Sommer 2018: Rückblick auf die vergangene Saison

In den nächsten Tagen folgt die Vorschau auf die kommende Saison. Dabei wird es sich aber ohnehin größtenteils um Schlüsse handeln, die man aus der vergangenen Saison ziehen kann. Der Blick nach vorn beginnt mit dem Blick zurück, also hier:

Der Rückblick auf die Saison 2017/18 des SC Freiburg beginnt sogar mit einem kurzen Rückblick auf die Saison 2016/17 und auf die Sommerpause. Nach einer sehr erfolgreichen Spielzeit war der Sportclub Siebter geworden, was einen, aufgrund der Tatsache, dass die Bayern den DFB-Pokal gewannen, in die Europa-League-Qualifikation brachte. Dieser Erfolg war auf drei Säulen aufgebaut:

1. Der SC produzierte durch das laufintensive und gut organisierte Streichsche Pressingsystem auch gegen individuell überlegene Mannschaften sehr knappe Spiele.
2. Mit Grifo, Philipp und Haberer gab es drei Spieler, die beim schnellen Spiel durch die Mitte auch im letzten Drittel gegen eng stehende Gegner mit schnellen Kombinationen Chancen kreieren konnten.
3. Das berühmte Jobsharing von Niederlechner und Petersen passte optimal zum gewöhnlichen Spielverlauf mit Beteiligung des SC. Knappe Spiele bis zur 70. Minute, wobei insbesondere Niederlechners giftiges Pressing die gegnerischen Innenverteidiger ermüden sollte, und dann ein entscheidendes Tor in der Schlussphase durch einen frischen Petersen.

In der Sommerpause verließen Grifo und Philipp den Verein in Richtung Gladbach und Dortmund. Das überraschte bei ihrer Qualität niemanden besonders, auch wenn Grifo sich unter Hecking nicht durchsetzen sollte. So gut die abgehenden Transfers funktionierten (ca 26,5 Mio. Euro für zwei Spieler und ein reibungsloser Verlauf), so kompliziert verliefen die geplanten Einkäufe. Nach halbwegs seriösen Meldungen war man an Waldschmidt (Verbleib HSV), Bebou (Wechsel zu Hannover), Gregoritsch (Wechsel zu Augsburg), Lezcano (Verbleib Ingolstadt) und Ünder (Wechsel zu AS Rom) interessiert, konnte aber keinen davon verpflichten. Dadurch verzögerten sich die Zugänge und neue Spieler (Ravet, Kent, Koch, Lienhart, Terrazzino) verpassten große Teile der Vorbereitung, die ohnehin schon durch zwei Spiele gegen NK Domzale gestört wurde. Nebenbei bemerkt: Streichs siebter und achter internationaler Auftritt. Abgänge zweier Unterschiedsspieler, zähe Transferverhandlungen, Qualifikation und der Ausfall von Gulde machten die Situation schon vor dem ersten Spieltag kompliziert. Hinzu kam noch ein sehr bemerkenswerter Spielplan, der die Saison (und nun auch diesen Text) in vier Viertel teilte. In der ersten Hälfte der Hinrunde spielte man fast ausschließlich gegen Top-Teams (Bayern, Leipzig, Dortmund, Leverkusen usw.), in der zweiten Hälfte waren dann die direkten Konkurrenten dran (Hamburg, Augsburg, Mainz, Köln usw.).

1. Spieltag 1-8

Rückblickend steht dieses erste Viertel für die interessanteste Systemumstellung unter Streich. Man setzte vorzugsweise auf ein ausgefuchstes 5-2-3. Besonders auffällig war dabei die Rolle von Frantz (der mit Höfler im Mittelfeld spielte) als Balancegeber. Bei Ballbesitz des Sportclubs rückte er häufig auf den rechten Flügel vor, wodurch der nominelle rechte Flügel wiederum etwas mehr ins Zentrum zog. Stenzel sicherte dahinter für Frantz ab. Ein zweites Element kam durch den zentralen Innenverteidiger (Schuster) hinzu, welcher häufig ins zentrale Mittelfeld vorschob und für den aufrückenden Höfler das Zentrum besetzte. Der linke Flügel wiederum konnte ebenfalls etwas einrücken, da Günter seine Rolle ohnehin gewöhnlich deutlich offensiver interpretiert als Stenzel auf der anderen Seite. Allerdings kamen diese verschiedenen Elemente (aufrückender Frantz, aufrückender Günter, aufrückender Höfler, aufrückender Schuster) nur selten zeitgleich vor, sondern mussten aufeinander abgestimmt werden. Dies wurde eben größtenteils von Frantz übernommen, der aufrückte, falls Höfler und Günter sich zurückhielten und absicherte, falls beide nach vorne preschten. Das Ziel war, die defensive Vorteile einer Fünferkette zu nutzen und durch verschiedene Aufrückbewegungen den fehlenden Spieler im Sturm zu kompensieren. Normalerweise geschieht dies durch offensivere Außenverteidiger, was aber immer viel Raum hinter diesen eröffnet und mit schnellen Flügelspielern leicht ausgekontert werden kann. (Musterbeispiel: Augsburg mit Heller gegen Frankfurt, falls sich noch jemand daran erinnert.) Streichs System gab seinen Spielern mehrere Möglichkeiten an die Hand auf andere Art und Weise genug Spieler vor den Ball zu bringen, was es für den Gegner nur schwer ausrechenbar machte.

-------Terrazzino-----Haberer-----Niederlechner---
-------------------Höfler----------Frantz---------------
Günter-------------------------------------------Stenzel
-----Söyüncü--------Schuster----------Lienhart------
-------------------------Schwolow----------------------

Die Ergebnisse mit diesem System waren aber eher durchwachsen. Den größten Erfolg – Streichs erster Punkt gegen Dortmund und das in Unterzahl – erzielte man im alten 4-4-2. Im 4-4-2 bestritt man aber ebenfalls eines der schlechtesten Spiele der ganzen Saison. Ein 0:4 in Leverkusen ohne größere eigene Chancen und einer sehr unkonzentrierten Abwehrleistung. Spielerisches und taktisches Highlight dieser Phase war der Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim. (http://www.zerstreuung-fussball.de/content/streich-vs-nagelsmann)
Das neue System hatte viel Potenzial, war aber noch nicht ganz ausgereift. Hinzu kam die Stärke der Gegner in diesem ersten Viertel der Saison. So blieb es – gerade in der Offensive – zumeist bei Ansätzen und es entstanden nur selten viele Tormöglichkeiten.

Fazit:
16. Platz, 7 Punkte, 5:16 Tore
Wichtigste Spieler: Frantz und Schuster als Stützen des Spielsystems.
Bestes Spiel: TSG Hoffenheim
Schlechtestes Spiel: Bayer Leverkusen
Größte Auffälligkeit: Flexible Aufrückbewegungen im 5-2-3

2. Spieltag 9-17

Die zweite Hälfte der Rückrunde hat man als SC-Fan eigentlich sehr positiv in Erinnerung, blendet dabei aber die Spieltage 10,11 und 12 lieber aus. Ein zu Unrecht erfolgter Platzverweis und eine schlechte Leistung in Unterzahl erklärte die Niederlage gegen Stuttgart. Das Spiel gegen Schalke verlor der Sportclub unglücklich mit 0:1 und gegen Wolfsburg zeigte man eine typische schlechte Auswärtsleistung. Gleichzeitig bestimmte diese Phase auch den Rest der Saison. Vor dem Spiel gegen Schalke brach sich Niederlechner die Kniescheibe und in demselben Spiel verletzte sich auch Frantz langfristig. Damit war das ausgefuchste 5-2-3 passé und die Fünferkette wurde in den nächsten Spielen etwas klassischer interpretiert. Gegen Mainz und Hamburg gab es trotzdem 4 Punkte. Danach kam es zu den beiden Schlüsselspielen innerhalb von 48 Stunden (Sonntag und Dienstag). Das Spiel gegen Köln fand im Dezember statt. Es schneite stark. Nun hatte man in Freiburg eigentlich gute Erinnerungen an das letzte Schneespiel, da man dort den Favoriten aus Leipzig schlagen konnte, doch dieses Mal hätte man gut darauf verzichten können. Köln war so ziemlich die einzige Mannschaft in der Liga, der man in diesem Moment – aufgrund ihrer zahlreichen Verletzungen – spielerisch überlegen war und man musste ausgerechnet gegen diese Mannschaft auf einem Untergrund antreten, der weder ein kontrolliertes Dribbling noch einen vernünftigen Pass zuließ. Das Spiel im Schnelldurchlauf:
8. Minute: Köln mit dem ersten Tor.
16. Minute: Nach Foul von Schuster gibt es Strafstoß. Der Schiedsrichter findet den Elfmeterpunkt nicht, muss die 11 Schritte ablaufen und Guirassy trifft zum 2:0.
17. Minute: Lienhart muss verletzt runter. Es kommt Stanko.
18. Minute: Kleindienst kommt für Schuster. Umstellung auf 4-4-2.
29. Minute: Eigentor Stanko. 3:0 (Tiefpunkt)
39. Minute: Tor durch Petersen, der einen Freistoß von Ravet Volley versenkt. 3:1.
65. Minute: Haberer nach Ecke Ravet per Kopf zum Anschlusstreffer. 3:2.
90. Minute: Foulelfmeter verwandelt von Petersen. Ausgleich! 3:3.
95. Minute: Guirassy mit einem vollkommen unverständlichen Handspiel im Strafraum nach einem Standard. Strafstoß wird von Petersen verwandelt. 3:4.

Nach diesem sehr aufregendem Spiel durfte man, wie schon gesagt, nur 44 Stunden später ein weiteres Mal spielen. Allerdings lieferte das Team von Christian Streich gegen Gladbach die fast beste Leistung der Saison ab. Zwar gewann man das Spiel nur durch einen Strafstoß nach Videobeweis, hatte jedoch einige sehr gute Chancen, 23:5 Torschüsse, wurde häufiger gefoult und ließ nach der Führung fast nichts mehr zu. Mit diesen Punkten brachte man sich in eine recht aussichtsreiche Position zur Winterpause.
Bei diesen Spielen kam es häufiger zur Doppelsechs Haberer/ Höfler, die dem Freiburger Spiel sehr guttat. Insgesamt schaffte man es in dieser Phase eine sehr offensive Aufstellung aufs Feld zu bringen, ohne sich größere Abwehrprobleme einzuhandeln. Auch aufgrund dieser vielen spielerischen Elemente bleibt einem diese Phase so gut in Erinnerung.

----------Kleindienst------Petersen-----------
Terrazzino--------------------------------Ravet
----------Höfler-------------Haberer-----------
Günter----------------------------------Stenzel
---------Söyüncü--------------Koch------------
-------------------Schwolow--------------------

Fazit:
9. Platz, 12 Punkte, 12:15 Tore
Wichtigste Spieler: Doppelsechs Haberer/ Höfler, Doppelsturm Petersen/ Kleindienst
Bestes Spiel: Gladbach
Schlechtestes Spiel: Wolfsburg
Größte Auffälligkeit: Mit den Formhöhen einiger Spieler, zeigte man in dieser Phase, dass auch in der Saison 2016/17 offensives Potenzial vorhanden war.

3. Spieltag 18-25

In der Winterpause kündigte Streich an, insbesondere an der defensiven Stabilität zu arbeiten. Während der ersten 17 Spiele, kassierte man schon 31 Gegentreffer – die zweitmeisten der Liga. Um etwas sarkastisch zu sein, könnte man sagen: der Gesundheitszustand der Mannschaftsteile passte sich diesem Vorhaben an. Es verletzten sich Höfler und Ravet, dafür kam Gulde wieder zurück. War das zweite Viertel vom spielerischen Mittelfeldduo Höfler/ Haberer bestimmt, stand die Rückrunde nun ganz im Zeichen der kämpferischen Doppelsechs Abrashi/ Koch. Um das Trainerteam zu verteidigen: Streich hatte mit den Verletzungen überhaupt keine Möglichkeit mehr, eine spielerisch starke Offensive aufzustellen und dadurch spielte der SC Freiburg so, wie man es von Außenseitern eben kennt. Intensives Pressing, lange Bälle und Fokus auf Standards. Der Trainer agierte in dieser Phase pragmatisch wie nie. So umging er das starke Leipziger oder Dortmunder Pressing im Zentrum dadurch, dass man einfach keinen Ball in diesen so wichtigen Raum spielte.
Diese sehr defensive Phase begann erstaunlich erfolgreich, da man weder gegen Frankfurt und Dortmund, noch gegen Leipzig und Leverkusen verlor, doch spielerisch ging es immer weiter Berg ab. Konnte man gegen Dortmund immerhin noch ein sehr schön herausgespieltes Tor bewundern, schaffte es Freiburg erst sieben Spieltage später, einen weiteren Treffer aus dem laufenden Spiel heraus zu erzielen. Auch die vier Punkte gegen Bremen und Hoffenheim waren eher den ungeschickten Abwehraktionen von Johannsson und Vogt zuzurechnen als irgendeiner spielerischen Idee der Breisgauer. In dieser Phase lebte Freiburg von einer sehr laufintensiven Pressingleistung und einem treffsicheren Petersen. Viel mehr war auch aufgrund der Verletzungen und Formkrisen nicht möglich.

---------------------Petersen-------------------
----Haberer-----------------------Höler-------
-----------Abrashi---------Koch---------------
Günter---------------------------------Stenzel
----Kempf--------Gulde--------Söyüncü----
--------------------Schwolow------------------

Fazit:
10. Platz, 10 Punkte, 8:11 Tore
Wichtigste Spieler: mit Abstand Petersen, dann Koch und Günter (bei Standards)
Bestes Spiel: Dortmund
Schlechtestes Spiel: Hannover (einzige Niederlage, neben dem Bayern-Spiel)
Größte Auffälligkeit: Es war vielleicht das erste Mal unter Streich, dass eine fast ausschließlich defensive Spielanlage zu so vielen Punkten geführt hat.

4. Spieltag 26-34

Zum Saisonendspurt zahlte der Sportclub den Tribut für das laufintensive Spiel in der Rückrunde, bei dem man fast nie den Ball hatte. Den Spielern ging merklich die Puste aus. Immer häufiger kam es zu Unkonzentriertheiten, die ein meist chancenarmes Spiel in Richtung des Gegners kippen ließen. Hinzu kam wahrscheinlich ein psychologischer Faktor mangelnder Erfolgserlebnisse in der Offensive. Zumindest konnte man beobachten, dass die Angreifer häufig sehr überhastet agierten und im letzten Drittel den Ball selten über drei Stationen sicher an den Mitspieler brachten. In den sechs Spielern gegen Berlin, Stuttgart, Schalke, Wolfsburg, Mainz und Hamburg erzielte man nur ein Tor. Der Tiefpunkt in dieser Phase war die erste Halbzeit beim Auswärtsspiel gegen Mainz. Zwar kassierte man erst in der Halbzeit den ersten Gegentreffer, war aber von der Spielanlage so defensiv eingestellt, dass man ohnehin auf kein eigenes Tor hoffen konnte.

-----------Petersen---------
---Höler--------Haberer---
-------Koch---Höfler------
Günter-------------Stenzel
-Kempf-Gulde-Söyüncü-
---------Schwolow---------

So verschanzte man sich in der eigenen Hälfte und verzichtete auch auf ein Angriffspressing. Streich erklärte diese Maßnahme mit der mangelnden Fitness der Spieler, was durchaus plausibel klang. Trotzdem stellte er (zur Pause, aber auch) zum nächsten Spiel gegen Hamburg auf ein 4-4-2 um. Zwar verlor man dieses Spiel, hatte sich dabei aber zumindest einige Chancen herausgespielt und wieder etwas Selbstvertrauen für das wichtige Spiel in Köln gewonnen. Zu diesem Zeitpunkt kam auch Frantz von seiner langen Verletzung zurück und brachte dem Freiburger Spiel etwas mehr Sicherheit. Das Spiel gegen Köln konnte man dann auch in letzter Minute – nachdem man eine Zwei-Tore-Führung verspielt hatte – für sich entscheiden. Den Klassenerhalt sicherte man am letzten Spieltag gegen eher weniger konzentrierte Augsburger, durch den ersten Sieg mit mehr als einem Tor Abstand in dieser Saison.

Fazit: 
17. Platz, 7 Punkte, 7:14 Tore
Wichtigste Spieler: Petersen, Frantz
Bestes Spiel: Augsburg
Schlechtestes Spiel: Mainz
Größte Auffälligkeit: Auch die Freiburger Fitness ist nicht ohne Grenzen.

5. Fazit der Saison 2017/18

Die defensive Schwäche bei Auswärtsspielen ist schon ein größeres Problem (17 Gegentreffer in Heimspielen, 39 Auswärts)
Das 5-2-3 hat auch offensiv Potenzial. Mit der Verletzung von Frantz war dieses Thema allerdings erledigt.
Die fast rein defensive Spielweise mit den vielen langen Bällen hat gerade gegen Top-Teams im Ergebnis besser funktioniert als erwartet. Streich holte in dieser Saison seine ersten Punkte gegen Dortmund überhaupt.
Es war wirklich sehr knapp mit dem Klassenerhalt.

6. Ein paar Worte zu Spielern

a) Spieler, die in der vergangenen Saison überzeugt haben

Gerade bei Gulde, Höfler und Frantz merkte man, als sie länger fehlten, wie wichtig sie für das Team sind. Alle drei brachten eine gewisse Ruhe und Balance in das Spiel des Sportclubs. Günter überzeugte ebenfalls durch Konstanz, fehlte er doch keine einzige Spielminute in der ganzen Saison. Zudem sorgte er zu Beginn der Rückrunde für einige wichtige Tore nach Eckball, konnte diese Qualität aber leider nicht konservieren.
Schwolow: Während der Verletzung des ersten Torhüters konnte man sehen, wie sehr seine Einbindung im Spielaufbau fehlte. Gikiewicz machte seine Sache gut, griff aber sehr schnell zum langen Ball, falls einen Gegenspieler in der Nähe war. Schwolow ist gut auf der Linie und recht sicher im Passspiel, bringt aber auch lange Bälle präzise in die richtigen Räume.
Auch wenn ich es während der Saison schon öfters getan habe, ist auch hier wieder Petersen besonders hervorzuheben. Seine Torjägerqualitäten waren schon vor dieser Saison bekannt. Dass er seit dem Ausfall von Niederlechner allerdings so laufstark und taktisch klug im Pressing agierte, war nicht zu erwarten und brachte sein Spiel insgesamt auf ein höheres Niveau. Auch wenn es kommende Saison wieder einen spannenden Zweikampf um die Stürmerposition geben wird, ist Petersen sicher der Spieler der Saison 17/18.
(Videozusammenschnitt (Bild/DAZN) aller Tore Petersens: https://www.youtube.com/watch?v=o_Wh5VEGv7w)

b) Spieler, die ihr Potenzial andeuten konnten

Yoric Ravet: Er machte eine gute Figur, wenn er denn spielte. Durch den Platzverweis bei seinem ersten Einsatz und den kleineren und größeren Verletzungen brachte er es aber auf nur 495 Einsatzminuten (5 Spiele von Anfang an, 5 Einwechslungen) in der Bundesliga. Seine Standards und seine technischen Fähigkeiten könnten dem Sportclub in der nächsten Saison helfen.
Robin Koch: Der junge Innenverteidiger hatte bei der starken Konkurrenz (Söyüncü, Kempf, Gulde, Lienhart, teilweise Schuster) wohl eher weniger mit regelmäßigen Einsätzen gerechnet, spielte aber schon in der Hinrunde eine gewisse Rolle. In der Rückrunde musste er dann im Mittelfeld aushelfen und zeigte sich dort erstaunlich solide, auch wenn er nächste Saison wohl eher wieder Innenverteidiger spielen wird. Besonders auffällig war sein energisches Verhalten beim Offensivstandard.
Phillip Lienhart: Auch der zweite junge Innenverteidiger fand sich schnell gut ein und absolvierte ein paar ausgezeichnete Spiele in der Hinrunde, fiel aber auch längere Zeit aus. Das Potenzial für mehr Einsätze ist durch seine defensive Handlungsschnelligkeit und seinen unaufgeregten Spielaufbau durchaus vorhanden.
Florian Kath: Kath kam zu einigen Einwechslungen und zeigte Stärken im Anlaufen und im Dribbling. Ob es für die erste Bundesliga reicht, wird sich zeigen.
Janik Haberer (auf der Sechs): Die Doppelsechs Höfler/ Haberer steht für die spielerisch beste Phase des SC Freiburg in der vergangenen Saison. Auch hier wäre es interessant diese länger zu beobachten.

c) Spieler, die die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnten

Kent und Kapustka konnten sich leider nicht durchsetzen. Offensiv überzeugten sie beide nur teilweise und defensiv hatten sie doch erhebliche Mängel. Es gibt allerdings noch zwei weitere Spieler, die in diese Kategorie fallen, auch wenn das vielleicht eher an (meinen) sehr hohen Erwartungen an sie lag.
Stenzel: Der Rechtsverteidiger aus Dortmund sollte eigentlich eine besondere Rolle im Streichschen System einnehmen und sich vermehrt im Spielaufbau einbringen. Die Anlagen dazu waren in der vorangegangenen Saison zu sehen. Stenzel schiebt häufig klug ein, wenn Günter auf der anderen Seite aufrückt. Sein Passspiel zeugt von einer guten Übersicht, Spielintelligenz und Sicherheit. Trotzdem konnte er das nicht immer auf den Platz bringen und zeigte manchmal Schwächen im defensiven Bereich und der dynamischen Vorwärtsbewegung. Das zweite Jahr in der ersten Liga war nicht ganz so leicht für ihn. Die /(Meine) hohen Erwartungen an ihn bleiben aber bestehen.
Haberer (im offensiven Mittelfeld): Haberer galt als interner Ersatz für Philipp. Dieses Versprechen konnte er nicht einlösen. Allerdings fehlten ihm dafür auch die Mitspieler. Auch ein gut aufgelegter Haberer kann keine Kombination mit sich selbst spielen.

7. Schluss

In der Saison 2016/17 hatte der Sportclub mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. Transferprobleme, Abgänge, komplexer Spielplan, Verletzungen von Schlüsselspielern, Formprobleme in der entscheidenden Phase der Saison und eine Konkurrenz ohne klare Absteiger (kleinster Etat der Liga). Dass der Klassenerhalt – so knapp es auch war – trotzdem geschafft wurde, kann man durchaus als großen Erfolg verbuchen. Trotz dieser Begleiterscheinungen, mit denen der SC normalerweise absteigt, gab es nur eine wirklich desolate Phase während des Saisonendspurts. Eine sehr gute, eine sehr effektive Phase und ein herausragender Petersen reichten, um eine weitere Saison in der Liga zu verbleiben.

8. Nachtrag: Schiedsrichter

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, da ich das Schimpfen auf Schiedsrichter als eine der unsympathischsten Erscheinungen des Fußballs empfinde. Neben einigen strittigen Szenen, wie zum Beispiel das Blocken der Stuttgarter (Rückspiel) bei einem Freistoß, hielten sich die klaren spielentscheidenden Fehlentscheidungen in der letzten Saison im Rahmen: der unberechtigte Platzverweis gegen Söyüncü im Hinspiel gegen Stuttgart und ein übersehener Ellenbogeneinsatz von Stenzel im Strafraum gegen Dortmund (Hinspiel). Es gab eine klare Abseitsstellung der Hoffenheimer beim späten Anschlusstreffer, ebenfalls in der Hinrunde, was aber keine Auswirkungen mehr hatte, da die TSG den Ausgleich nicht mehr erzielte. Hinzu kamen zwei sehr kuriose Szenen: die nicht gesehene gelbe Karte von Nils Petersen und ein Strafstoß in der Halbzeitpause gegen Mainz, den der Schiedsrichter nicht mehr hätte geben dürfen, da er bei der Kontaktaufnahme mit dem VAR wahrscheinlich schon einen Schritt außerhalb des Feldes war. Bei diesen beiden Szenen verhielten sich auch die Institutionen des deutschen Fußballs sehr merkwürdig. Bei der nicht gesehenen Verwarnung stellte sich das Sportgericht in zweiter Instanz doch nicht hinter den Schiedsrichter, annullierte die erste gelbe Karte von Petersen und widersprach damit dem der ersten Instanz. Beim Halbzeit-Strafstoß kam erst nach Ablauf der Einspruchsfrist heraus, dass der Pfiff von Winkmann wahrscheinlich zu spät kam.
Diese Vorkommnisse fielen in eine Saison, in der es sehr im Trend lag, auf die Umsetzung und Ausführung von neuen Regeländerungen zu schimpfen. Die hitzigen Diskussionen, ob dieser oder jener Eingriff des VAR berechtigt war, ob es sich dabei um einen ‚klaren Fehler’ handelte, wurden meistens dadurch abgerundet, dass die ganze Einführung des Videobeweises ohnehin den Untergang des Fußballs bedeutet. Dabei könnte man sich, auch wenn man den VAR ablehnt, durchaus die Frage stellen, ob es tatsächlich seine Einführung selbst oder doch eher die Hysterie der Medien und Fans darüber war, die einem manchmal den Spaß am Zuschauen nahm.
Um dieser Hysterie (auch die, die man vielleicht manchmal in sich selbst aufkommen spürt) etwas entgegenzuwirken, hilft es sich hin und wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass weder der DFB, noch die Schiedsrichter Interesse an einer schlechten Umsetzung des VAR oder Fehlentscheidungen haben. Auf den Stress, den sich Schiedsrichter Stieler mit der Petersen-Situation einhandelte, hätte er sicher auch gerne verzichtet. Dass sich Streich und Fritz Keller bei dieser insgesamt aufgeheizten Stimmung mit ihren Aussagen nicht etwas mehr zurückhalten konnten, gehört für mich zu den weniger schönen Geschichten einer doch eigentlich sehr schönen und spannenden Saison des SC Freiburg. Denn Fehlentscheidungen, wie auch manchen Kuriositäten, gehören zum Fußballspiel dazu, auch wenn sie im durchgestylten Geschäft immer seltener vorkommen. Man wird sie auch nächste Saison wieder erleben und dann wäre es sehr wünschenswert, wenn alle Beteiligten die Fassung bewahren, selbst wenn dadurch mal ein Spiel gegen einen entschieden wird.

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