SC Freiburg – 1. FC Köln 5 : 0

Der SC Freiburg gewann an diesem Samstag sein fünftes Spiel in Folge. Zusätzlich war es der höchste Sieg in der Vereinsgeschichte. Beim 5:0 (mit fünf unterschiedlichen Torschützen) hatte der 1. FC Köln nicht seinen besten Tag erwischt, während der Sportclub seine Chancen enorm effizient nutzte.

1. Aufstellung

Streich wurde zu zwei Umstellungen gezwungen. Gerade für Kwon konnte einem das leidtun, da er sich nach seiner Covid-19-Infektion gerade erst in das Team gespielt hatte. Er zeigte in der Partie gegen Hoffenheim eine gute Leistung. Zugleich ist die Konkurrenz auf der Position stark und er wird es schwer haben, sich wieder hineinzuarbeiten. Für ihn kam Sallai.

Schmid hingegen wird seinen Platz wahrscheinlich wiederbekommen, wenn er fit ist. Gegen Köln startete Kübler als rechter Flügelverteidiger. Das System blieb unverändert. 3-4-3/5-2-3 gegen den Ball und durch das Pendeln von Schlotterbeck und das aufrücken von Santamaria ein 4-2-3-1 mit dem Ball.

2. Anfangsphase: Freiburg mit Ballbesitz

Freiburg gehört aktuell zu den Teams, die nicht unbedingt auf hohe Ballbesitzwerte aus sind. Neben Mainz und Augsburg gibt es mit Köln allerdings drei Teams, die diesen Verzicht noch viel stärker kultiviert haben. So war der Sportclub zu Beginn gezwungen, das Spiel zu machen und nahm diese Aufgabe auch an.

Köln spielte ein tieferes Mittelfeldpressing und erwartete den Sportclub im 4-2-3-1 an der Mittellinie. Schlotterbeck rückte vor ins Mittelfeld neben Höfler und Santamaria positionierte sich auch etwas höher im Mittelfeld. Lienhart und Gulde ließen den Ball hin- und herlaufen und bekamen kaum Druck vom Gegner. Modeste war in der vordersten Reihe auch in Unterzahl und wurde selten von Mitspielern unterstützt. Das Zentrum war dafür ziemlich dicht und so musste Freiburg häufig über die Flügel nach vorne kommen. Lienhart spielte ein paar Verlagerungen auf links oder es ging flach über rechts. Vom Flügel aus musste man dann häufiger auf Flanken zurückgreifen.

Resultat: In dieser Anfangsphase kontrollierte Freiburg das Spiel, ließ kaum gegnerische Vorstöße zu und kam selbst dosiert ins letzte Drittel. Dort konnte man sich aber keine klaren Torchancen herausspielen, da Köln zu organisiert stand. Dieses Problem gab es auch schon in den Schlussphasen gegen Wolfsburg und Bremen. Immerhin gab es mal einen Vorstoß von Sallai, der dann zurück auf Kübler passte, dessen Halbfeldflanke dann von Demirovic auf das Tor geköpft wurde. Die Situation schien ungefährlich, da der Freiburger Stürmer keinen Druck hinter den Ball bringen konnte, aber es war schon auffällig, wie frei Demirovic bei einer klaren Unterzahl im Sechzehner war. Bis zum 1:0 gab es aber nur wenige Torraumszenen. Es kündigte sich ein Geduldspiel an. Es kam aber doch anders.

Das erste Tor entstand nicht aus einer kontrollierten Aufbausituation, sondern nach Zweikämpfen im Mittelfeld um einen losen Ball. Das passte zu den beiden Teams.

Köln lief Müller gerade etwas intensiver an und Freiburg stand schon recht hoch. Müller schlug einen langen Ball an den Mittelkreis. Santmaria gewann zwei Kopfballduelle gegen zwie unterschiedliche Spieler direkt hintereinander und brachte den Ball zu Kübler. Der köpfte zu Sallai. In diesem Moment startete Demirovic hinter die aufgerückte Kölner Abwehrkette und Sallai passte direkt in seinen Lauf. Horn stürmte raus, traf den Ball bei seiner Klärungsaktion aber recht unglücklich. Der Ball flog hoch über den hinauseilenden Torhüter, wodurch Demirovic nur das Kopfballduell gegen den kleinen Mére gewinnen musste, um das leere Tor zu treffen.

Daraufhin musste Köln auch mal selbst das Spiel aufbauen, während Freiburg häufiger auf die tiefe Ballzirkulation verzichtete. In dieser Phase passierte wenig. Es gab einen Distanzschuss von Santamaria nach Ballgewinn im Gegenpressing durch Gulde und Höfler (gute Staffelung). Und es gab eine gelungene Angriffssituation von Köln, bei der sie aus dem Aufbau heraus durch das Zentrum kombinieren konnten und Wolf im Strafraum zum Abschluss kam. Müller wehrte zur Seite ab.

Das zweite Tor entstand aus einer komischen Pressingsituation. Freiburg stellte Kölns Aufbau auf der (eigenen) rechten Seite zu, lief aber die Gegenspieler im Allgemeinen nicht besonders aggressiv an. Öczan wollte die eher undynamische Situation auflösen, lies sich etwas fallen, wurde dabei aber von Höfler verfolgt. Öczan wurde angespielt, nahm den Ball unsauber an, Höfler schob sich vor ihn und stand direkt alleine vor Horn. Der Freiburger Sechser schob den Ball mit der Innenseite flach ins rechte Eck.
Die Szene erinnerte einen an Höflers eigenen Ballverlust gegen Dortmund, aus dem das 0:1 entstand. Özcan hatte wenig Körperspannung, wollte die Situation spielerisch lösen, während von hinten der Gegenspieler ankam und ihn einfach wegdrücken konnte.

3. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause wechselte Gisdol doppelt und stellte auf ein 3-5-2 um, in dem Köln aktuell normalerweise aufläuft. Freiburg blieb ohne Wechsel.

Die Umstellung veränderte wenig. Bei Freiburgs Aufbau kippte nun vermehrt Höfler oder Schlotterbeck ab, um Überzahl herzustellen. Durch die erneute Überzahl kam man praktisch nie in brenzlige Situationen durch Kölns Pressing. In der eigenen Defensive stand Freiburg sehr stabil. Auch, weil man durch die Führung so viele Spieler hinter dem Ball halten konnte. Beim nächsten Abschluss Kölns – ein Distanzschuss von Wolf – standen sechs Freiburger im Strafraum gegen zwei bis drei Kölner.

Offensiv muss man festhalten, dass Köln sich bei den Gegentoren wirklich nicht gut anstellte – in der zweiten Halbzeit sogar noch mehr als in der ersten.

Das 3:0 war ein Abstoß von Müller. [Nachtrag] Wie mir von Julian gesagt wurde, war es Günter, der vollkommen frei per Kopf verlängerte. Der Ball kam ungezielt in den Raum links vor dem Strafraum. Demirovic konnte den Ball einsammeln und dann neben zwei Abwehrspielern einfach in den Strafraum an die Grundlinie durchlaufen und den Ball ablegen. Sallai traf aus 5 Metern.

Köln brachte dann auch das Kunststück fertig, die einzige Ecke im Spiel, die sie zuließen, nicht zu verteidigen. Grifo flankte den Ball an den langen Pfosten, von wo aus Demirovic ohne Gegenwehr und fast im Stehen an den kurzen Pfosten zurück köpfen konnte, wo Lienhart vollkommen frei aus drei Metern „einnetzte“. Zwischen Demirovic und Lienhart standen fünf Kölner.

Beim 5:0 überlief erst Jeong einen Kölner, wurde eingeholt, blieb stehen, während Günter wiederum seinen Gegenspieler überlief und den Ball in den Lauf gespielt bekam. Günter drang vollkommen frei seitlich in den Strafraum ein, legte auf den freien Höler ab, der dann aus circa 8 Metern recht stark ins Tor schoss.

In der Schlussphase gab es noch einen Standard, den Günter flach auf Santamaria zurückspielte. Dessen Distanzschuss wurde geblockt, kam zu Höler, der dann aus der Drehung an den Pfosten schoss.

4. Fazit

Köln hat nun schon seit längerem Probleme damit, Tore zu erzielen, stand in der Saison aber defensiv meistens ziemlich gut. Das galt nicht für dieses Spiel. Im Prinzip gab es bei allen fünf Gegentoren offensichtliche Fehler im Defensivverhalten, die Freiburg dann sehr effizient ausnutzen konnte. Der Sportclub hatte insgesamt nur 13 Schüsse, 6 auf das Tor und 2,92 expected Goals. Das ist ein sehr hoher expected-Goals-Wert im Verhältnis zu der Anzahl von Schüssen, was bedeutet, dass fast alle Abschlüsse aus recht vielversprechenden Situationen abgegeben wurden. Zusätzlich war man dabei sicher im Abschluss und hat keine Großchance vergeben.

Das Spiel ist das Extrembeispiel für die Serie, die der Sportclub aktuell hat. Freiburg traf in den letzten fünf Spielen auf Gegner, die aktuell nicht gut drauf sind. Der Fokus lag dennoch zu Beginn darauf, wenige Chancen zuzulassen. Gegen Bielefeld, Schalke und Köln gelang das fast perfekt (maximal 0,38 xG), gegen Hoffenheim und Hertha über 90 Minuten immerhin recht gut (maximal 1,14 xG). Die ersten Halbzeiten waren eher chancenarm. Erst im Laufe der zweiten Halbzeit konnte man sich offensiv deutliche Vorteile erspielen und klare Siege einfahren. In den letzten sieben Spielen hatte Freiburg höhere xG-Werte als der Gegner, in den letzten vier Spielen kam dann noch dazu, dass man mehr Tore als expected Goals erzielen konnte. Erfolgserlebnisse scheinen sich positiv auf die Chancenverwertung auszuwirken.

Die Tore wurden meistens nicht aus einem langsamen, kontrollierten Aufbau herausgespielt, sondern kamen durch Schnellangriffe, lange Bälle, Balleroberungen, Standards oder Fehler der Gegner zustande. Nur selten schaffte man es, sich gegen einen tief positionierten Abwehrblock durchzusetzen. Man ist also darauf angewiesen, die Momente zu nutzen, in denen der Gegner unorganisiert ist. Da helfen Führungen. In den Spielen, in denen es länger 0:0 stand, schien man aber auch konditionelle Vorteile zu haben.

Was man am Samstagnachmittag beobachten konnte, war das aufeinandertreffen zweier Teams mit entgegengesetzten Formverläufen, einem passenden Spielverlauf und sehr hoher Effizienz. Der 1. FC Köln war zumindest an diesem Tag der schlechteste Gegner, den der Sportclub in dieser Saison hatte. Trotzdem muss man dem SC Freiburg ein Kompliment machen, dass sie diese Situation so gut ausgenutzt haben.

5. Spieler

Es ist schwer, in dieser Partie Einzelspieler herauszuheben. Vielleicht Demirovic der ein Tor machte und zwei Vorlagen gab. Er hat etwas auffällig dynamisches in seinen Aktionen. Halaand-Light ging mir da kurz durch den Kopf, aber auch mit dem Anhang „Light“ ist das vielleicht etwas übertrieben. Dennoch ist Demirovic ihm vom Spielertyp her ähnlicher als die letzten fünf Dortmunder Stürmer.

Zusätzlich trafen Höfler, Sallai, Lienhart und Höler.

Lienhart wird immer deutlicher zum dominantesten Aufbauspieler beim Sportclub (73 angekommene Pässe, hinter ihm Höfler mit 42).

Schlotterbeck war defensiv gewohnt stark, war aber bei ein, zwei Klärungsaktionen etwas überambitioniert.

Jeong hatte bei seinem Startelfeinsatz gegen Stuttgart leichte Probleme, machte nun aber wieder ein gutes Spiel nach seiner Einwechslung. Man konnte beobachten, dass sein Zusammenspiel mit Günter genauso gut ist, wie das mit Schmid.

Kurze Randnotiz:
Pieringer hat mit seinem Doppelpack nun in zwei Spielen drei Tore für die Würzburger Kickers gemacht. Er ist damit schon ihr Top-Torschütze. Insgesamt war er in den Spielen nicht so dominant, aber er trifft halt.

 

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