SC Freiburg - FC Augsburg 2 : 0

1. Das letzte Saisonspiel

Die Ausgangslage war relativ klar: drei Punkte Vorsprung auf den Tabellensechzehnten Wolfsburg, der gegen Köln spielte und die deutlich bessere Tordifferenz hatte. Ein Punkt würde dem Sportclub auf jeden Fall zum direkten Klassenerhalt reichen. Klar war aber auch, dass die Freiburger Mannschaft weder die Souveränität, noch die defensive Qualität hat, um sich 90 Minuten an den eigenen Strafraum zurückzuziehen und auf ein torloses Unentschieden zu spielen. So blieb es bei der gleichen Formation und einer ähnlichen Startaufstellung, wie in den Spielen zuvor. Einzig Schuster wurde im letzten Spiel seiner Profikarriere auf die Bank gesetzt und es kam zur Doppelsechs Höfler/ Haberer, die Ende der Hinrunde noch so erfolgreich gespielt hatte.

----Kleindienst----Petersen------
Terrazzino------------------Frantz
---------Höfler-----Haberer-------
Günter----------------------Kübler
------Kempf------------Gulde-----
-------------Schwolow-------------

2. Ausgeglichene erste Halbzeit

Die Augsburger begannen mit einem 5-2-3/ 3-4-3, was wieder das Problem aufwarf, dass die Systeme der Mannschaften nicht zueinanderpassten und das Freiburger 4-4-2 im Pressing nicht statisch interpretiert werden durfte. Dies hätte eine unnötige Überzahl auf den Außen zur Folge gehabt, eine Unterzahl beim Anlaufen der Innenverteidigung, Gleichzahl im Zentrum und Unterzahl der Innenverteidigung gegen die Augsburger Stürmer. Die Anpassungen betrafen vor allem die Flügelspieler Terrazzino und Frantz. Einer von ihnen rückte zu Kleindienst und Petersen auf, um zu dritt gegen drei Innenverteidiger zu pressen, der andere (häufiger Frantz) blieb im Mittelfeld und rückte leicht ins Zentrum ein. Haberer und Höfler verfolgten die Sechser Baier und Moravek. Diese erste und hohe (bis an den gegnerischen Strafraum) Pressingphase hatte also etwas von einem 4-3-3. Konnte Augsburg ein wenig vorrücken, zogen sich beide Freiburger Flügelspieler in die Mittelfeldreihe zurück und Petersen/ Kleindienst störten den Aufbau ab der Mittellinie alleine. Das hohe Pressing war gegen Augsburg nicht ohne Risiko, da die Schwaben prinzipiell sehr gute lange diagonale Bälle hinter die Abwehr schlagen können, um von dort aus ihre gefährlichen Flanken hereinzubringen. Gerade in der ersten Halbzeit schaffte es der Sportclub aber gut diese Situationen zu verhindern. Falls es doch dazu kam, konnte man das Problem durch eine typische Freiburger Stärke lösen: wenn man überspielt oder ausgespielt wird, läuft man einfach sehr, sehr schnell wieder zurück.

So entstanden auch die beiden Augsburger Chancen der ersten Halbzeit nicht nach eigenem Aufbau, sondern durch Freiburger Ballverluste im Zentrum.
Solche Ballverluste sind einerseits unnötig und gefährlich, andererseits ein Indikator dafür, dass der Sportclub nicht nur lange Bälle schlug, sondern sich auch mal wieder im flachen Aufbau versuchte. Insgesamt gestaltete sich das Aufbauspiel variabel. Natürlich gab es immer noch häufig den langen Ball auf Kleindienst, mit dem Versuch den zweiten Ball, durch viele Spieler in dessen Nähe, zu erobern. Aber es wurden auch wieder andere Wege nach vorne gewählt. Höfler kippte häufig zwischen die Innenverteidiger ab. Diese fächerten allerdings nicht so weit auf, wie gewohnt und somit standen drei Spieler in der ersten Reihe sehr eng beisammen. Schwolow wurde aus dieser Ballzirkulation ausgespart und diente nur als letzte, sichere Anspielstation, falls der Augsburger Druck doch zu hoch wurde.

Wie so häufig beim Freiburger Spiel konnte man die Herangehensweise im Aufbau als Kompromiss interpretieren. Man versuchte durchaus Ball und Gegner in der ersten Reihe laufen zu lassen, auf die Lücke zu warten und auch mal flach durchs Zentrum zu spielen. Die Enge der drei Aufbauspieler machte es aber den Augsburger Angreifern leicht zu verschieben und die Passwege zu schließen. Allerdings öffneten sich so Wege für Pässe zu den Außenverteidigern und man hatte zudem eine gute Absicherung, falls man den Ball doch verlieren sollte.

Es kam Freiburg sicherlich auch entgegen, dass Augsburg mehr auf eine kompakte Defensivformation, als auf ein aggressives Pressing setzte, häufig sogar in einem 5-4-1/5-2-2-1 agierte. Man konnte ein solides ruhiges Spiel aufziehen und auf verschiedensten Wegen nach vorne kommen, ohne das ganz große Risiko gehen zu müssen. Gerade der Spielaufbau über die Außenverteidiger klappte in Ansätzen ganz gut. Wenn Kübler den Ball bekam, ließ sich Kleindienst ins Mittelfeld zurückfallen, um anspielbar zu sein. Leider machte der Freiburger Stürmer in der ersten Halbzeit in diesen Situationen nicht die beste Figur. Wenn er den Ball mit dem Rücken zum Tor erhielt und nur wenig Zeit hatte sich zu drehen, verlor er häufig den Ball. Auf der anderen Seite gab dieses Zurückfallen von Kleindienst Frantz gewisse Freiheiten, der hin und wieder sogar auf der linken Seite auftauchte, um dort eine Überzahl zu schaffen und sich mit Terrazzino und Günter durchzukombinieren (Bsp. 4. Minute). Dieser Ansatz wurde aber nur selten gewählt, auch weil man dann bei möglichem Ballverlust kaum Absicherung hatte.

Durch den sicheren Aufbau, das eher passive Pressing der Augsburger und die disziplinierte Rückwärtsbewegung der Freiburger hatte das Spiel in der ersten Halbzeit kaum Höhepunkte. Zweimal konnte Finnbogason nach einem Freiburger Ballverlust in der Umschaltbewegung in den Strafraum durchbrechen und kam einmal davon gefährlich zum Abschluss (obwohl circa 6 Abwehrspieler in der Nähe waren). Auf der anderen Seite kam der Sportclub vor allem durch Standards zu Abschlüssen. Den besten davon hatte Gulde, nach einem typischen Freiburger Dreiecksstandard: ein Freistoß von Halbrechts wird auf die linke Seite geschlagen, von dort wird quer geköpft und dann abgeschlossen. Luthe konnte allerdings parieren.

3. Die zweite Halbzeit

Nach der Pause kam Augsburg deutlich besser aus der Kabine. Ihr Spiel wurde geradliniger und ihr Pressing aktiver. Wie schon erwähnt, hatte Manuel Baum gezeigt, dass er die Freiburger Schwächen gut erkannt hatte. Schon in den ersten drei Minuten der zweiten Hälfte spielte Augsburg zwei lange diagonale Bälle von der linken Abwehrseite auf den rechts hinter die Abwehr durchlaufenden Schmid. Durch das starke horizontale, wie vertikale Verschieben der Freiburger sind Spielverlagerungen das effektivste Mittel, um in gefährliche Räume zu kommen. Auch wenn es nur ein paar Minuten waren, hatte man das Gefühl, dass Augsburg nun die gefährlichere Mannschaft wurde.

Doch der Spielverlauf dieses letzten Spiels einer sehr komplizierten Saison war dann genau umgekehrt, wie gewohnt. In den letzten Spielen war es normalerweise der Sportclub, der nach einer längeren, halbwegs ausgeglichenen Phase besser hereinkam, nur um dann nach wenigen Minuten durch die offensivere Einstellung den Gegentreffer zu kassieren. Die Rückspiele gegen Schalke und Hamburg waren gute Beispiele dafür. Nun waren es aber die Augsburger, die einen gefühlt unnötigen Treffer mitten in einer guten Phase hinnehmen mussten. Nach einem langen Ball auf Frantz wurde dieser bei einem unsauberen Kopfballduell gefoult. Der Schiedsrichter wartete wohl noch mit dem Pfiff und tatsächlich kam Haberer schneller an den Ball, als die drei Augsburger Verteidiger, die eigentlich näher am Ball standen. Haberers Flanke wurde von Petersen verfehlt, aber auch hier schafften es zwei Augsburger Verteidiger nicht den Ball zu klären, wodurch Petersen wieder auf Haberer spielen konnte, der eine Flanke auf Höfler schlug, der wiederum seinem Gegenspieler entlaufen war. Aus Augsburger Sicht ein Zusammenspiel vieler unglücklicher, aber auch wirklich unkonzentrierter und ungeschickter Abwehraktionen, die zu einem Gegentor führten. Ein Freiburgfan kennt diese Situationen sehr gut. Es ist zu viel Zufall in der Situation, um jemandem wirklich einen klaren Vorwurf machen zu können oder man von kollektivem Versagen sprechen möchte, aber auch so ungeschickt, dass man es nicht einfach als pures Pech bezeichnen könnte. 

Obwohl es für Augsburg nur noch um die Plätze 10-13 ging, versuchten sie doch noch das Spiel zu drehen. Baum brachte Cordova für Khedira und stellte auf ein offensiveres 4-4-2 um. Doch mit der Führung im Rücken konnte Freiburg etwas passiver und kompakter agieren, um Augsburg erst einmal kommen zu lassen und dann umzuschalten. Das funktionierte wirklich gut und die Fuggerstädter kamen zu keiner echten Chance mehr, während man selbst nur kurze Zeit später das zweite Tor erzielen konnte. Der eingewechselte Cordova legte Kleindienst den Ball mit einer unglücklichen Ballverarbeitung vor. Der Ball sprang von seiner Schulter/ seinem Kopf circa 40 Meter durch die eigene Abwehr hindurch in den Lauf des Freiburger Stürmers und dieser verwandelte souverän. In diesem Spiel merkte man, wie sehr dem Sportclub in den vergangenen Spielen das Führungstor fehlte und wie viel Sicherheit zwei, drei gelungene Aktionen dieser Mannschaft geben konnte.

Daraufhin sicherte Streich das Ergebnis ab. Kurz zuvor war schon Stenzel für Frantz gekommen. Dann ging Petersen für Koch und am Ende wurde sogar noch Söyüncü für Haberer eingewechselt. Die verspielte Zwei-Tore-Führung gegen Köln war Streich offenbar noch zu gut im Gedächtnis.

Fazit: Im entscheidenden Spiel um den Klassenerhalt wählte man zunächst keine besondere Herangehensweise und provozierte durch ein intensives Pressing und etwas ruhigerem Aufbauspiel eine ausgeglichene erste Halbzeit. Nach der Pause machte zunächst Augsburg den besseren Eindruck, doch mit der ersten gelungen Aktion der zweiten Halbzeit, schoss der Sportclub das Führungstor. Daraufhin drehte Augsburg noch einmal auf, kam jedoch nicht mehr hinter die gut verteidigende Freiburger Abwehr und musste sogar noch den zweiten Gegentreffer hinnehmen. Danach konnte man dem FCA zum ersten Mal ansehen, dass es für sie eigentlich um nichts mehr ging. In den 33 Saisonspielen zuvor hatte Freiburg noch nie ein Spiel mit zwei Toren Vorsprung gewonnen, doch der erste souveräne Sieg kam genau zum richtigen Zeitpunkt.

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