Holstein Kiel - SC Freiburg 2 : 1 (kurz)

1. Halbzeit

Streich wechselte nur auf zwei Positionen und zeigte damit, wie ernst er die Kieler als Gegner nahm. Lienhart kam für Gulde und Stenzel ging für Kübler auf die Rechtsverteidigerposition im Freiburger 4-4-2. Es war insgesamt ein sehr ansehnliches Spiel, da insbesondere die Kieler eine sehr mutige Spielweise umsetzten. Gegen den Ball standen sie häufig mit fünf bis sechs Spielern in der Freiburger Hälfte. Die Außenverteidiger und die Sechser wurden mannorientiert verfolgt und beide Innenverteidiger angelaufen. In Ballbesitz positionierten sie ebenfalls genug Leute vor dem Ball, um genug Anspielstationen zu haben. Was das Kieler Spiel in der Umsetzung so besonders machte, war der sehr selbstbewusste Umgang mit 1-gegen-1-Duellen im Spielaufbau. Wenn Petersen etwas zu offensichtlich auf den Rückpass zum Torwart spekulierte, lief der Innenverteidiger an ihm vorbei, die Außen (gerade Okugawa) gingen häufig ins Dribbling und die Mittelfeldspieler wurde auch dann angespielt, wenn Höfler oder Koch in der Nähe waren. Das funktionierte gerade in der ersten Halbzeit sehr gut. Der Zweitligist dominierte phasenweise den Ballbesitz (1. HZ 55%) und kam zu eigenen herausgespielten Chancen. Der Sportclub, der nach weniger als einer Minute schon in Führung gegangen war, versuchte die Kieler Herangehensweise klug auszunutzen. Die Flügel Frantz und Haberer rückten im Pressing ebenfalls weit mit zu Petersen und Waldschmidt auf, um frühe Ballverluste im Aufbauspiel zu provozieren. Im eigenen Ballbesitz setzte man zunächst größtenteils auf Schnellangriffe gegen den hoch stehenden Gegner. Leider mangelte es lange Zeit an der Umsetzung des eigentlich nachvollziehbaren Plans. Wie sooft ist es schwer zu sagen, ob das nun an der eigenen Ungenauigkeit im Passspiel lag oder am aufmerksamen Stellungsspiel der Heimmannschaft.

2. Halbzeit

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel noch attraktiver, da nun auch der SC Freiburg etwas bedachter mit dem Ball umging und die Spieler sich besser anboten. Gleichzeitig blieb auch Kiel aktiv, stand aber phasenweise etwas tiefer. Es kam zu Chancen auf beiden Seiten. Freiburg hatte ein wenig mehr davon, doch Kiel zeigte sich effektiver und ging in Führung. Dass der Sportclub nicht mehr zum Ausgleich kam, kann man am ehesten an der mangelnden Chancenverwertung aller Offensivspieler festmachen. Petersen, Höler, Ravet, Kleindienst, Frantz und Waldschmidt kamen im Laufe der zweiten Halbzeit alle in recht gute Abschlusspositionen, brachten den Ball aber nicht über die Linie oder zum frei stehenden Mitspieler. Leider wird bei Pokalspielen keine expected Goal Statistik erhoben, die das wahrscheinlich belegen würde.

Fazit

Aus Freiburger Perspektive kann man das Ausscheiden an recht einfachen Dingen festmachen. In der ersten Halbzeit bekam man durch verlorene Duelle und einem ungenauen Passspiel sein Umschaltspiel – die Partie gegen Wolfsburg kann man als positive Vorlage nehmen – nicht gut genug umgesetzt. In der zweiten Halbzeit nutzte man seine relativ klaren Chancen nicht. Eine Qualität, die letzte Rückrunde noch den Klassenerhalt gesichert hatte.

Trotzdem war der Sieg aus Kieler Sicht nicht unverdient. In der zweiten Liga konnten sie schon häufiger unter Beweis stellen, dass sie trotz prominenter Abgänge von Trainer und Spieler weiter eine sehr mutige und aktive Herangehensweise umsetzen. Vier Punkte und 4:1 Tore aus den beiden Spielen gegen Hamburg und Köln sind ein guter Beleg dafür. Diese Spielanlage auch gegen einen mittelklassigen Erstligisten beizubehalten, ist nicht ohne Risiko, funktionierte am Mittwochabend aber einwandfrei.

Die Niederlage gegen einen Zweitligisten sollte man also nicht überbewerten, da sie weder auf grobe taktische Mängel, noch auf auffallend schlechte Einzelleistungen zurückzuführen ist. Gerade der spielerische Aufschwung nach der Pause, der langsam zu einem wesentlichen Merkmal der Saison wird, lässt positiv auf die nächsten Spiele blicken, klammert man die Partie am Samstag gegen Bayern München vorerst aus.
Ein bisschen erinnerte das Spiel auch an die letzte zweite Pokalrunde gegen Dynamo Dresden unter Neuhaus. Ebenfalls eine Mannschaft, die gut im Spielaufbau war, mutig anlief und einen offensiven Plan hatte, der nicht nur aus dem Umschaltmoment bestand. Im Spiel, konnte Dresden das Niveau aber nicht konstant durchhalten, machte kleine Fehler, die dann vom Erstligisten bestraft wurden. Das ist Kiel nicht passiert.

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