu.
Dieses Nachlassen war sicher auch eine Frage der Kraft. Zusätzlich wollte man sich aber wahrscheinlich auch nicht immer locken lassen. Ortega ist sehr gut darin, gezielte Chipbälle hinter die erste Pressingkette zu spielen. Gerade wenn die Kraft etwas nachlässt und nicht alle Spieler sauber nachschieben, ergeben sich für ihn klarere Anspielmöglichkeiten.

3. Das Aufbauspiel

Das Aufbauspiel sah etwas ambitionierter aus als in den letzten beiden Spielen mit der Dreierkette. Zumindest war der lange Ball auf Petersen seltener zu sehen als auf Demirovic gegen Augsburg und Gladbach.

Schlotterbeck rückte teilweise aus der Dreierkette heraus und bot sich im Mittelfeldzentrum an. Das hatte in einzelnen Szenen einen guten Effekt, war aber nicht der eine dominante „Kniff“, der das ganze Pressing der Bielefelder lahm legte, sondern ein Element von vielen. Das Aufbauspiel war flexibel. Lange Bälle, Verlagerungen (wie vor dem Elfmeter), flache Pässe durch die Ketten von Schlotterbeck auf Höler und Grifo, die sich gerne mal zurückfallen ließen, das typische Auslösen der Pressingfalle des Gegners durch Anspiele auf die Außenverteidiger, um sich dann vertikal durchzukombinieren und auch der Weg über das Zentrum. Lienhart, Gulde, Höfler, Schlotterbeck, Santamaria, Günter und Grifo hatten alle zwischen 53 und 30 angekommene Pässe (Reihenfolge der Aufzählung absteigend). Das spricht für eine recht breite Einbindung vieler Spieler in den Ballvortrag ins letzte Drittel.

Schlotterbeck ging etwas mehr Risiko ein als in den letzten beiden Spielen. (Damit ist nicht der Abspielfehler gemeint, der zu einem Bielefelder Abschluss aus 18 Metern führte. Hier lag der Ursprung doch eher in einem viel zu riskanten Pass von Müller.) Es gab recht viele Situationen, in denen Schlotterbeck flache Pässe ins Mittelfeld spielte, von denen nicht jeder ankam. Zusätzlich versuchte er sich teilweise durch Ausweichbewegungen aus dem Pressing zu befreien. Es kam über 90 Minuten zwar zu keinem klaren Ballverlust, aber er wurde oft in Zweikämpfe verwickelt, die dann durch einen Pfiff des Schiedsrichters unterbrochen wurden. Insgesamt wurde er fünfmal gefoult.

Wie schon erwähnt, war das Aufbauspiel aber auf mehrere Schultern verteilt. Gerade Lienhart hatte schöne Verlagerungen und ging auch mal ein paar Meter mit dem Ball am Fuß nach vorne. Gulde, Höfler und Santamaria sollen allerdings nicht unerwähnt bleiben. Gerade bei den angekommen langen Bällen ist die Verteilung erstaunlich ausgeglichen. Gulde: 6, Lienhart 6, Höfler 4, Santamaria 5 und Schlotterbeck 2 (allerdings von 10 Versuchen).

Insgesamt war es für den Sportclub kein großes Problem das gegnerische Pressing zu umspielen und ins letzte Drittel zu kommen.

4. Das letzte Drittel

Dadurch, dass das Bielefelder Pressing in der eigenen Hälfte gut umspielt werden konnte, hatte man es im letzten Drittel nicht mit einer stehenden, sortierten Hintermannschaft zu tun. Die Abwehrspieler waren oft in Bewegung und Freiburg musste nur selten Halbfeldflanken aus statischen Situation schlagen. Man versuchte häufiger über Außen in den Strafraum einzudringen, scheiterte zu Beginn aber meistens an den Verteidigern. Gerade in der ersten Halbzeit hatte man eher das Gefühl, dass man zwar gut aus dem Aufbau- ins Angriffsdrittel kam, dort auch ganz gute Entscheidungen traf (ins Dribbling gehen/ kombinieren und nicht einfach die Flanke bringen), damit aber nicht oft genug in den Strafraum kam. Die gefährlichen Situationen kamen doch anders zustande.

Ein sehr freier Kopfball von Gulde resultierte aus einem Standard aus dem Halbfeld von Grifo.

Die Chance von Höler (23. Minute) entstand durch einen langen Ball von Grifo aus der eigenen Hälfte, während die Bielefelder mit der Abwehrkette herausrückten und Petersen die gegenläufige Bewegung machte. Er köpfte zu Höler und der scheiterte an Ortega.

Die große Doppelchance von Grifo und Petersen war eine Umschaltsituation. Höler hatte viel Platz, konnte durch das Zentrum laufen und den Ball auf Grifo „rauslegen“. Der zog nach innen, schoss ins lange Eck, Ortega parierte und Petersen setzte den Nachschuss an die Latte.

Nur das Abseitstor folgte aus dem eigenen Aufbauspiel (wenn ich es richtig im Kopf habe). Höler fiel zurück, bekam den Ball, Günter rannte die Außenbahn herunter und wurde einen Moment zu spät angespielt. Günters Lauf in den Strafraum und sein Lupfer auf Petersen waren aber sehr gut – ebenso wie das Kopfballtor aus spitzem Winkel. Es müsste nun das siebte knappe Abseitstor der Saison gewesen sein.

In der zweiten Halbzeit spielte Schlotterbeck einen wunderschönen Ball durch die Abwehrkette des Gegners auf Grifo. Der dribbelte in den Strafraum, schoss aus spitzem Winkel und Höler konnte den abprallenden Ball nicht kontrollieren.

In der 59. Minute wiederholte sich die Doppelchance von Grifo und Petersen aus der 39. Minute. Grifo schoss ins lange Eck, Petersen dann neben das Tor. Hier wurde der Freiburger Stürmer beim Abschluss aber noch etwas besser gestört.

5. Tore und Bewertung des Spiels

Ein bewertendes Fazit zum Spiel – gerade im letzten Drittel – fällt nach den ersten 45-60 Minuten schwer. Einerseits hatte man sehr viele Angriffssituationen und kam in Relation dazu gar nicht so oft zum Abschluss. Andererseits gab es dann wieder insgesamt betrachtet doch so viele Abschlüsse, dass man eher wieder auf die Chancenverwertung hinweisen musste, um das 0:0 bis zur Schlussphase zu erklären.

Das Verhältnis von Freiburger Chancen und Chancen des Gegners war allerdings wieder sehr positiv. Gerade in der ersten Halbzeit hätte man eigentlich in Führung gehen müssen (bis vor dem Strafstoß 1,34 : 0,24 xG; am Ende 2,43 : 0,24 xG; 16:5 Schüsse, 7:2 auf das Tor, 14:3 innerhalb des Strafraums (Zahlen von Understat und Sofascore)).

Das Spiel insgesamt hatte verschiedene Phasen. Wahrscheinlich lag es auch daran, dass die Spieler in den Interviews direkt nach der Partie die Spielanteile über 90 Minuten weniger klar wahrgenommen hatten, als es dann die Zahlen hergeben. Denn Bielefeld bekam das Spiel zunehmend besser in den Griff. In den ersten 25 Minuten dominierte Freiburg durch das intensive Pressing und einem recht fehlerfreien Aufbauspiel. Ab der 25. Minute bis zur Halbzeit schaffte man es aber nicht mehr so regelmäßig ins letzte Drittel zu kommen wie zuvor. Nach der Pause hatte die Arminia sogar ein paar Aktionen nach vorne und kam immer besser in die tiefe Ballzirkulation. Dennoch hatte der Sportclub noch zwei gute Abschlüsse und Bielefeld nur einen Kopfball nach einer Halbfeldflanke.
Ab der 60. Minute beruhigte sich das Spiel. Ab hier sah es fast nach einem 0:0 aus und bis zum Tor in der 79. Minute passierte wenig.

Die Aktion, die zum Strafstoß führte, war recht typisch für eine Schlussphase, in der die Kräfte langsam nachlassen. Lienhart bekam keinen Druck im Aufbauspiel, obwohl er schon einige Meter in der gegnerischen Hälfte stand und konnte unbedrängt eine recht genaue Verlagerung auf Günter spielen. Die Abwehrspieler brauchten etwas länger, um auf die Freiburger linke Seite zu verschieben, als das in der ersten Halbzeit der Fall gewesen wäre. Zwar verschoben zwei Abwehrspieler schnell und blockierten Günters Weg in den Strafraum, aber hinter ihnen war recht viel Platz. So konnte Günter auf den Sechzehner zulaufen, zurück auf Grifo spielen und der in die Lücke auf Sallai, welcher recht viel Platz im Strafraum hatte. Sallai ging zur Grundlinie und Van der Hoorn grätschte ihn um. Auch das wäre in der 10. Minute eher nicht passiert. Grifo verwandelte den Strafstoß.

Nach der späten Führung hatte Bielefeld Ballbesitz, spielte nach vorne kam aber zu keinem weiteren Abschluss. Dafür konnte Freiburg endlich mal den klassischen Konter zum 2:0 in der Schlussphase setzen. Höfler köpfte eine halbhohe Hereingabe der Arminia raus, Demirovic machte den Ball fest, verzögerte und spielte dann in den Lauf vom nachrückenden Jeong. Jeong lief alleine auf Ortega zu, sah, dass dieser zu weit vor dem Tor stand und überlupfte den Bielefelder Torhüter.


Insgesamt fühlt sich das Spiel etwas enger an als es war. Die Arminia hatte keinen gefährlichen Abschluss. Freiburg hingegen spielte sich gerade zu Beginn einige Chancen heraus und hatte mal wieder „nur“ das Problem der Chancenverwertung. Dass es in der 60. Minute immer noch 0:0 stand, muss man schon eher als unglücklich bewerten. Doch auch aus dieser Situation heraus blieb man ruhig, ließ weiterhin keine Chancen zu und spielte kontrolliert nach vorne. Insgesamt war das dann doch ein sehr souverän gewonnenes Spiel.

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