SC Freiburg – 1. FC Köln 1 : 2


1. Aufstellung und Spielanlage

Gegen das klare 4-4-2-Pressing des 1. FC Köln stellte Streich das eigene System ebenfalls auf ein 4-4-2 um, zog Koch vor ins Zentrum und brachte Kwon für Gondorf:

  Petersen   Waldschmidt  
Borrello Höfler   Koch Kwon
Günter Schlotterbeck   Lienhart Schmid
    Schwolow    

Damit hatte man im Pressing Gleichzahl auf den Außen und es war leichter die Außenverteidiger Kölns früher zu stören. Da diese Position mit Hector und Ehizibue auch wirklich sehr gut besetzt ist und man so leichter Mannorientierungen auf dem ganzen Platz herstellen konnte, ergab diese Umstellung durchaus Sinn. Was Pressinghöhe und -intensität angeht, gab es in der ersten Halbzeit keine Auffälligkeiten.
Mit dem Ball schien der SC Freiburg in den ersten beiden Spielen sichtlich Selbstbewusstsein gesammelt zu haben. Freiburg versuchte das Spiel zu kontrollieren, gezielt und geduldig aufzubauen und das meiste mit flachen Pässen zu lösen. Höfler ließ sich häufig in die letzte Reihe fallen – mal neben mal zwischen die Innenverteidiger, während Koch im Sechserraum blieb. Der konstruktive Spielaufbau funktionierte aber nur teilweise. Es gab durchaus manche guten Übergänge vom Aufbau- ins Angriffsdrittel gegen ein starkes Kölner Pressing, aber es gab eben auch ein paar sehr unnötige Ballverluste durch unkonzentrierte Fehlpässe.

Köln hingegen wählte gerade in der ersten Halbzeit fast immer den langen Ball. Entweder als langer Pass hinter die Abwehrkette oder auf Modeste, der ablegen sollte oder direkt als Halbfeldflanke in den Strafraum. Dies bekam der Sportclub in den ersten 45 Minuten mit Koch, Lienhart und Schlotterbeck sehr gut verteidigt. Die Gastmannschaft konnte in dieser Zeit nur zwei Schüsse abgeben. Durch das manchmal unsichere Aufbauspiel Freiburgs konnte man sich allerdings nie sicher sein, da Beierlorzers favorisierte Art ein Tor zu erzielen, ohnehin auf der Idee aufbaut, im Angriffsdrittel den Ball zu gewinnen und dann mit zwei oder drei Pässen vor dem Tor zu stehen. Die Innenverteidiger wurden von den Kölner Stürmern meistens so seitlich angelaufen, dass der Passweg zum Außenverteidiger geschlossen wurde. Damit sollte der Weg ins Zentrum provoziert werden, wo sie dann versuchten den Ball zu erobern. Wie gefährlich ein Ballverlust im Zentrum ist, konnte man in der 37. Minute sehen. Drexler gewann den Ball gegen Koch (mit einem Foul) und es ging über Schaub zu Schindler, der das vermeintliche Führungstor schoss, das nach VAR-Eingriff zurückgenommen wurde. Soweit die gefährliche Seite des konstruktiven Spielaufbaus. Kurz danach zeigte sich allerdings, dass es selbstverständlich auch von Vorteil sein kann, den Ball durch die eigenen Reihen laufen zu lassen. Denn so bekam Schlotterbeck auch die Ruhe, einen gezielten langen Ball in Günters Lauf zu spielen, der diesen dann scharf in den Sechzehner brachte, wo Czichos ins eigene Tor schoss. Eine unangenehme Situation für den Innenverteidiger. Die Hereingabe war druckvoll und hinter ihm stand Petersen völlig frei.

Nach 45 Minuten war die Führung nicht ganz unverdient, ohne dass man sagen könnte, der Sportclub wäre klar die bessere Mannschaft gewesen. Zu diesem Zeitpunkt gab es 4:2 Ecken, 2:7 Fouls, 56%:44% Ballbesitz und 9:2 Schüsse. Freiburg hatte mehr Spielkontrolle, musste aber auch sehr auf das Kölner Pressing und Umschaltspiel aufpassen. Dazu waren die langen Bälle der Gäste, gerade in der hohen Zahl, auch nicht vollkommen ungefährlich.

2. Die zweite Halbzeit

Beide Trainer stellten zur Halbzeit um. Der SC Freiburg wollte die Führung stabilisieren und setzte wieder auf die erfolgreiche Dreierkette aus den ersten beiden Spielen. Koch rückte in die Innenverteidigung und Haberer, der für Kwon eingewechselt wurde, besetzte die Position neben Höfler. Im Pressing zeigte sich die etwas defensivere Ausrichtung ebenfalls. Gegen Mainz und Paderborn liefen Günter und Schmid regelmäßig bis zu den gegnerischen Außenverteidigern durch, wenn diese angespielt wurden. In diesem Spiel blieben sie bei den offensiven Spielern Drexler und Schaub. Haberer und Höfler kümmerten sich um die beiden Sechser Verstraete und Skhiri, wodurch die drei Stürmer also in Unterzahl gegen Kölns Viererkette im Aufbau pressten. Der große Vorteil war, dass man mit drei Innenverteidigern nun Kölns Halbfeldflanken und langen Schläge auf Modeste leichter verteidigen konnte.

Beierlorzer wiederum reagierte auf sein Problem im Presssing aus der ersten Halbzeit. Schon dort baute der SC meistens in einer Dreierkette auf, da Höfler sich sehr aktiv zeigte und mit seinen flexiblen „Abkippbewegungen“ Schlotterbeck und Lienhart sinnvoll unterstützte. Günter und Schmid standen hoch und banden damit die Flügelspieler Kölns, die somit ihre Stürmer im Pressing nicht unterstützen konnten. Blieb man im Aufbauspiel fehlerlos, kam der SC immer wieder um die erste Pressinglinie herum. Dem wollte Beierlorzer nun damit begegnen, drei Spieler in die vorderste Reihe zu stellen, um die aufbauende Dreierkette besser unter Druck setzen zu können.
Die beiden Anpassungen zur Halbzeit ließen das Spiel zunächst in Richtung des Gegners kippen. Freiburg musste durch Kölns Pressing, das weiterhin die Passwege auf die Außenverteidiger schloss, deutlich früher den langen Ball spielen, der nur selten von Petersen gehalten werden konnte und Köln hatte zumindest im eigenen Aufbau etwas mehr Ruhe, um den Ball kontrolliert in die Freiburger Hälfte zu spielen.

Zum Ausgleich kam der 1. FC Köln allerdings nicht durch eine herausgespielte Aktion, sondern durch die gefühlt zehnte Halbfeldflanke auf Modeste. Steter Tropfen höhlt den Stein, könnte man sagen. Für eine erfolgreiche Halbfeldflanke benötigt es mindestens drei Komponenten. Sie muss in den richtigen Raum kommen, damit der Torwart sie nicht abfangen kann, der Stürmer muss sich dynamisch von seinem Innenverteidiger lösen und den Ball perfekt treffen und schlussendlich dürfen die Innenverteidiger im Prinzip nicht ganz optimal stehen. Der Ball ist so lange in der Luft, dass drei Innenverteidiger, den Ball normalerweise problemlos klären können. Schlotterbeck und Koch hatten schon einige Kopfballduelle für sich entscheiden können, aber bei diesem standen sie nicht besonders gut, obwohl die Umstellung auf die Dreierkette genau das erleichtern sollte.

Der Ausgleich veränderte das Spiel noch einmal. Freiburg zeigte wieder die normalen Pressingmuster im 3-4-3 aus den Spielen gegen Mainz und Paderborn. Schmid und Günter rückten vor bis zu Hector und Meré (für den angeschlagenen Ehizibue gekommen), wodurch sie etwas mehr Stress im Aufbau hatten. Es entwickelte sich ein offenerer Schlagabtausch, in dem Köln wieder zunächst Vorteile hatte. Ab der 60. Minute kam der Sportclub allerdings wieder besser ins Spiel. Bis zur 75. Minute gab es ein paar interessante Szenen auf beiden Seiten. Von der 73. (Auslöser der lange Ball von Koch auf Petersen) bis zur 85. Minute konnte man das Spiel sogar kontrollieren, die Kölner länger an den eigenen Strafraum drücken und hatte über Waldschmidt, danach Schmid und Sallai noch drei gute Abschlüsse. Die letzten fünf Minuten plus Nachspielzeit gingen aber wieder an die Gastmannschaft, die nach einer Ecke eigentlich durch Terodde in Führung hätte gehen müssen, dieser den Ball aber aus zwei Metern neben das Tor setzte. In der 92. Minute schoss der 1. FC Köln dann aber doch noch das Tor und zwar folgendermaßen:

Höfler wurde halbhoch angespielt, hatte eine unsaubere Ballmitnahme und verlor den Ball an Skhiri. Er versuchte den Ball zurückzuerobern, verlor auch dieses Duell und konnte nur noch hinterherlaufen. Während Skhiri einfach geradeaus in den Strafraum sprintete, schaute Günter nur zu und blieb bei seinem Außenbahnspieler, Schlotterbeck spekulierte auf einen Pass zu Modeste und ging Skhiri aus dem Weg, Schwolow machte das lange Eck zu, dass eigentlich vom heraneilenden Koch gedeckt wurde und bot somit das Torwart-Eck an, wo der Ball dann auch einschlug. Aus Kölner Sicht: Skihri eroberte denn Ball, ließ mit einer Bewegung seinen Gegenspieler aussteigen und lief einfach 20 Meter durch, während ihm alle Spieler aus dem Weg gingen. Das war ein wirklich unglückliches Abwehrverhalten von mehreren Spielern.

3. Fazit

In der ersten Halbzeit hatte der SC Freiburg leichte Vorteile, in der zweiten Halbzeit Köln. Es gab 14:10 Schüsse, aber auf beiden Seiten wurden diese selten aus guten Positionen abgegeben (Ausnahme Terodde und Petersen). Die drei Punkte für Köln sind nicht unverdient, wenn man die Anfangs- und Schlussphase der zweiten Halbzeit betrachtet. Das Unentschieden wäre aber wahrscheinlich über 90 Minuten gesehen, auch ein passendes Ergebnis gewesen.

Es war nun das dritte Saisonspiel, das in beide Richtungen hätte kippen können. Gegen Mainz und Paderborn konnte der Sportclub die Schlussphase für sich entscheiden. Dieses Mal sah es bis zur 85. Minute wieder so aus, als ob der SC Freiburg nach schwieriger Anfangsphase in der zweiten Halbzeit das Spiel noch gewinnen könnte, doch die letzten Minuten gingen dann klar an den Gegner. Beim Tor in der Nachspielzeit sah der Sportclub ebenso unglücklich aus, wie Mainz und Paderborn bei ihren Gegentoren.

Besonders überraschend war dieser Verlauf nach den ersten beiden Spielen aber auch nicht. Köln und Freiburg sind von ihrer Qualität als in etwa gleich stark zu betrachten. Beide gehören wahrscheinlich in den erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten, mit deutlichen Vorteilen gegenüber Union Berlin, Paderborn und vielleicht noch Augsburg. Beide Teams haben ihre Stärken im Spiel gegen den Ball, was normalerweise chancenarme, enge Spiele produziert, die eher in einzelnen Szenen entschieden werden, als durch eine systematische Überlegenheit.

Nach drei engen Spielen, von denen man zwei gewinnen konnte und eins verlor, kann man aber immer noch von einem recht guten Saisonstart sprechen.

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