Hinrundenfazit 2019/20: Spielerische Entwicklung

Im zweiten Teil des Hinrundenfazits 2019/20 soll es um die Entwicklung der Spielweise beim SC Freiburg gehen. Auch hier gilt, dass Spielweise und Kader eng miteinander verwoben sind. Die Spielweise bedingt die Form der Spieler, deren Stärken durch sie besser oder schlechter zur Geltung kommen, ebenso wie die Stärken der Spieler z. B. bestimmen, wie aggressiv das Pressing ist, ob der Fokus eher auf dem Umschaltspiel oder dem Ballbesitz liegt oder welche Formation man wählt. Die beiden in der Winterpause erschienenen Texte gehören zusammen.

1. Die Saisons zuvor

Ähnlich wie beim Kader ist auch die Spielweise beim SC Freiburg in der vergangenen Hinrunde ein Resultat aus den Jahren zuvor. Viele Spieler sind schon lange im Breisgau aktiv, kennen sich untereinander, kennen Christian Streich, den Rest des Trainerteams und haben sich an die Anforderungen gewöhnt. Die meisten Grundprinzipien des Freiburger Spiels sind also schon längger verinnerlicht. Das betrifft nicht nur Formationen, sondern auch Details wie die Ausführung von Einwürfen, bei denen man zumeist einen bestimmten Raum freilässt und dort in den Lauf geworfen werden soll, Pressingfallen bei Anspielen auf die Außenverteidiger, wann man ins Gegenpressing und wann man in die Rückwärtsbewegung geht, wie die Strafraumbesetzung ist, wenn Günter seine flachen Hereingaben spielt oder wie man sich bei langen Abschlägen um den Stürmer herum positioniert, damit man die zweiten Bälle gewinnt usw.

In den letzten beiden Jahren gab es aber eben auch eine starke Entwicklung bei der Flexibilität der Formationen. Nachdem Streich sein Team jahrelang fast ausschließlich im 4-4-2 aufgestellt hatte, wurde vor etwa drei Saisons etwas mit der Dreierkette experimentiert. Nach eigener Aussage wurde er wohl von Contes Italien bei der Europameisterschaft 2016 inspiriert (das müsste im Sechzehner-Podcast erwähnt worden sein). Die damalige Variante im 5-3-2 war sehr defensiv und kam nur selten zum Einsatz. In der darauffolgenden Saison gab es schon etwas mutigere Ansätze mit Schuster als zentralem Innenverteidiger, die allerdings mit der Verletzung von Frantz schnell aufgegeben werden musste (Artikel bei Spielverlagerung: https://spielverlagerung.de/2017/09/30/christian-streich-kann-auch-5-1-4/). In der letzten Saison wurde die Dreierkette dann sehr offensiv interpretiert und war meistens eine Option, wenn der SC Freiburg in Rückstand geriet. Mal funktionierte das sehr gut, mal offenbarte man zu viel Platz auf den Außen (2. Halbzeit beim 4:1 für Augsburg).
Gerade in der letzten Saison zeigte sich aber schon eine erhöhte taktische Flexibilität und das spricht meistens dafür, dass das Team recht gut eingespielt ist. Gegen Mainz stellte Streich nach 30 Minuten auf ein noch nie im Spiel ausprobiertes 3-1-4-2 um, gegen Leverkusen gab es ein ungewöhnliches 4-1-4-1 mit Höfler und Gondorf als sehr hohe Achter. Auch in der Spielweise variierte man zwischen spielerisch sehr mutigen Auftritten wie gegen Bremen und defensiv orientierten Herangehensweise wie gegen Leverkusen. Gegen Mitte der Rückrunde versuchte man dann die spielerische Komponente mit flachem Ballbesitzspiel zu betonen, was aber teilweise ziemlich daneben ging (0:5 gegen Mainz).

Man sieht also gerade in den letzten Jahren eine kontinuierliche Entwicklung und Bewegung in der Spielweise des SC Freiburg, was wahrscheinlich auch damit zu tun hat, dass der Kader und das Trainerteam halbwegs kontinuierlich zusammen arbeiten konnten. Das zahlt sich nun auch in dieser Saison aus.

2. Die Etablierung der Dreierkette

Es gibt Gründe anzunehmen, dass Streich nicht unbedingt geplant hatte, in der Hinrunde so häufig mit der Dreierkette zu spielen. Die Offensive wurde mit einigen Spielern verstärkt, wodurch eine erhöhte Konkurrenz Einzug erhielt. Sallai, Grifo, Kwon, Höler, Borrello, Jeong, Waldschmidt, Petersen, Haberer und Schmid, aber auch Ravet, Terrazzino und Kath können die vorderen Positionen besetzen. Ein System mit vier Spielern in der ersten Pressingreihe würde diese Konkurrenzsituation zumindest etwas entschärfen. So wurden die Testspiele in der Vorbereitung und das erste Pokalspiel auch im 4-4-2 bestritten. Dass Freiburg im ersten Saisonspiel gegen Mainz 05 in einem 3-4-3 agierte, hatte eher etwas mit der gegnerischen Formation zu tun. Sandro Schwarz spielte gerne mit einer Raute im Mittelfeld, die dem Sportclub letzte Saison große Probleme bereitete. Streich erklärte nach dem Spiel, dass die Dreierkette mit den breiten Flügelverteidigern um diese Raute herum spielen sollte. Das hat ja auch halbwegs gut geklappt. Und so kam die Dreierkette gegen Paderborn wieder zum Einsatz, was ebenfalls von (etwas schmeichelhaftem) Erfolg gekrönt war. Gegen den 1. FC Köln versuchte man sich kurz im 4-4-2, stellte aber schon nach 45 Minuten wieder auf die Dreierkette um.

Der Punkt, an dem sich die Dreierkette dann wohl wirklich als stabileres System dieser Hinrunde etablierte, war das 3:0 gegen Hoffenheim. Hier lief einiges sehr gut zusammen. Zunächst kam man in der Anfangsphase durch einen kontrollierten Aufbau in gefährliche Räume und schnell auch zum Führungstreffer. Danach konzentrierte man sich mehr auf das Verteidigen und Umschalten. Beides funktionierte im neuen System und so behielt man es länger bei.

3. Vorteile der Dreierkette

Der erste und sehr offensichtliche Vorteil der Dreierkette ist, dass diese Formation einigen Spielern sehr entgegenkommt. Koch, Heintz (N. Schlotterbeck) und Lienhart (Gulde) haben so etwas mehr Zeit und Raum für ihr Aufbauspiel. Das betont sehr gut ihre Stärken. Zudem kann gerade Lienhart noch etwas besser von Koch unterstützt werden, was sich sehr positiv auf seine Stabilität auswirkte.
Für Günter ist die Position des Flügelverteidigers ohnehin die beste. Er hat offensiv etwas mehr Freiräume, kann aber immer noch aus der Tiefe kommen. Zudem ist er defensiv abgesichert. Bei Schmid passt es auch sehr gut, da er vom Rechtsverteidiger bis zum rechten Flügel alles spielen kann.
Haberer und Höfler können dauerhaft im Mittelfeld präsent sein und auch Höler, Borrello und Kwon fühlen sich in der Rolle der eingerückten Außenstürmer recht wohl.
Nur Sallai und Grifo gehen in dem System nicht ganz auf. Sie sind dann doch recht klassische Flügelspieler und interpretieren die Rolle manchmal etwas zu breit. Dann gibt es Anbindungsschwierigkeiten ins Zentrum.

Neben der guten Spielereinbindung ist mit der Dreierkette auch die Positionsbesetzung im eigenen Spielaufbau besser. Da kein Mittelfeldspieler abkippen muss, ist das Zentrum doppelt besetzt. Das bindet zumindest gegnerische Pressingspieler. Günter und Schmid sind dann meistens anspielbar und können den Ball nach vorne treiben. Im letzten Drittel können die Außenstürmer den Flügelverteidigern entgegenkommen, um eine Kombination einzuleiten, aber durch das Aufrücken von Heintz und Lienhart ist meistens auch ein sicherer Rückpass möglich. So hatte der SC Freiburg in dieser Hinrunde phasenweise kontrollierten Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte. Und das gehörte bisher nicht zu den typischen Stärken.

Der nächste Vorteil wäre die Flexibilität im Pressing. Der Übergang von 3-4-3 zu 5-2-3 zu 5-4-1 ist sehr fließend. Hier geht es nur um die Höhe der Positionierung einzelner Spieler und nicht um Umstellungen. In der sehr offensiven Variante schalten sich Günter und Schmid mit ins Pressing ein und rücken vor bis zum gegnerischen Außenverteidiger. Durch starkes Verschieben der Abwehrlinie bleibt aber dennoch eine Viererkette bestehen. Wenn man in Führung liegt, kümmern sich die Außenstürmer um die gegnerischen Außenverteidiger. Man kann dann immer noch ein Mittelfeldpressing spielen, hat gleichzeitig aber eine sichere Fünferkette hinten. Überspielt der Gegner oft die erste Abwehrkette, kann sich der SC in einem sehr massiven Block (5-4-1) an den eigenen Strafraum zurückziehen. In einer solchen Spielphase hat man kaum ein Gegentor kassiert. Die Abstände sind so gering, dass Gegner nur selten in die Formation hineinspielen konnten. Und bei neun Feldspielern zwischen Ball und Tor kamen auch nur selten platzierte Distanzschüsse durch.
Weiterhin hat das Team die Dreierkette so verinnerlicht, dass weitere Detailanpassungen sie vor keine größeren Probleme stellen. Beispielsweise sieht man häufig, dass wenn ein Gegner nur mit zwei Innenverteidigern aufbaut, Petersen sich zurückfallen lässt, um den gegnerischen Sechser zu decken und die beiden Außenstürmer in vorderster Reihe pressen. Es entsteht ein 3-4-1-2. Wenn Koch als zentraler Innenverteidiger spielt, rückt er auch manchmal gegen den Ball ins Mittelfeld auf. Usw.

Durch diese Flexibilität ist in der Hinrunde insbesondere eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive entstanden. In eigenem Ballbesitz gibt es durch die drei defensiven Spieler, einen eher zurückhaltenden Flügelverteidiger und meistens Höfler eine gute Konterabsicherung. In der Strafraumverteidigung steht man sicher und im Pressing kann man dennoch meistens druckvoll agieren. Umgekehrt gelingt der Übergang vom Aufbaudrittel in die gegnerische Hälfte ebenfalls gut und die Anbindung ins Zentrum passt auch.

Das einzige wirkliche Problem im 3-4-3 ist die Strafraumbesetzung. Der Sportclub tendiert seit Jahren schon dazu, Angriffe schnell abzuschließen. Hat Günter den Ball im letzten Drittel, muss man nicht lange auf die Hereingabe warten. Da der linke Außenstürmer aber meist nah an Günter steht und das zentrale Mittelfeld nicht so schnell aufrückt, ist der Strafraum bei Flanken meistens nur doppelt besetzt. Das ist für die anderen Bundesligisten recht leicht zu verteidigen. Wenn man Gründe suchen möchte, warum Petersen manchmal etwas unauffällig wirkt, sollte man hier ansetzen.

4. Weiterentwicklung in der Saison

Das 3-4-3 scheint dem 4-4-2 etwas den Rang abgelaufen zu haben, aber die Flexibilität auch bei den Formationen blieb in der Hinrunde dennoch bestehen. Trotz einer sehr erfolgreichen Phase stellte Streich nach dem Spiel gegen Leipzig in den Partien gegen Frankfurt und Bremen wieder auf ein 4-4-2 um. Gegen Wolfsburg und Hertha gab es wieder die Dreierkette, aber in den letzten beiden Spielen der Hinrunde, die ja sehr ansehnlich waren, gab es wieder die Viererkette. Ein richtiges Stammsystem wird es in der Saison 2019/20 wohl nicht mehr geben.
Und auch die prinzipielle Ausrichtung änderte sich von Spiel zu Spiel. Gegen Gladbach und Leverkusen versuchte man die damalige Erfolgswelle zu reiten, fiel dabei aber (um im Bild zu bleiben) ins Wasser. Den beiden Gegnern kam das offensive Pressing sehr entgegen. Sie umspielten es, hatten Platz im letzten Drittel und kamen zu einigen Chancen. Gegen Hertha und Wolfsburg war der Sportclub wieder eher auf defensive Stabilität bedacht und kreierte damit zwei sehr chancenarme Spiele. Das eine wurde durch einen wunderschönen Freistoß von Schmid entschieden, das andere durch einen Distanzschuss von Darida.

Besonders interessant waren Spieltag 16 und 17. Die Partie gegen Bayern begann aus Freiburger Sicht überhaupt nicht gut. Wieder agierte man mit einem recht hohen Pressing und der Rekordmeister bespielte die vielen und großen Lücken. Nach 21 Minuten hätte es durchaus 0:3 stehen können. Durch eine Umstellung vom 4-4-2 auf ein 3-4-3 kam der Sportclub besser ins Spiel, hatte Zugriff im Pressing und schaffte es auch immer wieder das Gegenpressing der Bayern zu umspielen. Dadurch konnte Freiburg wiederum die großen Lücken des Gegners nutzen, kam zum Ausgleich und hatte sogar mehrere Chancen auf das 2:1. Es war das vielleicht beste Spiel unter Streich gegen Bayern. Insgesamt sind diese Spiele aber auch immer ein Sonderfall.

Im Spiel gegen Schalke 04 gab es aber eine Besonderheit, die vielleicht tatsächlich auf eine dauerhaftere spielerische Weiterentwicklung hindeuten könnte. Um diese herauszustellen, muss man kurz die Vor- und Nachteile des 4-4-2/ 4-2-3-1 andeuten:
Das 4-4-2 war bisher meistens sehr effektiv beim Pressing- und Umschaltspiel. Es ist leichter in diesem System vertikale und horizontale Kompaktheit herzustellen. Durch die zwei Stürmer vorne gibt es nach Ballgewinn Anspielmöglichkeiten. Auch wenn das Spiel über außen vorgetragen wird, ist das Zentrum besetzt und es können schon früh Flanken geschlagen werden.
Probleme entstehen eher beim konstruktiven Spielaufbau und der Konterabsicherung. Wenn ein Sechser abkippt, ist das Zentrum nur einfach besetzt. Das wird teilweise dadurch kompensiert, dass Grifo oder Waldschmidt in das Zentrum zurückfallen. An sich kann das ein sehr gutes Mittel sein, aber dadurch ist wieder eine andere Position nicht besetzt. Ein weiteres Problem entsteht durch die vorsichtigere Spielweise der Außenverteidiger, die nicht so gut abgesichert werden. Bisher ist es dem Sportclub nur selten gelungen im 4-4-2 phasenweise Spielkontrolle aufzubauen. Es funktionierte eben eher aus dem 3-4-3 heraus, da die Breite und das zentrale Mittelfeld damit besser besetzt sind.

Doch in der 1. Halbzeit gegen Schalke war das anders. Die Flügelspieler Grifo und Haberer positionierten sich etwas zentraler, Günter und Schmid rückten recht weit auf. Das sah beides nach Mechanismen aus dem 3-4-3-System aus, die auf das 4-2-3-1 übertragen wurden. Abgesichert wurde dies durch die etwas zurückhaltenderen Sechsern Koch und Höfler, die auch immer für einen Rückpass anspielbar waren. Normalerweise hat Freiburg im 4-4-2 den meisten Ballbesitz in einer tiefen Ballzirkulation, leitet den Angriff ein und kommt dann schnell zum Abschluss. Hier gelang es, Ballbesitz auf dem ganzen Feld aufzubauen, den Gegner nicht nur zum horizontalen Verschieben zu zwingen, sondern auch mal in dessen Formation zu spielen und dann wieder zurückzupassen. Wie gesagt, ist das eine neue Qualität. Das Passspiel aus festen Positionen heraus war lange kaum ein Thema im Breisgau. Letzte Saison schaffte man es, dies bei Rückstand im 3-4-3 teilweise einzuführen. Diese Saison funktioniert es damit besser und anscheinend auch mit verschiedenen Formationen.
Leider kann man das erste Gegentor aber auch durch diese Spielweise erklären. Es war ein Ballverlust im Zentrum, das Gegenpressing griff nicht und Freiburg fing sich einen Konter. In der 2. Halbzeit war wieder das Pressing- und Umschaltspiel dominant und Freiburg erzielte noch zwei Tore nach Ballgewinn. Dennoch ist die Entwicklung insgesamt sehr positiv. Streichs Mittel mit diesem Team werden immer mannigfaltiger und es kommen auch immer mehr anspruchsvolle Spielweisen im eigenen Ballbesitz hinzu. Der Gegner kann sich zumindest nicht mehr sicher sein, dass der Sportclub eher auf schnelle Angriffe setzt, wenn er im 4-4-2 spielt.

5. Christian Streich und die Abhängigkeit vom Kader

Wie am Textanfang schon angedeutet, war Streich jahrelang für seinen recht radikalen Ansatz bekannt. Die Spielweise wurde beim SC Freiburg fast unverändert durchgezogen: 4-4-2 mit einem „schwimmenden Neuneinhalber“, flaches Aufbauspiel, hohes Pressing und Schnellangriffe. Doch die Bundesliga gewann mit der Zeit an Flexibilität und Streich konnte mit dieser Entwicklung mitgehen. Zunächst wurde das Spiel pragmatischer. Das Pressing war nicht mehr ganz so hoch und es wurde der lange Ball eingeführt. Dann experementierte er aber auch mit verschiedenen Formationen. Oft ging es dabei um Anpassungen an den Gegner. Es sollte der Zugriff im Pressing erhöht werden. Freiburg entwickelte sich zu einer Mannschaft mit den ausgefeiltesten Defensivplänen der Bundesliga, immer individuell angepasst an jeden Gegner. Dann kamen immer mehr Elemente beim Spiel mit dem Ball hinzu, die nun auch immer Formationsunabhängiger funktionieren. Das Pass- und Positionsspiel auf höherem Niveau war vielleicht das Moment, das man Streichs Trainerteam nicht mehr so ganz zugetraut hätte. Jetzt ist es aber in deutlichen Ansätzen wahrnehmbar. Der SC Freiburg konnte und kann, in einer Bundesliga, die ihre Spielweisen ständig verändert, vor allem deswegen so lange an einem Trainer festhalten, weil sich dieser auch ständig weiterentwickelt.
Wie sehr sich Freiburg unter Streich verändern kann, zeigt vor allem eine Statistik in dieser Saison. Der Sportclub, der normalerweise die Tabelle der gelaufenen Kilometer anführt, liegt darin momentan nur auf dem 9. Platz. Auch das laufintensive Spiel, für das Streich bekannt war, ist also keine Konstante, sondern immer nur ein Mittel, um gegebenenfalls die Abstände kleinzuhalten. Wenn der Kader aber individuell besser verteidigt, muss man auch nicht so viel laufen und hat mehr Kapazitäten für andere Elemente des Spiels.

Ein Trainer kann seine Spielidee nie direkt aus dem Kopf auf den Platz bringen, sondern ist immer abhängig von den Spielern im Kader und deren Fähigkeiten. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Spielweise ist eng verknüpft mit der Kontinuität im Kader in den letzten drei Jahren. Ebenso ist das aktuell recht hohe Niveau größtenteils auf die individuellen Entwicklungen der Spieler zurückzuführen, die vom Trainerteam dann gut eingesetzt werden. Man könnte nicht so tief verteidigen, wenn man sich nicht sicher wäre, dass Schmid und Günter so viele Flanken blocken und Heintz und Koch den Rest herausköpfen werden. Man kann sich nicht flach aus dem bayrischen Gegenpressing herauskombinieren, wenn Höfler und Haberer nicht so gut in Form sind. Und ein offensives Positionsspiel ist nur möglich, wenn die Offensivspieler den Ball nicht sofort verlieren, wenn sie unter Druck gesetzt werden,

Als stärkstes neues Element könnte man die Spielverlagerungen nennen. Es ist ein Mittel, das in der Bundesliga bei den meisten Teams zum Standardrepertoire gehört, beim Sportclub aber nur selten zum Einsatz kam. Mit Koch, Haberer, Schmid, Höfler, Lienhart und Heintz hat man nun aber genug Spieler die eine Verlagerung über 40 Meter spielen können, ohne dass jede zweite davon im Aus landet. Gerade bei Koch kommen sie sogar sehr präzise an. Dass wiederum bringt Günter und Schmid häufiger in Situationen, in denen sie mehr Zeit und Raum als sonst haben. Dann können sie Angriffe einleiten oder eben kontrolliert zu einem gut positionierten Innenverteidiger zurückpassen. Beides zwingt den Gegner dazu, schnell zu verschieben. In dieser Zeit kann er keinen Druck auf den ballführenden Spieler ausüben.
Gerade an diesem Beispiel wird deutlich, wie sehr taktische Mittel von den Qualitäten der Spieler abhängen. Das Pass- und Positionsspiel, das man in Ansätzen gesehen hat, benötigt Ballsicherheit unter Druck, Passschärfe, Verlagerungen, taktische Disziplin, hin und wieder ein Dribbling oder eine Kombination und ein Verständnis für typische Abläufe der verteidigenden Mannschaft, die man ja auseinander spielen möchte.

6. Unvorhersehbare Rückrunde

Wie es nach der Winterpause weitergehen wird, ist schwer vorherzusagen. Mit Mainz, Paderborn und Köln trifft man gleich auf drei Gegner, die zwar recht weit unten in der Tabelle stehen, aber zum Ende der Rückrunde einige Punkte holen konnten. Es ist aber nicht nur unsicher, wie erfolgreich der Sportclub sein wird, sondern auch welche Formation, Strategie und Taktik er wählen wird. In der Hinrunde hat man defensive Herangehensweisen gesehen, aber auch konstruktive. Die beiden Testspiele gegen Gladbach wurden im 4-4-2 bestritten, nach Aussage von Streich wird nun aber weiter an der Dreierkette gearbeitet. Waldschmidt kommt wieder zurück und ermöglicht andere Spielweisen. Die Bank ist auch wieder besser besetzt und Streich kann durch Einwechslungen mehr Einfluss auf die Spieldynamik innerhalb der 90 Minuten nehmen. Kwon könnte für neue Elemente sorgen. Usw.

Es gibt also viele Möglichkeiten, wie das Spiel des SC Freiburg aussehen wird. Das einzige, was dabei recht sicher scheint, ist, dass man mehr als eine Variante in der Rückrunde sehen wird. Die neue Freiburger Kontinuität ist wohl die flexible, unvorhersehbare Spielweise und Formation.

 

 

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