Mike Frantz beim SC Freiburg (2014-2020)

1. Langsamer Abschied vom Aufstiegskader

Der 33-jährige Mittelfeldspieler Mike Frantz verlässt den SC Freiburg nach fünf Saisons und schließt sich dem Zweitligisten Hannover 96 an. Es ist der Versuch nach 2008/09 (Nürnberg) und 2015/16 (Freiburg) mit einem dritten Verein in die Bundesliga aufzusteigen.

Für den SC Freiburg reiht sich der Wechsel in eine langsame, aber stetige Transformation des Kaders seit dem Aufstieg ein. Von der üblichen Startaufstellung in der 2. Bundesliga oder der erfolgreichen Saison nach dem Aufstieg bleiben so langsam nicht mehr viele Spieler übrig.

2015/16:

  Petersen   Philipp  
Grifo Höfler   Abrashi Frantz
Günter Kempf   Torrejon Stenzel
    Schwolow    

 

2016/17:

  Haberer   Niederlechner (Petersen)  
Grifo Höfler   Frantz Philipp
Günter Gulde   Söyüncü Kübler
    Schwolow    

 

2. Veränderte Transferstrategie vor dem Abstieg?

Mike Frantz kam allerdings schon ein Jahr vor dem Abstieg zum SC Freiburg. Der Transfer überraschte einige. Dass der Ausbildungs- und Weiterbildungsverein einen 27-Jährigen soliden Bundesligaspieler verpflichtete, passte nicht so ganz in das gewohnte Konzept. Zusätzlich wurde auch Sascha Riether (damals 31 Jahre) zurückgeholt und Marc Torrejon aus Kaiserslautern verpflichtet (damals 28 Jahre). Es schien sich ein Wechsel in der Transferstrategie zu zeigen. Neben den jungen Talenten Moeller-Daehli und Kempf, wollte man wohl auch Spieler verpflichten, die schon etwas mehr Erfahrung in ihrer Karriere sammeln konnten. Diese Entwicklung wurde vom Abstieg unterbrochen. Heute haben sich die Umstände, der Kader und die finanziellen Möglichkeiten beim Sportclub verändert, sodass es schwierig ist, die Transferstrategien mit denen von vor fünf Jahren zu vergleichen.

3. Mike Frantz‘ Zeit beim SC Freiburg

Wie beschriebene, war Mike Frantz nicht unbedingt der große „Transferhammer“ und in seiner ersten Saison stach er in einer recht harmlosen Offensive nicht heraus. In 25 Einsätzen schoss er 4 Tore und gab eine Vorlage. Allerdings spielte er praktisch immer, wenn er nicht verletzt war. Und es wurde schnell deutlich, dass man mit ihm einen richtigen Allrounder verpflichtet hatte. Schon in der ersten Saison spielte er auf beiden Flügeln, im zentralen Mittelfeld als hängende Spitze und als Stürmer.

Nach dem Abstieg blieb Frantz beim SC Freiburg und spielte eine wesentliche Rolle in der Aufstiegssaison. Als rechter Flügel war er ein fester Bestandteil der Offensivreihe: Grifo – Petersen – Philipp – Frantz. Mit sechs Toren und acht Vorlagen war er zwar nicht so erfolgreich wie seine Mitspieler, erledigte aber auch deutlich mehr Defensivaufgaben als sie.

In der Folgesaison, in der der SC Freiburg die EL-Qualifikiation erreichte, übernahm er größtenteils die Rolle neben Höfler auf der Doppelsechs im 4-4-2. Nach Günter und Schwolow sammelte er die meisten Minuten aller Freiburger Spieler. Wie beim Sportclub üblich kamen auch von ihm kaum Scorerpunkte aus dem zentralen Mittelfeld. Zwei Vorlagen waren im Vergleich zu seinem Mittelfeldkollegen Höfler (ein Tor, eine Vorlage) aber vollkommen in Ordnung.

Die Saison 2017/18 war aus taktischer Sicht die interessanteste. Streich stellte auf eine Dreierkette um und Mike Frantz erhielt eine Schlüsselrolle. Im 5-2-3 war Frantz neben Höfler der Balancegeber des Systems. Rückte der Rechtsverteidiger (Stenzel) weit auf, sicherte er ab, blieb Stenzel etwas eingerückt hinten, schob Frantz vor auf den rechten Flügel und der nominelle rechte Flügel ging in die Stürmerposition (5-1-4). (Genauere Beschreibung auch mit der besonderen Schusterrolle in diesem älteren Blogartikel unter „Spieltag 1-8“)
Leider verletzte sich Frantz am 11. Spieltag gegen Schalke 04 und das interessante Systemexperiment wurde eingestellt, da niemand die anspruchsvolle Rolle von Frantz übernehmen konnte. Der Innenbandriss am Knie brauchte mehrere Monate, um zu verheilen und der Sportclub rutschte in den Abstiegskampf ab. Erst am 31. Spieltag konnte Streich seinen Allrounder wieder einsetzen. Am 32. Spieltag kam es dann zum denkwürdigen Duell gegen den 1. FC Köln, das der Sportclub in letzter Minute mit 3:2 gewinnen konnte. Das 1:0 durch Petersen wurde von Frantz vorbereitet. Er hielt den Ball lange auf der Außenbahn, dribbelte am Abwehrspieler vorbei und flankte gezielt in den Strafraum.
Trotz der ihm zugewiesenen ambitionierten Schlüsselposition zu Saisonbeginn und dem versöhnlichen Abschluss, war dies sicherlich die schwerste Spielzeit für Mike Frantz. Die Verletzung erwischte ihn auf seinem spielerischen Höhepunkt, da er körperlich in guter Form, sehr vertraut mit der Streichschen Spielidee und taktisch deutlich geschulter als zu seiner Anfangszeit war.

2018/19 wurde Frantz wieder als Rollenspieler eingesetzt. Er spielte auf beiden Flügeln, in der Zentrale, als Rechtsverteidiger und sogar die beiden sehr ungewohnten Positionen Linksverteidiger und zentraler Innenverteidiger in einer Dreierkette. Er kam erneut auf einen guten fünften Platz in der Tabelle mit den meisten Spielminuten des SC Freiburg. Es sollte seine letzte Saison als Stammspieler beim SC Freiburg sein.

In der gerade absolvierten Saison war Frantz nicht mehr so gefragt. In der Bundesliga gab es nur zwei Einsätze, die länger als 45 Minuten dauerten. Im Pokal waren es immerhin 78 und 79 Minuten. Im Hinspiel gegen Hoffenheim gab er seine einzige Torvorlage in der Saison.

Der Zeitpunkt der Trennung ergibt also durchaus Sinn. Es war nun die erste Spielzeit, in der er nicht über eine Rolle als Ergänzungsspieler hinauskam. Zu Saisonbeginn gab es eine Art Jobsharing mit Gondorf, aber es wurde deutlich, dass beide nicht über 90 Minuten beim immer noch laufintensiven Spiel des Sportclubs in der Bundesliga mithalten konnten. Vielleicht sieht das in der 2. Bundesliga bei einem eher dominanten Team anders aus.

Das Fazit seiner Zeit beim SC Freiburg fällt aber sehr positiv aus. Mit fünf Saisons, in denen er mindestens zum erweiterten Stammpersonal gehörte, übertraf er alle Erwartungen, die man bei seiner Verpflichtung hatte. Eine Saison spielte er größtenteils als rechter Flügelspieler, eine Saison als zentraler Mittelfeldspieler. Er stach aber besonders dadurch heraus, dass er alle möglichen Positionen besetzen konnte. Bis auf der Torhüterposition und auf der Position des Halbverteidigers in der Dreierkette wurde er tatsächlich auf jeder anderen Position von Streich eingesetzt. In 165 Einsätzen kam er auf 13 Tore und 15 Vorlagen, erhielt 13 gelbe aber weder eine gelb-rote, noch eine glatt rote Karte.

Mike Frantz hat eindrücklich nachgewiesen, wie sehr ein durchschnittlicher Bundesligaspieler, der selten für die besonderen Momente da ist, sondern für Konstanz und Verlässlichkeit, dem SC Freiburg helfen konnte. Die Phase seiner Verletzung 2017/18 war die spielerisch schwächste in den letzten Jahren. Als er für die letzten Spiele wieder fit wurde, bemerkte man, wie sehr es hilft, wenn jemand im letzten Drittel den Ball annehmen, kurz halten und einen eher unspektakulären Pass spielen kann. Mike Frantz war zwar selten im Fokus, da seine Nebenspieler Philipp, Grifo, Petersen, Günter, Niederlechner oder Haberer immer etwas spektakulärer spielten als er, doch man wird sich an ihn als festen Bestandteil der erfolgreichen Mannschaft von 2015/16 und 16/17 erinnern.

 

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