Fazit der Freiburger Saison 2020/21

Folgender Text ist eine Nacherzählung und Einordnung der Saison 2020/21. Die Saison wird in vier Teile geteilt, die unterschiedlich groß sind: dreimal 10 Spieltage und einmal 4 Spieltage. Taktik und Spieler werden nur nebenher besprochen. Vielleicht gibt es dazu einzelne kleine Texte während der Sommerpause.


1. Abgänge und ihre Bedeutung

Wir beginnen das Saisonfazit bei den Abgängen des Sommers 2020. Mit Gondorf und Frantz verließen zwei sehr erfahrene Spieler, die auf unterschiedlichsten Positionen eingesetzt werden konnten den Sportclub. Ihre tatsächlichen Einsätze hatten sich zuvor allerdings schon deutlich reduziert und so versuchten sie ihr Glück in der zweiten Liga. Zwar verblassten ihre Leistungen hinter der Ausnahmesaison von Fin Bartels, aber auch Gondorf und Frantz konnten mit 32 und 13 Einsätzen Werbung für das Modell „alternder Erstligaspieler hilft einem Team in der zweiten Bundesliga“ machen.

Mit Nico Schlotterbeck und Borrello wurden zwei jüngere Spieler verliehen, die in der Saison zuvor ebenfalls nur auf wenige Einsätze gekommen waren. Gerade bei N. Schlotterbeck stellte das schon eine Schwächung des Kaders und somit ein gewisses Risiko dar. Bei nur vier Innenverteidigern hätte eine kleine Verletzungsmisere genügt, um dem Trainerteam die Dreierkette als Mittel zu nehmen und es zum Improvisieren zu zwingen. Andererseits hatte die Leihe seines älteren Bruders nach zu Union Berlin sehr gut funktioniert. Er ging als Ergänzungsspieler und kam als jemand zurück, der sich mit den anderen drei bundesligaerfahrenen Innenverteidigern auf ähnlichem Leistungsniveau bewegte, die alle recht unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Das erhoffte man sich wohl ein zweites Mal.

Die drei wesentlichen Schwächungen des Kaders waren die Wechsel von Schwolow, Koch und Waldschmidt.
Beim Abgang von Schwolow musste man sich zwar von einem sehr konstanten Torhüter verabschieden, der auch seit dem Abstieg in die zweite Liga zum festen Kern des Teams gehörte, wusste aber bereits, wie er ersetzt werden würde. Durch eine Verletzung kam Flekken schon in der Saison zuvor zu einigen Einsätzen und wusste durchaus zu überzeugen. Der Abgang wurde erst durch Flekkens Verletzung vor dem Pokalspiel problematisch. Die Verantwortlichen reagierten schnell und konnten Florian Müller aus Mainz verpflichten. Wie sich herausstellte war das ein guter „Griff ins Transferregal“. Müller hat in dieser Saison die höchste Paradenquote (71,1%) aller Torhüter (mit mehr als 5 Spielen). Das ist allerdings auch typisch für das Freiburger Abwehrspiel, bei dem viele Schüsse aus schlechten Lagen zugelassen werden. In der letzten Saison belegte Flekken Platz 1 (80%) und Schwolow Platz 3 (73,3%). (Bei der Hertha hatte Schwolow nur 63,9%. Es kommt also wirklich sehr auf die Spielweise an.)

Der Abgang von Waldschmidt war etwas ärgerlich, da hier eine interessante Entwicklung gefühlt etwas zu früh abgebrochen wurde. Durch Verletzungen und Eingewöhnungsphasen konnte Waldschmidt in der zweiten Saison noch nicht den ganz großen Durchbruch in der Bundesliga schaffen, der ihm noch mehr Aufmerksamkeit gegeben hätte. Aus Perspektive des Freiburger Profifußballs ging mit ihm insbesondere eine hervorragende Anspielstation. Waldschmidts Stärke war das Anbieten zwischen den Ketten. So bekam er den Ball oft mit genug Raum, um sich zu drehen und aus gefährlichen Positionen den vorletzten oder letzten Pass zu spielen oder selbst zu schießen. Denn der Distanzschuss war seine zweite große Stärke, auch wenn daraus in der letzten Saison nur zwei Tore entstanden. Weitere drei Tore schoss er per Strafstoß in einer recht einzigartigen Art. Oft schaute er beim Anlauf genau in das Eck, in das er schießen wollte und hämmerte den Ball dann oben in den Winkel, sodass der Torhüter keine Chance hatte, an den Ball zu kommen.

Der problematischste Abgang war allerdings der von Robin Koch. Als zentraler Innenverteidiger in einer Dreierkette konnte er sehr genaue Verlagerungen spielen, die gerade Günter immer wieder in gute Situationen brachten. Besonders Lienhart, Höfler und Santamaria übernahmen diese Aufgabe. Das noch größere Problem war allerdings der Verlust seiner defensiven Fähigkeiten, die dem Team eine große Stabilität gegeben hatten – unabhängig davon, ob er im zentralen Mittelfeld oder in der Innenverteidigung spielte. Das Niveau seiner Zweikampf- und Kopfballstärke war deutlich über dem Durchschnitt Freiburger Innenverteidiger. Mit nur 47 Gegentoren hatte man in der letzten Saison eine enorm gute Defensive. Oft konnte man Spiele lange ausgeglichen gestalten, nur ein oder oft kein Gegentor kassieren und dann mit guten Einwechslungen die Partien für sich entscheiden. Und auch in Führung zog sich der Sportclub gerne im 5-4-1 zurück und verteidigte recht sicher auch über längere Spielphasen. Die tiefe Verteidigung war in dieser Saison nie mehr auf dem Niveau der letzten Saison und das hängt wesentlich mit Robin Koch zusammen.

2. Unterbrochener Zyklus

Es ist nicht ungewöhnlich, dass der SC Freiburg nach einer guten Saison einige Stammspieler verkauft. Ein Dreijahreszyklus stellt für viele Teams des mittleren und unteren Segments der Bundesliga eine gewisse Normalität dar: Eine Saison, um ein Team aufzubauen, eine Saison, in der man wirklich gut spielt und eine dritte Saison, in der man Stammspieler verkauft und gegen den Abstieg spielen muss.
Dieser Rhythmus sollte nun dadurch unterbrochen oder zumindest auf ein höheres Niveau gehoben werden, indem die Abgänge durch etwas teurere Neuzugänge als gewohnt ersetzt wurden. Der ehemalige niederländische Nationalspieler Guus Til wurde für ein Jahr mit der Option für ein weiteres Jahr geliehen, Demirovic als Stürmer geholt und Baptiste Santamaria wurde der neue Rekordtransfer des Sportclubs.
Zusätzlich kam Keven Schlotterbeck von seiner erfolgreichen Leihe zurück und Jeong konnte in der Vorbereitung zeigen, dass er nun weit genug für einen Kaderplatz bei einem Bundesligisten war.

Trotz des Abgangs dreier sehr wichtiger Spieler konnte man beim Sportclub einen Kader zusammenstellen, der nur leicht unter dem Bundesligadurchschnitt anzusiedeln war und keine deutlichen Schwachstellen aufwies.
Freiburg scheint sich also mehr und mehr in der Bundesliga zu etablieren. Man kann Spieler eher mal halten und wenn es nötig ist, schafft man es auch, einen der besseren Sechser aus der Ligue 1 zu einem Wechsel überzeugen zu können – und den Transfer dann trotz aller komischen öffentlichen Streitigkeiten der Verantwortlichen bei Angers abzuschließen.

3. Schwieriger Saisonstart

Im Nachhinein wird deutlich, wie wichtig das erste Saisonspiel gegen Stuttgart war. Mit einem ungewohnten 4-1-4-1 schoss Freiburg recht schnell drei Tore und stand bei einem vierten nur knapp im Abseits. Danach wurde aber auch die defensive Instabilität des Systems deutlich. Stuttgart kam auf 2:3 an Freiburg ran und man schaffte es nur knapp das Ergebnis über die Zeit zu bringen. In diesem Spiel wurde einiges deutlich, was zu Saisonbeginn noch nicht ganz funktionierte. Zum einen wog der Abgang von Koch schwer. Keven Schlotterbeck, der als interner Nachfolger eingeplant war, kam direkt aus einer Verletzung und hatte Probleme in den Kader zu kommen. Ohne ihn fehlte es an defensiver Stabilität. In den ersten 10 Spieltagen kassierte man 24 der 52 Saisongegentore und konnte keine einzige Partie zu null beenden. Zusätzlich gab es auch individuelle Fehler, die zu Gegentoren führten – etwas, was man in der letzten Saison nur selten beobachten konnte.
Das letzte Problem, das man von außen erahnen konnte, war konditioneller Natur. Regelmäßig sah es so aus, als ob gegen Ende der Partien die Freiburger Spieler nicht mehr so fit wie die Spieler des Gegners waren. Das könnte mit dem späten Start der Vorbereitung zu tun haben, auch wenn dieses Problem nur schwer von Außen zu bewerten ist. Und wenn man es Bewerten möchte, müsste man auch die potenziellen positiven Seiten mit in die Betrachtung einbeziehen. Es gab über die Saison hinweg trotz den durch Corona bedingten fehlenden Pausen nur wenig Verletzte und der Sportclub schien bis zum Schluss körperlich in einer recht guten Verfassung zu sein. Vielleicht nahm man dann die ein oder andere schwierige Schlussphase in den ersten Spielen der Saison genau für diese längerfristigen positiven Effekte in Kauf. Aber wie gesagt: das ist alles eher Spekulation.

Nach 10 Spieltagen stand der Sportclub aber nur auf dem 14. Tabellenplatz mit einem Sieg, 8 Punkten, einem Punkt Vorsprung auf Platz 17 und 12:22 Toren.
Dennoch war es gefühlt recht ruhig um den Verein. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen gab es nach dem Spiel gegen Mainz einen Aufwärtstrend. Mit der Dreierkette Lienhart, Schlotterbeck und Gulde hatte man wieder etwas mehr Stabilität zurückgewonnen und vorne kam Demirvoic immer besser ins Spiel.
Des Weiteren waren auch die Spiele in der ersten Saisonphase, wenn man die Leistungen betrachtet, besser als die Ergebnisse. Gegen Wolfsburg Bremen aber auch Leverkusen wären mehr Punkte „drin gewesen“. Mal lag es an individuellen Fehlern, mal an Mechanismen im letzten Drittel, dass sich die Ergebnisse nicht eingestellt hatten. Diese Probleme waren aber nicht von wesentlicher Natur. Es gab also trotz der unangenehmen Tabellensituation am 10. Spieltag keinen größeren Grund zur Panik.

4. Starker Lauf mitten in der Saison

Vom 10. bis zum 20. Spieltag hatte der Sportclub eine unglaublich gute Phase. Man schoss 23:11 Tore, holte 22 Punkte und gewann 7 der 10 Spiele. Man verlor nur gegen Wolfsburg, knapp gegen Bayern und spielte Remis gegen Frankfurt. Hinzu kam der erste Sieg von Streich gegen Dortmund überhaupt.

In dieser Phase konnte man sich besonders auf die defensive Stabilität verlassen, die zu Saisonbeginn gefehlt hatte. Individuellen Fehler nahmen ab und die Rückzugsbewegung nach Ballverlust wurde wieder disziplinierter ausgeführt. Auf diesem Fundament erschienen die einzelnen guten Szenen der Freiburger Offensive wertvoller als zuvor. Man ging häufig in Führung, wodurch der Gegner riskanter spielen musste und der SC nachlegen konnte. So stachen in dieser Zeit die drei Offensiven Demirovic, Sallai und Grifo besonders heraus.

Streich setzte nun auf ein 3-4-3-System, das typischerweise wie folgt besetzt war:

  Grifo Demirovic Sallai  
Günter Höfler   Santamaria Schmid
  Gulde Schlotterbeck Lienhart  
    Müller    


Die Abstimmung der drei vorderen Pressingspieler war viel besser als erwartet. Sie drängten den Gegner oft auf die linke Seite, wo dann die Bälle durch Grifo, Günter, Gulde oder Höfler erobert wurden.

Das Spiel mit dem Ball wurde viel vertikaler. Die Weiterleitungen von Demirovic, die Durchbrüche von Günter oder die schnellen Kombinationen mit Sallai, Schmid und Santamaria sind da zu nennen. Gerade das Bild, dass Sallai den Ball ablegt, sich dreht und sofort in den Sprint nach vorne geht, ist exemplarisch für die Phase – oder die Weiterleitungen mit einem Kontakt von Demirovic.

Nachdem man sich genug Sicherheit mit fünf Siegen in Folge gegen die „Sorgenkinder“ der Liga geholt hatte und damit in der Tabelle einen gehörigen Sprung machte, passte man sich auch wieder mehr an den Gegner an. Gegen Frankfurt und Dortmund spielte man im 4-4-2. Und gerade gegen den BVB zeigte man im Pressing eine erstaunlich gute Leistung. Demirovic und Jeong stellten Hummels, Akanji und Delaney komplett still. Der Gegner kam kaum nach vorne. Zwar hatte der Sportclub auch kaum Abschlüsse, aber dafür mehr Glück in der Chancenverwertung.

Mit diesem Spiel kletterte Freiburg auf den 8. Platz. Aus Fanperspektive machte diese Phase auch unabhängig von den Platzierungen enorm viel Spaß. Es kamen viele Spieler zum Einsatz und in jedem Spiel hatte ein anderer eine gute Tagesform. Zudem wurden die Einwechslungen effektiver. Etwas, das man aus der vorherigen Saison kannte, in den ersten Spielen aber kaum beobachten durfte. Der Kader schien sich Qualitativ auf hohem Niveau anzugleichen.

5. Durchwachsene Phase in der Rückrunde

Hatte man in den ersten 10 Spielen Probleme und gemessen an den Leistungen den ein oder anderen Punkt zu wenig, und in den zweiten 10 Spielen eine super Phase gepaart mit etwas Spielglück (Schlussphase VfB, BVB), so ist der Dritte „Zehnerpack“ wieder eher etwas enttäuschend gewesen.

Das Problem der Spieltage 20 bis 30 lag besonders in der Offensive. Viele Teams hatten sich besser auf Freiburg (und besonders die Freiburger linke Seite) eingestellt und waren ohnehin etwas stabiler als in der Hinrunde. An den Spieltagen 21 bis 30 holte man nur 10 Punkte, schoss dabei nur 9 eigene Tore (dabei 4 gegen ein desolates Schalke 04), bekam aber auch nur 12 Gegentore. Gegen Bielefeld, Mainz und Union verlor man 0:1, gegen Bremen spielte man 0:0.

Streich wechselte häufiger das System, ohne in Aktionismus zu verfallen und nach jeder Niederlage alles zu verändern. Die offensive Harmlosigkeit blieb allerdings bestehen. Das hatte zum Teil mit der Chancenverwertung zu tun (Gladbach, Mainz) aber eben auch damit, dass sich Freiburg mit defensiv gut organisierten Gegnern schwertat. Das beste Beispiel hierfür ist Bielefeld unter Kramer. Freiburg hatte 10 Schüsse, nur einer kam auf das Tor.
Man sollte das aber auch nicht überdramatisieren. Es ist auch nicht leicht gegen gut organisierte Pressingteams, die sich auf die Stärken des Gegners einstellen, selbst zu vielen Chancen zu kommen, ohne die eigene Stabilität aufzugeben.

Streich versuchte das Problem auch taktisch anzugehen. Man sah das neue System Dreierkette mit Raute im Mittelfeld gegen Bielefeld. Es sollte das Zentrum mit und gegen den Ball stärken. Das 5-Raute-1-System sah aber noch nicht so perfekt einstudiert aus. Allerdings waren Streichs erste Versuche mit der Dreierkette auch noch etwas hölzern, wurden mit der Zeit aber deutlich besser. Vielleicht arbeitet man in der Sommerpause weiter an Systemen mit einem Sechser. Das würde das Freiburger „Formationssortiment“ noch erweitern. Gegen Bielefeld war es sicher auch einen Versuch wert, funktionierte aber leider noch nicht. So steht dieses eher enttäuschende 0:1 exemplarisch für diese Saisonphase – defensiv ordentlich, aber offensiv etwas zu ideenlos.

6. Versöhnlich Schlussphase der Saison

Bleiben nun noch die letzten vier Spiele gegen Hoffenheim, Köln, Bayern und Frankfurt. Trotz des schwierigen Verlaufs in der Rückrunde war der Sportclub immer in der Nähe des siebten Platzes, da auch Union, Stuttgart und Gladbach keine stabile Rückrunde spielten. Das Restprogramm war allerdings nicht besonders leicht. Gegen ein sehr gut aufgelegtes Hoffenheim holte man einen Punkt. Gegen Köln hatte man eine gute erste Halbzeit, bekam dann größere Probleme, kassierte den Anschlusstreffer und hatte Glück, dass Hector vor dem Ausgleichstreffer (wahrscheinlich) mit dem Arm am Ball war. In der Nachspielzeit schoss man dann das 3:1 und das 4:1. Das war ein eher kurioses Spiel.
Darauf folgte allerdings eine der besten Leistungen der Saison. Beim 2:2 gegen Bayern erspielte man sich einige eigene gute Chancen und kam nach zweifachem Rückstand noch zu einem Punkt. Unter etwas unwürdigen Umständen ohne Zuschauer war es immerhin ein würdiges letztes Spiel im Dreisamstadion mit einem sehr passenden letzten Tor. Grifo schickte Günter hinter die Kette und der schoss mit links scharf ins rechte Eck.
Mit diesem Punkt hatte man am letzten Spieltag noch die theoretische Chance auf den siebten Platz. Allerdings gewannen Union und Gladbach ihre Spiele und Freiburg verlor 3:1 gegen Frankfurt. Dennoch waren diese letzten vier Spiele durchaus interessant anzusehen und man konnte die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten. Mit den 8 eigenen Treffern in 4 Spielen hatte man auch nur ein Tor weniger als in den 10 Spielen zuvor. Das war alles in allem dann doch sehr unterhaltsam.

7. Fazit

Eine Bewertung der Saison fällt sehr schwer. Vielleicht wird man ihr am ehesten gerecht, wenn man in Erinnerung ruft, dass es sich um eine sehr besondere Saison handelte. Man hat sich so langsam daran gewöhnt, dass keine Zuschauer im Stadion sind, es war aber das erste Mal über fast 34 Spieltage der Fall. Partien und strittige Situationen wurden in dieser Saison vollkommen anders wahrgenommen als sonst. Dabei geht es besonders um die Gewichtung von einzelnen Szenen. Ein Pfostentreffer, eine strittige Schiedsrichterentscheidung, ein unnötiger Fehlpass usw. hallen durch die Zuschauerreaktion noch länger nach. Gibt es einen guten Angriff in der ersten Minute und die Zuschauer gehen darauf ein, hört man das auch noch einige Minuten später an den Fangesängen. In den leeren Stadien verschwand die Aktion des Heimteams schon mit der nächsten Spielsituation. Leichte Druckphasen wirkten nicht so stark wie sonst, Fehlpässe verunsicherten nicht mehr so stark und intensives Anlaufen machte den Aufbauspielern weniger Angst, da keine Unruhe von den Rängen kam. An all das wird man gerade im Schonprogramm bei der EM wieder gewöhnt, aber es fehlte die ganze Saison, die dadurch gewissermaßen aus dem Rahmen fällt.

Und auch die Stärke der Gegner wurde dadurch beeinflusst. Es gab kaum eine Vorbereitung und der Transfersommer war sehr ruhig. Einige Klubs bekamen größere finanzielle Probleme. Teams, die schon in der letzten Rückrunde eine schlechte Form hatten, konnten kaum korrigierend eingreifen. Die Abwärtsspiralen von Mainz, Bremen, Köln und Schalke gingen ungebremst weiter. Zusätzlich gab es bei den europäisch spielenden Teams eine ungeheure Belastung und oft ein gehäuftes Auftreten von Coronafällen – Hoffenheim wäre hier das treffende Beispiel. So erklärt sich wohl auch die ungewohnte Siegesserie von fünf Spielen des Sportclubs.

Andererseits sieht die Punkteverteilung in der Tabelle nach 34 Spieltagen – Schalke 04 ausgenommen – relativ normal aus. Und möchte man hier den Sportclub einordnen, ist ein 10. Platz mit 45 Punkten und 52:52 Toren ein gutes Ergebnis. Das Besondere daran ist, dass man die zweite Saison hintereinander praktisch nichts mit dem Abstiegskampf zu tun hatte. Leider hat man es aufgrund des Torverhältnisses verpasst, zum ersten Mal zwei einstellige Tabellenplätze in der Bundesliga zu erreichen. Man scheint sich aber durchaus nachhaltig einen Schritt nach vorne bewegt zu haben. Abgänge können nach kurzer Eingewöhnungsphase halbwegs ersetzt werden, es gibt keine klaren Schwachstellen im Kader und einige Schlüsselspieler wurden langfristig gebunden. In der Spielweise hat man verschiedene Herangehensweisen und kann auf Saisonphasen, Gegner, Spielertypen, Formstärken etc. reagieren. Einige Spieler haben sich gut entwickelt, auch wenn es keine „Leistungsexplosionen“ gab.

Um zum Schluss zu kommen: Die Bewertung ist aufgrund der Sondersituation schwer, aber man kann doch gerade aufgrund der schwerwiegenden Abgänge eine leichte positive Entwicklung festhalten. Und die Grundlagen weiterer positiven Entwicklungen scheinen gelegt zu sein. Es wird nicht viele geben, die den SC Freiburg in der nächsten Saison auf einen Abstiegsplatz tippen werden.

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