SC Freiburg – 1. FC Köln 1 : 1

1. Verteidigung im Strafraum

Kölns Spiel ist sehr auf Flanken von Schmitz, Kainz und Hector ausgelegt. Das ergibt auch Sinn, wenn man mit Modeste und Andersson zwei der besten Bundesligaspieler im Bereich Kopfballabschluss im Team hat. In der ersten Halbzeit flogen 18 Flanken in den Freiburger Strafraum. 5 Flanken kamen an, eine führte zu einem Abschluss auf das Tor (Andersson in die Arme von Flekken), eine führte zu einer Großchance (Andersson drüber) und eine führte zum Tor (Modeste gegen die Laufrichtung).
Die Spielweise war nicht überraschend. Deswegen kann man sich fragen, wie Freiburg das verteidigen wollte. Streich stellte sein Team im 4-4-2 auf. Der verletzte Höfler wurde von Eggestein ersetzt. Die Nationalspieler bekamen keine Pause, wie man das beim SC teilweise nach den Länderspielunterbrechungen praktizierte. Die Flanken verteidigte der Sportclub im Strafraum mannorientiert. Kölns ballferne Achter und der Zehner rücken bei guter Flankenposition der Außenverteidiger schon früh ein. Die wurden dann von einem Sechser und dem ballfernen Außenverteidiger aufgenommen. Beim Gegentor standen Kainz, Uth, Modeste und Andersson im und am Strafraum gegen Kübler, Keitel, N. Schlotterbeck und Lienhart. Solche eins zu eins Aufteilungen gab es sehr häufig. Und über weite Strecken des Spiels funktionierte das auch richtig gut. Dass bei so vielen Flanken irgendwann eine durchrutscht, muss man in Kauf nehmen. Und ein Gegentor in einem Spiel zu kassieren, ist auch kein schlechtes Ergebnis. Damit holt man meistens mindestens einen Punkt. Der Plan war also mutig, ging aber ganz gut auf.

2. Vorbereitung der Flanken

Köln bereitet die Flanken nach einem klaren Schema vor. (In einer der letzten Folgen des „Mainzer Keller“ wurde das mit Bildern analysiert.) Die Achter positionieren sich eingerückt offensiv und ziehen so die Außenverteidiger von der Außenbahn nach innen. Die eigenen Außenverteidiger stehen sehr breit auf der für sie geöffneten Außenbahn. Schafft es Köln schnell genug zu verlagern, können sie um den gegnerischen Flügelspieler, der den Außenverteidiger decken soll, beim Verschieben aber nach innen rückt, herumzuspielen. Deswegen kommt Schmitz in jedem Spiel zu so vielen Flanken, die er meistens ohne Druck schlagen kann.
Freiburg fand in der ersten Halbzeit dafür kein Gegenmittel. Grifo und Sallai liefen immer wieder hinterher und die anderen ballnahen Spieler waren durch Gegenspieler gebunden. In den ersten 10 Minuten konnte man sehen, was die Schwäche dieses Spiels ist. Freiburg hatte da zwei oder drei recht hohe Ballgewinne und kam damit in gute Situationen im letzten Drittel. Die Kölner rücken schon im Aufbau sehr weit auf. Mit der Zeit spielten sie aber immer mehr lange Bälle auf ihre zwei großen Stürmer. Dadurch zog sich das Freiburger Mittelfeld wieder etwas zurück und Köln hatte Platz für das flache Aufbauspiel. Diese Ballsicherheit machte das Spiel so einseitig zwischen der 10. und 45. Minute. Durch zu wenig eigene Ballsicherheit und zu vielen verlorenen zweiten Bällen, konnte Freiburg die Räume hinter den hoch stehenden Kölnern nicht für Konter nutzen.

3. Freiburg Spiel mit dem Ball

Wie schon gegen die letzten beiden Gegner hatte der Sportclub auf dem Papier eine Überzahl auf dem Flügel. Durch das gute Verschieben von Köln konnte Freiburg diese aber nicht ausspielen. Neben dem, was Köln gut gemacht hat, sah es auch so aus, als ob die linke Seite zunächst nicht ihren besten Tag erwischt hätte. Günter und Grifo waren häufig in Räumen, die sehr typisch für ihre Durchbrüche sind, spielten die Situationen aber nicht genau genug aus. Das war etwas frustrierend. Köln bietet (wie im eigenen Aufbau auch) durch das hohe Pressing Räume an, aber Freiburg hatte in der ersten Halbzeit große Probleme überhaupt kontrolliert ins Angriffsdrittel zu kommen. Außer nach der guten Anfangsphase mit den Ballgewinnen und etwas tieferen Kölnern kam nichts mehr. Es blieb bei 2 Abschlüssen in 45 Minuten.

Mit der Einwechslung von Haberer für Eggestein und einem deutlich aktiveren N. Schlotterbeck, wurde das in der zweiten Halbzeit besser. Freiburg übernahm die Spielkontrolle und kam zu ein paar gut herausgespielten Abschlüssen. Man konnte aber auch sehen, dass die Konterabsicherung nicht mehr den höchsten Stellenwert hatte. Viele Situationen wurden dann individuell gut gelöst. Die offensive Durchschlagskraft wurde also mit einem defensiven Risiko bezahlt. (Nur für die Frage, warum man nicht von Anfang an so spielt. Bei einem Rückstand ergibt das selbstverständlich Sinn.) Die ganz große Wende kam nach einer gelb-roten Karte für Kainz. Die Situation, die dazu geführt hat, war insgesamt einer gelben Karte würdig. Kainz foulte Kübler in einer beginnenden Umschaltsituation, versuchte den Ball wegzuschlagen, um die Spielfortsetzung zu verhindern und agierte auch nicht deeskalierend, als Schade zur „Rudelbildung“ anstiftete. Dennoch habe ich das Gefühl, dass ein Gräfe oder ein Aytekin (um einen aktiven Schiedsrichter zu nennen) hier auf den Platzverweis verzichtet hätten. Die Karte liegt sicher im Bereich der subjektiven Bewertung.

4. Freiburger Druckphase

Freiburg übernahm daraufhin noch stärker die Spielkontrolle. Der Übergang ins Angriffsdrittel fiel immer leichter. Variabel wurde entweder vertikal über links kombiniert oder die Verlagerung auf rechts gespielt. Schon als Kübler noch auf dem Platz stand, gab es auch über rechts ein paar Vorstöße mit dem Ball, mit der Einwechslung von Weißhaupt wurde diese Seite noch aktiver. Streich sagte auf der PK, dass Schade und Weißhaupt sich mit der offensiven und defensiven Rolle auf dem Flügel abwechseln sollten – und das hat gut funktioniert. Schade übernahm die Situationen, in denen Schnelligkeit gefragt war, Weißhaupt ging in den eher statischen Aktionen nach vorne, um mit einem Dribbling für etwas mehr Dynamik zu sorgen. Eben so ein Dribbling an Hector vorbei führte zu seiner scharfen Hereingabe, die von Czichos ins eigene Tor gelenkt wurde.

5. Fazit

Das 1:1 geht in Ordnung. Köln war in der ersten Halbzeit schon deutlich das spielbestimmende Team. Das hatte man nicht unbedingt erwartet. Streich ist eigentlich sehr gut darin, die spezifischen offensiven Stärken des Gegners mit einem eigenen Pressingplan zu entschärfen. Das klappte gegen Köln erst nach dem Rückstand. Der Sportclub kam in der zweiten Halbzeit dann wieder ins Spiel, aber nicht ohne ein, zwei Umschaltaktionen zuzulassen, die das Spiel hätten entscheiden können. Erst die gelb-rote Karte ließ die Partie vollständig kippen. Man muss aber festhalten, dass Köln das aktuell auch sehr gut macht. Den anderen Teams (außer den Bayern) ist es auch nicht gelungen, die Räume hinter dem Kölner Pressing besser zu nutzen. Nächste Woche wird man gegen Mainz wieder gegen ein Team spielen, das sehr aktiv gegen den Ball agiert. Da wird man sehen, ob das ein allgemeines Problem für den Sportclub ist.

Positiv sind die Einwechslungen anzumerken. In der letzten Saison hatte man manchmal das Gefühl, dass die Spieler von der Bank keinen Unterschied bewirken können. Das sieht nach vier Spielen in der Saison schon anders aus. Die Hereinnahme von Haberer brachte etwas mehr Frische und eine klarere Rollenverteilung auf der Doppelsechs. Petersen kam nach seiner Einwechslung zu Abschlüssen. Weißhaupt und Schade „machten richtig Betrieb“ auf der rechten Seite.

6. Einzelspieler

Er soll nun nicht jede Woche erwähnt werden, aber einmal muss es noch sein. Nico Schlotterbeck hat eine erstaunlich gute Frühform in der Saison und deutet ein unglaublich hohes Potenzial an. Offensiv wie defensiv spielt er eine wesentliche Rolle für den SC und ist mit ein Grund dafür, dass die Vorstöße von Günter nicht mehr so stark von einem Sechser abgesichert werden müssen. Seine Dribblings über das Feld wirbeln die gegnerische Defensive durcheinander und seine Kopfballablage nach einem langen Standard hätte einen Scorerpunkt verdient gehabt.

Eggestein hatte ein solides Startelfdebüt. Das Duell mit Haberer und Keitel um den Platz neben Höfler ist offen. Letzterer fehlte in dieser Partie aber deutlich und wird wohl spielen, wenn er fit ist.

Schade war wieder sehr motiviert, nachdem er eingewechselt wurde. In diesem Spiel konnte er seine Schnelligkeit noch häufiger ausspielen. Seine Entscheidungsfindung und die technische Ausführung bei den Anschlussaktionen bleibt verbesserungswürdig. Aber er hat gezeigt, dass man ihn auch in Rückstand in Spiel bringen kann und nicht nur in Führung als aggressiver Pressingstürmer, der den gegnerischen Aufbau nervt.

Das Debüt von Noah Weißhaupt war wie gemalt. Zweimal ließ er Hector in einem Dribbling stehen und bewies damit seine Fähigkeiten im offensiven Eins-Gegen-Eins auf aller höchstem Niveau. Die Haken, die er schlägt, hat sonst kein Spieler im Freiburger Kader im Repertoire. Es war wirklich sehr schön zu sehen, dass auch er eine Option für eine Einwechslung ist.

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