Hertha BSC – SC Freiburg 1 : 0


1. Aufstellung und taktische Herangehensweise

Aufstellung und Herangehensweise wurden gegenüber dem letzten Spiel gegen Wolfsburg nicht verändert. Gegen den Ball agierte der SC Freiburg meistens in einem recht passiven 5-4-1. Erst wenn die Abstände stimmten und die Herthaner nicht so viel Anspielmöglichkeiten hatten, rückten die drei Stürmer etwas weiter heraus.

    Petersen    
  Höler   Sallai  
  Höfler   Haberer  
Günter       Schmid
  Heintz Koch Gulde  
    Flekken    

Da die blau-weißen Berliner ebenfalls recht passiv im 4-4-2 verteidigten, hatte Freiburg Ruhe im Aufbauspiel. Die drei Innenverteidiger konnten sich den Ball zuschieben und bauten das Spiel dann meistens über die Außen (eher über Schmid) auf.

2. Die erste Halbzeit

Freiburg kam schon in den ersten 45 Minuten auf 56% Ballbesitz, doch in der Anfangsphase deutete sich ein ganz anderer Spielcharakter an. Die personell eher offensiv aufgestellte Mannschaft von Hertha übernahm das Spiel, während Freiburg tief stand und konterte. Schon die zweite Umschaltsituation führte zu einer gelben Karte von Boyata, als Sallai fast an ihm vorbeigekommen wäre. Nachdem der SC Freiburg aber auch mal häufiger in Aufbausituationen kommen konnte, wurde deutlich, dass auch die Hertha nicht sofort den Ball wiederhaben wollte.
Im Verlauf dieser ersten Halbzeit zeigte sich, warum Klinsmann und Streich weniger auf Spielkontrolle aus waren. Keine der beiden Teams schaffte es, systematisch aus dem eigenen Aufbau heraus gefährlich zu werden. Freiburg versuchte es mit langen Bällen hinter die Kette, die aber nur selten ankamen. Bei der Hertha sah man sogar noch deutlicher die Verunsicherung im Spielaufbau. Obwohl der Sportclub vergleichsweise selten hoch anlief, hatten die Stürmer sehr viele Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Diese Situationen wurden aber nicht gut ausgespielt. Das war wahrscheinlich auch das Hauptproblem an diesem Nachmittag. Die erhofften Balleroberungen waren da (viel häufiger als in den letzten Spielen), doch die Kombinationsstärke mit starker Tororientierung im letzten Drittel, die man in dieser Hinrunde sooft sehen konnte, blieb aus.

Auf der anderen Seite gelang dies Hertha zumindest zweimal. Einmal eroberte Dilsrosun den Ball und konnte über fast 60 Meter bis in den Strafraum laufen und aus spitzem Winkel abschließen. Ein anderes Mal nutzte Selke einen Stellungsfehler von Gulde nach einer Halbfeldflanke, nahm den Ball sehenswert mit der Brust an, traf ihn dann aber nicht voll mit dem Fuß.

3. Die zweite Halbzeit

Systematisch änderte sich nach der Pause bei beiden Teams nichts, doch Hertha erwischte wieder den etwas besseren Start und holte zumindest mal zwei Ecken heraus. Schüsse in Richtung Tor fehlten aber auf beiden Seiten – zumindest bis zur 53. Minute: Dann umspielte Darida mit einem Doppelpass die Mittelfeldkette des SC Freiburg und kam relativ unbedrängt und zentral (aber aus etwa 25 Metern) zum Schuss. Er traf den Ball perfekt und dieser landete neben dem Pfosten im Tor. Flekken konnte man dabei keinen Vorwurf machen.

Nach dem Rückstand brachte Streich Grifo für Sallai und der Sportclub rückte unverzüglich weiter heraus. Günter und Schmid orientierten sich im Pressing nicht mehr an Dilrosun und Lukebakio, sondern liefen durch auf die Außenverteidiger. Allerdings gab es auch nicht mehr besonders viele Aufbausituationen der Hertha. In der zweiten Halbzeit hatte Freiburg 69% Ballbesitz in den letzten 15 Minuten sogar knapp über 70%. Der Sportclub kam gut ins letzte Drittel, dort aber aus dem Spiel heraus nicht zu Abschlüssen. Hertha brachte viele Spieler zwischen Ball und Tor, konnte zuverlässig die Flügel doppelt besetzen und dahinter noch gut absichern. Das horizontale Verschieben in einem recht kompakten 4-4-2 war eine der wenigen Stärken des Gegners an diesem Tag. Immerhin entstanden durch die Angriffe ein paar Eckstöße, die schnell hätten zum Ausgleich führen können. In der 57. Minute köpfte Koch nur knapp vorbei, in der 59. Minute klärte Jarstein kurz vor Höler, der am langen Pfosten gelauert hatte und in der 60. Minute eroberte der Sportclub einen Klärungsversuch nach Ecke und Gulde setzte den Ball aus 16 Metern über das Tor.

Der Sportclub schaffte es allerdings nicht den Druck noch weiter zu erhöhen, während die Herthaner immer mehr Vertrauen in ihre defensiven Fähigkeiten entwickelte. Trotz viel Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte und dem Glück, dass Hertha einige Kontersituationen nicht optimal ausspielte, ergaben sich kaum noch klare Chancen in einem Spiel auf vergleichsweise insgesamt niedrigem Niveau. Beide Teams machten einige Fehler, die aber nur selten ausgenutzt wurden. In bisher noch keiner Partie wurde das Fehlen von Luca Waldschmidt so deutlich wie in diesem.


Hertha gewann das Spiel gegen Freiburg ähnlich wie Freiburg letzte Woche das Spiel gegen Wolfsburg. Mit einer defensiven Herangehensweise wurden die offensiven Stärken des Gegners neutralisiert (beim SC: Angriffe über außen), eigene Chancen sollten aus Balleroberungen resultieren und das Tor wurde dann durch einen wunderschönen Distanzschuss erzielt. Nach dem Spiel gegen Köln, war es aus Freiburger Perspektive vielleicht das erste, in dem man die Schwächen des Gegners nicht optimal ausnutzen konnte.

Zumindest war es der letzte Besuch in Berlin in dieser Saison, wo der Sportclub bisher die Hälfte seiner Niederlagen hinnehmen musste.

4. Das Ende der Hinrunde

Die letzten Spiele deuten darauf hin, dass der Sportclub so langsam eine Pause bräuchte. Gegen Gladbach und Leverkusen schaffte man es nicht mehr, die zuvor so gute Kompaktheit über 90 Minuten aufrechtzuerhalten. Dass es in diesen beiden Spielen „nur“ fünf Gegentore und immerhin einen Punkt gab, kann schon als glücklich bezeichnet werden. Die Spiele gegen Wolfsburg und Hertha waren defensiv zwar recht stabil, aber dafür wurde in beiden Partien die Szenen nach Balleroberung nicht so gut ausgespielt. Hier scheiterte es meist nur an Details, aber genau das hatte der Sportclub lange Zeit in der Hinrunde sehr gut hinbekommen. Das letzte Tor aus dem Spiel heraus erzielte Petersen gegen Frankfurt. Die gute Balance zwischen Offensive und Defensive geriet in den letzten vier Spielen etwas aus dem Gleichgewicht. Dennoch konnte man vier Punkte mitnehmen und belegt in der Tabelle immer noch den 6. Platz.

Die Verletzten Lienhart (der zugegeben zu Saisonbeginn noch besser war), Kübler und Waldschmidt würden in der aktuellen Situation wahrscheinlich helfen. Die bessere Einbindung von Kwon (und ein bisschen auch von Sallai) könnte in der Rückrunde für interessante Alternativen sorgen. Nicht zuletzt hat man ein bisschen das Gefühl, dass Koch und Heintz etwas überspielt wirken. Die Winterpause kommt also gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Was einen für die letzten beiden Spielen vor Weihnachten aber dennoch positiv stimmen kann, ist, dass die Ausgangssituationen nicht mehr so kompliziert sein werden. Gegen Wolfsburg und Hertha kam es sehr auf die Balance an. Man musste in eigenem Ballbesitz und gegen den Ball, bei Umschalt- und Aufbausituationen und bei gegnerischen Umschaltsituationen, Lösungen finden, defensiv stabil bleiben und offensiv gefährlich werden. Zu Hause gegen Bayern und auswärts bei Schalke werden die Rollen klarer verteilt sein. Der Sportclub kann sich auf seine Stärke zurückziehen, gute Pressingpläne zu entwickeln und mal wieder versuchen „die Großen zu ärgern“. Bisher konnte nur Gladbach als klarer Favorit gegen Freiburg gewinnen. Mal sehen, ob Bayern und Schalke das auch schaffen werden. Der Rekordmeister kam in der letzten Saison gegen Freiburg ohnehin nur zu zwei Punkten. In dem Hinspiel verwechselte Nico Kovac bei der Pressekonfenrenz noch Höler mit Waldschmidt. Spätestens nach dem Rückspiel müsste der Name Höler in München aber angekommen sein.

 

 

 
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