TSG Hoffenheim - SC Freiburg 1 : 1

1. Der Gegner

Zu Beginn ein paar einleitende Worte zur TSG Hoffenheim und ihrem Trainer. Wurde Nagelsmann letztes Jahr noch zum eindeutigen Nachfolger Ancelottis erklärt, scheint der Hype nun schon wieder abgeklungen zu sein. Vor diesem Spiel hatte die TSG zehn Punkte weniger gesammelt als in der letzten Saison zum gleichen Zeitpunkt. Ein erneutes Erreichen der europäischen Plätze ist fraglich. Auch die einzelnen Spiele der Mannschaft sind nicht ganz mit der letzten Saison zu vergleichen, in der Hoffenheim eines der vier Teams in der Bundesliga war, das auch mit dem Ball etwas anfangen konnte.

Die Ursache dafür beim Trainer zu suchen, ist wahrscheinlich trotzdem verkehrt. Es wurde schon häufig angesprochen, dass mit Rudy und Süle zwei herausragende Spieler den Verein verlassen haben. Seit der Winterpause ist auch Wagner weg. Was aber nicht so häufig thematisiert wird, ist die Teilnahme am europäischen Wettbewerb. Wie problematisch Qualifikationsspiele für die Saisonvorbereitung sind, hat man auch in Freiburg diese Saison mitbekommen. Dort ging es allerdings gegen NK Domzale, was vielleicht nicht ganz so viel Aufmerksamkeit raubt, wie zwei Spiele gegen Klopps Liverpool. Hinzu kamen noch die sechs Spiele der Gruppenphase.

Die Folge davon war eine ziemlich überspielte Mannschaft in der Hinrunde, mit ein paar mehr Verletzungen als sonst. Ein Beleg dafür war auch der sich übergebende Wagner im Hinspiel gegen den SC. Die Spieler schienen allgemein ziemlich an der Grenze zu sein.
Die Voraussetzungen für eine erneute Qualifikation für die Europa League waren durch die Dreifachbelastung und die Spielerabgänge äußerst schlecht. Trotzdem spielt Hoffenheim immer noch einen halbwegs ansehnlichen Fußball und versucht sich meist spielerisch aus Pressingsituationen zu befreien. Das Positionsspiel und die Passschärfe zeichnen diese Mannschaft weiterhin aus und machen sie zu einem der ambitionierteren Teams in der Bundesliga. Dass dies auch ohne Nagelsmann so wäre, wage ich zu bezweifeln. Falls er nächste Saison gehen sollte, wird man diese These überprüfen können.

2. Das Spiel

Freiburg spielte in der typischen 4-4-2 Formation. Vier Defensive, Doppelsechs, zwei Flügelspieler, ein hängender und ein richtiger Stürmer.
Gegen den Ball gab es allerdings eine kleine Besonderheit. Hoffenheim spielte mit einer Dreierkette. Deswegen liefen, trotz vier Offensiven, nur drei Spieler in vorderster Reihe an: Petersen und die beiden Flügelspieler (Terrazzino/ Höler). Haberer blieb hinter dieser Linie und deckte den gegnerischen Sechser (Grillitsch) ab. So ergab sich eine für den Sportclub ungewohnte 4-2-1-3 Formation gegen den Ball.

Das Pressing war insgesamt etwas passiver als gewohnt. Das lag auch daran, dass Terrazzino und Höler stark darauf bedacht waren, die Passwege zu den Hoffenheimer Außenspielern Gnabry und Kaderabek zuzustellen und weniger darauf, direkt Druck auf die Innenverteidiger auszuüben. Gleichzeitig blieben Koch und Abrashi in der Nähe der beiden Achter Zulj und Geiger. Den Hoffenheimer Aufbauspielern wurde somit jede Anspielmöglichkeit genommen.

Wieder ging Streichs defensiver Plan gut auf. Wie Nagelsmann auf der Pressekonferenz sagte, waren die Flanken, die von Hoffenheims rechter Seite kamen, ungefährlich, da Szalai alleine den Strafraum besetzte. Gnabrys Dribblings über die linke Seite, brachten die Freiburger Abwehr schon eher durcheinander (erfolgreiche Dribblings: Gnabry (5), SC Freiburg (3)).
Aber auch daraus entstand nur eine wirklich gefährliche Situation in der 1. Halbzeit. In der 42. Minute brach der Olympiafinalist bis an den Fünfmeterraum durch und konnte auf Geiger ablegen. Dessen Schuss wurde aber von Schwolow pariert.

Bei Freiburgs eigener Spielanlage konnte man leichte spielerische Fortschritte erkennen. Söyüncü, Gulde und Schwolow versuchten häufiger flach aufzubauen und zögerten den langen Ball, so lange wie es ging, heraus. Gerade Stenzel wurde wieder stärker in das Aufbauspiel mit eingebunden. Aber auch Koch bewegte sich gut im Raum vor der Abwehr. Allerdings führte diese leichte Verbesserung selten zu aussichtsreichen Szenen am gegnerischen Strafraum.

Die einzige echte Chance durch Haberer in der 25. Minute entstand durch einen Ballgewinn von Stenzel nach Gegenpressing. Ansonsten kam der Sportclub ab und zu ins letzte Drittel, verlor dort allerdings schnell wieder den Ball.

3. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause übernahm Hoffenheim immer deutlicher die Spielkontrolle. Schaffte es der Sportclub in der ersten Halbzeit noch, mit einer guten Staffelung die TSG knapp hinter der Mittellinie zu halten und manchmal nach Ballgewinn selbst umzuschalten, wurde man nun an den eigenen Strafraum zurückgedrängt. In dieser Drangphase fiel konsequenterweise der Hoffenheimer Führungstreffer. Vogt konnte einen sehr guten Pass auf den Achter Zulj spielen, der dann kurz vor dem Strafraum gefoult wurde. Den anschließenden Freistoß verwandelte Kramaric. Dabei schien die Mauer nicht optimal zu stehen. Der Ball flog rechts an ihr vorbei.

Obwohl Hoffenheim daraufhin nicht mehr ganz so dominant war, konnte Freiburg ebenfalls nicht den ganz großen Druck aufbauen. Und doch fiel zehn Minuten später der Ausgleichstreffer. Petersen konnte einen Pass von Akpoguma abfangen und zum eingewechselten Kath spielen. Dieser schickte Petersen mit einem Steilpass in den Strafraum, wo der Stürmer dann ungeschickt von Vogt gefoult wurde. Petersen verwandelte den Strafstoß – gewohnt souverän – selbst.

Danach stellte Freiburg das Spielen praktisch ein und konzentrierte sich auf die Defensive. Das klappte recht gut. Einmal noch köpfte Kaderabek nach einer Halbfeldflanke an die Latte. Nagelsmann stellte in der 82. Minute auf ein 4-3-3 um. Doch mehr als ein Distanzschuss von Grillitsch und Geigers folgender Nachschuss neben das Tor kam nicht dabei heraus.

Das Unentschieden war etwas schmeichelhaft. Zwar schaffte es der Sportclub erneut, gegnerische Chancen größtenteils zu verhindern, erspielte sich aber selbst noch weniger.

4. Streichs Entschuldigung

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel schien Streich unsicher, was die Bewertung der Partie anging. Er lobte seine Mannschaft dafür, alles abgearbeitet zu haben. Damit war vor allem das Spiel gegen den Ball gemeint. Söyüncü hatte sehr viele herausrückende Aktionen, in denen er versuchte bei einem Anspiel vor den Gegner zu kommen, war aber in der nächsten Sekunde wieder zurück in der Formation. Es war durchaus beeindruckend, wie fehlerfrei das funktionierte. Das Anlaufen der vier Angreifer war gewohnt gut. Abrashi und Koch hatten das Mittelfeld einigermaßen unter Kontrolle und Stenzel ließ Gnabry nur selten durchbrechen. Mit dem Ball kann man wieder Koch hervorheben, der sich erstaunlich gut auf der neuen Position entwickelt. Die Ruhe und Übersicht am Ball hatte man in seinen ersten Spielen auf der Sechs noch vermisst. Das ist aber durchaus verständlich, wenn man in der letzten Saison noch Innenverteidiger in der zweiten Liga war.

Trotzdem ließ Streich anklingen, dass es spielerisch gerade eigentlich nicht reicht. Man tue alles, um das zu verbessern, aber die Situation wäre gerade schwierig.
Dieses zurückhaltende Statement ist sehr verständlich. Es ist offensichtlich, dass Freiburg sich momentan kaum Chancen herausspielt. Klammert man die Partie gegen Dortmund aus, hat der Sportclub in der Rückrunde noch kein Tor aus dem laufenden Spiel erzielt. Auch wenn man hin und wieder ins letzte Drittel kommt, fehlt dort die Präzision im Passspiel, um tatsächlich mal gefährlich vor das Tor zu kommen.
Trotzdem kann man den einzelnen Spielern keinen wirklichen Vorwurf machen. Höler ist defensiv tadellos, kann einen Ravet aber spielerisch nicht ersetzen. Das erwartet man aber auch nicht von einem frischen Neuzugang aus Sandhausen. Die Vorstöße von Abrashi sind wichtig, aber auch nicht damit zu vergleichen, wenn Frantz, Höfler oder Haberer aus dem Mittelfeld aufrücken. Es ist also richtig, wenn Streich zwar ein existierendes Problem anspricht, aber seinen Spielern konkret keinen Vorwurf machen möchte. Gerade, wenn sie Defensiv so gut stehen, wie in den letzten acht Spielen. Indem sich Streich in so einem entschuldigenden Ton rechtfertigt, wenn der SC so spielt, wie viele andere Bundesligisten auch, – gegen den Ball gut, mit dem Ball Ideenlos – wird der eigene hohe Anspruch zum Ausdruck gebracht.

Als Freiburgfan ist man nun etwas irritiert. Hatte man sich über die letzten Jahre daran gewöhnt, dass man spielerisch gegen individuell besser besetzte Teams mithält, am Ende aber durch einen Fehler verliert, konzentriert man sich nun fast vollständig aufs Pressing und macht vorne die Elfmeter rein. Die Punkteausbeute ist, trotz mangelndem spielerischen Ansatz, gerade ziemlich gut. Man kann sich nur nicht vorstellen, dass dies langfristig funktionieren kann. Streich sagte nach dem Spiel in Bremen sehr richtig: „das gewinnt Freiburg normal nicht“. Doch in der zweiten Hälfte der Hinrunde hat Freiburg gezeigt, dass in der Mannschaft eigentlich auch spielerisches Potenzial steckt. Deswegen ist es keine Ausrede, wenn man auf die Verletzten Ravet und Höfler verweist. Sind sie nach dem kommenden Spiel gegen Bayern fit, ist hoffentlich wieder etwas mehr möglich.

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