SC Freiburg - VfB Stuttgart 1 : 2

1. Aufstellung

Der SC Freiburg agierte wieder in einer 4-4-2-Formation. Angesichts Stuttgarts Aufbauspiel ergab diese Entscheidung durchaus Sinn. Unter Korkut agiert der VfB meist selbst mit einer Viererkette. Dabei lassen sich die Sechser nur situativ neben oder zwischen die beiden Innenverteidiger fallen und die Außenverteidiger Beck und Insua werden häufiger in den Aufbau eingebunden. Mit zwei Stürmern und zwei offensiven Flügeln konnte der Sportclub also eine Gleichzahl gegen die erste Reihe Stuttgarts herstellen.

Personell gab es zwei Wechsel. Höfler spielte für den verletzten Abrashi den offensiveren Part neben Koch und Terrazzino begann für Kleindienst. Kübler startete wie schon gegen Berlin statt Stenzel als rechter Verteidiger.

--------Petersen-------Haberer-------
Terrazzino------------------------Höler
--------Koch------------Höfler----------
Günter---------------------------Kübler
-------Söyüncü--------Gulde----------
----------------Schwolow---------------

2. Das Spiel

Die Hoffnung, dass der Sportclub durch ein intensives Pressing einige Bälle in der gegnerischen Hälfte gewinnen könnte und dadurch zu Chancen käme, wurde schnell enttäuscht. Schon in der vierten Minute erzielte Gomez das Führungstor nach einem Standard.

Einschub:
Streich beschwerte sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel darüber, dass das Tor vom Schiedsrichter gegeben wurde. Er argumentierte, dass Stuttgarter Spieler, die sich hinter der Abseitslinie befanden, Freiburger blockten und somit aktiv ins Spiel eingegriffen hätten.

Zur Abseitsregel, die hier greifen könnte:
„Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler gespielt oder berührt wird, aktiv am Spiel teilnimmt, indem er […]  einen Gegner beeinflusst, indem er […] eindeutig aktiv wird und so klarerweise die Möglichkeit des Gegners beeinflusst, den Ball zu spielen“ (https://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/118958-Fussballregeln_2016_2017_WEB... S. 53).

Die Bilder, die von Eurosport bereitgestellt wurden, reichen nicht ganz aus, um die Situation eindeutig zu beurteilen. Dass der Videoassistent hätte eingreifen müssen, kann man allerdings zurückweisen. Es war keine klare und offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters, die man ohne detektivische Arbeit hätte feststellen können. Ob die Blocks ausgereicht haben, Freiburger an einer klaren Möglichkeit den Ball zu spielen zu hindern, ist Interpretationssache des Schiedsrichters. (http://fokus-fussball.de/2018/03/15/ce90-gefuhlschaos-im-zusatzprotokoll/ ; @CollinasErben auf Twitter)

Der frühe Treffer hatte großen Einfluss auf die Partie. Stuttgart zog sich zurück, lauerte auf Konter und schlug meistens lange Bälle aus der eigenen Abwehr. Freiburg machte also das Spiel.
Dafür ließ sich Koch zwischen die Innenverteidiger fallen, die Außenverteidiger rückten auf und Höfler blieb als erste Anspielstation im Zentrum. Es entwickelte sich eine gewisse Asymmetrie zur linken Seite hin. Günter rückte weiter auf als Kübler und besetzte den linken Flügel. Dadurch entstanden Freiräume für Terrazzino, der sich etwas zentraler fallen lassen konnte, um als Verbindungsspieler von Mittelfeld zu Angriff auftrat. Kam der Sportclub ins Zentrum, orientierte sich Höfler ebenfalls häufig nach links. Die Überladung einer Seite hat nur selten den Vorteil, dass man dort tatsächlich eine Überzahl herstellen kann, da die verteidigende Mannschaft meistens dorthin verschiebt. Allerdings entstehen große Räume auf der anderen Seite, die vom Außenverteidiger besetzt wird. Kübler wurde aber gerade in der ersten Halbzeit zu selten ins Spiel eingebunden.

Freiburg hatte zu Beginn Probleme mit dem Spielaufbau. Korkut schien erkannt zu haben, dass der aufrückende Günter eine der Schlüsselfiguren beim Übergang ins letzte Drittel ist. Die Stuttgarter Abwehr gab ihm deutlich weniger Freiräume, als er es gewohnt war.
Hinzu kamen einige Ungenauigkeiten im Aufbauspiel. Vor allem Koch spielte Fehlpässe, durch die der Gegner zu Chancen kam. Die Stuttgarter hingegen spielten ihre Konter gut aus. In der ersten Halbzeit konnte der Sportclub froh sein, dass er kein zweites Gegentor kassierte.

Nach der Pause wurde es etwas besser. Kath wurde für Höler eingewechselt und die rechte Seite wurde allgemein mehr ins Spiel einbezogen. Die größere Ballsicherheit sorgte auch dafür, dass der Gegner nur noch selten Ballgewinne in der Freiburger Hälfte erzielte. Allein die sehr gut geschlagenen Bälle von Pavard auf Gomez und Ginczek brachten den VfB nach vorne. Trotz des verbesserten Aufbaus des Sportclubs entstanden wenig klare Torabschlüsse.

Der Ausgleich fiel dann nach einem Geniestreich von Petersen. Allerdings nicht aus dem eigenen Aufbau heraus, sondern durch eine Pressingsituation. Ausgangspunkt war eine Stuttgarter Ecke, die von Söyüncü geklärt werden konnte. Dieser lief mit dem Ball bis ins Mittelfeld, wo er verschiedene Anspielstationen hatte. Er entschied sich für Haberer, der sofort von Badstuber unter Druck gesetzt wurde und den Ball verlor. Pavard sammelte diesen auf und passte ihn zum hinten gebliebenen Beck. So viel zur Freiburger Passgenauigkeit bei Umschaltsituationen. Andererseits sah man in dieser Szene auch die funktionierende Ordnung des Sportclubs. Während Stuttgart nach der Ecke wieder in die eigene Formation kommen wollte, also Beck von der Innenverteidigerposition nach außen lief und Badstuber noch dabei war, wieder zurück in die Innenverteidigung zu gehen, stand der Sportclub schon längst in der Formation und begann das Pressing. Auf der linken Seite passte Insua zu Thommy, der durch Kath und Kübler von zwei Seiten unter Druck gesetzt wurde. Petersen erkannte die Situation frühzeitig und antizipierte Thommys einzige Passoption auf den gerade zurücklaufenden Badstuber. Der Freiburger Stürmer schob sich dazwischen, eroberte den Ball und konnte ihn in dieser Bewegung gleich zu Höfler prallen lassen. Dieser schaltete schnell genug und schickte den einstartenden Petersen, mit einem flachen Pass in den Strafraum. Für Petersen war der Winkel etwas zu spitz und Zieler bot keine Ecke an. Unkonventionell aber wunderschön lupfte Petersen den Ball über den Torhüter hinweg ins Tor.

Nach dem Treffer entwickelte sich das Spiel, dass man vor dem Anpfiff erwartet hatte. Beide Mannschaften agierten mit einer guten defensiven Ordnung, aber durchaus auch mit Ambitionen den Ball etwas laufen lassen, ohne allerdings das ganz große Risiko zu gehen. Das Resultat war eine ausgeglichene Partie, die sich meistens im Mittelfeld abspielte. Die Angriffe wurden häufig mit Flanken abgeschlossen, die dann entweder von Pavard und Badstuber oder Söyüncü und Gulde geklärt wurden.

Es passt gut zum Stuttgarter Lauf, dass sie auch aus den wenigen Chancen, das zweite Tor erzielten. Nicht nur durch Zufall, sondern auch weil sie in der entscheidenden Szene gut agierten. Ein langer Abschlag von Zieler wurde durch Ginczek festgemacht. Der Ball kam recht schnell zu Beck, der viel Platz auf der rechten Seite hatte. Die Offensivspieler erkannten die Situation und liefen zu viert in den Strafraum, in dem fünf Freiburger standen. Flanken sind häufig nicht erfolgreich, weil der Strafraum fast immer unzureichend besetzt ist. Meistens stehen ein bis zwei Stürmer gegen vier oder fünf Verteidiger. Auch bei einem vier gegen fünf, gehört die Flanke nicht zu den vielversprechendsten Möglichkeiten ein Tor zu erzielen, aber dann ist es eben kein purer Zufall mehr. Gomez verwertete Becks sehr gute Hereingabe und erzielte somit die erneute Führung.

Der Sportclub konnte Stuttgart danach weitestgehend an den eigenen Strafraum zurückdrängen, erzeugte aber keine größere Gefahr mehr. So endete das Spiel 1 : 2.

3. Fazit

Die Niederlage ist nicht unverdient. Durch den frühen Rückstand musste Freiburg das Spiel machen. Das bereitete vor allem in der ersten Halbzeit Probleme. Der VfB spielte die Konter gut aus und hätte durchaus das 0 : 2 schießen können. In der zweiten Halbzeit wurde es besser. Klare Abschlüsse erspielte sich der Sportclub allerdings trotzdem nicht. Der Ausgleich durch Petersen war nicht herausgespielt, sondern entstand durch einen Ballgewinn im letzten Drittel. Zyniker könnten sagen, dass dies momentan die einzige Möglichkeit für den Sportclub ist, ein Tor zu schießen, weil man bei nur einen Pass im Angriff, weniger Fehlpässe spielen kann, ähnlich wie bei Standards.
Nach dem Ausgleich hatte sich der Stuttgarter Treffer allerdings auch nicht groß angekündigt. So bleibt das Gefühl, dass die Niederlage nach dem Spielverlauf doch etwas unglücklich war.

Randbemerkung: Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel sagte Streich, dass einige Spieler gerade eine Pause bräuchten. Viele wurden unter der Woche zeitweise aus dem Training genommen und zu den Physiotherapeuten geschickt. Das merkte man dem Spiel teilweise an. Die Freiburger rutschten häufiger weg als sonst und wirkten manchmal etwas unkonzentriert.

4. Höfler, Haberer und Koch

Zu Höfler: In den letzten beiden Saisons hat er eine tolle Entwicklung genommen. Ohne das kraftmeierische Auftreten eines klassischen Führungsspielers, ist er trotzdem das Zentrum im Freiburger Spiel. Gerade in Situationen, in denen er von mehreren Seiten angelaufen wird, hat er enorm an Sicherheit und Ruhe hinzugewonnen. Dadurch erkennt er auch Passwege in die Spitze, die der Offensive in den nächsten Wochen hoffentlich noch mehr helfen werden.
Auch defensiv bringt Höfler Qualität mit. Er trifft häufig die richtige Entscheidung, ob er den gegnerischen abkippenden Sechser dynamisch verfolgen soll oder eher abwartend im Mittelfeld bleibt. Dass er bei seinem ersten Startelfeinsatz seit der Winterpause gleich wieder an die guten Leistungen vom Dezember anknüpft, ist sehr positiv zu bewerten.

Zu Haberer: Ihm merkt man an, dass ein kombinationsstarker Mitspieler fehlt. Seine besten Leistungen hat er dieses Jahr auf der Doppelsechs neben Höfler gezeigt. Mit der Rückkehr von Frantz wird diese Aufstellung aber immer unwahrscheinlicher.

Zu Koch: Dass Koch gerade in der ersten Halbzeit einige heikle Ballverluste hatte, ist leider nicht wegzudiskutieren. Die Frage ist, ob man ihm dafür einen größeren Vorwurf machen sollte. Vor einigen Jahren, als Ginter aufgrund von Verletzungen von der Innenverteidigung auf die Sechs ging, erklärte Streich die Probleme dieses Positionswechsels. Innenverteidiger sind es gewohnt den Gegner immer vor sich zu haben. In komplizierten Situationen bleibt ihnen immer die Möglichkeit abzudrehen und einen Rückpass zum Torhüter zu Spielen. Im Mittelfeld steht der Gegner um einen herum. Es gibt keine klare Option, die den Ball sichert.
Koch scheint sich dieser Aufgabe aber sehr gut zu stellen. Auch durch seine Fehlpässe hat er sich nicht verunsichern lassen und weiterhin den Ball gefordert. Kritik an den Fehlern ist zwar in Ordnung, aber man sollte nicht vergessen, dass er noch letzte Saison Innenverteidiger bei einem Zweitligisten war.

Allerdings kann man Koch nicht nur aus diesem Grund verteidigen. Dass Streich ihn aufstellt, hat mehrere berechtigte Gründe. Einmal ist gerade niemand anderes da, der es besser machen würde. Zöge man Haberer zurück, wäre der einzige kombinationsstarke Spieler aus dem Angriff herausgenommen.
Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Koch auch gelungene Aktionen hatte. In der 50. Minute spielt er eine tolle Verlagerung auf Kübler, der versuchte den Ball direkt in den Strafraum weiterzuleiten, was leider nicht funktionierte. Als tiefer Ballverteiler zwischen den Innenverteidigern machte Koch ohnehin eine gute Figur. Abschließend ist er einer der besten Kopfballspieler im Kader. Seine Präsenz hilft bei langen gegnerischen Abschlägen, offensiven und defensiven Standards.

Koch stellt sicherlich nicht den perfekten zentralen Mittelfeldspieler dar, ist aber ein spielerisch sehr guter Innenverteidiger und zurecht die erste Wahl, wenn alle anderen Sechser nicht bereit für die Startelf sind.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.