Eintracht Frankfurt – SC Freiburg 3 : 1


1. Aufstellung und System

Seit nun etwa vier Jahren wechselt der SC Freiburg zwischen Dreierkette und Viererkette hin und her. Zu Beginn ging es meistens direkt um eine Gegneranpassung. Aktuell scheint es eher darum zu gehen, nach ein paar Spielen einen neuen Impuls zu setzen. Die Formation wird dann oft über mehrere Spiele beibehalten. Die letzten drei Spiele in dieser Saison wurden im 4-4-2/ 4-2-3-1 bestritten.
Personell gab es nur zwei kleine Änderungen. Haberer ersetzte nach seiner guten Leistung als Einwechselspieler gegen Bayern Demirovic und Schmid kam für den gelb gesperrten Sallai ins Team.

Die Eintracht spielte im 3-4-2-1 mit den beiden Zehnern Kamada und Zuber. Im Tor bekam der junge Bördner eine Chance.

2. Pressing

Wie schon gegen Bayern war auch gegen Frankfurt das Spiel gegen den Ball eine besondere Aufgabe. Die Eintracht spielt nicht lange hinten herum, sie lockt den Gegner nur selten, sondern sucht den vertikalen Ball so schnell wie möglich. Das gibt einem die Möglichkeit das Pressing etwas tiefer anzusetzen, ohne dabei passiv zu werden. Man muss den Ball nicht in der gegnerischen Hälfte gewinnen, da der Ball oft genug in die eigene Hälfte kommt und der Gegner gerne weit aufrückt. Das ist etwas ganz anderes als in Spielen gegen Leverkusen, Hertha oder auch Dortmund, die alle geduldiger aufbauen.

Erst zu Beginn der zweiten Halbzeit griff der Sportclub höher an, blieb aber auch nur ein paar Minuten dabei.

Das Pressing war leicht asymmetrisch angelegt. Wenn Haberer und Petersen mal durch einen Flügelspieler im Anlaufen gegen die Dreierkette unterstützt wurden, rückte eher Grifo heraus.

Man muss insgesamt das Gegenpressing lobend erwähnen, dass sich in dieser Saison enorm verbessert hat. Schon die Chance in der ersten Minute entstand durch einen wiedergewonnenen Ball.
Da Freiburg meistens nicht erdrückend viel Ballbesitz im letzten Drittel hat, sondern gerne schnell und tororientiert angreift, ist das Gegenpressing ein wichtiges Mittel, um Druck vor dem gegnerischen Strafraum aufzubauen. Hier ist die Abstimmung in Ballnähe, aber auch die Absicherung durch die Defensivspieler deutlich besser geworden. Das Hinspiel gegen Mainz wäre am 34. Spieltag nicht so abgelaufen.

3. Das Spiel mit dem Ball

Das Aufbauspiel funktionierte gut. Zunächst spielte man häufiger lange Bälle. Was erst einmal uninspiriert klingt, war ziemlich effektiv, da man einige davon weiterleiten oder im zweiten Versuch gewinnen konnte. Hier war die gute Tagesform von Santamaria besonders hilfreich.

Mit der Zeit ließ der Sportclub den Ball aber auch immer häufiger flach laufen und kam meistens über die Flügel ins letzte Drittel.
Im letzten Drittel angekommen, kam man von der rechten Seite aber seltener ins Zentrum. Man spielte weniger Flanken als sonst – und das mit gutem Grund: von den 18 Flanken kam nur eine beim Mitspieler an. Dafür zog Grifo auf der linken Seite gerne nach innen und suchte den Torabschluss. Beim typischen Hinterlaufen von Günter bekam der Linksverteidiger an diesem Tag eher seltener den Ball.

Die Distanzschüsse waren auch kein schlechtes Mittel, da der Torhüter Bördner keinen sicheren Eindruck machte. Er ließ den Ball oft prallen, rettete diese Unsicherheiten aber dann durch beherzte und riskante Anschlussaktion. Einmal hätte Höler fast einen Strafstoß bekommen, in derselben Aktion scheiterte Petersen beim Nachschuss und zuvor kam Petersen etwas zu spät, wurde zwar getroffen, bekam aber auch dafür zu Recht keinen Strafstoß.

In der Schlussphase spielte Jeong dann eine gute Rolle im Umschaltspiel. Schon mit seinem ersten Kontakt leitete er einen hübschen Konter ein, den er und Grifo dann leider am Ende verspielten. Zusätzlich harmonierte er mit Schmid auf dem rechten Flügel. Dass er das Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 erzielte, passte zu der guten Leistung.


Freiburgs Spiel mit dem Ball sah über 90 Minuten gut aus. Lange Bälle und die Angriffe über Außen wurden durchaus mit einem Spiel im Zentrum ergänzt. Höfler spielte mit 56 angekommenen Pässen die meisten in seinem Team, was immer ein ganz gutes Zeichen ist. Der Ballbesitz spielte sich nicht zwischen den Innenverteidigern ab, sondern oft im Mittelfeld (Höfler kippte teilweise ab, aber vergleichsweise selten.)

Vielleicht sind aber 11 Schüsse doch etwas wenig, wenn man bedenkt, dass man doch recht oft im letzten Drittel war. Andererseits verteidigte Frankfurt auch ganz gut. Gegen die SGE aus dem letzten Spiel gegen Schalke wäre wahrscheinlich etwas mehr drin gewesen.

4. Spielverlauf

Das Spiel hatte viele Phasen und kippte von der einen auf die andere Seite. Freiburg begann sehr gut, kombinierte sehenswert und hatte schon zwei Abschlüsse von Grifo nach fünf Minuten. (Grifo war ohnehin wieder sehr dominant.) Bis zur 20. Minute hatte aber auch Silva zwei hübsche Aktionen, die zu Abschlüssen von ihm (2. Minute) und von Hrustic (Ablage, 19. Minute) führten. Günter bekam in der 14. Minute die Gelegenheit für einen Distanzschuss, den Bördner nur abklatschen lassen konnte.

Der Rest der ersten Halbzeit konnte das Niveau der Anfangsphase nicht halten, aber es war auch nach 45 Minuten ein 0:0 der besseren Sorte.

Freiburg kam dann gut aus der Kabine, presste hoch und hatte sogar zwei interessante Ballgewinne, aus denen nichts wurde. Ab der 52. Minute kam dann die SGE wieder besser in die Partie. Der Treffer entstand dennoch eher aus dem Nichts. Haberer hatte bei einer Ecke die Hände über dem Kopf und wurde vom Ball getroffen. Niemand reagierte, kein Frankfurter reklamierte, aber der VAR hatte es dennoch früh genug bemerkt. Dingert wurde an den Monitor geholt und entschied richtigerweise auf Strafstoß. Silva verwandelte zu 1:0.

Die Wechsel auf Freiburger Seite zeigten, wie schon in den letzten Spielen, erneut eine positive Wirkung. Der Sportclub wurde wieder etwas aktiver und erzielte das 1:1 durch Jeong. Allerdings verteidigte man dann einen Standard sehr schlecht. Touré kam im Strafraum frei zum Abschluss. Flekken war zu Recht etwas sauer auf sein Team. Und auch das 3:1 fiel nach einer Hereingabe, die man vielleicht besser hätte verteidigen können. Hier befand man sich aber schon in der Nachspielzeit.

Es war schade um den Punkt. Denn dieser hätte den Sportclub vorbei an Stuttgart auf einen einstelligen Tabellenplatz geführt – und das hat man noch nie zwei Jahre hintereinander geschafft.

Spielerisch war es dennoch ein würdiger Abschied dieser Saison.

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