SC Freiburg – 1. FC Nürnberg 5 : 1

1. Durststrecke zum Saisonabschluss

Die Saison ist zu Ende. Der Sportclub Freiburg erreichte den 13. Platz der 1. Bundesliga mit 36 Punkten und 46:61 Toren. Mit dem Abstieg hatte man schon lange nichts mehr zu tun.
Die Punkte wurden größtenteils in der Hinrunde geholt (21 Punkte, 21:25 Tore). In der Rückrunde gab es gerade zum Saisonabschluss eine längere Durststrecke mit acht Spielen ohne „Dreier“. Einschränkend sollte man erwähnen, dass der SC innerhalb dieser Phase jeweils einen Punkt gegen Gladbach und Bayern holte, gegen Leipzig nur mit einem Tor Unterschied verlor und gegen Dortmund antreten musste. Bleiben noch die Gegner Bremen, Mainz, Düsseldorf und Hannover. So richtig schlecht spielte man eigentlich nur gegen die Mannschaft von Thomas Doll.

Die Niederlage gegen Hannover 96 begleiteten dann auch die interessantesten Aussagen von Trainer und Mannschaft. Streich sagte, man hätte bei der Spielvorbereitung mal etwas experimentiert. Keine lange Videoanalyse und kein Simulieren des Gegners im 11 gegen 11, sollten der Mannschaft eine gewisse Leichtigkeit zurückbringen, um befreit gegen den Absteiger aufspielen zu können. Das hat offensichtlich nicht funktioniert. Es wurde die Lehre daraus gezogen, dass der SC Freiburg ohne akribische Vorbereitung und genaue Abstimmung der Spieler auf den Gegner auch gegen schwächere Teams der Bundesliga chancenlos ist. Dementsprechend taktisch diszipliniert trat der Sportclub im letzten Saisonspiel gegen den 1. FC Nürnberg auf und gewann mit 5:1.

(Die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Nürnberg ist lang, aber sehr interessant. Neben den Erkenntnissen aus dem Spiel gegen Hannover, geht es um die Stellung des SC Freiburg in der Bundesliga, den Faktor Schnelligkeit im Fußball, die Einschätzung der Rückrunde, das Thema Verletzungen usw. Das kann man auch mal in der Sommerpause nachhören.)

2. Formation und Herangehensweise

Freiburg trat in der typischen 4-4-2-Formation auf:

  Petersen   Waldschmidt    
Grifo Höfler   Frantz   Terrazzino
Günter Heintz   Koch   Stenzel
    Flekken      

Einwechselspieler: Abrashi, Sallai, Höler

Das Pressing war gewohnt flexibel. Der gegnerische Abstoß wurde häufig zugestellt. Im normalen Nürnberger Aufbau machten Petersen und Waldschmidt ein paar Meter innerhalb der gegnerischen Hälfte Druck. Wurden sie überspielt zog man sich tiefer in die eigene Hälfte zurück. Die Unterstützung der Sechser und der Flügelspieler war Situationsabhängig. Bis auf einige schöne Nürnberger Pässe zwischen die Linien auf die Achter oder einrückende Flügelspieler, hatte man das gegnerische Aufbauspiel im Griff.

Im eigenen Aufbau war man sogar noch flexibler als gewohnt. Zu Beginn spielte Nürnberg noch ein höheres Pressing, das Freiburg nur selten risikoreich flach umspielte, sondern rückwärts zu Flekken passte, der dann einen langen Ball auf Petersen schlug. Nach circa 20 Minuten zog sich „der Club“ aber weiter zurück und der SC konnte in Ruhe aufbauen. Dabei wurden in der ersten Linie Koch und Heintz fast durchgängig von einem dritten Spieler unterstützt. Mal kippte Frantz rechts ab, mal Höfler in die Mitte, mal blieb Stenzel hinten. Häufig ging es über die Flügel nach vorne.

3. Spielverlauf

Das Spiel war zu Beginn nicht ganz so eindeutig, wie es nach einem 5:1 scheint. Freiburg hatte zwar mehr Kontrolle und ließ nach hinten kaum etwas zu, konnte sich aber auch nicht die ganz klaren Chancen herausspielen. Die Tore kamen auch allesamt etwas ungewöhnlich zustande.
Beim ersten Tor waren Waldschmidt und Terrazzino umstellt von 6 Nürnberger Spielern. Dennoch konnte Terrazzino in den Strafraum durchbrechen und frei zum Schuss kommen. Das zweite Tor wurde schön von Petersen eingeleitet, der Schuss aus 20 Metern aber glücklich abgefälscht.

Die Tore verunsicherten den Gegner weiter und Freiburg konnte die Spielkontrolle nun vollständig übernehmen. Am Ende hatte Freiburg eine Passquote von 92% und 62% Ballbesitz. In den Minuten 54 bis 61 folgten drei weitere Treffer. Der erste Tor kam durch eine gelungene Gegenpressingaktion zustande, das zweite war ein Seitfallzieher nach Flanke von Stenzel, das dritte durch eine Direktabnahme von Grifo nach Flanke von Günter. Am Ende machte der Sportclub aus 1,09 expected Goals 5 Tore und konnte sich gut von seinen Fans verabschieden.

4. Erkenntnisse aus der Partie

Ähnlich wie beim Spiel gegen Hannover konnte man auch in diesem Spiel eher indirekte Erkenntnisse aus den Geschehnissen ziehen. In diesem Fall machten einige Spieler ganz gut auf sich aufmerksam.

Mark Flekken: Der Torhüter kam zu seinem ersten Bundesligaeinsatz und zeigte eine gute Partie. Beim Gegentor war er relativ Chancenlos. Es kamen noch vier weitere Schüsse auf das Tor, die er allesamt parierte und wenn er sie nicht festhalten konnte, sicher zur Seite abwehrte. Mit dem Ball am Fuß machte er ebenfalls eine gute Figur. Besonders ein Lupfer über einen heranstürmenden Gegner zu Koch bleibt im Gedächtnis. Abgesehen von diesem Highlight strahlte er aber eine gewisse Ruhe aus, spielte kurze Bälle, wenn es möglich war und hatte eine ganz gute Präzision bei den langen Bällen auf Petersen. 22 der 28 gespielten Pässe kamen an.

Pascal Stenzel: Der Rechtsverteidiger hat in den letzten zwei Saisons nicht ganz die Entwicklung genommen, die man (d.h. vor allem ich) vielleicht erwartet hatte. Selbst nach der Verletzung von Kübler spielte er nicht jedes Spiel von Beginn an. In dieser Partie konnte er aber seine Stärken ausspielen. Wenn er nicht so sehr von den Gegnern unter Druck gesetzt wird, hat er eine gute Übersicht und auch das technische Vermögen eine Spielverlagerung über 40-60 Meter zu spielen. Zudem lauert er klug im Rückraum, um dort den Ball wieder zurückleiten oder – wenn er Platz hat – zum Distanzschuss anzusetzen. Dennoch muss er wohl weiter an seinem defensiven Zweikampfverhalten arbeiten, um nächste Saison an Kübler vorbeizuziehen. In diesem Spiel war das weniger gefordert.

Luca Waldschmidt: Er ist wohl der Spieler, auf den die Streichsche Wortschöpfung „schwimmender Neuneinhalber“ seit Kruse am besten zutrifft. Waldschmidt bot sich gut zwischen den Linien an, hat eine hervorragende Ballan- und mitnahme und gewann einige Dribblings. Er hat im Spiel gegen den Ball Fortschritte gemacht, ist im Vergleich zu Haberer, Petersen, Niederlechner oder auch Höler in dieser Disziplin noch in der Ausbildung.

Roland Sallai: Streich nannte ihn in der Pressekonferenz einen internen Neuzugang, da er in dieser Saison leider lange verletzt war. Sallai ist wirklich sehr schnell und wendig, was im Freiburger Kader eine Seltenheit ist. Sollte er nächste Saison halbwegs fit bleiben, könnte er eine Schlüsselrolle übernehmen. Egal ob als schneller Umschaltspieler oder explosiver, dribbelnder Flügelspieler, der aus statischen Situationen dynamische machen kann.

Christian Günter: Wahrscheinlich mit Schwolow der Spieler der Saison. Im nächsten Jahr gäbe es für die Mannschaft aber noch eine Aufgabe in Verbindung mit ihm zu lösen. Einige seiner flachen, riskanten Pässe an den Strafraum können vom Gegner abgefangen werden. Die Absicherung von Günters Vorstößen ist meistens etwas dünn. Da diese Situation häufig entsteht und man Günter auch nicht von seinen gefährlichen Flankenläufen abhalten will, müsste man an dieser Situation noch etwas arbeiten.

 

Soweit erstmal. In diesem Spiel hätte man noch viele weitere (eigentlich alle) Spieler loben können. Es war ein wirklich schönes letztes Spiel der Saison 2018/19.

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