FC Schalke 04 – SC Freiburg 0 : 2


1. Aufstellung

Sallai kam für Höler. Ansonsten war das gleiche Personal wie gegen Bielefeld und man blieb im 3-4-3 mit den alten Mechanismen. Die Einwechslungen vor der Nachspielzeit veränderten das System auch nicht. Es wurde nur die vordere Reihe einmal komplett ausgetauscht. Höler, Demirovic und Jeong kamen für Grifo, Petersen und Sallai.

2. Defensivere Herangehensweise

Der SC Freiburg stand tiefer als in den letzten Spielen. Die vorderste Pressinglinie stellte eher Passwege zu, als auf den Ballgewinn im Zweikampf aus zu sein und empfing die Schalker Aufbauspieler erst an der Mittellinie. Günter und Schmid rückten seltener heraus als sonst. Der Eindruck bestätigt sich mit den durchschnittlichen Positionierungen auf whosored.com. Freiburg ließ Schalke im Aufbauspiel etwas mehr Zeit und Raum und fokussierte sich auf die Verteidigung in der eigenen Hälfte. Dennoch hatte der Sportclub in den ersten 45 Minuten 60% Ballbesitz. Wie Baum auf der Pk erzählte, ging Schalke davon aus, hoch vom Sportclub angelaufen zu werden und wollte dann ihre schnellen Außen Raman und Matondo ins Spiel bringen. Das wurde durch die tiefere Verteidigung erschwert. Schalke 04 konnte sich aber auch nicht spontan umstellen und die Ruhe im Aufbauspiel ausnutzen. Ohne großen Druck auszuüben, konnte das Team von Streich die eigene Hälfte verteidigen und kam dennoch oft genug an den Ball.

3. Sicheres Ausbauspiel

Man setzte auf eine sehr ruhige, tiefe Ballzirkulation. Lienhart, Gulde und Schlotterbeck – wenn er nicht ins Mittelfeld vorrückte – passten sich geduldig den Ball hin und her und versuchten die Schalker zu locken. Wenn man zu Müller zurückpassen musste, schlug er sofort den langen Ball. Auch das Aufbauspiel war recht risikoarm. Viel ging über Außen oder man spielte lange Bälle auf Petersen. Der Freiburger Stürmer verlor alle seine 10 Kopfballduelle, aber der SC Freiburg ging ohnehin eher auf die zweiten Bälle. Auch hier ging es größtenteils um Stabilität: Aufbau über Außen oder dem langen Ball. Man wartete auf die besonderen Momente im Spiel, die man dann ausnutzen wollte.

Anmerkung: Taktisch fielen drei Elemente auf.
a) Schlotterbeck rückte sehr oft ins Mittelfeld vor.
b) Man konnte wieder ein- oder zweimal den „Viereraufbau“ aus der letzten Saison sehen (Sechser kippt ab in eine Dreierkett und die restlichen Spieler schieben weit hoch. So zieht man das gegnerische Pressing auseinander). Zweiteres führte zum Schuss von Grifo in der 10. Minute, der zentral auf Fährmann kam, aber nicht vom Schalker Keeper festgehalten werden konnte.
c) Sallai blieb hoch positioniert, während sich Grifo oft zurückfallen ließ. Mit Höler war das etwas symmetrischer.

Der Rest war eher normal.

4. Die erste Halbzeit

Wie sich in den Absätzen zu Pressing und Aufbauspiel angedeutet het, passierte nicht viel in diesen ersten 45 Minuten. Aus dem Aufbau heraus kreierten beide Teams kaum Chancen. Beide gingen kaum Risiken ein, wodurch auch Umschaltmomente Seltenheitswert hatten.
Schalkes wenige Chancen kamen meist durch Einzelaktionen von Raman, Harit und Serdar zustande – und es waren meistens Schüsse aus der Distanz.

Freiburg erwischte Schalke sogar ein-, zweimal in einer aufgerückten Formation. Sallai war bereits in der achten Minute hinter der letzten Kette, machte aber nichts aus der Situation.
Der schönste Angriff der ersten Halbzeit war in der 39. Minute. Schlotterbeck „chippte“ aus einer normalen Aufbausituation heraus den Ball über die vier Pressingspieler Schalkes in den Mittelkreis auf Santamria. Der „tunnelte“ seinen Gegenspieler beim Zuspiel auf Grifo. Grifo schickte Günter tief, dessen Flanke am langen Pfosten von Schmid nicht optimal getroffen wurde.

Die erste Halbzeit in Zahlen:
S04 – SCF
0:0
5:4 Schüsse
1:2 Ecken
40:60 Prozent Ballbesitz
75:83 Prozent Passquote.

Es war eine sehr ruhige Halbzeit.

5. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause lief es etwas anders. Schon in den ersten fünf Minuten war etwas mehr los. In der 46. Minute hatte Sallai einen guten Ballgewinn und holte einen Standard im Halbfeld heraus. In der 48. Minute umspielte Schalke das Freiburger Pressing, wechselte die Seite und spielte eine Flanke aus einer dynamischen Situation, die aber nichts einbrachte, weil Boujellab das Tor verfehlte. Im Gegenzug traf der Sportclub zum 0:1:
Grifo verlagerte direkt auf Schmid, welcher auf den kurzen Pfosten flankte und Sallai traf per Kopf ins lange Eck. Man muss den Kopfball wirklich loben. Den Ball vier, fünf Meter vor dem „kurzen Eck“ des Fünfmeterraums in das „lange Eck“ des Tores zu köpfen, ist nicht leicht.

Mit dem Tor veränderte sich der Charakter der Partie. Schalke musste nun das Aufbauspiel übernehmen (67% Ballbesitz in der 2. Halbzeit) und Freiburg verlegte sich auf das Pressing, meistens im 5-3-2, also mit eher verhaltenen Flügelverteidigern. Das funktionierte gut. Schalke hatte in den 40 Minuten danach noch drei Abschlüsse, aber nur eine Chance – und dieser Abschluss von Boujellab im Strafraum war auch nicht wirklich gefährlich.
Auf der anderen Seite hatte Freiburg ab jetzt etwas mehr Chancen als in der ersten Halbzeit, aber eben auch nur noch eine wirklich nennenswerte. Und die führte wieder zu einem Tor:

Raman verlor den Ball auf dem linken Flügel. Gulde passte sofort zu Günter, der per Hacke auf Grifo weiterleitete. Grifo zog nach innen, sah Höler und Sallai in „die Gasse“ (also zwischen Schalker Verteidiger) gehen und spielte einen perfekten Pass in Sallais Lauf. Höler ließ den Ball zum Glück durch. Sallai ging mit dem Ball mit und „überlupfte“ den herauslaufenden Fährmann im richtigen Moment. Das war erneut ein sehr guter Abschluss.

Nach dem 0:2 war das Spiel halbwegs gelaufen. Schalke hatte weiterhin Probleme, Chancen zu erspielen und die drei eingewechselten Freiburger Angreifer konnten den Aufbau von Schalke sehr gut beschäftigen.

6. Einzelspieler

Sallai sorgte dafür, dass der Sportclub nach den Spielen gegen Gladbach und Bielefeld endlich mal wieder mehr Tore erzielen konnte, als „erwartet“ wurden (xG: 1,16). Beide Tore waren nicht leicht.
Seine Einbindung ins Spiel mit dem Ball war aber komisch. Er nahm am Aufbauspiel praktisch nicht teil, sondern blieb hoch positioniert. Er spielte nur 6 (!) Pässe in seinen 70 Minuten und hatte nur 20 Ballaktionen. Dafür hatte er 8 Zweikämpfe (5 gewonnen), ein Dribbling und 4 Schüsse (zwei in das, zwei neben das Tor).

Grifo wirkte etwas überspielt und es gelangen ihm gefühlt weniger Aktionen als zuletzt. Das spiegelt sich aber weder in den Zahlen, noch in den Highlightszenen wider.

Schlotterbeck hatte gegen Bielefeld einen weniger guten Tag, zeigte gegen Schalke aber wieder deutlich mehr Klasse. Mit dem Ball war es nahezu fehlerfrei und gegen den Ball war er mit Abstand der aktivste der drei Innenverteidiger.

Die Bank rückt etwas näher an die Startelf heran. Es fiel besonders auf, dass Jeong ziemlich gut gegen den Ball ist. Kabak hatte große Probleme an ihm vorbei das Spiel aufzubauen.

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