Rückblick: Saison 2019/20

In der Saison 2019/20 hat der SC Freiburg mit 48 Punkten und 48:47 Toren seine zweitbeste Spielzeit unter Christian Streich absolviert. Da die Konkurrenz nicht ganz so wenig Punkte wie vor drei Jahren sammelte, reichte es dennoch nicht für die Qualifikation zur Europa-League.
Im Folgenden sollen einige Aspekte der erfolgreichen Saison beschrieben werden. Warnung: Es ist viel „Statsitikkram“ dabei.

1. Kurz erwähnt: Kontinuität, Kader, Verletzungen usw.

Das häufig diskutierte Auftaktprogramm kann man nach 34 Spieltagen wohl etwas vernachlässigen. Auch die Frage, zu welchem Zeitpunkt man auf bestimmte Teams getroffen ist, hat sich über die Saison relativiert. Gegen Hoffenheim traf man in der Hinrunde auf ein Team mit unterdurchschnittlicher Form, der Zeitpunkt gegen Köln war aber wohl eher unglücklich.

Einige Punkte, die man schon früh in der Saison auf dem Zettel hatte, haben sich aber bestätigt. Der große Kader hat sich sehr positiv auf die Leistungen ausgewirkt. Am offensichtlichsten wurde dies durch die starke Bank. 7 Tore (4 Petersen) und 4 Vorlagen kamen von Einwechselspielern. Aber auch unabhängig von den direkten Torbeteiligungen hatten Einwechslungen wieder einen größeren Einfluss auf das Spiel. Zusätzlich hatte der größere Kader recht sicher eine positive Auswirkung auf die Fitness und Form der 11 Spieler auf dem Platz.
Was die Verletzungen angeht, belegt Sportclub einen Mittelfeldplatz. 1462 Ausfalltage waren es insgesamt (Platz 9) und es gab selten eine Position, auf der es richtig knapp wurde. Hertha belegt hier den 1. Platz (1057 Tage), Bremen den 18. Platz (2210 Tage). (Nachzulesen beim Twitteruser @fbinjuries).

Wahrscheinlich wirkte es sich auch positiv auf die Saison aus, dass es im Kader nun seit Jahren eine gewisse Kontinuität gibt. Mit Koch, Günter, Heintz, Petersen, Höfler, Höler, Gulde, Lienhart, Schwolow und Haberer gab es einige Spieler mit viel Einsatzzeit, die schon lange gemeinsam unter Streich zusammenspielen. Die typischen Basics des Freiburger Spiels wie Pressingauslöser, Deckungsschatten beim Anlaufen, tiefe Ballzirkulation, Kompaktheit gegen den Ball, Verschieben im 4-4-2 usw. dürften für sie kein größeres Problem mehr darstellen. Die spielerische Integration von Neuzugängen dürfte dadurch erleichtert worden sein und man konnte sich im Training wahrscheinlich auch mehr um andere Details kümmern.

2. Zwei Stammformationen

Die Kontinuität könnte auch dazu beigetragen haben, dass der Sportclub zum ersten Mal unter Streich zwei gleichberechtigte Systeme über eine Saison hinweg umsetzen konnte. 18 Mal gab es das 3-4-3/5-4-1 von Beginn an, womit 28 Punkte geholt wurden, 16 Mal das 4-4-2 gespielt, womit 20 Punkte geholt wurden.

Das 3-4-3/ 5-4-1 kann etwas besser die Extreme abdecken. Bspw. im Spiel gegen Leipzig in der Hinrunde wurde es sehr tief interpretiert. Die Rasenballisten kamen zu 24 Abschlüssen, hatten aber nur selten freie Schussbahn. Erst in der Nachspielzeit kassierte man hier einen Gegentreffer nach Standard.
Es gab aber auch einige Spiele, in denen es auch gegen den Ball eher den Charakter eines 3-4-3 hatte (Bsp Hoffenheim (Hinrunde)). In diesem Fall schieben Günter und Schmid im Pressing bis zu den gegnerischen Außenverteidigern durch und übernehmen im Ballbesitz das offensive Flügelspiel. Dadurch konnte gerade zu Saisonbeginn die Formschwäche der Flügelspieler aufgefangen werden. Die drei Stürmer hießen zunächst Höler, Petersen/ Waldschmidt und Haberer. Grifo, Sallai und Kwon brauchten etwas Zeit, um in die Saison zu finden.

Das 3-4-3 kommt einigen Spieler entgegen: Günter und Schmid sind optimale Flügelverteidiger, Koch ein sehr guter zentraler Innenverteidiger und Heintz kann regelmäßiger mit dem Ball am Fuß nach vorne Stoßen. Die Positionierungen im Aufbauspiel sind allgemein etwas passender, da es drei Aufbauspieler und dann immer noch zwei zentrale Mittelfeldspieler gibt, die sich anbieten können.
Zusätzlich deckt das System automatisch besser die Breite ab, wodurch die Spieler weniger laufen müssen. In dieser Saison belegte der Sportclub nur Platz 5 der am meisten gelaufenen Kilometer und nicht wie sonst den ersten oder zweiten Platz.

Eine interessante Aufbauweise im 3-4-3 war das Abkippen von Höfler, während die Außenverteidiger und Stürmer sehr hoch blieben. Es sah teilweise aus, wie ein 4-1-5, das das gegnerische Pressing weit auseinanderzog. Im Zusammenspiel mit Schwolow gelang es dann häufiger, dass einer der vier Aufbauspieler mit dem Ball am Fuß durch das Pressing hindurch laufen konnte, viel Wiese vor sich hatte und in die gegnerische Hälfte kam (Bsp. Hoffenheim Hinrunde 1:0).
Das 3-4-3 ist also defensiv sehr stabil und erlaubt prinzipiell gute Positionierungen im Aufbau und fördert die Stärken einiger Spieler. Die Problemzone dabei ist noch das letzte Drittel und die Strafraumpräsenz in der frühen Phase des Angriffs.


Es gibt übrigens auch Spieler, die im 4-4-2 etwas besser aufgehoben sind. Dazu zählen Sallai und insbesondere Grifo. Beide halten sich gerne am Flügel auf. Auch den Stürmern (Ausnahme: Höler, der sich als linker Halbstürmer sehr gut machte) kommt die Doppelspitze entgegen, weil es einfacher ist, früh im Angriff mit genug Spielern den Strafraum zu besetzen. Im 5-4-1 hing Petersen oft in der Luft, musste viele Kopfballduelle bestreiten und hatte zwei Verteidiger gegen sich.
Grifo hat das Problem, dass die Doppelrolle von Halbstürmer und Flügelspieler ungewohnt für ihn ist. Sallai, Höler oder Haberer zieht es gefühlt automatisch in den Strafraum, wenn der Spieler auf der anderen Seite in Flankenposition ist. Grifo bleibt lieber auf dem Flügel oder im Rückraum.

Insgesamt kommt das 4-4-2 dem „einfachen Angriffsspiel“ etwas entgegen. Zweite Bälle sind durch den zusätzlichen Angreifer etwas leichter festzumachen, Kopfballverlängerungen können erlaufen werden und frühe Flanken haben einen Abnehmer mehr im Strafraum.
Gerade gegen Ende der Saison hat der Sportclub aber auch recht interessante Mechanismen im Spielaufbau gefunden, um das Problem der unterbesetzten Zentrale, wenn ein Sechser abkippen muss, zu lösen. (Nochmal die Beschreibung der Aufbauszene: Höfler kippt ab, um die beiden Innenverteidiger im Aufbau gegen das Pressing zu unterstützen. Somit bleibt nur ein Sechser im Zentrum übrig und der kann leicht gedeckt werden. So bliebe nur der Aufbau über außen oder der lange Ball). Am Ende der Saison kompensierten Grifo und Waldschmidt durch einen sehr großen Radius dieses Problem. Sie verließen regelmäßig ihre Positionen und boten sich im Mittelfeld an.

Die unterschiedlichen Wege zum Abschluss in den beiden Formationen lassen sich ganz gut an den Angriffen über den linken Flügel am Anfang und Ende der Saison veranschaulichen, die viele wahrscheinlich noch viele vor Augen haben. In der Hinrunde im 3-4-3 waren es typischerweise eher dynamische und vertikale Kombinationen zwischen Günter und Höler. In der Rückrunde (häufiger 4-4-2) waren technische Kombinationen zwischen Grifo und Günter charakteristisch.

Gegen den Ball ist das 4-4-2 laufintensiver, dafür aber sehr kompakt. Die Wege beim Anlaufen der Innenverteidiger sind etwas kürzer und es ist leichter die Pressingfalle beim Pass auf den Außenverteidiger zu spielen.


Am Ende hat sich keine Formation als klar bessere herausgestellt. Es hat sich aber sehr positiv ausgewirkt, zwei gleichberechtigte Systeme spielen zu können. So konnte man sich teilweise auf Spielweisen der Gegner einstellen, insbesondere aber auf Formprobleme oder auch Formstärken im eigenen Kader reagieren. Interessanterweise wurden Systeme aber häufig über mehrere Spiele hinweg beibehalten. Das bedeutet, dass man mit beiden Systemen offensive und defensive Mechanismen gegen verschiedene Spielweisen des Gegners im Kleinen anpassen konnte.
(Bsp.: Wenn ein Gegner nur mit zwei Innenverteidigern aufbaute, ließ sich bei Freiburg der Stürmer des 3-4-3 gerne ins Mittelfeld fallen, deckte den Sechser, während die Halbstürmer die Innenverteidiger anliefen)

3. Die Defensive

47 Gegentore sind im Vergleich zu den Konkurrenten und auch im Vergleich zu anderen Saisons des SC Freiburg ein hervorragender Wert. Die Defensive ist zum großen Teil für die erfolgreiche Platzierung verantwortlich. Dabei hat sich in den letzten Jahren die Herangehensweise etwas verändert. Vieles hing aber auch von individuellen Entwicklungen ab.

Vor ein paar Jahren spielte Freiburg deutlich aggressiver und mannorientierter. Häufig wurden Gegner schon bei der Ballannahme gestört. Im Prinzip konnte man diese Spielweise in diesem Jahr bei Union Berlin sehen. Diese Saison wurde noch mehr im Raum verteidigt. Es ging eher darum, sich nicht überspielen zu lassen und mit genug Spielern hinter dem Ball zu stehen. So ließ Freiburg in dieser Saison mit Abstand die meisten Schüsse zu (431, 2. Platz Bremen: 391) hatte aber die sechstbeste Defensive. Das hatte weniger etwas mit Glück zu tun als damit, dass immer genug Spieler zwischen Stürmer und Tor stehen, diese Spieler sich gut in den Schussweg stellen können und der Torhüter Distanzschüsse regelmäßig pariert.

Damit wären wir auch bei den individuellen Leistungen. Mit 72,1 % parierten Schüssen steht Schwolow auf dem zweiten Platz hinter Sommer. Und Flekken, der aufgrund seiner Einsatzminuten nicht in diesem Ranking auftaucht, hatte sogar 80 %, wäre also auf dem 1. Platz.

Heintz und Gulde sind mit 4,5 und 4,4 klärenden Aktionen pro Partie unter den Top 10 der Bundesliga (K. Schlotterbeck übrigens mit 4,7 auf Platz 3). Ebenso finden sich Heintz und Lienhart in der Kategorie geblockte Schüsse unter den ersten 10 wieder (K. Schlotterbeck Platz 4), Gulde ist auf dem 11. Platz, Robin Koch auf dem 15. Platz. Bei den abgefangenen Pässen, also eher eine Defensivstatistik für Mittelfeldspieler ist Höfler auf Platz 6 im Bundesligavergleich.

Neben diesen doch recht beeindruckenden Statistiken ist es aber vor allem der Gesamteindruck, der sich im Vergleich zu den letzten Saisons geändert hat. Auch wenn das Freiburger Team mal durch eine gute Phase des Gegners an den eigenen Sechzehner gedrängt wurde, machte man sich keine größeren Sorgen, dass es durch einfache Stellungs- oder Abstimmungsfehler zu Gegentoren kommen könnte. Im Gegenteil hat man aktuell besonders Aktionen von Lienhart (in der Hinrunde eher Koch) im Kopf, der präzise Hereingaben des Gegners in letzter Sekunde klärt.

In den letzten Jahren scheint Freiburg Spieler besonders auf der Innenverteidigerposition zu entwickeln. Höhn und Föhrenbach sind gute Zweitligaspieler geworden. Kempf ist ein Bundesligaspieler. Mit Söyüncü und Koch hat man für Freiburger Verhältnisse zwei Ausnahmetalente bei sich gehabt, Lienhart ist ebenfalls auf einem guten Weg und die Schlotterbecks bringen eine Menge Potenzial mit sich.

4. Der Aufbau

Eine geduldige tiefe Ballzirkulation ist weiterhin wichtiger Bestandteil des Sportclubs. Gemeinsam mit Hoffenheim und Paderborn hat man mit 31% die meisten Spielanteile im eigenen Drittel.

Der Übergang ins letzte Drittel funktioniert häufig mit dem langen Ball auf Petersen oder die Flügel. Hier wird besonders auf zweite Bälle spekuliert.

Am zweithäufigsten kann man wahrscheinlich den Spielaufbau über die Außenbahn beobachten, meistens über Schmid. Dabei wird auch mit den typischen Pressingauslösern des Gegners gespielt. Der Innenverteidiger spielt auf den Außenverteidiger und provoziert damit, dass der Gegner anläuft. Der Flügelspieler läuft schon während des Passes dem Ball entgegen und ein Sechser bietet sich an. Der Außenverteidiger entscheidet dann mit dem ersten Kontakt, wohin der Ball weitergeleitet werden soll und läuft danach in die Tiefe. Man hat die Aufbauweise häufig gesehen. Sie wirkt riskant, aber auch vielversprechend: tiefer Ballverlust oder Durchbruch auf dem Flügel. In der Praxis springen aber häufig Einwürfe oder Freistöße an der Mittellinie heraus.

Zu Beginn und Ende der Saison sah man hin und wieder flache Pässe durch die Ketten auf einen zurückfallenden Stürmer oder einrückenden Flügelspieler (oft Grifo oder Waldschmidt, manchmal Höler). Das ist der vielversprechendste Weg, aber er ist riskant.

Die positivste Neuerscheinung im Spielaufbau des Sportclubs waren Diagonalbälle. Früher kamen die im Prinzip nur von Kempf. Mit Heintz und Koch hat man nun aber zwei Spieler, die sehr gute Diagonalbälle schlagen können und auch Höfler, Lienhart, Grifo und Haberer trauen sich auf diesem Feld nun mehr zu. So hatte Freiburgs Spielanlage insgesamt deutlich mehr Breite in eigenem Ballbesitz.

Fazit: Der Spielaufbau wurde mit der Zeit immer flexibler – nicht nur über diese Saison betrachtet, sondern auch über die Amtszeit von Streich. Früher gab es nur das flache Kurzpassspiel. Dann kam eine Phase, in der der lange Ball in die Spitze sehr häufig gewählt wurde. Aktuell hängt es viel von der eigenen Form, dem Gegner und dem Spielstand ab, wie der Sportclub Spielzüge auslöst.

5. Das letzte Drittel

48 geschossene Tore sind ein ganz guter Wert. Bei den Schüssen und Schüssen auf das Tor liegt der Sportclub im Tabellenmittelfeld. 27 Tore aus dem Spiel heraus bedeuten Platz 12, 13 Standardtore Platz 6 und 5 Strafstoßtore Platz 2. Nur bei Toren nach Konter liegt man mit nur einem einzigen Treffer auf dem letzten Platz. (Freiburgs Umschaltspiel nach hohem Ballgewinn ist wirklich nicht schlecht. Konter werden in dieser Statistik aber wohl nur bei tiefen Ballgewinnen gezählt und da sah es wirklich nicht so gut aus)

Unterteilt man die Standardtreffer noch einmal, fällt auf, dass es nur 3 Tore nach Ecke gab, dafür aber 7 nach indirekten und 3 nach direkten Freistößen. Die Freistöße von Grifo und Günter aus dem Halbfeld mit dem Schnitt vom Tor weg, hatten insgesamt eine hohe Qualität. Exemplarisch ist hier der Treffer gegen Gladbach von Petersen.
Dazu kommt, dass Freiburg auf Platz 4 der meist gefoulten Teams ist. Das könnte einerseits etwas mit der Spielweise zu tun haben, vielleicht aber auch mit einer Tendenz bei einem Kontakt im Angriffsdrittel lieber mal den Standard zu nehmen (looking at you Lucas Höler (Platz 1 der gefoulten Spieler in der Bundesliga: Anzahl: 80)).

Grifo und Günter waren nicht nur bei den Standards die zentralen Figuren im letzten Drittel. Der Linksverteidiger liegt auf Platz 2 der geschlagenen Flanken in der Bundesliga und trotz der anfänglich eher schwachen Saison von Grifo kommt er am Ende auf genau so viele Scorerpunkte wie Höler und Petersen.

„scfsince1904“ hat im Vereinsforum bei transfermarkt[.]de eine interessante Statistik aufgestellt. Im Prinzip wurden hier Pre-Assists (die nirgendwo geführt werden, man also Highlights anschauen und mitschreiben muss) mit Assists und Toren addiert. Günter belegt den 1. Platz beim SC Freiburg, dicht gefolgt von Petersen, Höler und Grifo, der allerdings deutlich weniger Spielzeit hatte. Die Statistik passt aber gut zu dem Eindruck, dass einige Tore über die linke Seite eingeleitet wurden.
Ebenso nicht wirklich überraschend wird bei der Statistik deutlich, dass Grifo und Waldschmidt mit Abstand die beste Quote bei Torbeteiligungen pro Minute aufweisen. Das relativiert dann den Eindruck einiger, die Waldschmidt eine weniger gute Saison attestieren. Sieht man von seinen Verletzungen und Erkältungen ab, war er durchaus ein Schlüsselspieler in der Offensive, wenn auch nicht ganz so sehr, wie man es nach der U-21-EM erwartet hatte.

Interessant ist sicher auch die Personalie Lucas Höler, der tatsächlich im Feld der Freiburger Topscorer ist. Seine Werte sind sehr gut vergleichbar mit denen von Petersen. Beide haben 13 direkte Torbeteiligungen (Petersen: 11 Tore, 2 Vorlagen; Höler: 8 Tore, 5 Vorlagen), wobei Höler insgesamt nur eine Stunde länger auf dem Feld stand. Hinzu kommen sicher einige von Höler herausgeholte Freistöße, die zu Toren geführt haben (der Wert taucht aber in keiner Statistik auf).
Man muss also einerseits festhalten, dass er sich was Torbeteiligungen angeht deutlich gesteigert hat. Auch seine technischen Fähigkeiten haben sich verbessert. Bei Dribblings und Torschussvorlagen ist er unter den Top-5 beim SC. Gegen den Ball sind seine Fähigkeiten ohnehin unbestritten. Unabhängig davon, ob er in der Spitze oder auf dem Flügel spielt, läuft er gut an, hat ein paar Balleroberungen, ist aber besonders in der tiefen Verteidigung deutlich sicherer im Stellen von Gegnern als Sallai, Kwon oder Waldschmidt.
Andererseits hat er sich als Spielertyp auch nicht völlig verändert. Grifo, Waldschmidt und Petersen haben mehr Tore geschossen als erwartet (Vergleich von expected Goals und geschossene Tore), Höler hat hier ein Minus von 1,12. Auch die Statistiken „Dispossessed per game“ und „bad controle per game“ also schlechte Ballannahmen und Ballverluste pro Spiel werden von Höler angeführt. Dennoch bleibt seine Entwicklung wahrscheinlich die Überraschung der Saison.

6. Kurzer Ausblick

Wie so häufig könnte eine gute Saison vom SC Freiburg den Verlust einiger Schlüsselspieler bedeuten. Haberer, Waldschmidt, Koch und Schwolow werden häufiger in der Gerüchteküche diskutiert. Bei Günter, Heintz, Lienhart und Grifo hofft man, dass sie nicht allzu große Begehrlichkeiten geweckt haben.
Ausgehend von der gespielten Saison kann man aber halbwegs beruhigt sein. Der Kader hat eine gute Grundqualität und taktisch hat das Freiburger Trainerteam die Mannschaft weiterentwickelt. Das Fundament ist also da.

Sollte Schwolow gehen, hat man mit Flekken einen guten Torhüter in der Hinterhand, der einerseits beim Spielaufbau ähnlich gut eingebunden werden kann wie Schwolow und zusätzlich unglaublich gute statistische Werte aufweist. Man sollte allerdings nicht unbedingt davon ausgehen, dass er diese Werte über 34 Spieltage aufrechterhalten kann. Falls dies doch der Fall sein wird, hätte der SC Freiburg den besten Torhüter der Bundesliga was Paraden, abgewehrte Schüsse, vereitelte Großchancen und Strafraumbeherrschung angeht.

Auch in der Innenverteidigung ist man gut aufgestellt. Wie schon erwähnt, hat der verliehene Keven Schlotterbeck bei Union Berlin sehr gute Leistungen gezeigt. Sein Bruder hatte recht wenig Einsätze, zeigte aber, dass er in der Bundesliga durchaus mithalten kann und Potenzial für mehr hat. Lienharts Entwicklung geht kontinuierlich weiter, Heintz hat seine Fehler aus der letzten Saison sehr minimiert und Gulde bleibt ein zuverlässiger Innenverteidiger ohne großes Spektakel.

Falls Günter, Schmid, Kübler und Itter bleiben, ist man auch auf der Außenverteidigerposition gut besetzt. Somit wäre das Kernelement dieser guten Saison auch in der nächsten Saison gegeben: eine gute Defensive.

Sollten Haberer und Koch gehen, müsste man in der Zentrale personell nachbessern. Keitel zeigte zwar recht ansprechende Leistungen in seinen ersten Spielen, aber wahrscheinlich sind er und Tempelmann eher als Ergänzungsspieler eingeplant.

Mit Grifo, Kwon, Sallai und Borrello gibt es auch eine gute Grundlage auf den Flügeln.

Die Stürmerposition war schon in dieser Saison etwas dünn besetzt. Sollte Waldschmidt gehen, wird er wahrscheinlich nicht einfach intern durch Jeong ersetzt, der sich bisher nicht in der Bundesliga durchsetzen konnte.


Auch mit ein paar Abgängen bräuchte es beim Sportclub in der nächsten Saison keinen kompletten Neuanfang. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass der Sportclub weiterhin um die europäischen Plätze mitspielen wird. Koch und Waldschmidt sind schon außergewöhnlich gute Spieler im Kader des Sportclubs. Die Konkurrenten lauten weiterhin nicht Hoffenheim, Frankfurt oder Wolfsburg, wenn alles in halbwegs normalen Bahnen verläuft, sondern Augsburg, Mainz und Köln.

 

Statistiken:
whoscored[.]com
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