Hinrundenfazit 2019/20: Kaderanalyse

1. Einleitung

Zu Spielplan, Chancenverwertung, expected Goals und der Frage nach der Gewichtung von Glück beim SC Freiburg in der Saison 2019/20 wurde allgemein und auch auf diesem Blog schon genug geschrieben. Da sich aber ohnehin erfahrungsgemäß eher die Leistungen den Ergebnissen anpassen und nicht die Ergebnisse den Leistungen (Tobias Escher beim Rasenfunk), wird dieser Teil des Hinrundenfazits fast vollständig ausgeklammert (Näheres dazu hier und hier).
Deutlich spannender als die „Frage nach dem Glück“ sind ohnehin die Gründe für einen ohne Frage verbesserte Leistung des Sportclubs Freiburg. Dazu wird es in der Winterpause auf dem Blog zwei Texte geben. Dieser hier behandelt den aktuellen Kader. Nach 17 Spieltagen haben sich auf einigen Positionen Trends deutlicher herausgestellt und es ist Zeit die einzelnen Mannschaftsteile noch einmal grundsätzlich durchzugehen. Der zweite Text wird voraussichtlich die spielerische Entwicklung insgesamt beleuchten. Allerdings muss man im Hinterkopf behalten, dass sich die beiden Momente Kader und Spielweise in der Wirklichkeit nicht sauber voneinander abgrenzen lassen, eine Darstellung dieser Gleichzeitigkeit aber sehr mühsam wäre.

2. Kaderentwicklung seit dem Aufstieg

Der Kader der Hinrunde 2019/20 ist Produkt einer guten Planung in den letzten Jahren. Nach dem Abstieg 2014/15 gab es einen größeren Umbruch. Seitdem konnten allerdings einige Spieler lange in Freiburg gehalten werden, die nun den Kern des Teams darstellen. Höfler, Günter, Petersen, Schwolow und Haberer sind seit mehr als drei Saisons Stammspieler. Nach dem Aufstieg gab es in der Transferperiode 2017 zwar mit Grifo und Philipp zwei Abgänge, die man nicht sofort ersetzen konnte, aber auch hier blieb noch genug Substanz übrig, den Kader kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Die wesentlichen Abgänge in diesem Zeitraum waren von hoher Qualität, aber insgesamt nicht so zahlreich:
2016/17: –
2017/18: Philipp und Grifo
2018/19: Söyüncü und Kempf
2019/20: Niederlechner und Kleindienst

Die wesentlichen Neuzugänge seit dem Aufstieg lauteten:
2016/17: Söyüncü, Gulde und Haberer (fest verpflichtet)
2017/18: Koch, Lienhart und Niederlechner (fest verpflichtet)
2018/19: Waldschmidt, Sallai, Heintz, Flekken und Lienhart (fest verpflichtet)
2019/20: Grifo, Schmid und Kwon
Keven und Nico Schlotterbeck haben zudem noch den Sprung zum Bundesligaspieler geschafft.

(Gondorf, Schuster, Gikiewicz, Mitrovic, Guédé usw. habe ich nicht vergessen, nur aufgrund der Übersichtlichkeit weggelassen.)

3. Der Kader der Hinrunde

Das Resultat der letzten Transferperioden und der Entwicklung einzelner Spieler ist ein recht großer Kader, der auf den ersten 16-19 Plätzen für Freiburger Verhältnisse sehr gut besetzt ist. In dieser Wintertransferperiode wird er wohl verkleinert, da Terrazzino (bereits nach Dresden verliehen), Ravet und Kath bisher noch gar nicht berücksichtigt wurden. Und auch die beiden Neuzugänge Itter und Jeong (zu Beginn der Rückrunde noch mit der Nationalmannschaft unterwegs) hatten es schwer. Die Auswirkungen der Kadergröße waren aber überwiegend positiv. Insgesamt 20 Spieler kamen auf fünf und mehr Einsätze, 17 davon wurden sogar neunmal und häufiger eingesetzt.
Doch nun zu den einzelnen Positionen.

Die Torhüter:
Mit Alexander Schwolow setzt der SC Freiburg seine jüngere Tradition der guten Bundesligatorhüter fort. Er macht nur selten Fehler, hat häufig ein sauberes Stellungsspiel, ist gut auf der Linie und wenn er einen langen Ball abfangen muss, hat er ihn auch ziemlich sicher. Mit dem Ball am Fuß gehört er im Bundesligavergleich zu den besseren Torhütern. Diese Fähigkeiten sind auch seit dem Aufstieg bekannt.
Etwas überraschend hingegen waren die Leistungen des Ersatzkeepers Flekken, der die letzten zehn Partien zwischen den Pfosten stand. Besonders seine parierten Großchancen stachen ins Auge. In den Spielen gegen Bremen und Leverkusen war er maßgeblich daran beteiligt, dass der Sportclub jeweils einen Punkt holen konnte. Auf längere Sicht ist es aber fast noch wichtiger, dass auch sein Spiel mit dem Ball am Fuß den Ansprüchen der Bundesliga genügt. Als Schwolow bei seiner letzten Verletzungspause von Gikiewicz ersetzt wurde, musste der Sportclub den Spielaufbau umstellen. Flekken kann aber recht ähnlich eingebunden werden wie der Stammtorhüter, auch wenn er dabei vielleicht manchmal etwas zu viel Risiko dabei eingeht.
Um die Sache abzuschließen: Schwolow ist fit und wird in der Rückrunde wahrscheinlich wieder zwischen den Pfosten stehen. Bei einem potenziellen Abgang oder einer erneuten Verletzung müssen sich Fans des SC Freiburg aber keine großen Sorgen machen. Flekken ist ein hervorragender Ersatz mit den Fähigkeiten zur Nummer 1.

Die Innenverteidigung:
In den ersten 19 Spielen kamen alle fünf Innenverteidiger zum Einsatz, was für ein gutes Grundniveau auf dieser Position spricht (gegen Dortmund spielte sogar Kübler in der Dreierkette). Insgesamt ist die linke Seite vielleicht etwas stärker besetzt als die rechte. Heintz hat es geschafft seine Stärken aus der letzten Saison (klärende Aktionen defensiv, gute Diagonalbälle offensiv) zu konservieren und gleichzeitig seine kleineren Aussetzer abzustellen. Intern darf er sich aber auch keine Formschwankungen mehr erlauben, da Nico Schlotterbeck bei seinen Einsätzen überzeugt hat. Er ist schnell, hat präzise Tacklings und ein sehr anspruchsvolles Aufbauspiel (Verlagerungen, Dribblings, Schnittstellenpässe). Ob er das auch konstant über 15 Spiele am Stück abrufen kann, wird sich zeigen.
Die rechte Seite ist mindestens solide. Bei Lienhart, dem man sicherlich noch eine Steigerung zutraut, versammeln sich eher die spielerischen Fähigkeiten und offensives Spielverständnis. Gulde hat hier zwar Fortschritte gemacht, besticht aber dennoch überwiegend durch defensive Zuverlässigkeit.

Robin Koch ist das Herz der Defensive in dieser Mannschaft. Seine Fähigkeiten decken alle Qualitäten ab, die von einem Innenverteidiger gefordert sind. So ist es auch kein Zufall, dass er sogar von Löw in der Innenverteidigung eingesetzt wurde und selbst als Sechser hat er sich verbessert. Ich fange lieber gar nicht an weiter über diesen Innenverteidiger zu schreiben, sonst fallen noch ambitionierte Vergleiche mit Ginter oder hochtrabende Spekulationen zu Kochs Zukunft. Es ist schön so einen Spieler beim Sportclub zu sehen, aber selbstverständlich ist es nicht.

Die Außenverteidigung:
Mit Günter und Schmid hat man gerade in einem System mit Dreierkette ziemlich optimale Besetzungen. Günters Entwicklung geht langsam, aber kontinuierlich voran. Und das seit Jahren. Seine Flanken werden präziser und defensiv ist er auch etwas sicherer geworden, was aber auch an einer besseren Absicherung um ihn herum liegt. Zusätzlich hat er es tatsächlich geschafft, zu einem guten Standardschützen für indirekte Freistöße aus dem Halbfeld und Ecken zu werden. Damit hätte man vor drei Jahren nicht mehr gerechnet. Günter erzielte ein Tor und gab sechs Vorlagen.
Schmid kann man im Nachhinein als den wichtigsten Neuzugang bezeichnen. Bis auf das Spiel gegen die Bayern, das er aufgrund einer Verletzung verpasste, war er immer auf dem Feld. In der Rückwärtsbewegung scheint er zwar manchmal etwas langsam zu sein (Diaby, Rashica, Mamba), hat aber kein so schlechtes Stellungsspiel. Offensiv füllt er seine Rolle optimal aus, rückt in den richtigen Momenten mit auf, schlägt gute Flanken, kann nach innen ziehen und tritt hervorragende direkte Freistöße. Er erzielte sogar vier Tore, gab aber nur eine Vorlage.

Dennoch ist die Außenverteidigung eine potenzielle Schwachstelle, da die Ersatzspieler fehlen. Auf der linken Seite weiß man nicht, wie man Itter einschätzen kann und Nico Schlotterbeck wäre dort eher ein Kompromiss. Auf der rechten Seite ist Kübler schon lange verletzt. Gegen die Bayern musste Frantz zunächst Rechtsverteidiger spielen und in Rückstand nach einer Umstellung auf die Dreierkette versuchte es Streich mit der sehr offensiven Variante Kwon. Günter und Schmid sind also nur schwer zu ersetzen.

Das zentrale Mittelfeld:
Auf dieser Position stellt sich meistens nur die Frage: Wer spielt neben Höfler? Auch er hat alle 17 Spiele bestritten und zeigt sich in guter Form. Durch die verbesserten Qualitäten im Aufbauspiel der Innenverteidiger muss er seltener abkippen und spielt offensiv eher die Rolle des Verbindungsspielers, wodurch er auch häufiger spektakuläre Szenen hat als in den Saisons zuvor. Das Spiel gegen die Bayern wäre dabei als Erstes zu nennen.
Zu Saisonbeginn teilten sich Gondorf und Frantz die Rolle neben ihm. Letzterer zeigte auch keine schlechten Leistungen, rückte aber mit der Zeit mehr und mehr in den Hintergrund. Gondorf und Abrashi konnten diese Lücke nicht ausfüllen. Meistens wurde Haberer zurückgezogen, manchmal rückte Koch eine Position vor. Diese Besetzung des Zentrums mit polyvalenten Spielern ist nur schwer zu bewerten. Man fragt sich, ob es nicht besser wäre, wenn sich ein Pärchen auf dieser wichtigen Position festspielt. Andererseits ermöglicht diese Besetzung dem Trainerteam viele Varianten, um von Spiel zu Spiel oder sogar innerhalb der Partie das System zu wechseln. Mit Koch und Haberer auf dem Feld kann man fast alle gängigen Formationen des Sportclubs spielen lassen.

Die Flügel:
Auf den Flügelpositionen konnte man vor der Saison die größten Veränderungen erwarten. Sallai galt durch seine Verletzung in der Vorsaison praktisch als interner Neuzugang. Ähnliches gilt für Borrello. Zusätzlich wurden Kwon und Grifo fest verpflichtet.
Allerdings wurde die Flügelposition in dieser Hinrunde doch von einem ganz anderen Spieler dominiert. Lucas Höler, der für viele wohl nur als Stürmer Nummer drei galt, wurde in allen Spielen eingesetzt. Im 4-4-2 war er zwar häufiger die zweite Spitze, doch im 3-4-3 besetzte er die Außenstürmerposition links oder rechts. Wie gewohnt hat Höler seine Stärken im Spiel gegen den Ball. Zweikämpfe, Balleroberungen und auch das lenkende Anlaufen, was in Freiburg wichtig ist, hat er im Vergleich zu seinen Kollegen auf dieser Position besser verinnerlicht. In dieser Saison konnte er sich aber auch offensiv zeigen, verlor den Ball nicht mehr so schnell, kombinierte manchmal mit Günter und zeigte ein paar schöne Läufe hinter die letzte Kette. Somit ist er momentan auch gemeinsam mit Petersen der beste Scorer des Sportclubs: vier Tore und vier Vorlagen. In der letzten Saison blieb er bei vier Scorerpunkten (vier Tore, keine Vorlage).

Grifo und Sallai hatte man wahrscheinlich häufiger auf dem Feld erwartet. Gerade zu Beginn der Saison saßen beide meist nur auf der Bank. Das lag auch an der Umstellung auf das 3-4-3, wo es eben nur drei offensive Spieler gibt und neben dem Stürmer eher Haberer und Höler spielten. Teilweise erhielt auch Borrello aufgrund der guten Vorbereitung seine Chancen. Nachdem Haberer dann aber zurückgezogen wurde und Waldschmidt sich verletzt hatte, spielten Grifo und Sallai eine immer größere Rolle, da ihre Fähigkeiten im „eins-gegen-eins“ dringender gebraucht wurden. Beide werden auch in der Rückrunde ziemlich sicher auf ihre Spielzeit kommen.

Wäre da noch ein Spieler, den man bisher nur selten auf dem Platz gesehen hat, der aber dafür schon ziemlich viele eindrückliche Szenen zeigte. Chang-hun Kwon stand einmal in der Startaufstellung (gegen Köln) und wurde achtmal eingewechselt. Insgesamt spielte er nur 161 Minuten. Allerdings konnte er gerade in den letzten beiden Spielen gegen Schalke und Bayern einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Er ist als Spielertyp für den SC Freiburg ziemlich ungewöhnlich, was ihn auch so interessant macht. Kwon ist schnell in seinen Bewegungen und schnell im Kopf. Dazu hat er eine sehr enge Ballführung und offensichtlich einen guten Schuss. (Seine Handlungsschnelligkeit erinnert an Philipp, der manchmal auch seine eigenen Mitspieler überraschte.)
In der Szene, die gegen Schalke zum Strafstoß führte, kommen seine Stärken ganz gut zusammen. Er schoss an den Innenpfosten, von wo aus der Ball durch den Strafraum wieder in seine Richtung zurücksprang. Mascarell war zuerst am Ball und versuchte diesen an Kwon „vorbeizuspitzeln“. Kwon konnte den Ball aber abfangen und wurde von Miranda gestellt. Er erkannte, dass Mascarell die Innenbahn blockierte und legte den Ball links vorbei an Miranda, der wiederum mit den schnellen Bewegungen Kwons nicht mitkam und ihm, beim Versuch den Ball zu spielen, auf den Fuß trat. Strafstoß.
Dass Kwons schnelle Bewegungen nicht nur gut fürs Dribbling, sondern auch bei Balleroberungen sind, konnte man gegen Bayern sehen. Vor dem Ausgleichstreffer versuchte Davies den Ball an Kwon vorbei zu Perisic zu spielen. Kwon streckte schnell das Bein heraus und hatte den Ball. Im letzten Drittel angekommen, konnte er den Ball auch noch gegen Perisic und Davies behaupten und auf Haberer ablegen, dessen Flanke dann von Grifo „verwandelt“ wurde.
Was die Schnelligkeit im Kopf angeht, wurde dies in der 69. Minute gegen Schalke deutlich. In einer eigentlich statischen Szene erkannte Kwon, wie hoch die Schalker Abwehr stand und Höler gute Chancen in einem Laufduell gegen Kabak hätte. Als ein halbhoher Pass von Heintz kam und gleichzeitig ein Schalker Spieler Kwon pressen wollte, nahm er den Ball volley und passte hinter die letzte Kette. Höler vergab die Gelegenheit zum 1:3.

Dennoch ist es auch nachvollziehbar, warum Kwon noch nicht mehr Einsatzzeiten bekommen hat. Seine Konkurrenz ist gut in Form und er hat noch ein paar taktische Probleme im systematischen Verteidigen. Beispielsweise beim 1:2 gegen die Bayern zieht er sich zu schnell aus der Szene heraus. Zusätzlich hat er durch seine geringe Körpergröße auch Nachteile. Wenn ein Gegenspieler seinen Körper gut einsetzt, kann er ihn leicht abdrängen.
Verfolgt man aber die Pressekonferenzen, häufen sich eher Anzeichen für mehr Spielzeit in der Rückrunde. Streich betonte schon häufig seine Fähigkeiten, sagte zu Beginn sogar, die Mitspieler müssten sich erst daran gewöhnen, wie schnell Kwon Entscheidungen treffe, da sie die Pässe sonst überraschen würden. Das Problem war bisher, dass Streich aufgrund der vielen Länderspielreisen nicht genug mit ihm Arbeiten konnte.
Andererseits bleibt die Konkurrenz weiterhin groß und hat eben auch Qualitäten. Neben Kwon gibt es ja auch Sallai, Grifo, Höler, Borrello und Haberer, die auf den beiden Flügel spielen können. Diese Position ist für Freiburger Verhältnisse ungewöhnlich gut besetzt.

Der Sturm:
Zwei Spieler, die als Sturmspitze in den letzten Jahren aufgelaufen sind, haben den Verein in diesem Sommer verlassen. Nach den Abgängen von Niederlechner und Kleindienst, die aktuell in ihren neuen Teams wichtige Rollen einnehmen, blieben noch Petersen, Höler und Waldschmidt.
Petersen war trotz seiner sieben Tore in den letzten Spielen nicht ganz so auffällig, was aber auch an seinem leicht veränderten Aufgabenbereich liegt. Da der Sportclub weiterhin viele lange Bälle spielt, muss er einige Kopfballduelle bestreiten. Petersen ist kein Andersson oder Haller. Kopfballverlängerungen wie beim ersten Tor der Saison (Vorlage für Höler gegen Mainz) gelingen ihm nur selten. Meistens reicht es nur dafür, dass die Gegenspieler keine saubere Abwehr hinbekommen und Höfler, Haberer oder Koch den zweiten Ball aufsammeln können. Eine undankbare Rolle für den Stürmer.
Und auch eine zweite Aufgabe führt dazu, dass Petersen gefühlt etwas „abtaucht“. Im 3-4-3 gibt es nur einen Stürmer, der aber die gegnerischen Innenverteidiger binden muss. Damit nimmt er sich selbst häufig aus dem Spiel, um Platz für das Mittelfeld zu schaffen.
Dennoch kreierte Petersen einige Momente, in denen er praktisch aus dem nichts Tore erzielen konnte. Exemplarisch wäre das Tor gegen Frankfurt, bei dem Petersen sich aus dem Sichtfeld des Abwehrspielers schleicht. Auch das Tor gegen Bremen nach der Balleroberung gegen Pavlenka sollte man nicht vergessen. Und wie gesagt, sind sieben Tore in der Hinrunde kein schlechter Wert.

Sollte Petersen ausfallen und man möchte ähnliche Qualitäten im Spiel beibehalten, wäre Höler wohl der „natürliche“ Ersatz. Gegen den Ball läuft er viel und kann eben auch Gegenspieler binden.
Waldschmidt spielt eine andere Rolle. Er lässt sich häufig zurückfallen und hat seine Stärken vor allem mit dem Ball am Fuß. Wenn er mit dem Ball in Richtung Tor läuft, hat er durch seine Fähigkeiten praktisch alle Optionen: Dribbling, Distanzschuss, Kombination. Sein Ausfall nach dem Zusammenprall mit dem Weißrussischen Torhüter war nicht zu kompensieren. Bei seinen 10 Einsätzen in der Bundesliga hatte der SC Freiburg einen Punkteschnitt von 2,0. In den sechs Spielen nach seiner Verletzung, gab es zwar noch gute Spiele gegen gute Gegner, aber nur noch einen Sieg (gegen Wolfsburg). Ähnlich wie bei Robin Koch ist Waldschmidt ein Spieler, der das Freiburger Spiel auf ein anderes Niveau hebt. Er wird die Vorbereitung im Winter aber wohl vollständig mitmachen und so kann man sich auf ein weiteres halbes Jahr freuen, in dem Luca Waldschmidt beim SC Freiburg spielt.

Im Prinzip ist die Stürmerposition mit Waldschmidt und Petersen ausreichend besetzt. Auch beim 4-4-2 mit einem Doppelsturm harmonieren die beiden ganz gut. Dennoch kann Streich einen von beiden auf die Bank setzen und Höler oder auch Haberer vorne bringen.

4. Gesamtbewertung des Kaders

Die Positionen Torhüter, Innenverteidigung und Sturm sind quantitativ recht klassisch besetzt und haben für Freiburger Verhältnisse eine hohe Qualität. Die Außenverteidigung ist in der Spitze sehr gut, es fehlt aber an Alternativen. Obwohl man festhalten muss, dass dies ein klassisches Freiburger Problem ist. Wenn Günter fit ist, kann er ohne Probleme 34 Spiele in der Saison bestreiten. Jahrelang hatte man überhaupt keinen richtigen Ersatz für ihn. Mit Itter und Nico Schlotterbeck sieht das nun besser aus. Wenn Kübler fit wird, gibt es auf rechts auch kein Problem.
Etwas unorthodox ist die Besetzung im Zentrum. Bei Gondorf, Frantz, Tempelmann und Abrashi ist es schwer abzuschätzen, inwiefern sie Kandidaten für 10 Spiele oder mehr in der Rückrunde sind. Haberer und Koch werden diese Position wahrscheinlich ausfüllen. Dann bleibt es bei der flexiblen Herangehensweise, je nach System und Ausrichtung die Position neben Höfler zu besetzen.
Im offensiven Mittelfeld gibt es ein Überangebot. Da Einwechslungen im Spiel allerdings häufig auf diesen Positionen vollzogen werden, können hier mehrere Spieler auf ihre Einsatzzeit kommen. Im Gegenteil ist es eher ein Problem, wenn diese offensiven Impulse von der Bank fehlen.

Vor der Saison war man sich unsicher, wie sich der große Kader auswirken würde. Nach 17 Spielen zeigen sich aber vor allem die positiven Aspekte wirkmächtig. Einige Spieler wurden ausgeklammert (Ravet, Terrazzino, Kath, Jeong und am Ende auch Gondorf) und so entstand ein Pool von etwa 17-20 Spielern, die zu Einsätzen kamen. Gerade die verbesserte Qualität auf den Kaderplätzen 12-17 halfen einerseits die Bank mit guten Spielern zu besetzen, andererseits die Verletzungen zum Ende der Hinrunde zu kompensieren.

Man kommt wirklich kaum an einem ausgesprochen positiven Gesamtfazit vorbei. Der Kader ist auf fast jeder Position in der Breite gut besetzt und hat zudem noch einige Highlights. Da wären insbesondere die beiden Nationalspieler Koch und Waldschmidt zu nennen. Daneben kommen mit Grifo, Günter, Schmid und Petersen noch weitere Spieler hinzu, die ein Spiel entscheiden können. Heintz, Haberer, Höler, Höfler und Gulde sind sehr zuverlässig und gerade alle recht gut in Form, Lienhart und N. Schlotterbeck sind Talente, die aber schon gut genug für die Bundesliga sind. Von Kwon und Sallai, erwartet man noch eine Entwicklung und mit Jeong, Tempelmann und Itter gibt es zwei junge Spieler, die den Sprung noch schaffen können.

Man kann sich wirklich auf die Rückrunde freuen.

(Für die Pessimisten unter den Lesern und zur allgemeinen Einordnung sei aber noch erwähnt, dass der SC Freiburg eben in der 1. Bundesliga spielt und die meisten Konkurrenten ebenfalls viele und oft sogar mehr richtig gute Spieler in ihren Teams haben. Man darf sich das letzte Spiel gegen Schalke in Erinnerung rufen, bei dem eine gute Leistung auch nur für ein Unentschieden gereicht hat und man auch hätte verlieren können. Zusätzlich gibt es immer die Gefahr von Verletzungen. Ausfälle von Koch, Günter, Schmid, Waldschmidt, Höfler und Petersen würden alle auf ihre Art ein gewisses Problem darstellen, für das man nicht so leicht eine gute Lösung finden kann. Wenn sich die Hinrunde auch nur annähernd wiederholen sollte, muss einiges zusammenkommen, besonders das Ausbleiben von zu vielen Verletzungen.)

 
 
 
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