SC Freiburg - SV Werder Bremen 1 : 0

1. Drittes Spiel gegen Bremen

Es war das dritte Spiel gegen Bremen in dieser Saison. Allerdings sind diese Begegnungen nur schwer miteinander zu vergleichen. Beim ersten Duell am 7. Spieltag trafen zwei bis dahin sieglose Mannschaften aufeinander. Die Partie war auf überschaubaren Niveau. Die Bremer, noch unter Trainer Nouri, waren sehr auf defensive Stabilität aus und der Sportclub lieferte eine typische Auswärtsleistung der Hinrunde ab. (Mit der Besonderheit, dass es das einzige Spiel bleiben sollte, in dem man weniger als drei Gegentore kassierte.) Die beiden Fünferketten standen stabil, die offensiven Mechanismen waren praktisch nicht vorhanden und so wurde es ein torloses Spiel ohne große Chancen.

Das Spiel im Pokal, kurz vor Weihnachten, war gerade für Freiburg sehr untypisch. Sierro spielte auf der Sechs, Stenzel offensiv rechts, Kapustka links und Ravet als Sturmpartner von Petersen. Ein eher wildes Spiel, in dem es gerade zu Beginn zu einigen Fehlern, der neu zusammengewürfelten Mannschaft kam und man früh in Rückstand geriet.

In der Rückrunde zeigten sich beide Mannschaften bisher deutlich stabiler. Die Freiburger glänzten gerade durch ihre Arbeit gegen den Ball und Bremen konnte, bis auf das Spiel gegen Schalke, konstant gute Offensivleistungen abrufen. Vor allem durch einen immer besser aufspielenden Max Kruse.

2. Die Aufstellung

Wie so häufig, wenn der Sportclub gegen eine Viererkette spielt, stellte Streich ebenfalls eine Viererkette auf. Das liegt vor allem an der ersten Pressinglinie. Baut der Gegner das Spiel mit drei Innenverteidigern auf, möchte er drei Stürmer auf dem Platz haben, die diese anlaufen: 5-2-3. Sind nur zwei gegnerische Innenverteidiger auf dem Platz, werden aber situativ von den beiden Außenverteidigern unterstützt, braucht es zwei pressende Stürmer und zwei Flügelspieler, die situativ die Außenverteidiger anlaufen: 4-4-2. Während des Spiels sah es manchmal mehr nach einem 4-3-3 aus, da Bremen häufig über Freiburgs rechte Seite aufbaute. Höler rückte dann zu den beidem Stürmern auf, Terrazzino blieb hinten.

Durch die Umstellung auf die Viererkette rückte Kempf aus dem Kader und wurde durch Terrazzino ersetzt. Zusätzlich brachte Streich Stenzel für Kübler und Haberer für Kleindienst. Diese Wechsel versprachen auch etwas mehr spielerische Klasse auf dem Feld, die gegen Hannover doch sehr gefehlt hatte.

---------Haberer-------Petersen-------
Terrazzino------------------------Höler
----------Koch--------Abrashi----------
Günter---------------------------Stenzel
--------Söyüncü----------Gulde--------
----------------Schwolow----------------

3. Bis zur Führung

Freiburg kam gut ins Spiel. Obwohl Bremens 4-4-2 gegen den Ball sehr gut funktionierte, schaffte es der Sportclub zu Beginn des Spiels das Spielgerät eine Zeit lang in den eigenen Reihen zu halten. Wenn der Druck doch zu hoch wurde, kam zwar der lange Schlag von Schwolow, aber das Vorhaben sich auch spielerisch aus dem Bremer Pressing zu befreien, war durchaus erkennbar. In der zwölften Minute kam es zu der besten Kombination des SC. Koch kippte ab, spielte weiter auf Abrashi, der wieder zurück zu Schwolow passte. Durch diese Bewegung öffnete sich der Passweg zu Günter, was vom Freiburger Torwart gut erkannt wurde. Günter, Terrazzino und Haberer trugen den Ball ins letzte Drittel, wo er leider verloren ging. Diese Szene hatte aber wirklich Klasse und ist ein kleiner Beleg dafür, dass die spielerische Note in Freiburg immer noch vorhanden ist, selbst wenn Höfler und Ravet noch nicht wieder mit auf dem Platz sind.

Es entwickelte sich auch ein leichtes Chancenplus für den SC Freiburg. Eine Flanke von Stenzel, die von Pavlenka geklärt wurde und ein Abschluss von Terrazzino nach Hereingabe von Günter. Die folgende Führung war somit nicht unverdient, wenn man auch nicht davon sprechen kann, dass sie sich durch eine starke Drangphase großartig angedeutet hätte.

Günter schickte Terrazzino mit einem flach ausgeführten Freistoß in den Strafraum, der dort von Johannsson geschoben wurde und fiel. Schiedsrichter Hartmann entschied sofort auf Strafstoß. Dieser wurde gewohnt souverän von Petersen verwandelt. (Dazu später mehr.)

4. Nach der Führung

Es war das erste Mal in der Rückrunde, dass Freiburg in einem Spiel das erste Tor erzielte. Dies kam ihren momentanen Stärken sehr entgegen. Das erste Tor ändert die Aufgabenstellung. Das Team, das hinten liegt, ist gezwungen das Spiel zu machen, um den Ausgleich zu erzielen. Die andere Mannschaft kann sich etwas mehr auf eine kompakte Abwehrleistung konzentrieren und hat in der Theorie etwas mehr Räume beim Umschaltspiel.

Der Vergleich zum letzten Spiel gegen Hannover liegt nahe. Nur unter umgekehrten Vorzeichen. Wie Freiburg gegen Hannover, schaffte es auch Bremen mehr Kontrolle ins Spiel zu bringen und konstruktiv bis an den Rand des letzten Drittels zu kommen. Darüber hinaus klappte allerdings sehr wenig. Dies lag einerseits daran, dass sie die Konterabsicherung nicht vollständig aufgeben wollten, was durchaus vernünftig ist und andererseits an sehr gut verteidigenden Breisgauern.

Doch auch aus Sicht der Freiburger war die zweite Halbzeit eher zäh. Man verlor bei eigenen Umschaltaktionen früh den Ball und schaffte es kaum noch in die gegnerische Hälfte zu kommen. Auch die Einwechslungen von Kath und Kleindienst änderten wenig daran. Dies erforderte einen noch höheren Fokus auf die Defensivarbeit, an der man aber auch kaum etwas aussetzen konnte.

Trotz der Hereinnahme des zweiten Stürmers Belfodil, kam Bremen auch in der Schlussphase praktisch zu keiner Großchance im ganzen Spiel. In der ersten Halbzeit gab es einen Kopfball nach Ecke und in der zweiten zwei Distanzschüsse von Augustinsson und Delaney. Die gefährlichste Szene war ein kniffliger Zweikampf von Günter und Kruse im Strafraum, bei dem man auch auf Strafstoß hätte entscheiden können. Im direkten Gegenzug brach Petersen durch die Bremer Abwehr und wurde im Sechzehner gefoult. Der anschließende Strafstoß wurde von Haberer verschossen. So endete ein wieder chancenarmes Spiel mit 1:0.

5. Der freie Radikale

Ein paar Worte zu Max Kruse, der unter Kohfeldt eine besondere Rolle einnimmt. Diese ist frei, da der ehemalige Freiburger Stürmer praktisch keine feste Position hat und wird auch radikal so von ihm interpretiert. Hängt das Bremer Spiel im eigenen Aufbau fest, kommt es vor, dass er bis ins Mittelfeld zurückfällt, um dort eine Überzahl zu schaffen. Sehr häufig weicht er auf Außenpositionen aus, da er dort leichter angespielt werden kann. Das Besondere daran ist, dass die Stürmerposition häufig frei bleibt und Kruse erst nachdem er eine Spielsituation auslöst, wieder in den Strafraum läuft. Falls er dafür zu tief steht, muss ein Mitspieler den Strafraum besetzen. Diese Rolle bringt eine gewisse Dynamik ins Bremer Spiel, war aber gegen Freiburg nicht besonders wirkungsvoll.

Der Sportclub verteidigte Kruse konventionell, aber gut. Auch wenn er häufig von Koch verfolgt wurde, war es keine klassische Manndeckung, da dieses Stilmittel Löcher in die eigene Formation reißt. Machte Kruse zu weite Ausweichbewegungen, wurde er einfach an andere übergeben. Somit war ein gewisser Fokus der Freiburger Verteidigung auf ihn gerichtet, ohne dass die ganze defensive Herangehensweise auf ihn ausgelegt wurde.

6. Petersens Strafstöße

Es verwunderte ein wenig, dass Petersen nicht auch noch den zweiten Strafstoß schoss, nachdem er den ersten sicher verwandelt hatte. Folgendes ist zwar etwas spekulativ, aber ich fand die These einleuchtend.

Vor einiger Zeit hatte ich eine Diskussion auf Twitter über Petersens Strafstöße. Anlass war meine Verwunderung über die gute Quote des Ex-Bremers. Die Elfmeter sind weder besonders scharf, noch platziert geschossen. Auch verzögert er nicht den Anlauf oder hat seinen Blick auf den Torhüter gerichtet, um zu erahnen, in welche Ecke er springen wird.

Der Twitterer @frido03, machte mich darauf aufmerksam, dass der Schlüssel in der Hüftstellung liegt. Petersen läuft an und dreht die Hüfte ziemlich extrem in eine Richtung, damit der Torwart in diese Ecke springt, um dann ins andere Eck zu schießen. Es ist bisher die einzige schlüssige Erklärung, die mir gegeben wurde und wenn man darauf achtet, kann man diese Besonderheit auch gut erkennen.

Es könnte sein, dass er den zweiten Strafstoß nicht schießen wollte, da dieser Trick nicht zweimal beim gleichen Torhüter funktioniert (Nachtrag). Wirklich schade, dass Haberer den zweiten Strafstoß vergab, da es wäre das erste Mal in dieser Saison gewesen, dass Freiburg zwei Tore mehr als der Gegner geschossen hätte.

 

Nachtrag: Ich wurde in den sozialen Medien zurecht korrigiert. Petersen selbst sagte nach dem Spiel, sein Muskel habe nach dem Foul zugemacht. Darum konnte er den zweiten Strafstoß nicht selbst treten. Zudem ist Petersen in Köln auch zwei Mal gegen Timo Horn vom Elfmeterpunkt angetreten und hat getroffen.

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