Sommer 2018: Vorschau auf die kommende Saison

Nach dem Rückblick auf die abgelaufene Saison folgt nun die Vorschau zur kommenden Spielzeit. Nach einigen allgemeineren Bemerkungen und der Zielsetzung, sollen Ab- und Zugänge beleuchtet und der Freiburger Kader insgesamt bewertet werden. Daraufhin gibt es ein paar Spekulationen zur Spielanlage und Spielsystem, ein paar Eindrücke aus dem letzten Testspiel und abschließend einen kurzen Blick in die Glaskugel.

1. Ziel und mögliche Mittel

Auch die langweiligen Sachen müssen ausgesprochen werden, wenn es denn Tatsachen sind. Ziel des SC Freiburg in der Saison 2018/19 ist der Klassenerhalt. Viel interessanter ist es darüber zu sprechen, wie es denn erreicht werden soll. Gerade in der vergangenen Spielzeit wurde deutlich, dass der Freiburger Kader nicht die Qualität hat oder besser aufgrund der finanziellen Möglichkeiten nicht haben kann, einen ganzheitlichen extremeren Ansatz zu verfolgen. Um sich 90 Minuten hinten reinzustellen und nur auf Konter zu lauern, ist die Abwehr zu anfällig. Ein sehr hohes Angriffspressing ist zu riskant, da sich größere Lücken ergeben und Spieler zu häufig in unangenehme 1-gegen-1-Situationen kommen. Und für ein dominantes Ballbesitzspiel in der gegnerischen Hälfte ist die Passqualität und Pressingresistenz der Spieler einfach nicht hoch genug. Wie auch in den Saisons davor heißt das Stichwort also Balance. Die Fragen, die sich dadurch stellen sind:

- Wie offensiv kann man pressen, ohne dabei zu große Lücken hinter oder vor der Abwehr offen zu lassen? Torwart anlaufen, oder nicht?
- Wie viel flaches Aufbauspiel aus der Innenverteidigung heraus kann man sich leisten, wenn der Gegner hoch anläuft? Spielt man zu früh den langen Ball, läuft man die ganze Zeit nur hinterher, versucht man zu viel spielerisch zu lösen, entstehen Fehler, man fängt sich einfache Gegentore und läuft einem Rückstand hinterher.
- Wie viele Spieler kann man vor dem Ball Positionieren, ohne bei Ballverlust zu häufig in gefährliche Konter zu laufen? Sind es zu wenige, kreiert man kaum systematisch Torchancen, sind es zu viele, steht man zu offen.
- Wie intensiv betreibt man das Gegenpressing nach Ballverlust? Zieht man sich nicht doch besser wieder schnell zurück, um in die Formation zu kommen?
- Wie sehr stellt man seine Spielanlage auf die Verhinderung einer Entfaltung der offensiven Stärken des Gegners ein und wie viel auf Ausnutzung seiner defensiven Schwächen?
- Usw.

Die Antworten auf diese Fragen verschieben sich bei Streich normalerweise in jedem Spiel, aber ebenfalls – allgemeiner betrachtet – in jeder Saison, auch wenn es sich selten um die ganz großen Verschiebungen handelt. Dabei wird das Minimalziel, das dadurch verfolgt wird, häufig erreicht. Über die letzten Jahre konnte der Sportclub die Mehrzahl der Spiele sehr eng gestalten. Da kommt es dann auf Kleinigkeiten an, zum Beispiel, ob man am Schluss noch frisch genug ist, den einen oder sogar drei Punkte mitzunehmen. Das Maximalziel, also wirklich merkbar besser als der Gegner zu sein, ist selbstverständlich nicht so häufig zu beobachten, kommt aber schon hin und wieder vor.
Für die neue Saison kündigte Streich an, man würde versuchen das spielerische Element wieder etwas mehr zu betonen, das letzte Saison doch zu häufig gefehlt habe. Insbesondere die Zugänge sollen Freiburg bei diesem vorhaben helfen.

2. Bewegung im Kader

Abgänge:

Mit Söyüncü und Kempf gab es zwei Abgänge aus der Kategorie „über den Verein hinausgewachsen“. Zwar wird darüber diskutiert, ob der verletzungsanfällige Kempf tatsächlich auf Sicht bei einem Klub unterkommen wird, der regelmäßig international spielt, oder ob Söyüncü seine größeren Fehler jemals abstellen wird (, die es in der letzten Saison kaum noch gab), eine Perspektive die beiden langfristig zu halten, gab es aber nicht. So sind es auch die beiden Abgänge, die den größten Qualitätsabfall im Kader bedeuten, auch wenn sie keine unumstrittenen Stammspieler waren, sondern sich in der Rückrunde größtenteils um den Platz neben dem stabilen Gulde gestritten haben. Ihr großer Vorzug gegenüber ihrem Nebenmann war die sichere Ballzirkulation in der letzten Reihe und der sehr gute Spielaufbau, egal ob durch lange diagonale Bälle oder einen scharfen Pass ins und durchs Mittelfeld. Diese Qualität wird dem SC Freiburg fehlen.

Das nächste Duo, ohne dass der SC in Zukunft auskommen muss, verließ den Klub eher aus Altersgründen. Schuster beendete seine aktive Karriere und Guédé ging nach Sandhausen in die zweite Liga. Während ersterer gerade letzte Saison noch einmal eine größere Rolle als zentraler Innenverteidiger und später auch im Mittelfeld spielte, war Guédé eher in den Saisons davor immer die defensive, für den Gegner unangenehme Alternative in der Angriffsreihe gegen spielstarke Mannschaften. Gerade diese Abgänge der erfahrenen Spieler ist nicht zu unterschätzen. Auch wenn sie selten in einer imaginierten Top-Elf des SC (ohne Formkrisen und Verletzungen), die zu Saisonstart immer aufgestellt werden, vorkamen, spielten sie in den letzten Saisons immer noch eine nicht unwichtige Rolle.

Hufnagel und Möller-Daehli sind die Spezialfälle, über die man wahrscheinlich am längsten diskutieren könnte. Beide bringen ein gewisses technisches und kreatives Potenzial mit, dass beim Sportclub nicht so häufig zu finden ist, schafften aber in den letzten Saisons nicht den Durchbruch, um sich für den Kader zu empfehlen. Ob dieser noch kommen würde, kann man nur schwer vorhersagen. Allerdings ist es aus der Perspektive der Spieler wahrscheinlich auch nicht besonders wünschenswert, ständig in einem Leihverhältnis zu dem aktuellen Klub zu stehen, sodass es früher oder später darauf hinauslaufen musste, entweder fest zum Freiburger Kader zu gehören oder den Verein zu verlassen.

Klandt, Niedermeier, und Ignjovski konnten sich nicht durchsetzen.

Gikiewicz war eine gute Nummer 2, als Schwolow kurzfristig ausfiel, hatte aber gerade mit dem Ball am Fuß einige Unsicherheiten.

Dräger, Schleusener, Föhrenbach und Sierro wurden verliehen. Bei keinem von ihnen kann man sich sicher sein, ob sie langfristig eine Rolle beim SC spielen werden, ausgeschlossen ist es aber nicht. Im Falle eines Abstiegs, der hoffentlich vermieden werden kann, würden sich ihre Chancen deutlich verbessern.

Zugänge:

Lienhart wurde fest von Real Madrid verpflichtet. Nachdem er eine gute Hinrunde gespielt hatte, war er in der Rückrunde leider lange nicht fit und fand später nicht mehr in die Mannschaft. Sein Potenzial war aber durchaus erkennbar und er wird wahrscheinlich auch nächste Saison eine Rolle spielen.

Waldschmitd, Heintz und Gondorf in einen Topf zu werfen, ist sicher nicht ganz richtig. Als Fußballer ist der eine jung der andere leicht jünger als der Durchschnitt und der dritte alt. Es handelt sich um einen Abwehr- einen Mittelfeld- und einen Offensivspieler. Alle drei eint aber, dass sie schon Bundesligaspieler sind und das ist durchaus ungewöhnlich für Freiburger Transfers, zeigt aber dadurch eine gewisse Entwicklung der Möglichkeiten, die der Verein hat. Nicht nur, dass man diese Transfers finanziell realisieren konnte, sondern vor allem, dass sich ein Heintz für diesen Klub entschieden hat.

Aus der zweiten Liga kamen Flekken, der auf keinen Fall auf Trinkflaschen angesprochen werden möchte, als zweiter Torhüter und der Außenbahnspieler Borrello, der allerdings ziemlich sicher mindestens die Hinrunde aufgrund einer Verletzung verpassen wird. Nach Meinung der Lauterner Abteilung von NeuesVonnePommesbude, wird Borrello allerdings überschätzt.

3. Kaderbewertung

Torhüter: Hier ändert sich wenig. Schwolow ist ein guter Bundesligatorhüter, der jetzt schon das Interesse größerer Vereine auf sich gezogen hat. Als zweiter Torhüter hat Flekken sicherlich höheres Potenzial als Gikiewicz, aber noch nicht dessen Erfahrung.

Innenverteidiger: Es ist erstaunlich, wie gut der SC Freiburg trotz der beiden Abgängen von Kempf und Söyüncü noch aufgestellt ist. Mit Heintz und Gulde hat man zwei absolut erfahrene Erstligaverteidiger und mit Koch und Lienhart zwei Spieler, die man ohne Sorge aufstellen kann und sogar noch beachtliche Entwicklungsmöglichkeiten haben. Trotzdem ist es der Mannschaftsteil, der im Vergleich zur letzten Saison am ehesten an Substanz verloren hat.

Außenverteidiger: Auf der rechten Seite stehen Kübler und Stenzel zur Verfügung. Solange beide fit bleiben, scheint dies eine – für Freiburger Verhältnisse – recht gute Lösung zu sein. Kübler ist defensiv stärker, im Spiel nach vorne aber zurückhaltend und eher solide als gut. Stenzel hingegen ist recht spielintelligent. Sein Stellungsspiel im Aufbau und beim Absichern, wenn der Rest im Angriff ist, verleiht dem Freiburger Spiel eine gewisse Stabilität. Seine Schwächen liegen eher im Verteidigen von dynamischen Situationen des Gegners bei Kontern oder Spielverlagerungen auf seine Seite. Im Prinzip ergänzen sich beide also ganz gut und Streich hat die Möglichkeit von Spiel zu Spiel zu entscheiden, wessen Fähigkeiten gerade wichtiger für die Gesamtleistung des Teams sind.
Auf der anderen Seite ist Günter unumstrittener Stammspieler. Falls ich damit richtig liege, dass Heintz in Zukunft der Ersatzspieler für ihn sein soll, halte ich das für eine sehr ausgefuchste Lösung. Ein Außenverteidiger mit Bundesligaqualität setzt sich nicht 75% der Spiele beim SC Freiburg auf die Bank, womit ein Innenverteidiger, der eben auch Linksverteidiger spielen kann, der perfekte Günter-Ersatz ist. Zudem wurde in der Vorbereitung Kath auf dieser Position getestet.

Mittelfeld: Es sieht ganz so aus, als ob man Haberer auf die Position neben Höfler ziehen würde. Mit Gondorf und Abrashi gäbe es zwei Spieler in der Hinterhand, wodurch Frantz und Koch wiederum eher für die Defensive respektive Offensive geplant wären. Hier ist man durch den Transfer von Gondorf, die Umschulung von Haberer und den großen Schritt, den Höfler vergangene Saison machte, besser aufgestellt. Auch die eine oder andere Verletzung könnte durchaus aufgefangen werden.

Angriff: Streich stellt im 4-4-2 meist einen „echten Stürmer“, einen „schwimmenden Neuneinhalber“ und zwei Flügel auf. Im Idealfall wechseln aber gerade die etwas tieferen drei mühelos ihre Positionen. Vorne wird es wohl auf den Zweikampf Niederlechner/ Petersen hinauslaufen, wobei gerade Niederlechner auch als zweiter Stürmer neben Petersen spielen könnte. In der letzten Hinrunde gegen Leipzig war er im 5-2-3 (etwas engere Flügel) sogar auf rechts Außen aufgestellt. Kleindienst wäre eine dritte Option für den Sturm, falls sich einer der beiden langfristig verletzen sollte und es etwas Rotation benötigt. Auch dahinter ist man mit Terrazzino, Frantz, Ravet, Waldschmidt, Kath, Höler, Kleindienst oder auch Haberer gut aufgestellt. Der Neuzugang Waldschmidt passt optimal in die flexible Streichsche Offensive, da er wirklich alle Positionen übernehmen kann, auch wenn er sich selbst am ehesten als zweiten Stürmer sieht.

Fazit: Es ist noch vor der Saison und ob es langfristige Verletzungen geben wird, ist nie wirklich vorherzusagen. Davon abgesehen, hat der SC Freiburg in der Innenverteidigung an Qualität verloren, ist aber gerade dort eigentlich recht gut aufgestellt. In den anderen Mannschaftsteilen, kann man eher von einer Verbesserung sprechen. Einerseits aufgrund der Neuzugänge, andererseits da es dort in der vergangenen Saison langfristige Ausfälle gab. Können Ravet, Niederlechner, Frantz und Höfler große Teile der Saison bestreiten, würde das alleine schon eine qualitative Steigerung im Vergleich zu letztem Jahr bedeuten, würden Günter und Schwolow allerdings lange Ausfallen, hätte man wahrscheinlich ein Problem.
Mit den frühen Neuzugängen, wenigen Abgängen und der ruhigen Vorbereitung, kann man aber leicht optimistischer in die Saison gehen als letzten Sommer.

4. Spielanlage und Spielsystem

Die ganz großen Veränderungen werden für diese Saison nicht zu erwarten sein. Freiburg ist über die letzten Jahre flexibler geworden, wechselt zwischen Vierer- und Fünferkette, spielt flache und hohe Bälle und passt die Höhe der ersten Pressinglinie auch innerhalb eines Spiels immer wieder an. Charakteristisch ist immer noch ein laufintensives kompaktes Pressing, eine weitestgehend tiefe Ballzirkulation und das schnelle Überbrücken des Mittelfelds mit anschließendem oft riskantem Pass in den gefährlichen Raum vor oder neben dem Sechszehner. Das Spiel ist leicht asymmetrisch angelegt, da Günter früh hochschiebt und Stenzel sich mehr am Aufbau beteiligt und sich beim Angriff tiefer anbietet. Überladungen kommen somit eher links oder im Zentrum vor.

In der Vorbereitung spielte der SC Freiburg prinzipiell im 4-4-2. Ob sich das während der Saison fortsetzt, wird man wahrscheinlich schon im ersten Spiel gegen Frankfurt sehen, die in einer klaren Dreierkettenformation auftreten. Letzte Saison passte Streich meistens seine eigene Formation solchen Gegebenheiten an. Die Anpassung könnte aber auch durch Veränderungen im 4-4-2-System vorgenommen werden. Ein Flügelspieler lässt sich im Pressing dann immer etwas mehr ins Mittelfeld fallen, während der andere die beiden Stürmer unterstützt. Oder beide Flügel bleiben tiefer, während ein Mittelfeldspieler weiter aufrückt (Haberer im letzten Testspiel). Beide Optionen erfordern zwar eine gute Abstimmung unter den vordersten Vier, dem Mittelfeld und den Außenverteidigern, aber komplexe Pressingsysteme sind ganz klar einer der Stärken des Sportclubs. Dass die beiden Abgänge in der Innenverteidigung bisher nur durch Heintz ersetzt wurden, spricht zumindest erstmal dafür, dass man eher auf die Viererkette setzt. Sicher ist das aber nicht.

Die Veränderungen zur kommenden Saison werden wahrscheinlich eher im Kleinen, im gruppentaktischen Bereich, also zum Beispiel im Zusammenspiel der angreifenden vier bis sechs Spielern, stattfinden. Mit einem Blick auf das letzte Testspiel gegen San Sébastian ist da besonders die Einbindung von Waldschmidt zu nennen, der sich von der rechten Flügelposition sehr weiträumig bewegte. Durch sein Zurückfallen ins Zentrum ergaben sich Kombinationsmöglichkeiten mit Haberer, wodurch man dynamisch ins letzte Drittel kam, um sich von dort aus Torchancen herauszuspielen. Genaueres wird man wohl erst nach ein paar Spielen feststellen können.

5. SC Freiburg – Real Sociedad San Sébastian

Testspiele während einer sehr anstrengenden Vorbereitung sollten nicht überbewertet werden, doch die Aufstellung scheint zumindest kein reines Experiment gewesen zu sein und hat durchaus Potenzial für die Spiele gegen Cottbus und Frankfurt, da diese für Ravet wahrscheinlich zu früh kommen werden.

-------Petersen--------Niederlechner---------
Frantz----------------------------Waldschmidt
-------------Höfler--------Haberer----------------
Günter------Heintz-------Gulde-----Stenzel
--------------------Schwolow----------------------

Was gleich zu Beginn negativ auffiel, war der fürchterliche Zustand des Rasens, der aufgrund der Hitze unter Pilzbefall litt, aber noch vor der Saison ausgewechselt werden soll.

In den ersten Minuten hatte die Mannschaft größere Probleme, spielte Fehlpässe im Aufbau und wurde vom Gegner an den eigenen Sechszehner gedrückt. Das Pressing kurz vor der Mittellinie konnte die Angriffe nicht unterbinden und die Abwehraktionen in der eigenen Hälfte sahen noch etwas wackelig aus. Offensiv passierte zunächst, bis auf einen Distanzschuss von Waldschmidt, nur wenig. Die zwischenzeitliche Führung für San Sébastian nach Eckball war verdient. Interessanterweise kannte man diese Eckballvariante, mit der Kopfballverlängerung am ersten auf den zweiten Pfosten, wo dann ein zweiter Spieler abschließt, letzte Saison eher vom SC als von seinen Gegnern. Umso erstaunlicher war es, dass sie diese Ecke nicht verteidigen konnten. Insgesamt machte Freiburg bei Defensivstandards noch nicht den stabilsten Eindruck.
In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit lief dann aber deutlich mehr zusammen. Hinten ließ man kaum noch etwas zu und über die rechte Seite konnten einige Angriffe gestartet werden. Dementsprechend war auch der Freiburger Ausgleich verdient. Eine Mischung aus Halbfeldflanke und Spielverlagerung von Stenzel fand Frantz, der daraufhin im Strafraum gelegt wurde. Petersen verwandelte den anschließenden Elfmeter links unten.

In der zweiten Halbzeit wurde zunächst nicht gewechselt und auch leistungsmäßig knüpfte man an die gute Phase vor der Pause an. Petersen schoss in der 50. Minute ein Tor nach Standard. Der Schiedsrichter entschied allerdings auf Abseits. In der 60. Minute musste Waldschmidt angeschlagen raus (nur ein Pferdekuss). Für ihn kam Terrazzino und in der 81. verließen auch die restlichen Spieler, bis auf Günter und Schwolow, das Feld.

Insgesamt war es ein recht ordentlicher Test, der einem weder das Gefühl gab, der Sportclub hätte all seine Probleme gelöst, noch dass man es hier mit einer besonders schlechten Freiburger Mannschaft zu tun hätte. Gerade in der Anfangsphase lief defensiv wie offensiv wenig zusammen, was aber mit der Zeit immer besser wurde. Der Sportclub variierte auch innerhalb des Spiels zwischen sehr tiefem Verteidigen, Mittelfeldpressing und kürzeren Phasen von hohem Angriffspressing. Das Nachsetzten nach Ballverlust, ebenso wie das schnelle Rückwärtsverteidigen funktionierte über weite Strecken gut. Was einem bei eigenen Angriffen etwas negativ auffallen konnte, war die hohe Anzahl an Halbfeldflanken. In der Bundesliga hat man es größtenteils mit sehr kopfballstarken Innenverteidigern zu tun, die solche Hereingaben mühelos Abfangen würden. Bei den flachen Kombinationen nach vorn war insgesamt noch viel Streuung dabei, Ansätze waren aber durchaus erkennbar. Und ein paar Spieler konnten auf sich aufmerksam machen.

Haberer: Die Umschulung zum zentralen Mittelfeldspieler, die schon letzte Saison begann, könnte wirklich gut funktionieren. Haberer interpretierte seine Rolle sehr weiträumig und versuchte häufig, eine ballnahe Anspielstation zu sein. Zudem zeigte er ein paar recht gute lange diagonale Bälle auf die Außen. Die Defensivarbeit scheint ihn zunächst noch vor keine größeren Probleme zu stellen.
Heintz: Der Neuzugang aus Köln konnte ebenfalls überzeugen. Defensiv solide, strahlte er auch eine gewisse Ruhe am Ball aus und spielte teilweise ebenfalls sehr effektive Diagonalbälle.
Waldschmidt: Luca Waldschmidt hatte noch ein paar Probleme mit dem Freiburger Pressing. Wurde er ausgespielt, reihte er sich nicht wieder sofort in die Formation ein, was teilweise Lücken öffnete. Insgesamt war er trotzdem kein wirklicher defensiver Schwachpunkt der Mannschaft und erledigte seine Aufgaben pflichtbewusst. Mit dem Ball war er aber auf jeden Fall eine Bereicherung. Seine schnellen und wendigen Bewegungen konnte er gerade bei den Freiburger Kombinationen durchs Zentrum einbringen. In manchen Situationen erinnerte er sogar ein wenig an Philipp, wenn auch noch auf einem anderen Niveau. Die Entwicklung des Freiburger Wunschtransfers wird aber sicherlich sehr interessant.
Stenzel: Bei Stenzel werde ich immer etwas persönlich, um meine besondere Vorliebe für diesen Spieler kenntlich zu machen. Er gefiel mir sehr gut in diesem Spiel. Als etwas tiefere Anspielstation bei Freiburger Angriffen konnte er nach dem Rückpass meist wieder durch vertikale Pässe oder Verlagerungen Dynamik ins Spiel bringen. Beim eigenen Spielaufbau wurde er von den Innenverteidigern mit eingebunden und war dabei wie immer sehr zuverlässig. Defensiv hatte er in diesem Spiel keine Probleme. Es sieht also insgesamt alles ganz gut bei ihm aus.
Koch: In den letzten 10 Minuten viel vor allem Koch auf, der seine – durch die lange Zeit als Mittelfeldspieler – neu erlernten Fähigkeit, gut ins Spiel integrierte. Trotz Druck des Gegners behielt er Ball und Übersicht. Der Konkurrenzkampf unter den Innenverteidigern bei Freiburg bleibt spannend.

6. Der Blick in die Glaskugel

Vergleicht man den SC Freiburg dieser Saison nur mit dem der letzten Saison, kommt man zu dem Schluss, dass es mit dem Ziel Klassenerhalt ganz gut aussehen müsste. Die Abgänge sind zwar von hoher Qualität, können aber eigentlich ganz gut ersetzt werden und sind nicht direkt an der größten Frage zur kommenden Saison beteiligt, die man letzte Saison nur teilweise beantworten konnte: Wie kommt man im letzten Drittel zu Torchancen? Man kann sich zwar nicht sicher sein, ob diese Aufgabe nun besser gelöst werden kann, da Streich wahrscheinlich keine riesigen Neuheiten in der Spielanlage einführen wird, ein paar Faktoren sprechen aber schon dafür. Die Neuzugänge Waldschmidt und Gondorf, ebenso wie die wiedergenesenden Frantz, Niederlechner und auch Ravet verbreitern und verbessern die Qualität im Angriff. Zudem gab es im offensiven Bereich keine gewichtigen Abgänge. Die Spieler kennen sich deutlich besser als letztes Jahr. Die dazugewonnene Breite könnte offensive Einwechslungen wieder zu einem größeren Faktor machen, wie man es aus der vorletzten Saison kannte. Man kann also vorsichtig optimistisch sein.

Der Blick auf die Konkurrenz ist da schon ambivalenter. Auf der einen Seite gibt es wieder zwei klare Abstiegskandidaten. Die Kader von Düsseldorf und Nürnberg fallen im Vergleich zu den anderen Bundesligisten ganz schön ab und ob man von Funkel so viel erwarten kann, wird sich zeigen. Auf der anderen Seite haben einige Konkurrenten viele wichtige Spieler halten können und sich sogar noch ordentliche Verstärkung gesichert. Gerade Bremen und Stuttgart haben offensichtlich höhere Ambitionen als letzte Saison und Mannschaften wie Augsburg und Hannover haben trotz ihrer sehr guten Saisons einige Leistungsträger halten können. Auch gibt es bisher weniger Rotation auf den Trainerbänken als zuvor und die meisten Mannschaften dürften schon früh relativ eingespielt sein. Bei den meisten Vereinen fehlt zudem die Andeutung eines möglichen Zusammenbruchs, wie man ihn teilweise bei Köln, Hamburg und Wolfsburg beobachten konnte. Frankfurt hat zwar die Dreifachbelastung, aber dafür immer noch ein physisch wahnsinnig starkes Team. Bremen ist im defensiven Mittelfeld nicht ganz so breit aufgestellt, hat sich dafür in der Offensive verstärkt und verfolgt weiterhin den vielversprechenden mutigen Ansatz des neuen Trainers. Wolfsburg scheint der einzige Kandidat zu sein, dem man momentan einen Einbruch zutrauen würde, obwohl Labbadias Fähigkeiten eine Mannschaft ins Mittelfeld zu führen, nicht unterschätzt werden sollten.

Ganz so einfach wird die kommende Saison also nicht, aber man kann sich berechtigte Hoffnungen machen, dass Streich es tatsächlich schafft mit den neuen Spielern das spielerische Moment wieder etwas besser zu betonen und somit einem eine so anstrengende Schlussphase, wie in der letzten Saison erspart bleiben wird.

Ich tippe optimistisch einen zwölften Platz für den SC Freiburg.

Kommentare

Autor

Wie @timo_Ke auf Twitter sehr richtig anmerkte, habe ich Lucas Höler vollkommen vergessen. Der Name wurde nun beim Angriff ergänzt.

Aufgrund der Rückkehrer nach Verletzung und der Neuzugänge, denke ich, dass Höler etwas weniger Spielzeit erhalten wird als in der vergangenen Rückrunde. Seine gute Arbeit gegen den Ball macht ihn aber durchaus zu einer wichtigen Option für Spiele gegen individuell überlegene Gegner oder für die Verwaltung einer Führung. Zudem ist er vergleichsweise jung und kann sein Spiel mit dem Ball noch weiter ausbauen. Wenn ich so darüber nachdenke, ist er eigentlich eine ziemlich interessante Personalie, deren nähere und weitere Zukunft nur schwer vorherzusagen ist.

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