FSV Mainz 05 – SC Freiburg 1 : 2


1. Aufstellung

Schwolow kehrte ins Tor zurück. Da Streich in einer Dreierkette antreten wollte und Koch dort die beste Option als zentraler Innenverteidiger darstellt, ersetzte Abrashi den gelbgesperrten Höfler und spielte neben Haberer im zentralen Mittelfeld. Zusätzlich spielte Kwon, der gegen Bayern und Schalke sehr auffällige Einsätze als Einwechselspieler hatte, für Vincenzo Grifo.

  Höler Petersen Kwon  
Günter Abrashi   Haberer Schmid
  Heintz Koch Gulde  
    Schwolow    


2. Das Spiel

In der Spielanlage gab es wenig Neues beim SC Freiburg zu beobachten. Beim Stand von 0:0 war die Spielanlage gewohnt flexibel: Kontrollierter Aufbau mit Diagonalbällen von Koch, wenn der Gegner nicht so hoch presste, lange Bälle auf Petersen, wenn man unter Druck geriet, drei Spieler im Pressing, wenn es drei Aufbauspieler gab, sonst blieb Petersen im Mittelfeld, hohes Pressing, wenn man Zugriff erzeugen konnte, tieferes Pressing, wenn der Gegner schnell verlagerte.
Es ergab sich, dass beide Teams recht vertikal spielten. Gerade die Mainzer brachten regelmäßig den Ball von Hack (linker Innenverteidiger) diagonal auf Öztunali (rechter Flügel), der sich zwischen Günter und Heintz positionierte. Eine weitere Auffälligkeit der Mainzer bestand darin, häufig aus der Distanz zu schießen. Das können sie auch recht gut, wie man aus den vergangen Spielen weiß, aber Schwolow war hier immer zur Stelle.

Keines der beiden Teams kam häufig kontrolliert ins Mittelfeld. Dies war eher der Raum für den Kampf um die zweiten Bälle oder riskante Anspiele. Wurde hier ein Ball klar für sich entschieden, konnten von dort aus meistens gute Angriffe eingeleitet werden. In diesem Duell gewann niemand so richtig die Oberhand, aber es entstanden dort die wichtigen Szenen der ersten Halbzeit:

  • In der 26. Minute verlor Abrashi beim Aufbau den Ball im Mittelfeld. Mateta konnte am Strafraum angespielt werden, behauptete sehenswert gegen zwei Freiburger den Ball, scheiterte aber an Schwolow.
  • In der 28. Minute eroberten Abrashi, Kwon und Haberer den Ball im Mittelfeld. Höler kam zentral in Ballbesitz und schickte Petersen auf dem rechten Flügel in die Tiefe. Der Mittelstürmer hob vor der Hereingabe den Kopf, sah, dass Kwon in Richtung kurzen Pfosten lief und spielte den Ball halbhoch dorthin. Kwon traf den Ball im Sprung ins Tor.
  • Fast direkt nach dem Anstoß griff Mainz über die rechte Freiburger Seite an. Mateta grätschte schlussendlich knapp an der flachen Hereingabe vorbei.
  • In der 41. Minute gab es eine Ecke für Freiburg, die von Zentner abgefangen wurde. Der Mainzer Torhüter machte das Spiel mit einem weiten Abwurf schnell. An der Mittellinie konnte Abrashi mit robustem Körpereinsatz den Konter abfangen. Im direkten Gegenzug spielte Günter einen Steckpass auf Gulde in den Sechzehner, der überlupfte Zentner, Niakhaté hielt den Ball kurz auf, aber Petersen staubte ab.

In diesen vier Szenen kam der Spielcharakter der ersten Halbzeit sehr gut zum Ausdruck. Die Partie verlief recht ausgeglichen, aber in den entscheidenden Momenten war der Sportclub effizienter. Das erinnerte stark an das Spiel aus der Hinrunde.

3. Die zweite Halbzeit

Trotz einer offensiven Anpassung von Beierlorzer gab es für Freiburg keinen Grund die Formation umzustellen. Das 3-4-3 geht fließend in ein 5-2-3 oder 5-4-1 über. Allerdings änderte man die Spielweise, konzentrierte sich auf das Verteidigen und versuchte nach Ballgewinn schnell umzuschalten.
Defensiv hatte man das Spiel ziemlich gut im Griff. Obwohl Mainz 05 gute Anlagen im letzten Drittel zeigte, keine blinden Flanken schlug, sondern versuchte Pässe ins Zentrum zu spielen, ließ Freiburg keine klaren Torchancen zu. Ein paar Distanzschüsse konnte Schwolow parieren, vieles wurde geblockt und bei einem sehr schönen Steckpass auf Mateta reagierte Koch schnell genug und konnte den Ball klären (78′). Hier würde ich sehr darauf bestehen, dass es keine Mainzer Einfallslosigkeit war, sondern die wenigen klaren Chancen auf die Freiburger Verteidigung zurückzuführen sind.
Offensiv hätte man einige Umschaltaktionen etwas besser ausspielen können. Allerdings wurden Kwons Dribblings teilweise auch mit gelb bestraften Fouls unterbrochen. Und eine sehr gute Chance gab es für den Koreaner auch noch. In der 57. Minute passte wieder Petersen auf Kwon im Strafraum, aber die Mainzer Abwehrspieler klärten seinen Schuss auf der Linie.

Freiburg verteidigte die Führung also recht souverän. Mainz rannte sich am häufig tieferen 5-4-1/5-2-3 fest, konnte aber auch nie die Restverteidigung aufgeben, da der Sportclub nach Balleroberung gefährlich blieb. Die Einwechslungen von Szalai änderte daran auch wenig. Andererseits brachten auch die Freiburger Wechsel (Frantz und Grifo) wenig neue Energie.
Es sah also lange nach einem ruhigen 0:2 aus, doch im Fußball ist das ja allgemein ein etwas trügerisches Zwischenergebnis. Und so flog auch in diesem Spiel ein Standard aus dem Halbfeld irgendwie Mateta auf den Kopf, von dort aus ins Tor und es wurde noch einmal spannend. (Bei diesem Freistoß gab es ein paar Rangeleien und es lagen Freiburger auf dem Boden. Wenn man sich allerdings an den Zweikampf von Abrashi vor dem 0:2 erinnert, kann man Jablonski keine unklare Linie in seinen Entscheidungen vorwerfen.)

Der Sportclub musste noch eine Szene überstehen, in der Onisiwo sich mit einer sehr schönen Ballmitnahme im Strafraum in eine relativ gute Schusspostion brachte, aber dann passierte nicht mehr viel. Wiedereinmal wurde ein recht ausgeglichenes Spiel durch gute Abwehr- und Torwartaktionen auf der einen Seite des Feldes und der Effizienz der Angreifer auf der anderen Seite gewonnen.

4. All eyes on Changhoon Kwon

In dieser Saison werden wohl auf viele Spieler Loblieder gesungen. Waldschmidt und Koch wurden Nationalspieler, Höler überrascht alle mit seiner Entwicklung, Günter und Schmid sind ein tolles Pärchen auf den Außen und Höfler hatte bisher eine sehr konstante Hinrunde mit ein paar weiten Ausschlägen nach oben (z. B. gegen Bayern).

Seit dem letzten Spiel stiegen dann auch die Erwartungen an Kwon und man bekam in der Winterpause schon die Befürchtung, dass sie vielleicht etwas überzogen sein könnten. Das Spiel gegen Mainz dämpfte diese Haltung aber nicht gerade. Seine Dribblings im Mittelfeld waren wieder sehr dynamisch und unvorhersehbar. Ballannahme, Passschärfe und insbesondere die Ballführung haben hohe Qualität. Sein Spielverständnis konnte er gerade beim 0:1 mit seinem sehr schönen Laufweg unter Beweis stellen.
Interessanterweise scheint er auch schnell Fortschritte beim Spiel gegen den Ball zu machen. Balleroberungen waren ja auch schon in den vorhergegangenen Kurzeinsätzen nicht das Problem, aber nun hat er sich auch beim passiveren Verteidigen und Zustellen der Passwege recht gut eingefügt. Man kann sich wohl sehr auf die Zukunft mit ihm freuen. Da es auch noch ein bisschen Luft nach oben bei der Abstimmung mit seinen Mitspielern gibt, könnten ein paar Aspekte seines Spiels im Verlauf der Rückrunde sogar noch mehr zur Geltung kommen.

5. Die nächsten Spiele

Die Doppelsechs Abrashi/ Haberer hatte durchaus ihre Höhepunkte in diesem Spiel. Gerade bei den beiden Toren. Andererseits hatte Abrashi auch seine „Wackler“ (z. B. bei der Großchance von Mateta). Die Rückkehr von Höfler wird dem Team guttun.
Und auch Waldschmidt ist nur aufgrund einer Erkältung ausgefallen. Wahrscheinlich wird er gegen Paderborn von der Bank kommen.
Die wenigen Ausfälle, die gute Form einiger Spieler und das weitere Startprogramm der Rückrunde können einen schon leicht euphorisch stimmen, auch wenn man nicht vergessen sollte, dass dieses Spiel gegen Mainz nicht durch große Überlegenheit, sondern durch einzelne Momente gewonnen wurde. Das scheint sich allerdings zu verstetigen.

 

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