SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach

1. Streichs taktische Anpassung

Gegen Gladbach spielte Freiburg seit längerem wieder im klassischen 4-4-2-System der letzten Jahre. Schon in Köln hatte man nach circa 20 Minuten, bei einem Drei-Tore-Rückstand von Fünfer- auf Viererkette umgestellt. Ob es sich dabei aber wirklich um eine prinzipielle Veränderung handelt, ist noch unklar. In Köln war es eher eine typische Reaktion, bei hohem Rückstand einen Stürmer für einen Abwehrspieler einzuwechseln. Und gegen Gladbach ging es wahrscheinlich um eine taktische Anpassung an den Gegner.

----------Kleindienst------Petersen-----------
Terrazzino--------------------------------Ravet
----------Höfler-------------Haberer-----------
Günter----------------------------------Stenzel
---------Söyüncü--------------Koch------------
-------------------Schwolow--------------------

Das Freiburger Fünferkettensystem ist vor allem darauf ausgelegt, den Gegner auf die Flügel zu lenken und das Zentrum abzusichern. Nun haben die Fohlen aber ohnehin schon einen starken Flügelfokus. Da Hecking meistens mit der Viererkette spielen lässt, sind die Außen doppelt besetzt (Außenverteidiger und äußere Mittelfeldspieler). Zwar verlor Freiburg mit der Umstellung einen absichernden äußeren Innenverteidiger, konnte aber eben auch mit Außenverteidiger und äußeren Mittelfeldspielern – zwei gegen zwei – verteidigen.

Der zusätzliche Stürmer spielte vor allem beim Pressing gegen die Gladbacher Viererkette eine Rolle. Zwei Stürmer liefen zwei Innenverteidiger an. Wurden die Außenverteidiger mit eingebunden, rückten auch Terrazzino oder Ravet in die vorderste Pressinglinie. Haberer und Höfler orientierten sich an Kramer und Zakaria.

Beim Spiel mit dem Ball ändert sich bei dieser Umstellung tatsächlich nicht so viel. Höfler kippt dabei meistens zwischen die Innenverteidiger ab und rückt erst später wieder auf. Haberer bleibt so lange recht alleine im zentralen Mittelfeld. Manchmal fällt einer der offensiven Vier zurück, um sich anzubieten. Günter rückt häufig sehr weit auf, während Stenzel vermehrt in den Spielaufbau mit einbezogen wird.

2. Verdienter Freiburger Sieg

Auf dem Papier hätten sich die beiden Mannschaften taktisch, mit zwei gegeneinandergestellten 4-4-2-Systemen, ausgleichen müssen. Da Gladbach den eindeutig besseren Kader hat, würden sie sich nach dieser Logik eigentlich durchsetzen. Doch erschöpft sich der Fußball eben auch nicht nur in Formationen und Aufstellungen, sondern hat noch mehr Facetten.

Gerade in der Ausführung des Pressings, war der Sportclub deutlich aktiver eingestellt, als der Gegner. Alle aufbauenden Spieler wurden konsequent angelaufen und Gladbach fand keine spielerischen Mittel dagegen. Die langen Bälle von Sommer wurden dann meist von Söyüncü und Koch geklärt. Hier hat Gladbach vielleicht ähnliche Probleme, wie Freiburg, da Stindel und Rafael (in diesem Spiel Drmic) eher Kombinations- als Wandspieler sind. Falls die verschiedenen spielerischen Mittel nicht funktionieren, ist man aufgeschmissen. An diesem Tag kam Gladbach mit dem hohen und guten Pressing der Freiburger nicht zurecht.

Im Gegensatz dazu schaffte es der Sportclub seine spielerischen Qualitäten, mit allem was dazugehört, gut auf den Platz zu bringen. Ein mitspielender Torwart, der abkippende Höfler, die Einbindung von Stenzel im Aufbauspiel, Dribblings der Sechser und Günter, sehr gute Entscheidungen im Mittelfeld und zurückfallende Stürmer als offensive Anspielstation.
Der einzige Kritikpunkt bleibt, dass diese sehr guten Ansätze häufig nicht in Großchancen mündeten. Bei so viel Spielkontrolle war die Ausbeute immer noch zu gering. Mehrere Distanzschüsse, darunter zwei an die Latte, Standardsituationen und ein Kopfball von Kleindienst nach einer Flanke von Günter, sind neben dem Strafstoß, die einzigen Chancen geblieben. Allerdings ist auch bei diesem Thema ein klarer Freiburger Aufwärtstrend erkennbar.

Da es das zweite Spiel in drei Tagen war, konnte man auf die Schlussphase, bei nur einem Tor Vorsprung, besonders gespannt sein. In der 60. Minute stellte Hecking auf Dreierkette um. Freiburg verteidigte allerdings weiterhin aktiv, rückte nur nicht mehr ganz so weit mit der eigenen Abwehrkette auf. Es kam noch zu wenigen Gladbacher Chancen und einer Parade von Schwolow, nach einem Schuss von Rafael. Doch die große Schlussoffensive der Gäste blieb aus.
So endete ein sehr gutes Spiel des Sportclubs mit einem verdienten 1:0.

Torschüsse: 24:5
Zweikampfquote: 55%:45%
Expected Goals (xG): 1,57:0,22

Sonderlob an Höfler:
Passquote: 87%
Zweikampfquote: 67%

Kommentare

Gast (nicht überprüft)

Ja, gute Analyse! Und besonders hervorheben muss man bei diesem Spiel tatsächlich den Herrn Höfler. Gerade in Situationen in welchen er nicht abgekippt ist, sondern sich weiter vorne in kleinen Räumen mit eingeschaltet hat, hat er viele enge Situationen sehr ballsicher und auch offensiv(!!!) aufgelöst. Daher hat auch das gelegentliche Gladbacher Pressing überhaupt nicht funktioniert. Höfler und auch Haberer haben viele Momente nicht nur durch cleveres Passspiel, sondern wirklich auch durch Finten, kurze Dribblings und tolle Übersicht lösen können. Beeindruckend. Zum Glück ist Höfler nicht mehr der Jüngste... =D

Autor

Bei deiner Beschreibung kann ich nur zustimmen. Meine These dazu wäre, dass sich Höfler diese "neuen" Fähigkeiten (Finten, kurze Dribblings) in der Zeit aneignen konnte, in der Schuster hinter ihm abgesichert hat (5-2-3). Auf dem Papier ist er immer noch Sechser, hat aber eine zentrale Absicherung und kann so etwas besser ins Risiko gehen. Gegen Wolfsburg (als Achter im 4-3-3) war er auch einer der Besseren auf dem Platz. Nun scheint er so viel Vertrauen in seine Fähigkeiten zu haben, dass er diese auch im 4-4-2 einbringen kann, wenn er nach der Spielauslösung wieder ins Mittelfeld aufrückt, beziehungsweise der Ball gewonnen wird.

Auch wenn ich nie Teil der Anti-Höfler-Fraktion war, muss ich aber trotzdem sagen, dass ich ihm diese Entwicklung nicht zugetraut hätte. Mal sehen ob er das konservieren kann.

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