FC Bayern – SC Freiburg 2 : 1


1. Bayern und Qatar Airways

Bevor ich mich dem Hochglanzprodukt Bundesligafußball zuwende, möchte ich kurz auf eine Aktion der bayrischen Fanszene hinweisen. Es müsste die Schickeria gewesen sein, die ein Banner hochhielt, auf dem die Bayernverantwortlichen Kahn und Hainer zu sehen waren, wie sie blutige Hemden in eine Waschmaschine stecken und ein traditionelles arabisches Gewand (das Gewand, dass von Männern getragen wird) ganz unbefleckt und sauber herausholen. In Kahns Hand, auf dem Boden und auf der Waschmaschine kann man grüne Geldscheine sehen, die aus den Koffern fallen, weil sie nicht ganz hineinpassen. Auf der Waschmaschine steht „FCB AG“, auf einem Koffer „you can rely on us“ und überschrieben ist das Banner mit dem Satz: „Für Geld waschen wir alles rein.“
Es ist schön zu sehen, dass die bayrische Fanszene bei diesem Thema in seiner Kritik beständig bleibt und damit die Verantwortlichen zwingt, sich zum Thema zu äußern. In diesem Fall wurde Nagelsmann auf der PK danach gefragt und zeigte, dass er nur die Phrasen seines Arbeitgebers übernimmt und sich einspannen lässt. Now we know that they can also alsways rely on Nagelsmann.
Katar engagiert sich finanziell im Fußball, um eine starke Verflechtung aufzubauen, aus der sie nicht so leicht ausgeschlossen werden können und um sich breitere Akzeptanz in der Weltbevölkerung zu verschaffen. Damit wird von den mannigfaltigen Kritikpunkten abgelenkt, die berechtigterweise gegen das Regime hervorgebracht werden: Das Verbot von Homosexualität, Haftstrafen bei Blasphemie, die rechtliche und gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen, die Arbeitsbedingungen von Migranten, Körperstrafen bei Alkoholkonsum, die finanzielle Unterstützung des IS, der Hamas, al-Shabaab (Somalia) uvm. Wenn Nagelsmann dann auf der PK sagt, dass Bayern diese Probleme nicht mit Ausgrenzung angehen möchte, sondern im Dialog, verkennt das vollkommen das Verhältnis zwischen Bayern und Katar. Bei Nagelsmann klingt es so, als ob man in Katar Entwicklungshilfe leisten würde. Der FC Bayern wird aber von Katar bezahlt, um eine weitere Plattform zu erhalten.
Dass Nagelsmann solche peinlichen und durchschaubaren Statements abgerungen werden und jedes Projekt des FC Bayern für Demokratie und Menschenrechte als zumindest inkonsequent entlarvt werden, liegt daran, dass die Ultras immer wieder mit öffentlich wirksamen Bannern darauf aufmerksam machen. Danke dafür.

 

 

Ich wollte den kurzen Einschub nicht vom restlichen Artikel trennen. Deswegen kommt nun ein harter Bruch im Text und es geht zur Spielanalyse.

2. Der FC Bayern unter Nagelsmann

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist der FC Bayern mit Nagelsmann wieder auf einem sehr erfolgreichen und spielerisch ansehnlichen Weg. Die Jahre nach Guardiola waren zwar in den Ergebnissen sehr erfolgreich, aber so richtig beeindrucken konnten die Bayern erst wieder unter Flick. Dessen Spielstil war aber enorm aufwendig, riskant und nicht immer optimal auf die Einzelspieler abgestimmt. Nagelsmann baute zunächst auf seinem Vorgänger auf, hat nun aber deutlich seinen eigenen Prinzipien implementiert, die man auch aus seiner Zeit bei RB Leipzig kennt. Besonders die asymmetrische Dreierkette im Aufbau sticht dabei heraus. Durch die anderen Spielertypen ist der Flügelfokus allerdings etwas größer (,was eigentlich seinem Prinzip „minimale Breite für gutes Gegenpressing“ widerspricht, aber er scheint da nicht dogmatisch zu sein). Spannend bleibt, ob er die Mechanismen gegen den Ball noch verfeinern kann und wie mit Leipzig auch noch so stabil bleibt, obwohl so viel Personal nach vorne schiebt. Bayern hat zwar auch aktuell die zweitwenigsten Gegentore, aber von den 18 Gegentoren nach 34 Spieltagen in der Saison 14/15 unter Guardiola ist man weit entfernt.

Die Offensive ist in dieser Saison aber wirklich beeindruckend und Bayern scheint mal wieder auf Rekordjagd zu sein. In der Bundesliga schoss man 3,8 Tore pro Spiel, im DFB-Pokal waren es glatte 6 Tore pro Spiel und in der Champions League 4,25 Tore pro Spiel. Lewandowski hat in der Bundesliga nach diesem Spieltag mehr Tore geschossen als der VfL Wolfsburg, der aktuell den fünften Platz belegt.

3. Aufstellung

Streich stellte wieder auf ein 3-4-3 um und Gulde kam für Schade in das Team. Der Gedanke dahinter war wahrscheinlich, dass man in diesem System leichter die Breite abdecken und die Vorstöße mit und gegen den Ball von Nico Schlotterbeck und manchmal auch Lienhart besser absichern kann.
Die Frage (von Nik Staiger) nach dem Unterschied von Dreier- und Fünferkette wurde von Streich auf der PK thematisiert. Er bestand darauf, es Dreierkette zu nennen und gab mit Benfica ein Gegenbeispiel an, das tatsächlich Fünferkette spielt. Und im Spiel gegen die Bayern waren Kübler und Günter tatsächlich sehr oft so hoch positioniert, dass man es als klares Argument für Streichs Aussage werten kann. Wir merken uns: Freiburg spielt Dreierkette!

4. Pressing

Der SC Freiburg presste ähnlich wie gegen andere Teams. Die asymmetrische Dreierkette wurde von den drei Angreifern angelaufen, die gleichzeitig versuchten, Kimmich in den Deckungsschatten zu nehmen. Wenn das nicht funktionierte, musste der zentrale Stürmer sich zu ihm zurückfallen lassen oder Höfler oder Eggestein aufrücken. Teilweise wurde man aber auch einfach überspielt und musste wieder schnell hinter den Ball kommen, was auch sehr sauber und diszipliniert ausgeführt wurde. Günter und Kübler rückten auch gegen den Ball häufig weit auf und die Innenverteidiger versuchten Rückfallbewegungen der Bayernspieler in vielen Fällen zu verfolgen. In den ersten 15 Minuten führte das zu vier hohen Ballgewinnen. Die daraus resultierenden Aktionen konnten die Bayern in drei Fällen gerade noch verteidigen und in einem Fall schoss Höler neben das Tor.

Mit der Zeit passte sich Bayern aber besser an das Pressing an. Die Offensivspieler positionierten sich hoch, ließen sich aber sehr flexibel fallen. In der zweiten Halbzeit verbesserte sich der Freiburger Zugriff nochmal, aber die hohen Ballgewinne gab es nicht mehr.
An dieser Stelle kann man wieder betonen, wie unfassbar gut die bayrischen Spieler aufeinander abgestimmt sind und jeder von ihnen aus allen Positionen Pässe in alle Räume spielen kann. Es ist eigentlich kaum möglich, alle Optionen, die ihnen durch ihre Passqualität offen stehen, zu unterbinden. Dafür war das Freiburger Pressing sehr mutig angelegt und offensiv ausgeführt.

5. Gegenpressing

Ebenfalls sehr beeindruckend war das Gegenpressing, das Freiburg spielte. Nach Ballgewinn zog man sich nicht zunächst zurück, sondern ging direkt wieder in die Zweikämpfe. Höfler und Eggestein waren darin häufig involviert, aber noch auffälliger waren Lienhart und Nico Schlotterbeck mit weiten und aggressiven Vorstößen ins Mittelfeld nach offensivem Ballverlust.
Das führte zwischen der 15. und 25. Minute zu einer relativ dominanten Phase des Sportclubs. Danach machte man das auch noch relativ gut, konnte diesen Druck aber nicht aufrechterhalten.

6. Verteidigung im Strafraum

Die Strafraumverteidigung war auf beiden Seiten recht gut. Freiburg verhinderte auch einige Chancen in einer sehr tiefen Verteidigung und durch eine sehr saubere Leistung von Flekken. Der hatte am Ende 9 Paraden – auch wenn man zugeben muss, dass die meisten Abschlüsse, die er halten konnte, sehr zentral abgegeben wurden. Er war aber auch sonst sehr aufmerksam, dribbelte einmal Lewandowski aus und fing einmal einen Ball außerhalb des Strafraums ab.

Auf der anderen Seite waren die Bayern noch besser in der Strafraumverteidigung. Der Sportclub nutzte die Räume mit dem Ball, die ihnen angeboten wurden. Man kam leichter vom Aufbau- ins Angriffsdrittel als gegen andere Teams, die tiefer pressen. Und da Bayern dann mit weniger Personal in der eigenen Hälfte verteidigt, als man es gewöhnt ist, sehen die Situationen auch so vielversprechend aus. Man vergisst dabei aber die Qualität dieser Einzelspieler. Bayern kann mit vier oder fünf Spielern Angriffe verteidigen, für die andere sechs oder sieben Spieler bräuchten. (Philosophischer Einschub: Hier sieht man auch mal den Umschwung von Qualität in Quantität und nicht immer nur von Qualität in Quantität.) Man hatte zwar häufig das Gefühl, dass Freiburg sehr oft mit genug Angreifern in gefährlichen Räumen war, aber am Ende kamen doch nur recht wenige klare Abschlüsse heraus. Und diese wenigen wurden dann auch noch meistens von Neuer pariert.

7. Standards

Freiburg hat bisher 8 seiner 18 Treffer in dieser Saison per Standard erzielt. In diesem Spiel hatte man vier Ecken und drei bis fünf Standards aus guter Position. Diese wurden aber insgesamt sehr gut von Bayern verteidigt. Im Prinzip ist man nur zu einem nennenswerten Abschluss gekommen – den Kopfball von Höfler auf die kurze Ecke nach Standard von Grifo.

Noch problematischer waren aber die Kontersituationen der Bayern nach den Standards. Immer wieder trieben Davies oder Sané den Ball nach vorne und bereiteten gute Abschlüsse vor. Auch das ist man gegen andere Gegner nicht gewöhnt, da sie die Standards von Freiburg mit etwas mehr Respekt verteidigen.

8. Gegnervorbereitung

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel betonte Streich, dass Nagelsmann wie auch vor ihm Flick, sich gut auf die Gegner einstellen würden. Die Aussage war deswegen interessant, weil man bei den Bayern nach Guardiola häufig sehen konnte, dass sie häufiger von der Freiburger Spielweise überrascht wurden. Der typische Einwurf parallel zur Strafraumlinie, die Durchbrüche von Günter, die riskante Abdeckung des Raums hinter dem hohen Günter, die Einbindung der Torhüter im Aufbauspiel usw. funktionierte gegen Bayern häufig viel besser als gegen andere Gegner. Unter Nagelsmann kann man es leider vergessen, auf diese mangelnde Vorbereitung zu hoffen. So ist es deutlich schwieriger, die eigenen Stärken auf den Platz zu bringen.

9. Die Spielphasen und die Einwechslungen

In den Minuten 0-15 funktionierte das Freiburger Pressing sehr gut und von der 15. bis in die 25. Minute war dann das Gegenpressing hervorragend. Danach übernahm Bayern die Kontrolle und schoss verdient das 1:0. Der Sportclub rettete sich in die Pause und konnte froh sein, nicht noch ein Tor kassiert zu haben.
In der zweiten Halbzeit startete man wieder besser, kam aber fast nur zu Distanzschüssen, während Bayern mit der Zeit wieder besser ins Spiel fand und weiter gute Abschlüsse herausspielte. Streich brachte dann Schade für Jeong. Dadurch wurden die langen Bälle von Flekken noch etwas effektiver. Häufig gab es das Muster, dass Schade per Kopf auf Höler verlängerte und dann von diesem hinter die Kette geschickt wurde.
Die Szene, in der Höfler mal nach Ballgewinn Schades Schnelligkeit einsetzen wollte, wurde leider von Neuer knapp hinter der Mittellinie abgelaufen. Aus dieser Szene heraus entstand auch leider das 2:0. Das war ein sehr unglücklicher Zeitpunkt, weil man sich hätte vorstellen können, dass das knappe Ergebnis in der Schlussphase die Freiburger Angriffe noch etwas interessanter gemacht hätte.
Aber auch mit den zwei Toren Rückstand stellte Streich auf 4-4-2 um, ohne aber Günter oder die Doppelsechs tiefer agieren zu lassen. Man kam dadurch zu einem sehr schönen Abschluss von Höfler nach Standard, der stark von Neuer pariert wurde. Und auch der eingewechselte Sildillia brach einmal über rechts durch und spielte eine überlegte Hereingabe auch Höler. Der Anschlusstreffer in der 93. Minute gelang dann erst Haberer, der gegen Bayern ja häufiger mal ganz gut aussieht.

10. Fazit

Bayern hat aktuell kaum Verletzungssorgen und ist insgesamt in einer guten Verfassung. In diesem Spiel gingen sie nicht ganz so effizient mit ihren Chancen um und erzielten nur 2 Tore – also 1,8 weniger als im Durchschnitt. Damit stellt der Sportclub immerhin weiter das Team mit den wenigsten Gegentoren dar.
Und ein Spielverlauf, bei dem man sich vorstellen kann, dass der SC mit etwas Glück einen Punkt aus München hätte mitnehmen können, stellt einen als Fan im Prinzip auch zufrieden. Allerdings ist man die guten Auftritte gegen Bayern aus den letzten Jahren auch schon gewöhnt. Das Team hat durch diese Leistungen die Latte ziemlich hoch gelegt. Und im internen Vergleich der Bayernspiele von Freiburg war das nicht die beste Leistung, auch wenn sie sicher nicht aus den guten Leistungen herausfällt.

11. Einzelspieler

Kübler spielt aktuell seine wahrscheinlich beste Saison, war in diesem Spiel aber manchmal etwas überfordert mit Davies.

Schades Einwechslung war sehr interessant, weil er so dominant in der Luft war. Das hat man bisher nicht ganz so oft gesehen, denn der Sportclub löst aktuell vieles mit flachen Pässen.

Höler konnte zwar nicht treffen, hatte aber viele Aktionen, in der er sich mit dem Ball gut gegen mehrere Bayern behaupten konnte.

N. Schlotterbecks Vorstöße waren mal wieder sehr beeindruckend und er hat Coman sehr gut im Griff gehabt. Wer das Spiel gegen Benfica gesehen hat, weiß wie schwierig das ist. Um aber wenigstens eine Sache anzumerken, in der er noch Luft nach oben hat: Koch konnte genauere Diagonalbälle spielen als er. Ansonsten wie immer: Nico Schlotterbeck sticht auch aus dieser guten Freiburger Mannschaft deutlich heraus.

Sildillia konnte dieses Mal offensiver agieren als gegen Leipzig, weil er erst in Rückstand eingewechselt wurde. In dieser unbekümmerten Rolle überzeugte er fast noch mehr als zuvor.

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