Das erste Viertel der Saison (Spieltag 1-7)


Der SC Freiburg belegt nach sieben Spielen in der 1. Bundesliga den 4. Platz mit 14 Punkten, hat gemeinsam mit Schalke und Leipzig die zweitwenigsten Gegentore kassiert (Wolfsburg noch weniger) und gemeinsam mit Leipzig und Gladbach die drittmeisten Tore geschossen (Dortmund und Bayern noch mehr). Wenn ich es richtig aufgeschnappt habe, ist das wohl der beste Saisonstart der Vereinsgeschichte (1. Bundesliga). Da drängt sich die Frage auf, wie es dazu kommen konnte. Ich habe mich auf drei Punkte beschränkt, um sich der Sache zumindest anzunähern, die da wären: Einordnung der Leistung, ein balanciertes Spielsystem und eine gesteigerte Qualität und Quantität im Kader.

1. Einordnung der Leistung

Vor dem Spiel gegen Dortmund habe ich in einem Podcast gehört, der Sportclub hätte bisher nur gegen „Gemüse“ gespielt (verkneife mir die Frage, ob Waldschmidts Form damit zusammenhängt). Abgesehen von der flapsigen Bezeichnung derjenigen Mannschaften, die im Dunstkreis des Abstiegskampfes zu finden sind und hinzugenommen, dass der SC Freiburg dann auch selbst in die Kategorie „Gemüse“ gehören würde, ist die Aussage auch nicht ganz falsch. Das Auftaktprogramm war sicherlich nicht das schwerste: Mainz (3:0), Paderborn (3:1), Köln (1:2), Hoffenheim (3:0), Augsburg (1:1), Düsseldorf (2:1) und erst letztes Wochenende Dortmund (2:2) stellen ein anderes Startprogramm dar, als das in den Saisons zuvor. Dennoch lässt sich der gute Saisonstart nicht darauf reduzieren, was der folgende eher umständliche Vergleich zwar nicht beweisen, aber zumindest andeuten kann. Ersetzt man Paderborn mit Nürnberg und Köln mit dem VfB, klammert die Spielorte und konkreten Verletzungssituationen aus und sieht sich einfach die Ergebnisse der letzten Hinrunde gegen die Teams an, gegen die man nun gespielt hat, kommt man nach sieben Spielen auf 4 Punkte und 6:16 Tore. Nimmt man die Ergebnisse aus der Rückrunde, sind es immer noch nur 8 Punkte und 15:18 Tore. Noch einmal zum Vergleich, momentan sind es 14 Punkte und 15:7 Tore.
Es stimmt, dass der Sportclub momentan fast nur gegen Gegner auf Augenhöhe oder sogar knapp darunter gespielt hat, aber normalerweise sind dies eben genau nicht die Spiele, in denen der SC viele Punkte holt. Der Blick auf den Spielplan ist also keine besonders gewichtige Relativierung des bisherigen Erfolgs.

Etwas anders sieht es da schon beim genaueren Blick auf die einzelnen Spiele aus. Gemessen am Erfolg des Bundesligastarts, waren die einzelnen Spiele eher knapp. Gegen Mainz war es 80 Minuten lang ein sehr ausgeglichenes Spiel. Gegen den anderen Sportclub aus Paderborn, der momentan erst einen Punkt erspielen konnte, muss man sogar sagen, dass die Führung nach 45 Minuten eher glücklich zustande kam. In der zweiten Halbzeit zog sich Freiburg dort sogar lange in die eigene Hälfte zurück, beraubte dem Aufsteiger seiner größten Qualität, Bälle in die tiefe zu spielen und gewann am Ende doch souverän. (Diese Herangehensweise machte übrigens Schule in der Bundesliga. Mainz 05 und Hertha BSC, die gegen Paderborn unter enormen Druck standen, wählten ebenfalls eine sehr passive Spielweise.) Auch die Spiele gegen Köln, Augsburg und Düsseldorf waren eher knapp und kippten folgerichtig mal in die eine, dann in die andere Richtung. Das 3:0 gegen Hoffenheim war wohl das überzeugendste Spiel. Geschickt zog der SC Freiburg die Pressingformation der TSG auseinander, konnte häufiger die erste Kette durchbrechen und Angriffe einleiten, von denen einer dann auch zum ersten Treffer führte. Danach passte man sich dem Spielverlauf an, zeigte ein gutes Umschaltspiel und ließ wenige Chancen zu. Nur im Spiel gegen Dortmund zeigte sich der SC Freiburg noch besser. In der 1. Halbzeit spielte man ein gutes Pressing- und Umschaltspiel. Dortmund hatte den Ball, aber nicht mehr Chancen als der Sportclub, konnte allerdings dennoch in Führung gehen. Die ersten 20 Minuten nach der Pause waren dann sehr beeindruckend. Freiburg machte das Spiel, kam zu Chancen und folgerichtig zum Ausgleich. Durch den Offensivdrang gab es Lücken nach hinten, man kassierte erneut den Rückstand, konnte aber wieder in der Schlussphase Druck aufbauen und kam zu einem leistungsgerechten Unentschieden gegen den BVB.
Um es zusammenzuziehen: Der SC Freiburg zeigte überwiegend gute Leistungen, was aber nur gegen Hoffenheim zu einem klaren Spielverlauf führte. In den restlichen Spielen machten Kleinigkeiten den Unterschied, die nicht unbedingt zufällig gewesen sein müssen, bei denen man den Faktor Zufall aber auch nicht ausschließen kann. Das zeigt auch ein Blick auf die sekundären Statistiken.
Bei keiner der gängigen sekundären Statistiken sticht der SC Freiburg heraus:

– Durchschnittlicher Ballbesitz: 47% (Platz 12)
– Passquote: 75% ((Platz 16) Hier hat sich die Bundesliga insgesamt gesteigert. 75% sind okay.)
– Schüsse pro Spiel: 13,3 (Platz 9)
– Torschüsse pro Spiel: 4,3 (Platz 13)
– Gegnerische Schüsse pro Spiel: 15,4 (Platz 5, also nur vier haben mehr zugelassen)
– Erfolgreiche Dribblings pro Spiel: 8,6 (Platz 13)
– usw.

Auffällig ist nur die Expected-Goals-Statistik, die jedem Abschluss eine Wahrscheinlichkeit der Torerzielung zumisst und diese addiert. Freiburg hat sich in den sieben Spielen 10,74 xG erspielt (Platz 7), aber 15 Tore geschossen (Platz 3). Die Differenz von 4,26 ist allerdings der alleinige Spitzenwert. Bei den xGA, also den erwarteten Gegentoren steht man bei 9,01 (Platz 6), hat aber nur 7 Treffer kassiert (Platz 3). Hier belegt man mit der Differenz allerdings nur Platz 3.
Es zeigt sich also, dass der SC Freiburg schon sehr effizient mit den eigenen Chancen umgegangen ist, während die Gegner im Schnitt auch eher mal ein Tor mehr hätten erzielen können.

Dennoch gibt es dafür auch Erklärungen, die den Zufall zwar nicht ganz ausschließen können, aber sich auch nicht auf diesen beschränken. Gerade die schlechtere Chancenverwertung des Gegners könnte mit der disziplinierten Rückwärtsverteidigung zu tun haben. Nur selten musste Schwolow Bälle parieren, ohne dass seine Verteidiger am Gegenspieler waren. Vielmehr gab es einige Szenen bei Gegentoren, in denen es sogar den Eindruck machte, dass die Zahl der Spieler hinter dem Ball Probleme bei der Zuteilung bereitete. Bsp.: Skhiri von Köln in der Nachspielzeit, das Eckballtor gegen Düsseldorf, das 2:1 von Dortmund oder auch das Tor von Niederlechner. Selbst die Paderborner, die so auf Durchbrüche aus sind, kamen nur selten frei zum Abschluss. Die hohe Effizienz hingegen ist teilweise durch die Qualität der Abschlussspieler zu erklären. Günter, Haberer, Frantz oder Höfler werden in der Bundesliga dafür zwar nicht gefürchtet, aber dass bei Waldschmidt nicht nur jeder zehnte Distanzschuss reingeht, dürfte bekannt sein. Auch Grifo oder Schmid können gut aus der Ferne schießen und Petersen hat schon länger eine recht gute Quote bei Abschlüssen. Zu den einzelnen Spielern aber später mehr.

Fazit: Dass der SC Freiburg nicht dauerhaft auf dem 4. Platz bleiben wird, ist wohl ziemlich klar. Dafür spricht, dass die meisten Spiele sehr eng waren und oft durch einzelne Aktionen entschieden wurden. Auch die Statistiken (Punkte, Tore und Gegentore ausgenommen) sprechen eher für einen Platz im Mittelfeld der Tabelle. Andererseits gab es eben auch kaum ein Spiel, in dem der Sportclub klar unterlegen war. Und viele knappe Siege in der Schlussphase kennt man recht gut aus der Saison 2016/17, in der der SC Freiburg 48 Punkte holen konnte. Das führte damals auf den siebten Platz, hätte in den darauffolgenden Saisons allerdings nur für Platz 9 und 10 gereicht.
Allerdings ist die nahe Zukunft recht offen. Viele knappe Spiele ergeben viele Möglichkeiten. Es kann eben wie in Düsseldorf laufen oder wie gegen Köln. Im nächsten Spiel in der alten Försterei dürfte man zwar Favorit sein, aber auch diesen Gegner wird man nicht vollständig dominieren können.

2. Das Spielsystem

Vorneweg: Es gibt beim SC Freiburg in dieser Saison keinen systematischen Sprung. Fast alle gröberen taktischen Herangehensweisen hat man in den letzten Saisons auch schon phasenweise gesehen, zumindest in Ansätzen.
Im Pokal trat der Sportclub noch im gewohnten 4-4-2 auf. Aufgrund der großen Zahl an guten offensiven Spielern hatte man damit auch schon gerechnet. Gegen Mainz allerdings bot sich das 3-4-3 an, um damit über Außen um die Mainzer Raute herumzuspielen. Das funktionierte gut und Streich behielt das System bei. Gegen Köln gab es dann noch einmal den Versuch mit dem 4-4-2 in der ersten Halbzeit. Das war gegen den Ball okay, aber bei den Positionierungen im Spiel nach vorne konnte man deutlich mehr Mängel erkennen als zuvor mit der Dreierkette. So kam das 4-4-2 auch nur noch in den Endphasen gegen Augsburg und Dortmund zum Einsatz, in denen es einfach den Vorteil hatte noch einmal mehr offensives Personal auf den Platz zu stellen.

Dass das 3-4-3 mit dem Ball gut funktioniert, konnte man letzte Hinrunde z.B. gegen Bremen sehen. Das Spiel endete 1:1, aber der Sportclub hatte genug Chancen, um mehrere Tore zu erzielen.
Das System besticht einmal mit seiner Fluidität – gerade gegen den Ball. Häufig sah man Günter oder Schmid wirklich weit auf die gegnerischen Außenverteidiger herausrücken, während die drei Stürmer drei gegnerische Aufbauspieler anliefen. Man kann also ein sehr hohes Pressing spielen und ist gleichzeitig noch halbwegs gut abgesichert, da der ballferne Außenspieler tiefer steht. Durch gutes Verschieben der hinteren Dreierkette bleibt dabei eine Art Viererkette bestehen. Möchte man etwas tiefer agieren, können auch die äußeren Stürmer die gegnerischen Außenverteidiger anlaufen und die Fünferkette bleibt bestehen. Dann ist es eher ein 5-3-2. Drückt der Gegner den SC Freiburg in die eigene Hälfte, konnte man auch schon ein tiefes und sehr kompaktes 5-4-1 beobachten. Drei Innenverteidiger köpfen dann Flanken heraus und die Flügel sind trotzdem doppelt besetzt.
Zu dieser gegebene Fluidität kommt die größte Stärke Streichs noch dazu: Detailanpassungen an den gegnerischen Spielaufbau. Bsp.: Manche Gegner bauten nur mit zwei Innenverteidigern auf. Dann ließ sich der zentrale Stürmer etwas fallen, um den tiefen Sechser zu decken, während die äußeren Stürmer vor ihm die erste Pressinglinie bildeten.
Ich spare mir jetzt weitere Beispiele, da es sich eben um Gegneranpassungen (oder auch Anpassungen an den Spielstand usw.) handelt und diese eben in jedem Spiel anders sind.

Mit dem Ball bringt dieses System die Qualitäten des aktuellen Kaders sehr gut zur Geltung. Die Besetzung der Dreierkette hat ihre Stärken definitiv im Spielaufbau und braucht keine Unterstützung von einem zurückfallenden Höfler. Somit kann die Doppelsechs das Zentrum besetzen und bindet genug gegnerische Spieler. Dies wiederum erlaubt Vorstöße der äußeren Innenverteidiger, die von dort aus ins Zentrum spielen können, meisten aber Günter oder Schmid in der gegnerischen Hälfte anspielen. Von dort aus werden zügig die Angriffe eingeleitet. Günter geht gerne selbst ins Dribbling, aber durch die drei eng stehenden Stürmer und einen ballnahen Mittelfeldspieler gibt es genug offensive Anspielmöglichkeiten.
Ein Nachteil gegenüber dem 4-4-2 ist allerdings zu erkennen. Die Strafraumbesetzung ist meistens gerade am Anfang der Angriffe noch nicht so gut. Somit ist man eher auf Distanzschüsse angewiesen, wenn die Durchbrüche in den Strafraum nicht funktionieren. Und typischerweise sind Freiburger Angriffe nicht lang genug, damit die Sechser in den Strafraum vorrücken können.

Fazit: Das 3-4-3 bietet sich für alle möglichen Spielweisen an. Die größte Stärke davon ist der konstruktive Spielaufbau. Es könnte aber sein, dass Streich in der Phase mit vielen Gegnern auf Topniveau wieder zum 4-4-2 zurückkehrt. Es passt dann doch noch etwas besser zum Pressing- und Umschaltspiel.

Einschub: Flexibilität ist auch das, was die momentane Phase so beeindruckend macht. Der SC Freiburg findet bei fast jeder Herausforderung eine gute Antwort. Bei Gleichstand bekommt man ein balanciertes Spiel hin, in dem man Chancen erspielt, aber defensiv auch gut steht. In Führung kann man durch eine defensivere Variante den Vorsprung meistens sichern und kommt zu entlastenden Kontern. In Rückstand konnte man bisher immer den Druck erhöhen.
Das einzige Problem, das man noch weiter beobachten müsste, ist ein aggressives Pressing des Gegners. Hier hat Augsburg in Rückstand den Spielaufbau Freiburgs durchaus verunsichern können. Dies führte zu langen Bällen und Schwierigkeiten eigene Chancen zu kreieren. Gibt man dem Sportclub Raum und Zeit im Aufbau, können sie damit etwas anfangen.

3. Der Kader

These: Seit dem Aufstieg bekommt Streich bestimmte Basics durchgehend auf den Rasen. Dazu gehört vor allem ein gut auf den Gegner abgestimmtes Pressingsystem, eine Risikoabwägung im Spielaufbau, die es mal mehr mal weniger konstruktiv macht und ein ziemlich direktes Angriffsspiel im letzten Drittel. Diese Herangehensweise führt in den meisten Spielen dazu, dass sie sehr ausgeglichen sind. Durch Rückstände erzwungenes Risiko führen zwar manchmal zu höheren Niederlagen, aber selten wird man von einer Mannschaft „überrollt“. Die vielen Vorgaben und detaillierten Anpassungen geben einer individuell meist unterlegenen Freiburger Mannschaft ein festes Konstrukt an die Hand, mit welchem sich die Spieler kontinuierlich entwickeln können. Man ist beim Sportclub darauf aus, Augenhöhe zu erreichen, nicht den Gegner zu dominieren.
Nun wirklich die These: Erfolgreiche Phasen wie dieser Saisonauftakt oder der siebte Platz 2016/17 sind eher abhängig von einem überdurchschnittlich guten Kader als von einem veränderten Spielsystem. (Ebenso andersherum: in der vorletzten Saison gab es auch keinen systematischen Bruch. Es fehlten einfach Grifo, Philipp, die für eine höhere Erfolgsquote bei Angriffen im letzten Drittel sorgten und es gab viele Verletzte.)

Was soll man sagen: Der SC Freiburg hat momentan für seine Verhältnisse quantitativ und qualitativ einen überdurchschnittlich guten Kader und kaum verletzte Spieler.

Zur gesteigerten Quantität:
Diese führt höchstwahrscheinlich zu einer gesteigerten Trainingsqualität. Ich kenne mich dabei nicht so gut aus und kann mich hier nur auf vergangene Aussagen von Streich berufen. Von ihm wurde in den letzten Jahren gerade in Situationen mit vielen Verletzten angesprochen, dass es immer problematisch ist, wenn man nicht 11 gegen 11 trainieren kann oder die Qualität des „Teams B“ im Training zu gering ist. Es klingt sehr plausibel. Petersen, Gondorf und Kwon können die Verteidiger im Training sicher besser fordern als Spieler aus der zweiten Mannschaft.

Noch offensichtlicher sind die Optionen der Rotation und der Einwechslungen. Sallai, Grifo, Waldschmidt, Kwon oder Petersen von der Bank bringen zu können, ist eine gewisse Luxussituation, die schon entscheidenden Einfluss auf ein paar Spiele hatte. Tore in der Schlussphase gegen Paderborn, Düsseldorf, Dortmund und Mainz wurden durch Einwechselspieler erzielt.
Am Beispiel von Schlotterbeck/ Heintz, Borrello/ Höler oder Frantz/ Abrashi konnte man aber auch sehen, dass die Kadertiefe hilft, der Form der Spieler gerecht zu werden und sie genau dann einzusetzen, wenn sie der Mannschaft weiterhelfen können. Den älteren Spielern Gondorf und Frantz kam es bei ihren Einsätzen wahrscheinlich ebenfalls entgegen, dass sie keine 90 Minuten durchspielen mussten.

Kurz zur Kontinuität:
Nur ein Neuzugang spielt momentan regelmäßig und das ist Jonathan Schmid. Itter, Kwon, Jeong und selbst Grifo sitzen meist noch auf der Bank. Borrello und Sallai, die letzte Saison lange verletzt waren, haben auch noch nicht ganz so viele Einsätze. Damit spielen größtenteils Spieler, die sich schon gut aus den letzten Spielzeiten kennen. In der momentanen erfolgreichen Phase muss man die Integration der Neuzugänge aber auch nicht überstürzen.

Zur gesteigerten Qualität:
Die höhere Qualität kommt zum großen Teil nicht durch externe Neuzugänge, sondern durch Talente, die nun schon eine gewisse Zeit unter Streich trainieren und mehr Bundesligaerfahrung sammeln konnten.

Die Innenverteidigung:
Selten gab es beim SC so viel Qualität im Aufbauspiel, wie mit der Dreierkette Lienhart, Koch und Heintz/ Schlotterbeck. Alle vier haben ein recht gutes Passspiel, sind beweglich und werden auch in ihren defensiven Fähigkeiten immer konstanter. Alle vier scheinen sich seit der letzten Saison gut entwickelt zu haben. Schon in der Rückrunde konnte Heintz seine Aussetzer minimieren, Lienhart scheint sich dauerhaft gegen Gulde durchzusetzen und N. Schlotterbeck konnte seine Leistungen gegenüber den vorherigen Kurzeinsätzen deutlich steigern. Koch, der in den letzten Jahren häufiger mit kleineren Verletzungen zu kämpfen hatte, ist dabei noch einmal gesondert hervorzuheben. Immer häufiger spielt er präzise Verlagerungen auf die Flügel, die Günter und Schmid ein paar Sekunden Freiraum verschaffen, bis der Gegner verschieben kann. Die Nominierung von Löw war nun zwar auch vielen Absagen und Verletzungen geschuldet, aber selbst in einem Spiel gegen Argentinien konnte er einen guten Eindruck hinterlassen. Je nach Konkurrenzdruck und weiterer Entwicklung könnte Koch mittelfristig wirklich in den Dunstkreis der Nationalmannschaft geraten.

Die Flügel:
Dass Günter die Dreierkette entgegenkommt, konnte man auch schon letzte Saison beobachten. Nun hat er aber auch ein Gegenüber, das sehr gut zu dieser Rolle passt. Denn auch Schmid ist sowohl offensiv wie defensiv ein Gewinn für die Freiburger Mannschaft. Gemeinsam haben sie schon drei Tore erzielt und vier Vorlagen gegeben.

Das Zentrum:
Hier kann man wohl am wenigsten von einer klaren Steigerung sprechen. Höfler, Abrashi und Frantz sind in guter Form. Haberer hingegen benötigt bei den Wechseln von einer offensiveren Position ins Zentrum immer eine kurze Umstellungszeit.

Die Offensive:
Zu Waldschmidt muss man nicht mehr viel schreiben. Sicherlich verpasst er manchmal noch den Zeitpunkt für ein Abspiel und ist häufig auf den eigenen Abschluss konzentriert. Aber wer schon drei Tore außerhalb des Sechzehners (Magdeburg, Düsseldorf, Dortmund) geschossen hat, sollte es auch häufiger mal probieren. Seine Positionierung in den Halbräumen hilft dem Aufbauspiel und im Spiel gegen den Ball hat er sehr schnell dazugelernt. Das sieht man gerade in Vergleichen mit seinen U-21-Mitspielern oder sogar im Vergleich zu Brandt gegen Argentinien und Estland. Diese schnelle, aber kontinuierliche Entwicklung zu beobachten, macht wirklich Spaß.
Vielleicht auf niedrigerem Niveau, aber dennoch schön zu sehen, ist die Entwicklung von Höler. In den letzten Saisons noch auf seine Arbeit gegen den Ball reduziert, zeigt er nun auch immer mehr gelungene Aktionen im eigenen Angriff. Seinem 1:0 gegen Mainz ging eine hervorragende Ballmitnahme voraus und auch sein zweites Tor gegen Augsburg leitete er selbst mit einer schönen Kombination mit Günter ein. Mit Grifo, Sallai und Kwon hat er starke und auch technisch talentiertere Konkurrenz, aber bisher rechtfertigen Hölers Leistungen seine Einsatzzeiten.

Das Fundament:
Wie nun mehrfach angeklungen ist, sitzen momentan einige Spieler auf der Bank, die wahrscheinlich auch nach Freiburg gekommen sind, da sie sich dort mehr Spielpraxis erhofft haben. Ob das zu einem Problem wird, kann woanders diskutiert werden. Die Vorteile davon, sind allerdings nicht zu übersehen. Formschwankungen und Verletzungen wird es in der Saison noch genug geben und dann werden wahrscheinlich einige Spieler in den Vordergrund treten, die momentan noch gar nicht richtig zu sehen sind.

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