Saison 2018/19: Entwicklung des SC Freiburg und der Bundesliga

Man könnte sich fast ein bisschen wundern, dass man im Umfeld des SC Freiburg recht gelassen mit den Ergebnissen der bisherigen Saison umgeht. Im Vergleich zur letzten Saison, die fast mit dem Abstieg endete, hat der Sportclub nach acht Spieltagen nur zwei Punkte mehr gesammelt. Allerdings hatte man damals zu diesem Zeitpunkt schon gegen Dortmund, Leipzig, Bayern, Leverkusen und Hoffenheim gespielt.
Die positive Stimmung hat also wahrscheinlich weniger mit den Ergebnissen zu tun – auch wenn diese alles andere als schlecht sind – sondern eher mit den bisher erbrachten Leistungen. Und tatsächlich waren die Spiele gegen Frankfurt, Wolfsburg und Stuttgart deutlich vielversprechender als die defensiv geprägten Partien gegen Dortmund und Bremen zum letztjährigen Saisonstart.

Die spielerische Weiterentwicklung des SC Freiburg hat viel mit den Veränderungen im Kader zu tun. Mit Söyüncü und Kempf gab es zwei Abgänge, die durchaus einen Verlust von Zweikampfstärke und qualitativ gutem Aufbauspiel bedeuteten. Allerdings war das Spiel (anders als bei Philipp und Grifo) nicht auf die beiden ausgerichtet. Das Spielsystem funktioniert mit Koch oder Lienhart genauso gut, wie mit Söyüncü, nur dass es individuelle Unterschiede beim Ausfüllen der Rolle gibt. Auf der Seite der Zugänge konnte Freiburg vier Spieler verpflichten, die alle bereits von Beginn an Fußball auf Bundesliganiveau spielten. Waldschmidt, Heintz, Gondorf und Sallai brauchten nur wenig Anlaufzeit, um im Streichschen System eine Rolle zu spielen. Zudem bringen sie alle Qualitäten mit, die dem Freiburger Spiel vorher fehlten. Heintz hat einen schönen Diagonalball, Waldschmidt ist ein guter Ballverteiler im letzten Drittel und Sallai hat Fähigkeiten im offensiven Dribbling. Zugegeben, die Qualitäten von Gondorf scheinen nicht so neu, sondern denen von Frantz sehr ähnlich zu sein, aber es schadet wirklich nicht, diesen erfahrenen Spielertypen zweimal im Kader zu haben.

Der SC Freiburg konnte also seinen Kader größtenteils zusammenhalten und sogar noch punktuell verstärken. Das Trainerteam musste sich im Sommer nicht so viel darum kümmern, irgendwelche Abgänge zu kompensieren und zentrale Neuzugänge möglichst zum Saisonstart zu integrieren, sondern konnte an der Weiterentwicklung der Spielanlage feilen. Man kann dies auch sehr gut an den vielen Umstellungen – auch während des Spiels – beobachten. 4-4-2 ist zwar immer noch das Grundsystem, aber man konnte auch innerhalb der Spiele auf andere Systeme (4-1-4-1, 4-4-2, 4-3-3, 5-3-2, 5-2-3 und 3-4-3) ohne größere Anpassungsschwierigkeiten umstellen.

Durch die neuen Spieler konnten sogar einige schwerwiegende Ausfälle und kleinere Formkrisen halbwegs kompensiert werden. Warum es trotzdem eine schwierige Saison wird, liegt daran, dass es bei fast allen anderen Mannschaften eine sehr ähnliche Entwicklung gab.

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Gladbach stellte Streich die Diagnose, dass die Bundesliga sich spielerisch und technisch verbessert hat. Er machte dies insbesondere an der Entwicklung einiger junger Spieler, wie zum Beispiel Zagadou, Pulisic oder Diallo, fest. Denkt man an Maier, Duda, Eggestein oder Hofmann scheint sich das zu bestätigen. Damit diese Entwicklungen von schon vorhandenen Spielern aber sichtbar werden, braucht es ein einigermaßen stabiles Konstrukt in den Vereinen und das ist momentan tatsächlich gegeben. Denn mit Kontinuität im Kader und auf der Trainerbank und punktuellen Ergänzungen ist der Sportclub diese Saison kein Einzelfall. Es gab nur drei Trainerwechsel im Sommer. Dabei konnten sich Kovac und Favre schon länger auf ihre neue Aufgabe vorbereiten. Allein der Wechsel zu Hütter bei Eintracht Frankfurt, wurde größtenteils von äußeren Umständen verursacht.
(Einschub: Eintracht Frankfurt fällt insgesamt aus dieser Tendenz der Bundesliga klar heraus. Hier gab es einen großen Umbruch und dazu kommt noch die ungewohnte Doppelbelastung. Das macht ihren Saisonstart umso bemerkenswerter.)
Ganz ähnlich sieht es bei den Abgängen aus. Die größten halbwegs unfreiwilligen Umbrüche hatte Schalke mit Goretzka und Mayer, Mainz mit Diallo, Muto und Serdar und eben Frankfurt mit Boateng, Wolf, Mascarell, Hradetcky und Meier. Bei den meisten anderen wechselten größtenteils nur ein oder zwei Stammspieler zu anderen Vereinen.

In der letzten Saison ging es in der Bundesliga größtenteils darum, ein sehr stabiles System auf den Platz zu bringen und Rückstände zu vermeiden. Nun, da Teams und Trainer etwas länger zusammen arbeiten konnten, entwickelt sich (endlich) auch die spielerische Komponente. Auch Mittelfeldmannschaften wie Bremen, Berlin, Gladbach, Augsburg, Wolfsburg und selbstverständlich Hoffenheim entwickeln Ideen, wie man aus eigener Kraft und mit einem eigenen Plan vor das gegnerische Tor kommt. Die Mannschaften, die diesen Schritt nicht mitmachen konnten, bekommen momentan größere Probleme, wie man (noch) an Schalke, Stuttgart und Hannover sehen kann.
Besonders ungünstig ist diese Entwicklung für die beiden Aufsteiger, die tabellarisch zwar nicht ganz so schlecht dastehen, aber in einigen Spielen schon deutlich unterlegen waren. Für den neutralen Bundesligafan sieht es diese Saison aber deutlich besser aus.

Fazit: Der SC Freiburg hat sich spielerisch im Vergleich zur letzten Saison eindeutig weiterentwickelt, doch aufgrund der Weiterentwicklung fast der gesamten Bundesliga kann man den Abstand zu anderen Mannschaften zunächst nicht verkürzen, sondern nur Schritt halten.

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